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Die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, die seit 2013 nach Deutschland gekommen sind, steht am Anfang (Bundesagentur für Arbeit 2016): Rund 14% sind erwerbstätig, davon rd. ein Drittel als Arbeiter/-in (33%) oder Angestellte/-r (35%) bzw. in Aus- und Weiterbildung (30%). Von den Erwerbstätigen arbeitet rund ein Drittel in Vollzeit (32%), rd. ein Fünftel in Teilzeit (21%), und rd. jede/-r Vierte befindet sich in einem Praktikum/einer beruflichen Ausbildung (24%). Mit steigender Aufenthaltsdauer wächst die Erwerbsbeteiligung: Von den im Jahr 2015 und Anfang 2016 zugereisten Flüchtlingen waren Mitte 2016 rund 13% erwerbstätig, von den 2014 bzw. 2013 Zugezogenen 22% bzw. 31% (Vallizadeh u. a. 2016). Angesichts des kurzen Zeithorizonts liegen zur beruflichen Integration Geflüchteter, die in den vergangenen Jahren zugewandert sind, kaum differenzierte Ergebnisse vor (Vallizadeh u. a. 2016), auch zu ihrem Qualifikationserwerb in Deutschland gibt es kaum Angaben.
Um mehr über die Pfade und Zeiträume der Eingliederung in berufliche Bildung und in den Arbeitsmarkt zu erfahren, werden daher im Folgenden Studien des beruflichen Integrationsprozesses früherer Einwandererkohorten herangezogen . Sie geben erste Hinweise auf die in Deutschland erworbenen Qualifikationen und die langfristige Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen.

Geflüchtete früherer Kohorten: Arbeitsmarktintegration in Deutschland

  • Nach der IAB-SOEP-Migrationsstichprobe 2013 hat die große Mehrheit der Geflüchteten (bei Zuzug durchschnittlich 23 Jahre alt), die überwiegend vor dem Jahr 2000 nach Deutschland gekommen sind, Berufserfahrungen aus dem Herkunftsland bzw. dem Ausland (86%) – fast so oft wie andere Migrantengruppen (89%; bei Zuzug durchschnittlich 24 Jahre) (Liebau/Salikutluk 2016).
  • Die Beschäftigungsquote der zumeist zwischen 1990 bis 2009 zugezogenen Flüchtlinge313 lag im Zuzugsjahr bei durchschnittlich 10%, nach 6 Jahren bei rd. 50% und nach 10 Jahren bei rd. 60%. Nach 15 Jahren stieg sie auf rund 70% und damit auf die gleiche Beschäftigungsquote anderer Zuwanderer. Bis dahin lag sie zwischen 10 und 20 Prozentpunkte darunter (Brücker/Schewe/Sirries2016).
  • Die Integration in den Arbeitsmarkt verlief bei Vorliegen guter Deutschkenntnisse für alle in den 1990er-Jahren Eingewanderten günstiger. Das Bruttoeinkommen lag bei Geflüchteten mit guten Sprachkenntnissen um rd. 300 €, und die Erwerbsquote um 16 Prozentpunkte höher als bei denjenigen mit schlechten Sprachkenntnissen. Gute Sprachkenntnisse wirkten sich bei Geflüchteten förderlicher auf ihre Erwerbsbeteiligung aus als bei anderen Migrantengruppen (Fendel/Romiti 2016).
  • Von den Geflüchteten der IAB-SOEP-Migrationsstichprobe 2013 hatten beim Zuzug nach Deutschland 30% einen beruflichen Abschluss aus dem Ausland, entweder einen Hochschulabschluss (14%) oder einen betrieblichen bzw. berufsschulischen Abschluss (16%); das waren weniger als in anderen Migrantengruppen (43%). Über die Hälfte (55%) der Geflüchteten, die beim Zuzug nach Deutschland 24 Jahre und älter waren, hatten keinen beruflichen Abschluss aus dem Herkunftsland – signifikant häufiger als andere Migrantengruppen (41%) (Liebau/Salikutluk 2016). Von allen Geflüchteten dieser Stichprobe hatten 70% keinen Berufsabschluss (57% andere Migrantengruppen) (Brücker/Schewe/Sirries 2016; Fendel/Romiti 2016). Dazwischen haben die Geflüchteten ein breites Spektrum an beruflichen Vorerfahrungen und Kompetenzen sowie Qualifikationen aufzuweisen (Worbs/Bund 2016).

Qualifikationserwerb und Arbeitsmarkt­integration früherer Einwandererkohorten in Studien

Die IAB-SOEP-Migrationsstichprobe 2013/2014 befragte Zuwanderer, die überwiegend zwischen 1990 und 2010 nach Deutschland eingewandert sind. Rund 15 % der Befragten sind als Schutzsuchende nach Deutschland eingereist; (67 % vor 2000, 30 % 2000 bis 2009). Im Schnitt waren sie bei der Einwanderung 23 Jahre, zum Zeitpunkt der Befragung 43 Jahre alt (Eisnecker u. a. 2016). Sie leben durchschnittlich seit 18 Jahren in Deutschland (Liebau/Salikutluk 2016). Alle anderen Befragten mit Migra­tionshintergrund haben eine eigene Migrationserfahrung (u. a. Aussiedler/ -innen, Arbeitsmigranten und -migrantinnen, EU-Bürger/-innen sowie Familiennachzügler/-innen). Sie werden unter „andere Migrantengruppen“ zusammengefasst und waren bei der Einwanderung im Schnitt 24, zum Zeitpunkt der Befragung 42 Jahre alt (Eisnecker u. a. 2016).

