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Das Wichtigste in Kürze

Die berufliche Aus- und Weiterbildung nimmt traditionell in Deutschland einen hohen Stellenwert ein. Durch die Kombination von Arbeit und Lernen ermöglicht sie bedarfsgerechte und hochwertige Qualifikationen und ist so ein wesentlicher Garant für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Zugleich eröffnet sie individuelle Karriere- und Lebensperspektiven und legt somit auch die Basis für gesellschaftliche Teilhabe. Mehr als die Hälfte eines Altersjahrgangs (2015: 52,4 %) beginnt eine Ausbildung in einem der rd. 330 nach BBiG/HwO anerkannten Ausbildungsberufe. Bundesweit gab es Ende 2015 rd. 1,34  Mio. Auszubildende (2014: 1,36 Mio.).

In den letzten Jahren ist die Zahl der Auszubildenden spürbar gesunken. Diese Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund demografiebedingt sinkender Schulabgängerzahlen, einem Trend zu höheren Schulabschlüssen und einer gestiegenen Studierneigung zu sehen. Es gibt nicht nur insgesamt weniger junge Menschen in Deutschland, sondern auch weniger junge Menschen entscheiden sich für eine duale Berufsausbildung. Dies stellt die Betriebe bei der Sicherung ihres Fachkräftenachwuchses vor große Herausforderungen. Bereits seit einigen Jahren ist hier eine scheinbar widersprüchliche Entwicklung zu verzeichnen. Auf der einen Seite haben viele Betriebe Schwierigkeiten, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Auf der anderen Seite gibt es aber immer noch viele Jugendliche, denen der Einstieg in Ausbildung nicht unmittelbar gelingt. Das Angebot der Betriebe und die Nachfrage der jungen Menschen passen offenbar immer schlechter zusammen. Dabei gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen Berufen und Regionen. Diese Entwicklung hat sich auch 2016 fortgesetzt.

Aktuelle Entwicklungen am Ausbildungsmarkt 2016

 

  • Stabiles Ausbildungsangebot, mehr unbesetzte Ausbildungsstellen

 

Nach den Daten der BIBB-Erhebung über die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) blieb das Ausbildungsangebot (neu abgeschlossene Ausbildungsverträge plus unbesetzte Berufsausbildungsstellen) 2016 mit 563.800 Angeboten im Vergleich zum Vorjahr stabil (+0,0 %). Das betriebliche Ausbildungsangebot (ohne überwiegend öffentlich finanzierte Ausbildungsstellen) lag bei 546.300. Demnach haben die Betriebe und Unternehmen in Deutschland 1.400 (+0,3 %) mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt als im Vorjahr. Allerdings hat auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen weiter zugenommen (+1.900 bzw. +4,5 % auf 43.500). Der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen am betrieblichen Gesamtangebot lag mit 8,0 % erneut über dem Vorjahresniveau (2015: 7,6 %).

 

  • Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungs­verträge leicht gesunken

 

Trotz des leicht höheren betrieblichen Ausbildungsangebots gelang es nicht, mehr Ausbildungsverträge abzuschließen. Ihre Zahl ist nach den Ergebnissen der BIBB-Erhebung zum 30. September 2016 erneut leicht auf 520.300 gesunken (-1.800 bzw. -0,4 %). Dabei blieb die Zahl der betrieblichen Verträge mit 502.800 nahezu konstant (-500 bzw. -0,1 %). Die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge sank dagegen auf 17.600 (-1.300 bzw. -7,0 %).

 

  • Rückgang der Nachfrage nach Ausbildungsstellen

 

Erneut lag die Zahl der eine Ausbildung nachfragenden jungen Menschen 2016 unter dem Vorjahresniveau. Die Nachfrage (hier: erweiterte Definition = neu abgeschlos­sene Ausbildungsverträge plus alle zum Stichtag 30.  September noch eine Ausbildungsstelle suchenden Personen) betrug 600.900, das sind 2.300 (-0,4 %) weniger als 2015. Da die Nachfrage stärker gesunken ist als das Angebot, hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage weiter zugunsten der Nachfragenden entwickelt (erweiterte ANR 2015: 93,5, 2016: 93,8). Dies gilt auch für die erweiterte ANR bezogen auf das betriebliche Angebot (2015: 90,3, 2016: 90,9). Die Einmündungsquote aus­bildungsinteressierter Jugendlicher (EQI) fiel geringfügig niedriger aus (2015: 64,8, 2016: 64,7).

 

  • Hohe Zahl an Bewerberinnen und Bewerbern weiterhin auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle

 

Neben den 20.600 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern waren zum Stichtag 30. September 2016 weitere 60.100 Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Sie waren zwar in einer Alternative zu einer Ausbildung eingemündet, haben ihren Wunsch nach einer Ausbildung aber aufrechterhalten und wünschten eine entsprechende Vermittlung durch die BA. Somit waren zum Stichtag 30. September insgesamt noch 80.600 Bewerberinnen und Bewerber auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Verglichen mit dem Vorjahr (2015: 81.000) ist ihre Zahl leicht gesunken (-400 bzw. -0,5 %). Der Anteil der noch suchenden Bewerberinnen und Bewerber an der Gesamtnachfrage lag bei 13,4 % und somit auf Vorjahresniveau (2015: 13,4 %).

