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Die betriebliche Ausbildung in Deutschland ist ein wichtiger Rekrutierungsmechanismus, um selbst ausgebildete Fachkräfte langfristig für den eigenen Betrieb zu gewinnen. Für Betriebe und Unternehmen wird es aber seit Jahren immer schwieriger, sich an der Ausbildung Jugendlicher zu beteiligen und ihre Ausbildungsstellenangebote vollständig zu besetzen. So waren im Jahr 2015 unter den insgesamt 2,1 Mio. Betrieben mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur noch 430.000  Betriebe als Ausbildungsbetriebe registriert (vgl. Kapitel A7.1). Damit sank der Anteil an Ausbildungsbetrieben in der Grundgesamtheit auf 20 %. Dafür sind sehr unterschiedliche Faktoren ausschlaggebend.

Die in der Erhebungswelle 2014 des BIBB-Qualifizierungspanels von den Betrieben genannten Gründe für den Zeitraum zwischen 2012 und 2014 reichen (1) von fehlenden Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerbern, deren mangelnden schulischen Qualifikationen und deren Desinteresse an bestimmten Ausbildungsberufen über (2) gestiegene Betriebs- und Ausbildungskosten bis hin (3) zu einem fehlenden Bedarf an selbst ausgebildeten Nachwuchskräften und der aufgrund der Geschäftsentwicklung kurzfristig erforderlichen Einstellung fertig ausgebildeter Fachkräfte (vgl. Mohr/Troltsch/Gerhards 2015, 2016; Troltsch 2015).

Im folgenden Beitrag wird auf Grundlage des BIBB-Qualifizierungspanels und anhand einer Reihe ausgewählter Indikatoren untersucht, wie sich die Beteiligung von Betrieben an der Ausbildung von Jugendlichen in den Ausbildungsjahren 2013/2014 bis 2015/2016 entwickelt hat und welche Probleme die Betriebe bei der Deckung ihres Bedarfs an Nachwuchskräften hatten. Ausgewählt wurden diese Indikatoren, um den Prozess der betrieblichen Ausbildung von der ersten Schwelle beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung bis hin zur zweiten Schwelle bei der Übernahme der selbst ausgebildeten Nachwuchskräfte abzubilden.

Im Einzelnen handelt es sich um 4 Gruppen von Indika­toren, die

  • den Gesamtbedarf an Nachwuchskräften der Wirtschaft sowie das Einstellungsverhalten der Betriebe und Unternehmen messen,
  • den Qualifikationsbedarf der Betriebe bei der Auswahl von Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerbern indizieren,
  • Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsange­boten für bestimmte Betriebsgruppen aufzeigen,
  • das betriebliche Übernahmeverhalten von Absolventen, die erfolgreich ihre Abschlussprüfung bestanden haben, beschreiben und
  • zur Messung der realisierten und der potenziellen Ausbildungsbeteiligung beitragen. 

BIBB-Qualifizierungspanel

Das BIBB-Betriebspanel zur Qualifizierung und Kompetenzentwicklung (BIBB-Qualifizierungspanel) ist eine jährliche Wiederholungsbefragung, mit der repräsentative Längsschnittdaten zum betrieblichen Qualifizierungsgeschehen in Deutschland erhoben werden. Die Auswahl der Betriebe erfolgt über eine disproportional geschichtete Zufallsstichprobe aus der Grundgesamtheit aller Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die erforderlichen Betriebsadressen wurden von der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Rahmen des SGB X § 75 zur Verfügung gestellt. Die Daten werden über computergestützte persönlich-mündliche Interviews (CAPI) und optional über internet-gestützte Interviews (CAWI) seit der fünften Erhebungswelle von infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Bonn) erhoben. Weiterführende Informationen zur Konzeption des BIBB-Qualifizierungspanels vgl. Gerhards/Mohr/Troltsch 2013; Troltsch/Mohr 2017; Troltsch/Gerhards 2017. Aktuelle Informationen zum BIBB-Qualifizierungspanel und zum aktuellen Betriebsbericht (vgl. Troltsch/Lukowski 2017) sind unter www.qualifizierungspanel.de abrufbar.

