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Als Partner der dualen Berufsausbildung, aber auch der beruflichen Fort- und Weiterbildung, übernehmen überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) eine wichtige Rolle. Sie ergänzen die betriebliche Ausbildung durch die Vertiefung vor allem fachpraktischer Ausbildungsinhalte. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kann so ein unterstützendes Angebot zur Gewährleistung der Ausbildung unterbreitet werden. Immer wieder ergeben sich neue Anforderungen für die berufliche Aus- und Weiterbildung infolge technologischer Innovationen. ÜBS leisten hier in besonderer Weise ihren Beitrag zur Sicherung der Ausbildungsfähigkeit von KMU, da diese aufgrund zunehmender Spezialisierung oft nur schwer alle berufsbildrelevanten Kompetenzen vermitteln können (vgl. Köhlmann-Eckel 2015).

Zur Sicherung insbesondere der Ausbildungsfähigkeit von KMU unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die ÜBS seit den 1970er-Jahren mit entsprechender Förderung. Ziel ist es, die berufliche Bildung in ganz Deutschland auf gleich hohem Niveau und dem jeweilig neuesten Stand der Technik zu halten. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) fördert im Auftrag des BMBF investive Vorhaben, die im Bereich der beruflichen Erstausbildung angesiedelt sind Tabelle A9.5-1. Neben den durch das BIBB betreuten Vorhaben werden investive Vorhaben auch im Zusammenhang mit Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung, die ebenfalls ein wichtiges Aufgabenfeld der ÜBS darstellen, auf Basis einer gemeinsamen Richtlinie vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft gefördert Tabelle A9.5-2.

Tabelle A9.5-1: Verteilung der verausgabten Mittel im Rahmen der regulären ÜBS-Förderung – Bundesinstitut für Berufsbildung

Tabelle A9.5-2: Verteilung der verausgabten Mittel im Rahmen der ÜBS-Förderung – Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

Durch die Gestaltung der Bildungsangebote in den ÜBS wird sichergestellt, dass die ÜBS neben der Qualitätssicherung auch die wichtige Funktion als Wegbereiter und Vorreiter bei der Einführung neuer Lehr-/Lernkonzepte wahrnehmen können. Hierzu trägt u. a. die Tatsache bei, dass sie über Bildungspersonal verfügen, das entsprechend der Anforderung einer zeitgemäßen Ausbildung qualifiziert ist. So können ÜBS u. a. dem Anspruch gerecht werden, der sich aus neuen und/oder heterogenen Gruppen der Aus- und Weiterzubildenden ergibt.

Einen wichtigen Beitrag für die Etablierung innovativer Qualifizierungsangebote in der Aus- und Weiterbildung leisten insbesondere die ÜBS, die sich zu Kompetenzzentren weiterentwickeln. Seit Anfang der 2000er-Jahre fördert der Bund diese qualitative Weiterentwicklung ausgewählter ÜBS. Sie erarbeiten und erproben in einem durch sie gewählten fachlichen Schwerpunkt innovative berufspädagogische Konzepte. Diese resultieren vor allem aus den Erkenntnissen von Forschung und Entwicklung und werden von den Kompetenzzentren im Hinblick auf ihre Verwertung für KMU überprüft.

Auch im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeits- und Lernwelt übernehmen ÜBS eine wichtige Rolle. Hier können sie in besonderer Weise ihre Aufgabe als Lernort zur Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen, die im Zusammenhang mit technologischen Weiterentwicklungen erforderlich werden, wahrnehmen.

Die zunehmende Digitalisierung wird die künftige Lern- und Arbeitswelt sowie die Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigten nachhaltig verändern. Ihre Relevanz in Betrieben und in der Ausbildung nimmt immer weiter zu. Dies betrifft fast alle Berufsbilder, beispielsweise die

  • Bauberufe, denn die auf Baustellen tätigen Fachkräfte müssen mit den zunehmenden digitalisierten Bauwerksdaten, z. B. im Rahmen des Building Informa­tion Modeling (BIM), umgehen können;
  • Elektrotechnik und den Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, die sich immer mehr auf die Anforderungen von Smart-Home einstellen müssen;
  • Zahntechnik, bei der die Erstellung von Zahnersatz u. a. zum Teil durch 3D-Drucker erfolgt.

Das BMBF hat daher das BIBB, zusätzlich zur laufenden regulären Förderung der ÜBS, 2016 mit der Umsetzung und wissenschaftlichen Begleitung eines „Sonderprogrammes ÜBS-Digitalisierung“ beauftragt. Hierfür wurden für den Zeitraum 2016 bis 2019 zunächst insgesamt 74 Mio. € Fördermittel bereitgestellt. Nach einer Anhebung der Mittel stehen nunmehr 84 Mio. € zur Verfügung.

Das Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung ist in 2 Förderlinien unterteilt. Durch die Förderung von ausgewählter Ausstattung der ÜBS im Bereich der Digitalisierung soll mit der Förderlinie 1 zur Modernisierung der Ausbildung von Fachkräften – insbesondere in KMU  – beigetragen werden. Anträge können hier fortwährend beim BIBB bis September 2019 gestellt werden. 2016 gab es bereits 164 Anträge, von denen bis Jahresende 59 bewilligt werden konnten.

