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Die Bundesagentur für Arbeit (BA)313 verfasst jährlich eine Engpassanalyse, basierend auf den Zahlen der gemeldeten vakanten Arbeitsstellen. Hierbei wird die Vakanzzeit als Indikator für Arbeitskräfteengpässe gewählt. Sie gibt die Zeit zwischen gewünschtem Besetzungstermin einer Stelle und dem Abgang des Besetzungswunsches aus der Statistik der bei der BA gemeldeten Stellen an und indiziert die Zeitspanne, in der eine Beschäftigungsmöglichkeit nicht genutzt wird (Bundesagentur für Arbeit 2014, S. 1). Der Durchschnittswert über alle gemeldeten Vakanzzeiten in einem Jahr spiegelt in etwa die konjunkturelle Lage auf den Arbeitsmärkten wider. Nimmt dieser Durchschnittswert zu, weist dies auf zunehmende Besetzungsprobleme bei der Besetzung von Arbeitsstellen hin. In den letzten Jahren lag dieser Durchschnittswert bei ca. 80 Tagen (2014: 81 Tage; 2013: 82  Tage; 2012: 80 Tage), ist jedoch in den letzten 10 Jahren insgesamt deutlich angestiegen. 2004 betrug er durchschnittlich „nur“ 46 Tage.

Setzt man die Vakanzzeiten in einzelnen Berufen in Bezug zur durchschnittlichen Vakanzzeit im jeweiligen Jahr, so können Berufe mit relativ gesehen häufigeren Rekrutierungsschwierigkeiten bestimmt werden. Zu beachten ist allerdings, dass nur knapp die Hälfte aller Stellen bei der BA gemeldet werden.314 Im Jahresdurchschnitt 2014 lagen unter den Berufen im vorwiegend mittleren Qualifikationsbereich „Fertigungstechnische Berufe“ (durchschnittlich 95 Vakanztage), „Sicherheitsberufe“ (93 Vakanztage), „Medizinische und nicht medizinische Gesundheitsberufe“ (91 Vakanztage), „Bau- und Ausbauberufe“ (91 Vakkanztage) sowie „Fertigungsberufe“ (90  Vakkanztage ) über der durchschnittlichen Vakanzzeit von 81 Tagen. „Verkehrs- und Logistikberufe“ (73  Vakanztage) sowie „Reinigungsberufe“ (66 Vakanztage) hatten vergleichsweise geringe Vakanzzeiten (Bundesagentur für Arbeit 2014, S. 11).

Betrachtet man die durchschnittlichen Vakanzzeiten der letzten 3 Jahre auf der tiefer disaggregierten Ebene der Berufsgruppen, so wird deutlich, dass es vor allem Berufe mit pflegenden („Altenpflege“, „Gesundheits- und Krankenpfleger/ -in“) und technischen Tätigkeiten im Metall- und Elektrogewerbe sind („Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klimatechnik“, „Mechatronik und Automatisierungstechnik“, „Metallerzeugung“, Elektrotechnik“, „Metallbearbeitung“, „Metallbau und Schweißtechnik“), in denen Stellenbesetzungsverfahren länger gedauert haben als im Durchschnitt. Stellen mit einem stärkeren Fokus auf nicht pflegende Dienstleistungstätigkeiten sind hingegen entsprechend dem Durchschnitt bzw. schneller als im Durchschnitt besetzt worden (Bundesagentur für Arbeit 2012; Bundesagentur für Arbeit 2013; Bundesagentur für Arbeit 2014).

Ein Vergleich zwischen den Engpassanalysen der BA und den Auswertungen zu Passungsproblemen am Ausbildungsmarkt zeigt in beruflicher Hinsicht, dass der Mismatch im Ausbildungsbereich nicht immer deckungsgleich zu den Rekrutierungsproblemen am Arbeitsmarkt ausfällt. Ein einheitliches Bild zeichnet sich bei den „Metallerzeugungs-, Bearbeitungsberufen“. Hier ist der Ausbildungsbestand rückläufig (vgl. Kapitel C1.1), und die Vakanzzeiten der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen liegen über dem Durchschnitt. Bei Berufen der „Maschinen- und Fahrzeugtechnik“ sowie den „Mechatronik-, Energie- und Elektroberufen“ ist die relative Situation am Ausbildungsmarkt (vgl. Kapitel A1.3) entspannter als bei den offenen Stellen, bei den Gesundheitsberufen ist sogar eine Zunahme der Schüler/ -innen in den Schulen des Gesundheitswesens bemerkbar (vgl. Kapitel C1.1), während auf dem Arbeitsmarkt Rekrutierungsschwierigkeiten bestehen. Dies zeigt, dass Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt mit berufsspezifischen Rekrutierungsschwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt einhergehen können, allerdings ist dies kein verlässlicher Indikator für kurzfristige Fachkräfteengpässe.

Insgesamt zeigen die Analysen jedoch, dass bereits jetzt in Berufsbereichen, die einen mittleren Qualifikationsabschluss erfordern, in stärkerem Maße Rekrutierungsschwierigkeiten zu verzeichnen sind (siehe auch Bußmann/Seyda 2014). Dies legt den Schluss nahe, dass der Rückgang der Schülerzahlen im beruflichen Bereich möglicherweise bereits jetzt zu Rekrutierungsschwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt in Berufen des mittleren Qualifikationsbereichs führt. Angesichts der jeweiligen Dauer, die Jugendliche im beruflichen Bildungssystem verweilen, muss zu einer mittel- und langfristigen Folgenabschätzung von Passungsproblemen am Ausbildungsmarkt auch eine langfristige Projektion des Angebots und Bedarfs an berufsspezifischen Arbeitskräften erfolgen (vgl. Kapitel C3.2).