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Die Zahl der Asylanträge im Rahmen der Flüchtlingskrise ist vor allem im Jahr 2015 in Österreich, Deutschland und Schweden deutlich angestiegen. Tabelle D2.5-1 zeigt, dass Österreich im Vergleich zum Vorjahr mit 214% den höchsten Anstieg zu verzeichnen hatte. Anhand der Daten von Eurostat (2016a) wird deutlich, dass in allen 3 Ländern mehr als drei Viertel der Antragsteller/-innen im Jahr 2015 Personen unter 14 bis 34 Jahren waren Tabelle D2.5-1. Gerade diese Entwicklung zeigt, dass die Länder mehr denn je gefordert sind, für junge Personen Wege in Bildung, Ausbildung und Beschäftigung zu schaffen. In allen 3 Ländern kommen die größten Gruppen der Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan. In Deutschland stammen 20% der Antragsteller/-innen aus dem Kosovo und Albanien.

Im Folgenden werden einige Ergebnisse des Vergleichs der Länder dargestellt, die größtenteils auch auf die unterschiedliche Art und Weise zurückzuführen sind, wie in Schweden, Österreich und Deutschland der Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt strukturiert und organisiert ist.

Tabelle D2.5-1: Vergleich zentraler quantitativer Aspekte

Starke Sozialpartnerschaft in allen 3 Ländern

Insgesamt zeichnen sich alle 3 Länder in Fragen der Arbeitsmarktintegration und der Berufsbildung durch einen starken Einfluss der Sozialpartner aus (Eurofound 2016a, S. 13 f.). Diese setzen jedoch ihre Schwerpunkte unterschiedlich (Eurofound 2016a, S. 39). Während sich Österreich363 und besonders Schweden auf den schnellen Arbeitsmarktzugang bei Integrationsfragen festlegen, stehen in Deutschland die Aspekte Bildung und Ausbildung sowie Informationsbereitstellung bzw. Orientierung im Vordergrund.

Akteure in der Integration

In Österreich und Schweden kommt dem Arbeitsmarktservice eine besondere Rolle bei der Integration von Flüchtlingen in die berufliche Aus- und Weiterbildung und den Arbeitsmarkt zu. Ein zentraler Aspekt ist in beiden Ländern die Beratung sowie Vermittlung zwischen Teilnehmenden der Integrationsprojekte des Arbeitsmarktservice und Unternehmen bzw. Vertretern von Arbeitgeberseite. In Deutschland hingegen spielen neben der Agentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Eurofound 2016a, S. 31) die Akteure des Berufsbildungssystems eine erhebliche Rolle bei der Integration von Flüchtlingen.

Der AMS in Österreich ist neben Zugängen zum Arbeitsmarkt jedoch zusätzlich dafür verantwortlich, junge Flüchtlinge über Orientierungskurse, Beratung und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen zu fördern (Eurofound 2016a, S. 30). Zwar ist die Arbeitsagentur auch in Deutschland an Aktivitäten der Integration junger Flüchtlinge beteiligt (Wege in Ausbildung für Flüchtlinge, Kompetenzchecks, Einstiegsqualifizierung); allerdings arbeitet sie dabei meist mit weiteren (Berufs-)Bildungsakteuren wie den Kammern und dem Bildungsministerium mit dem Ziel der Orientierung und Vermittlung der teilnehmenden Personen in Ausbildungsverträge zusammen (Eurofound 2016a, S. 31).

Anreize für Betriebe

Schweden und Österreich364 setzen durch Steuernachlässe sowie durch Lohnzuschüsse an Arbeitgeber Anreize, Flüchtlinge einzustellen.

Besonders in Schweden können diese Anreize für Unternehmen bedeutend sein, da die direkte Arbeitsplatzvermittlung ein zentraler Aspekt der Integration von Flüchtlingen ist. Zudem haben Asylsuchende mit gültigem Ausweis einen direkten Zugang zum Arbeitsmarkt, wohingegen Asylsuchende in Deutschland und Österreich erst nach einer Wartezeit von 3 Monaten während des Asylverfahrens eine Arbeitsstelle annehmen können.

Kompetenzchecks in Österreich, Schweden und Deutschland

In allen 3 Ländern sind Kompetenzchecks ein wesentlicher Bestandteil bei der Erfassung von Qualifikationen und Vermittlung von Flüchtlingen in vorbereitende Integrations- sowie Arbeitsmarkt- und Berufsbildungskurse. Dies ist vor allem aufgrund der Heterogenität der Flüchtlinge hinsichtlich der Abschlüsse und beruflicher Qualifikationen bedeutend. Während in Deutschland die Identifizierung von vorhandenen Qualifikationen und Auswahl geeigneter Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der Berufsorientierung bzw. -beratung im Vordergrund steht (Eurofound 2016a, S. 31 f.), sind diese in Schweden eher direkt arbeitsplatzvermittelnd.

Unterschiede im thematischen Fokus der Programme

Im Falle Deutschlands liegen die Maßnahmen und Programme vor allem im Bereich berufsorientierender und -vorbereitender Programme. Der inhaltliche Schwerpunkt lässt sich daher besonders auf die Aspekte wie Bildung und Berufsausbildungsverhältnis sowie Beratung und Orientierung setzen. In Österreich und Schweden hingegen zeigt sich, dass die Verantwortung und Implementierung vorhandener Maßnahmen im Rahmen der Flüchtlingsintegration vor allem in der Verantwortung des AMS liegt. Im Fokus steht dabei besonders der schnelle Zugang bzw. Übergang in den Arbeitsmarkt durch arbeitsmarktintegrative sowie -vermittelnde Maßnahmen (Eurofound 2016a, S. 31).

(Viktor Ulbrich, Philipp Grollmann)

  • 363

    In Österreich ist anzumerken, dass neben dem Kriterium des schnellen Arbeitsmarktzugangs ähnlich wie in Deutschland Aspekte wie die Informationsbeschaffung und Beratung sowie Bildung und (duale) Ausbildung von Bedeutung sind.

  • 364

    In Österreich erhalten Arbeitgeber dabei nur Unterstützung durch Lohnzuschüsse.