Diese und andere Studien beziehen sich auf unterschied­liche Gruppen von Geflüchteten, die zu verschiedenen Zeitpunkten aus unterschiedlichen Ländern zugewandert sind und unter sehr unterschiedlichen rechtlichen Voraussetzungen in Deutschland leben. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht direkt miteinander vergleichen und sind nur bedingt auf die aktuelle Situation übertragbar.

Geflüchtete früherer Kohorten: Qualifikationserwerb in Deutschland

  • Die große Mehrheit der überwiegend vor dem Jahr 2000 eingereisten Geflüchteten (85 %) hat in Deutschland nicht an beruflicher Bildung teilgenommen, signifikant häufiger als andere Migrantengruppen (70 %). Etwas günstiger ist die berufliche Bildungsteilnahme wiederum bei Jüngeren bzw. bei denjenigen, die ihre Schulbildung in Deutschland erworben haben Tabelle C2.2-1.

Tabelle C2.2-1: Flüchtlinge und andere Migranten (Einreise überwiegend 1990 bis 2010) – Teilhabe an beruflicher Bildung in Deutschland (in %)

Tabelle C2.2-2: Flüchtlinge und andere Migranten (Einreise überwiegend 1990 bis 2010) – Höchster schulisch-beruflicher Bildungsabschluss 2013 (in %)

  • Von den Geflüchteten, die im Durchschnitt mit 23  Jahren nach Deutschland eingereist sind und zum Zeitpunkt der Befragung seit durchschnittlich 18 Jahren hier leben, hat jede/-r Zehnte einen beruflichen Abschluss in Deutschland erworben. Bei den anderen Migrantengruppen liegt der Anteil mit 23 % mehr als doppelt so hoch. Geflüchtete ohne Berufsabschluss aus dem Herkunftsland haben zu 11 % in Deutschland einen Berufsabschluss erworben, wiederum signifikant seltener als andere Migrantengruppen (29 %). Geflüchtete, die bei ihrem Zuzug nach Deutschland vor dem Jahr 2000 jünger als 24 Jahre waren bzw. die ihre Schulbildung in Deutschland durchlaufen haben, haben mit 15 % etwas häufiger bzw. mit 31 % deutlich häufiger einen Berufsabschluss in Deutschland erreicht, seltener jedoch als andere Migranten und Migrantinnen Tabelle C2.2-1.
  • Der Qualifikationszuwachs der Geflüchteten liegt nach über 15 Jahren Aufenthalt in Deutschland bei rd. 10  Prozentpunkten. Er hat weit überwiegend im mittleren Qualifika­tionsbereich – duale, berufsfachschulische Abschlüsse  – mit einem Zuwachs um 8  Prozentpunkte stattgefunden, hingegen kaum im hochschulischen Bereich mit einem Zuwachs um 1 Prozentpunkt an (Fach-)Hochschulabschlüssen (Fendel/Romiti 2016).
  • 2013 verfügen 58 % der vor dem Jahr 2000 nach Deutschland zugezogenen Geflüchteten nicht über einen beruflichen Abschluss – erheblich häufiger als andere Migranten/Migrantinnen (42 %). Jede/-r siebte Geflüchtete hat weder einen schulischen noch einen beruflichen Abschluss und jede/-r fünfte zwar einen Hauptschulabschluss, aber keine berufliche Ausbildung (andere Migrantengruppen 8 % bzw. 20 %) (Liebau/Salikutluk 2016). Jede/-r vierte Geflüchtete kombiniert einen Haupt- oder Realschulabschluss mit einer beruflichen Ausbildung, 16 % verfügen über einen (Fach-)Hochschulabschluss Tabelle C2.2-2. In diese Richtung weisen auch die Ergebnisse der BAMF-Studie 2014 von Asylberechtigten und anerkannten Flüchtlingen, die vor 2012 ihren Aufenthaltstitel erworben haben (Worbs/Bund 2016).314
  • 313

    Beschäftigungsquote gemessen an den 15- bis 64-jährigen Geflüchteten.

  • 314

    Demnach haben rund 13 % der Asylberechtigten und anerkannten Flüchtlinge, die vor 2012 ihren Aufenthaltstitel erworben haben, weder eine Schule besucht noch eine Ausbildung oder ein Studium absolviert, rund 10 % haben mindestens 12 Jahre eine Schule besucht und dabei (wahrscheinlich) einen Schulabschluss oder ein Studium abgeschlossen oder abgebrochen (Worbs/Bund 2016).