Besonders häufig beantragt wurden PCs, Notebooks, (Wand-)Monitore, Tablets, Server, interaktive Smart-/Whiteboards, Scanner, Dokumentenkameras und diverse Software, also überwiegend Gegenstände, die dazu geeignet sind, die Ausstattung der Theorieräume auf den aktuellen Stand zu bringen. Bei der Ausstattung für den Werkstattbereich dominieren CNC-Fräs-/Drehmaschinen für die verschiedenen Gewerke, Schweißgeräte mit digitaler Steuerelektronik, Entfernungsmessgeräte/Lasermessgeräte sowie Gegenstände des Kfz-Bereichs. Weiterhin wurden 3D-Drucker, Elektrofahrzeuge, Indus­trieroboter sowie Steuerungstechnik-Arbeitsplätze u. a. inkl. Kleinroboter beantragt.

Innerhalb der Förderlinie 2 befassen sich seit dem 1. Februar 2016 8 ausgewählte Pilotprojekte mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die duale Berufsausbildung. Zur Durchführung der Projekte wurden insgesamt rd. 5,5 Mio. € zur Verfügung gestellt. Hier können keine neuen Anträge mehr gestellt werden.

Die Pilotprojekte nehmen folgende Berufe und Berufsfelder in den Blick:

  • Metalltechnik, Elektrotechnik, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik,
  • Anlagenmechanik für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik,
  • Maler/-in und Lackierer/-in, Tischler/-in,
  • Zimmerer/-in,
  • Tiefbaufacharbeiter/-in, Hochbaufacharbeiter/-in, Ausbaufacharbeiter/-in,
  • Elektroniker/-in – Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik,
  • Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik, Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik,
  • Zahntechniker/-in.

In den von Kompetenzzentren durchgeführten Pilotprojekten werden über einen Zeitraum von 3 Jahren die Auswirkungen der Digitalisierung auf berufliche Tätigkeitsprofile untersucht. Es werden Anforderungen und Konsequenzen ermittelt, die sich daraus für die Qualifizierung der Fachkräfte und des Ausbildungspersonals ergeben. Dabei erfolgt zunächst eine Analyse von Arbeitsprozessen und -aufgaben in den Berufen sowie eine Analyse und ein Abgleich mit den aktuellen Curricula. Im Anschluss stehen eine Überarbeitung der Curricula und deren pilothafte Erprobung an. Sofern erforderlich wird eine Weiterentwicklung des Berufsbildes empfohlen.

Darüber hinaus sollen neue Möglichkeiten der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen unter Berücksichtigung der Entwicklung von Medienkompetenz der Lernenden und Ausbildenden entwickelt werden. Begleitend zielen die Projekte auf eine Verknüpfung aller 3 Lernorte ab – das heißt, dass auch ausbildende Betriebe und Berufsschulen in die Pilotprojekte eingebunden werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch, die Mitglieder der Prüfungsausschüsse in diesem Prozess mitzunehmen, damit die Prüfungsfragen im Hinblick auf die Digitalisierung aktualisiert werden können.

Um Synergieeffekte zu nutzen und die eigene Arbeit durch den Austausch zu befördern, arbeiten die 8 Pilotprojekte von Beginn an in einem Netzwerk eng zusammen. Das Netzwerk hatte am 20. Oktober 2016 sein erstes Treffen im BIBB.

Für die Modernisierung der Ausstattung u. a. im Bereich der Digitalisierung, für bauliche Maßnahmen und für die Weiterentwicklung zum Kompetenzzentrum wurden 2016 damit im Rahmen der regulären Förderung und des Sonderprogrammes insgesamt 56 Mio. € an die Träger der ÜBS ausgezahlt Tabelle A9.5-3.

Tabelle A9.5-3: Verteilung der verausgabten Mittel im Rahmen der regulären ÜBS-Förderung sowie des Sonderprogramms ÜBS-Digitalisierung (SOP) – Bundesinstitut für Berufsbildung

Die Elektromobilität ist ein weiteres relevantes Thema, welches zunehmend in den Bildungszentren umgesetzt werden muss. Elektrofahrzeuge sind derzeit nur in wenigen Betrieben Realität, insofern sind die ÜBS in diesem Kontext besonders gefordert. Dies gilt vor allem nach der Neuordnung der fahrzeugtechnischen Berufe und den im Nachgang dazu neu konzipierten ÜLU-Kursen (überbetriebliche Lehrlingsunterweisung) mit Bezug zur Elektromobilität.

Im Auftrag des BMBF koordiniert das BIBB in diesem Zusammenhang das Projekt Netzwerk Qualifizierung Elektromobilität (NQuE). Gemeinsam mit der RWTH Aachen und der TH Ingolstadt erhebt NQuE Qualifizierungsangebote in den Bereichen beruflicher und akademischer Bildung und identifiziert Best-Practice-Beispiele. Die Ergebnisse werden auf der Projekt-Website (www.nque.de) dokumentiert. So werden einerseits Standards für gute Bildungspraxis im Kontext der neuen Technologie beschrieben und andererseits die Vernetzung der relevanten Bildungsakteure unterstützt.

(Alexandra Kurz, Claudia Schreier, Christiane Köhlmann-Eckel)