An der 4., 5. und 6. Erhebungswelle (2014 bis 2016) nahmen jeweils 3.500 Betriebe im Rahmen der CAPI-CAWI-Befragungen teil. Für die Hochrechnung im Quer- und Längsschnitt wurden betriebsproportionale Gewichtungsfaktoren verwendet. Die Panelquote lag in diesen Erhebungswellen bei durchschnittlich etwa 75 %. Die Befragungsdaten der 1. bis 4. Erhebungswelle können Externe über das Forschungsdatenzentrum des BIBB unter https://www.bibb.de/de/1372.php für eigene Auswertungen nutzen. Weiterführende Informationen vgl. Gerhards/Friedrich 2016.

Insgesamt sollen mit dieser Indikatorik die Möglichkeiten und Einschränkungen in der Ausbildungsbeteiligung für Betriebe und Unternehmen im Zeitverlauf und nach betrieblichen Strukturmerkmalen159  beschrieben werden. Ausgewiesen werden zudem die jeweiligen Zeitreihenmittelwerte für den Untersuchungszeitraum zwischen 2014 und 2016, um die üblichen jährlichen Schwankungen auszugleichen und um neben Prozessaspekten die strukturelle Verfasstheit der Angebotsseite des Ausbildungsstellenmarktes abzubilden.160 

Klassifikation der Wirtschaftssektoren im BIBB-Qualifizierungspanel

  • Primärsektor (Land-, Forstwirtschaft, Bergbau, Energie-, Wasserversorgung, Abfallwirtschaft)
  • Verarbeitendes Gewerbe (Herstellung von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen, Elektro-, Metallgewerbe, Maschinen-, Fahrzeugbau, Herstellung sonstiger Güter wie Holz, Papier, Nahrungsmittel, Textilien)
  • Bauwirtschaft (Hoch- und Tiefbau, vorbereitende Baustellenarbeiten, -installation)
  • Handel und Reparatur (Kfz-Handel, Groß- und Einzelhandel, Reparaturgewerbe)
  • Primär unternehmensnahe Dienstleistungen (finanz-, rechts- und wohnungswirtschaftliche Dienstleistungen, Forschung/Entwicklung, Architektur-, Ingenieurbüros, Werbung/Marktforschung, Leiharbeit, Reise-, Sicherheitsgewerbe)
  • Primär personenbezogene Dienstleistungen (Beherbergungs-, Gastronomiegewerbe, Informations-, Kommunikationsgewerbe, Verkehrs-, Lagergewerbe, Friseurgewerbe, sonstige personenbezogene Dienstleistungen)
  • Medizinische und pflegerische Dienstleistungen (Gesundheits-, Sozialwesen, Arztpraxen, Kliniken, Heime)
  • Öffentliche Dienstleistungen (öffentliche Verwaltung, Erziehung, Unterricht, Verbände, Interessenvertretungen, Organisationen ohne Erwerbscharakter) 

Bedarf der Wirtschaft an selbst ausgebildeten Fachkräften und Angebote an Ausbildungsstellen

Im Ergebnis bestand im Untersuchungszeitraum zwischen 2014 und 2016 ein hoher und weiter steigender Bedarf an Nachwuchskräften, der aber von den Betrieben und Unternehmen nur teilweise gedeckt werden konnte. Der Anteil an Betrieben mit Neuangeboten an Ausbildungsstellen ist von 16,6  % auf 20,2 % gestiegen Tabelle A7.3-1. Für das Ausbildungsjahr 2015/2016 bot damit jeder fünfte der insgesamt 2,1 Mio. Betriebe mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausbildungsstellen für Jugendliche an. Entgegen diesem allgemeinen Trend zeigt sich nur bei den größeren mittelständischen Betrieben und bei Betrieben aus dem Bereich Land- und Forstwirtschaft ein durchschnittlich nachlassendes Angebot an neuen Ausbildungsstellen.