 

  • Passungsprobleme bleiben zentrale Herausforderung

 

Weiterhin stellen Passungsprobleme eine zentrale Herausforderung am Ausbildungsstellenmarkt dar. Wie schon im Vorjahr haben insbesondere die Besetzungsprobleme der Betriebe zugenommen. Aber auch die Versorgungsprobleme für Jugendliche haben weiter Bestand.

 

  • Anstieg im Übergangsbereich

 

Nachdem die Anfängerzahlen im Übergangsbereich zwischen 2005 und 2014 deutlich gesunken waren (-165.000 bzw. -39,5 %), ist zuletzt wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Nach den Ergebnissen der Schnellmeldung der integrierten Ausbildungsberichterstattung 2016 lag die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich 2016 mit 298.800 deutlich (+32.600 bzw. +12,2 %) über dem Vorjahreswert von 266.200. Der Anstieg ist wie bereits im Vorjahr im Wesentlichen auf Programme zum Erlernen der deutschen Sprache für jugendliche Geflüchtete und Zugewanderte zurückzuführen. Insbesondere das Berufsvorbereitungsjahr (+45,4 %) hat an Bedeutung gewonnen.

Weitere zentrale Herausforderungen und Entwicklungen

  • Rückgang der betrieblichen Ausbildungs­beteiligung

Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) anhand der Beschäftigungsstatistik der BA zeigen, dass die betriebliche Ausbildungsbeteiligung in den letzten Jahren rückläufig war. Lag die Ausbildungsbetriebsquote lange Zeit bei rd. 24 %, ist sie 2015 auf 20,0 % gesunken (2014: 20,3 %). Zu beachten sind die erheblichen Unterschiede nach Wirtschaftszweigen und Betriebsgrößen. Wie schon im Vorjahr ist der Rückgang bei den Ausbildungsbetrieben auf Verluste im kleinstbetrieblichen Bereich (1–9 Beschäftigte) zurückzuführen, die allerdings die breite Masse der Betriebe in Deutschland ausmachen.

 

  • Sicherung der zukünftigen Fachkräftebasis

 

Angesichts der beschriebenen Entwicklungen stellt die Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland eine zentrale Herausforderung dar. Für 2017 geht die Prognose zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage von einem geringfügigen Rückgang des Ausbildungsangebots bei einem gleichzeitigen Anstieg des Nachfragepotenzials aus. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge könnte leicht steigen. Es besteht zudem eine gute Chance, dass die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen erstmals seit Jahren nicht weiter steigt. Ob dieses Szenario realisierbar ist, hängt in erster Linie davon ab, in welchem Umfang es gelingt, junge Geflüchtete für die Aufnahme einer Berufsausbildung zu befähigen. Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung zeigen Projek­tionen von BIBB und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass es gerade auf der mittleren Qualifikations­ebene zu Fachkräfteengpässen kommen wird. Zwar geht der Bedarf an Beschäftigten hier leicht zurück, es scheiden aber auch besonders viele Fachkräfte mit mittlerem Qualifikationsniveau aus dem Erwerbs­leben aus.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, alle Potenziale für die duale Berufsausbildung zu erschließen. Mögliche Ansatzpunkte bestehen z. B. darin, das Interesse von Studienberechtigten an einer dualen Berufsausbildung weiter zu steigern. Aktuell liegt der Anteil der Ausbildungsanfängerinnen und Ausbildungsanfänger mit Stu­dienberechtigung bei 27,7 %. Gleiches gilt für das Interesse von jungen Frauen: Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der Ausbildungsverträge, die mit jungen Frauen abgeschlossen wurden, um 3.500 (-1,7 %) auf 204.100 gesunken. Die Zahl der Ausbildungsverträge mit jungen Männern stieg um 1.700 (+0,5 %) auf 316.200. Überdurchschnittlich häufig bleiben Personen mit Migrationshintergrund ohne Berufsabschluss. Nach BIBB-Berechnungen auf Basis des Mikrozensus betrug die Quote der nicht formal Qualifizierten bei 20- bis 34-jährigen Migrantinnen und Migranten mit eigener Migrationserfahrung 29,8 % (zum Vergleich: Deutsche ohne Migrationshintergrund: 8,8 %). Eine erhebliche Herausforderung besteht auch in der Integration in Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten.

 

  • Modernisierung der beruflichen Bildung

 

Ein modernes und leistungsfähiges Ausbildungssystem lebt insbesondere von der Qualität seiner Ausbildungsordnungen. Sie bilden die Grundlage für eine zukunftsfeste Berufsausbildung als Voraussetzung für lebenslanges Lernen. Seit 2007 wurden insgesamt 137  Ausbildungsberufe neu geordnet. 2016 wurden 9  modernisierte Ausbildungsberufe in Kraft gesetzt. Neue Anforderungen an Qualifikationen ergeben sich auch durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt.

Neuer Aufbau von Kapitel A

Mit dem vorliegenden Datenreport wurde die Struktur von Kapitel A überarbeitet. Tabelle A-1 informiert über die neue Gliederung und wesentliche Inhalte der jeweiligen Kapitel. Tabelle A-2 gibt einen Überblick über die wichtigsten zugrunde liegenden Statistiken und Erhebungen.

(Bettina Milde)

Tabelle A-1: Aufbau von Kapitel A

Tabelle A-2: Überblick der wichtigen Statistiken (Teil 1)

Tabelle A-2: Überblick der wichtigen Statistiken (Teil 2)