Dass sich trotz dieser hohen Bereitschaft zur Ausbildung und den Erfordernissen einer adäquaten Nachwuchs­sicherung die Verhältnisse auf dem Ausbildungsstellenmarkt grundlegend geändert haben, lässt sich am Anteil der Betriebe mit abgeschlossenen Ausbildungsverträgen an allen Betrieben ablesen. Hier ist die generelle Tendenz negativ: Konnten für das Ausbildungsjahr 2013/2014 noch knapp 2 von 3 Betrieben (63 %) neue Ausbildungsverträge mit Jugendlichen abschließen, so hat sich dieser Prozentsatz für das Ausbildungsjahr 2015/2016 auf 52,6 % verringert. Bei dieser Entwicklung ist allerdings der enorme Zuwachs im Bestand an Betrieben zu beachten, der allein schon rechnerisch zum Rückgang der Neuabschlussquote beiträgt. Abgesehen von jährlichen Schwankungen zeigt sich nur bei den Großbetrieben ein konstant hoher Anteil in den Neuvertragszahlen. Steigende bzw. konstante Neuvertragszahlen weisen in der Branchenbetrachtung Betriebe aus der Land- und Forstwirtschaft, der Bauwirtschaft und Einrichtungen des öffentlichen Dienstes auf.

Indikatoren aus dem BIBB-Qualifizierungspanel

Indikatoren zum Gesamtbedarf an Nachwuchskräften

  • Anteil an Betrieben mit Ausbildungsstellenangeboten
  • Anteil an Betrieben mit neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen
  • Anteil neu abgeschlossener Ausbildungsverträge am Neuangebot
  • Anteil des Gesamtangebots an Ausbildungsstellen am Bestand qualifizierter Beschäftigter im mittleren Qualifikationssegment
  • Anteil neu abgeschlossener Ausbildungsverträge am Bestand qualifizierter Beschäftigter im mittleren Qualifikationssegment

Indikator zum Qualifikationsbedarf und zum betrieblichen Einstellungsverhalten

  • Anteil neu abgeschlossener Ausbildungsverträge nach Schulabschluss der Ausbildungsstellenbewerber und Ausbildungsstellenbewerberinnen

Indikatoren zu Rekrutierungsproblemen

  • Anteil an Betrieben mit unbesetzten Ausbildungsstellen
  • Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen am Gesamt­angebot
  • Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen, die durch vor­zeitige Vertragslösungen unbesetzt bleiben

Indikatoren zum Übernahmeverhalten

  • Anteil an unbefristet übernommenen Ausbildungs­absolventen
  • Anteil an befristet übernommenen Ausbildungsab­solventen
  • Anteil an Ausbildungsabsolventen, die nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung den Betrieb auf eigenen Wunsch verlassen
  • Anteil an Ausbildungsabsolventen, die betriebs- oder notenbedingt nicht übernommen werden konnten.

Indikatoren zur realisierten und potenziellen Ausbildungsbeteiligung der Wirtschaft

  • Anteil ausbildender Betriebe an allen Betrieben mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Stichtag 31. Dezember (Ausbildungsbetriebsquote)
  • Anteil an Auszubildenden an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Stichtag 31.Dezember (Ausbildungsquote)
  • Anteil ausbildender Betriebe an allen ausbildungs­berechtigten Betrieben

Tabelle A7.3-1: Indikatoren zum Gesamtbedarf an Nachwuchskräften zwischen 2014 und 2016 nach Strukturmerkmalen (in %)

Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge am gesamten Neuangebot der Betriebe ist im Untersuchungszeitraum von 68,7 % (2014) auf 63,9 % (2016) gesunken. Besonders auffällig ist der konstant hohe Neuvertragsanteil bei den größeren mittelständischen Betrieben und den Großbetrieben. Auch in der Betrachtung nach Branchen ergeben sich entgegen dem allgemeinen Trend steigende Neuvertragsanteile in der Bauwirtschaft, im öffentlichen Dienst sowie bei den medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen.

Der Zuwachs an Beschäftigten insgesamt allein ist prinzipiell kein ausreichender Gradmesser für den Fachkräftebedarf der Wirtschaft. Ausschlaggebend für Betriebe, sich an der Ausbildung Jugendlicher zu beteiligen, ist vor allem der Zusatz- und Ersatzbedarf an Beschäftigten im mittleren Qualifikationssegment und hier insbesondere bei den Beschäftigten mit einer betrieblichen Berufsausbildung. Insofern ist der Anteil der neu eingestellten Auszubildenden am Bestand qualifizierter Fachkräfte ein weiterer Indikator zur adäquaten Messung der Ausbildungsbereitschaft und -leistung. Hier zeigt sich, dass mit steigender Betriebsgröße die erfolgreiche Besetzung von Ausbildungsstellen deutlich zunimmt. In der Branchenbetrachtung ist der Trend nur bei den unternehmensnahen und personenbezogenen Dienstleistungen rückläufig.

Betrieblicher Qualifikationsbedarf und Auswahl von Ausbildungsstellenbewerbern und -bewerberinnen

Dass die Anforderungen der Betriebe an die Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerber gestiegen sind, lässt sich an den Anteilen an neu eingestellten Auszubildenden nach schulischer Vorbildung ablesen. Wird zudem nach Strukturmerkmalen unterschieden, zeigen sich darüber hinaus Segmentationseffekte im Auswahlverhalten der Betriebe bei der Deckung ihres Qualifikations- und Nachwuchsbedarfs.

Im Untersuchungszeitraum gingen die Neuvertragszahlen bei Schulabsolventen und -absolventinnen, die über einen Hauptschulabschluss verfügen, deutlich zurück. Relativ konstante Anteile in den Neueinstellungen zeigen sich bei Realschulabsolventen und -absolventinnen. Eine deutliche Steigerung ist bei der Aufnahme von Schulabsolventen/-absolventinnen mit Fachhoch- oder Hochschulreife zu erkennen Tabelle A7.3-2. Im Ergebnis verfügt im zeitlichen Durchschnitt jeder/jede zweite Ausbildungsanfänger/-in über einen Realschulabschluss, jede/-r vierte über die Hochschulreife und knapp jede/-r fünfte über einen Hauptschulabschluss. Letzteres ist auch ein Ergebnis rückläufiger Anteile von Hauptschulabsolventen und -absolventinnen (vgl. Troltsch/Walden 2012; Gerhards/Mohr/Troltsch 2013; Troltsch 2015a).

Besonderheiten gegenüber diesen durchschnittlichen Trends und Strukturverhältnissen zeigen sich nur im ver­arbeiten den Gewerbe, das seinen Anteil an Hauptschul­ab­solventen/-absolventinnen relativ konstant halten konnte, und steigenden Anteilen an Hauptschulabsolventen/-absol­ventinnen bei Großbetrieben, im Gesundheits-/Pflegebereich sowie im verarbeitenden Gewerbe. Besonders bemerkenswert ist – im Vergleich zum produzierenden Gewerbe – der sehr positive Trend bei Schulabsolventen und -absolventinnen mit Hochschulreife, im privaten Dienstleistungsgewerbe insgesamt und in den neuen Bundesländern einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb abzuschließen.

Tabelle A7.3-2: Indikatoren zum realisierten betrieblichen Qualifikationsbedarf bei Nachwuchskräften zwischen 2014 und 2016 nach Strukturmerkmalen (in %)

Tabelle A7.3-3: Indikatoren zu Problemen von Betrieben bei der Rekrutierung von Auszubildenden zwischen 2014 und 2016 nach Strukturmerkmalen (in %)

Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsstellen

Auch die Probleme der Betriebe und Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerbern haben sich im Untersuchungszeitraum nicht wesentlich verringert (vgl. BIBB-Datenreport 2012, Kap. A4.10.4), auch wenn den Ergebnissen zufolge sich die Problemsituation für bestimmte Betriebsgruppen verändert hat.

Zwischen 2014 und 2016 stieg der Anteil an Betrieben mit mindestens einer unbesetzten Ausbildungsstelle von 43,7 % auf 45,4 % Tabelle A7.3-3. Während im Jahr 2016 jeder zweite Kleinstbetrieb mit weniger als 20  Beschäftigten seine angebotenen Ausbildungsstellen nicht vollständig besetzen konnte und damit weiterhin große Probleme bei der Nachwuchssicherung hatte, scheinen diese Probleme auch unter den mittelständischen Betrieben zugenommen zu haben. Lediglich bei den Großbetrieben scheint sich die Lage im Untersuchungszeitraum zu entspannen. Dieser positive Trend dürfte auch für die Land- und Forstwirtschaft, die Bauwirtschaft und den öffentlichen Dienst zutreffen. Ungeachtet der zeitlichen Entwicklung gilt im gesamten Untersuchungszeitraum der generelle Zusammenhang, dass mit zunehmender Beschäftigtenzahl die Probleme bei der Stellenbesetzung deutlich abnehmen – möglicherweise aufgrund der Attraktivität der Stellenangebote in größeren Betrieben.

Spiegelbildlich verhält es sich allerdings beim Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen am Gesamtangebot. Hier stieg der durchschnittliche Anteil von 29,6 % auf 36,1 % an. Damit konnte nach Angaben der befragten Betriebe jede dritte angebotene Ausbildungsstelle nicht besetzt werden. Besonders ausgeprägt war diese Entwicklung bei den Kleinstbetrieben; sie zeigte sich allerdings auch bei den kleineren mittelständischen Betrieben. Lediglich größere mittelständische und auch Großbetriebe sind von diesem Trend nicht betroffen. In diesem Zusammenhang ist aufgrund der Betriebsangaben aus der Erhebungswelle 2014 darauf hinzuweisen, dass etwa jede dritte dieser unbesetzten Ausbildungsstellen von den Betrieben nicht bei den Arbeitsagenturen als unbesetzt gemeldet wurde.

Ein immer wieder berichtetes und zunehmendes Problem der Betriebe ist die vorzeitige Auflösung neu abgeschlossener Ausbildungsverträge vor Antritt der eigentlichen Ausbildung. Hier ist positiv zu vermerken – mit Ausnahme der größeren mittelständischen Betriebe sowie der Betriebe mit unternehmensnahen Dienstleistungen –, dass der Anteil an unbesetzten Ausbildungsstellen, der durch vorzeitige Auflösung des neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrags entstanden ist, zwischen 2014 und 2016 abgenommen hat. Nur noch jede achte Ausbildungsstelle blieb unbesetzt, weil sich Schulabsolventen und -absolventinnen trotz Vertragsabschluss anders entschieden haben. Zu vermuten ist, dass sich Betriebe in ihrem Rekrutierungsverhalten mehr auf die jugendlichen Stellenbewerber/ -innen eingestellt haben, die bei entspannten Ausbildungsmärkten bessere Chancen auf eine Ausbildung in ihrem Wunschberuf und -betrieb haben. Dies bedeutet aber keine Entspannung auf dem Ausbildungsstellenmarkt.

 

Tabelle A7.3-4: Indikatoren zur Art der Übernahme von Ausbildungsabsolventen zwischen 2014 und 2016 nach Strukturmerkmalen (in %)

Tabelle A7.3-5: Indikatoren zur betrieblichen Ausbildungsbeteiligung zwischen 2014 und 2016 nach Strukturmerkmalen (in %)

Art der Übernahme von Ausbildungs­absolventen und -absolventinnen

Angesichts der zunehmenden Probleme bei der Nachwuchssicherung der Betriebe gewinnen die Beschreibung und Untersuchung des betrieblichen Übernahmeverhaltens an Bedeutung (vgl. BIBB-Datenreport 2016, Kapitel A4.10.2; BIBB-Datenreport 2015, Kapitel C2.6; Mohr 2015; Bellmann/Dummert/Mohr 2016). Betriebe investieren im Abgleich mit der jeweils aktuellen ökonomischen Situation und ihren Zukunftserwartungen in eine eigene Ausbildung, um künftig über geeignete und betriebsspezifisch ausgebildete Fachkräfte für ihre Produktions- und Geschäftstätigkeiten zu verfügen.

Trotz leichter jährlicher Schwankungen veränderte sich das Übernahmeverhalten der Betriebe und Unternehmen im Durchschnitt nur geringfügig. Etwa 2 von 5 Ausbildungsabsolventen und -absolventinnen, die erfolgreich ihre Abschlussprüfung bestanden haben, wurden von den ausbildenden Betrieben unbefristet übernommen Tabelle A7.3-4. Jeder vierte erfolgreiche Ausbildungsabsolvent erhielt einen befristeten Arbeitsvertrag, jeder fünfte Auszubildende verließ seinen Ausbildungsbetrieb auf eigenen Wunsch, und etwa jede achte fertig ausgebildete Nachwuchskraft konnte aufgrund der Abschlussnoten oder aufgrund der veränderten betrieblichen Bedingungen vom Betrieb nicht übernommen werden.

Dabei ergeben sich nach betrieblichen Strukturmerkmalen erhebliche Unterschiede. Generell gilt: Je kleiner Betriebe sind, desto mehr werden unbefristete und desto weniger befristete Verträge mit den eigenen Auszubildenden abgeschlossen, desto höher sind aber auch die freiwilligen Abgänge der Ausbildungsabsolventen und -absolventinnen. Im Durchschnitt scheinen unbefristete und befristete Übernahmen von Ausbildungsabsolventen und -absolventinnen im verarbeitenden Gewerbe und in der Bauwirtschaft höher zu sein als im privaten Dienstleistungsgewerbe und insbesondere in der öffentlichen Verwaltung. Der freiwillige Abgang von Auszubildenden liegt beim privaten Dienstleistungsgewerbe überdurchschnittlich hoch.

Gegenläufige Entwicklungen ergaben sich in den alten und neuen Bundesländern. Während im Westen der Anteil unbefristet übernommener Ausbildungsabsolventen und -absolventinnen r¸ckläufig war, stieg dieser Anteil im Osten kontinuierlich an – mit rückläufigen Abschlüssen an befristeten Arbeitsverträgen.

Ausbildungsbeteiligung von Betrieben mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Jahren zwischen 2014 und 2016

Trotz unterschiedlicher Möglichkeiten und Erfahrungen bei der Suche nach Jugendlichen für die eigene Ausbildung, der Besetzung von Ausbildungsstellen sowie angesichts der Übernahmemöglichkeiten nach Ausbildungsabschluss ist die betriebliche Ausbildungsbeteiligung trotz leichter Rückgänge relativ stabil geblieben. Im Durchschnitt bildete im Untersuchungszeitraum etwa jeder fünfte Betrieb mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Jugendliche aus; unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten befand sich etwa jeder zwanzigste in Ausbildung Tabelle A7.3-5. Allerdings nutzten im Durchschnitt nur etwa 40 % der ausbildungsberechtigten Betriebe ihre Möglichkeit zur Nachwuchssicherung (vgl. Troltsch/Walden 2014).

Wie in der Grundgesamtheit (vgl. Kapitel A7.1) steigt die Ausbildungsbeteiligung mit zunehmender Betriebsgröße und liegt im verarbeitenden Gewerbe und in der Bauwirtschaft weiterhin durchschnittlich höher als im privaten und kollektiven Dienstleistungsgewerbe. Dieser Zusammenhang gilt auch in der Betrachtung der Anteile ausbildender Betriebe an allen ausbildungsberechtigten Betrieben.

(Klaus Troltsch)

  • 159

     Bei den Strukturmerkmalen handelt es sich um 4 Betriebsgrößenklassen, 8 Wirtschaftssektoren, die Unterscheidung nach West/Ost sowie die Kammerzugehörigkeit, die in den Tabellen nur nachrichtlich ausgewiesen wird.

  • 160

    Bei Messungen zur betrieblichen Ausbildungsbeteiligung auf Basis von Primärerhebungen bei Betrieben und Unternehmen sind ungeachtet des Stichproben- und Erhebungsdesigns Selektivitätseffekte in der Teilnahme niemals vollkommen auszuschließen und über Gewichtungs- und Hochrechnungsfaktoren auch nicht ausgleichbar. Der große Vorteil gegenüber der Nutzung von amtlichen Statistiken ist aber in der deutlich größeren Informationstiefe und -breite zu sehen, die zur Erklärung von Strukturen und Prozessen in der Grundgesamtheit herangezogen werden können (vgl. Krekel 2017; Lukowski 2017).