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Im folgenden Kapitel wird die Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen im dualen System betrachtet. Zentrale Indikatoren hierfür sind die Ausbildungsanfänger- und Absolventenquoten, die angeben, wie viel Prozent der Jugendlichen (irgendwann im Laufe ihrer Biografie) eine duale Berufsausbildung beginnen bzw. mit Berufsabschluss erfolgreich absolvieren. Zur Berechnung dieser Indikatoren werden die Auszubildenden- bzw. Absolventendaten nach Altersjahrgängen differenziert. Deshalb wird hier zunächst eine knappe Analyse des Alters der Auszubildenden bzw. Absolventen des dualen Systems vorangestellt. Betrachtet wird das Alter der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag, das Alter der Ausbildungsanfänger und -anfängerinnen sowie der Absolventen bzw. Absolventinnen. Die Auszubildendendaten stammen aus der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (kurz: Berufsbildungsstatistik), die Bevölkerungsdaten aus der Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes. Da die Bevölkerungsdaten für die Berichtsjahre 2011 bis 2013 auf Basis des Zensus 2011 korrigiert wurden, werden im Folgenden auch die zurückliegenden Quoten korrigiert.

Alter der Auszubildenden

Die Berufsbildungsstatistik erhebt das Alter bzw. Geburtsjahr der Auszubildenden im dualen System (BBiG bzw. HwO) seit dem Berichtsjahr 1993; allerdings wird erst seit dem Berichtsjahr 2007 das Geburtsjahr für alle Auszubildenden bzw. Prüfungsteilnehmer/-innen des dualen Systems erhoben. Im Folgenden werden die Anteile der verschiedenen Altersgruppen analog der früheren Differenzierung der Alterskategorien sowie das Durchschnittsalter dargestellt. 

Alter der Auszubildenden – Erfassung im Rahmen der Berufsbildungsstatistik

Aggregatdatenerhebung bis Berichtsjahr 2006
Von 1993 bis einschließlich 2006 hat die Berufsbildungs­statistik nur das Alter der Auszubildenden mit neu ab­geschlossenem Ausbildungsvertrag erhoben (ohne Diffe­renzierung nach Geschlecht, Staatsangehörigkeit oder Schulabschluss). Für Prüfungsteilnehmer/-innen, Absolventen/Absolventinnen oder den Auszubildendenbestand wurde das Alter nicht erhoben. Unterschieden wurden die einzelnen Altersjahrgänge zwischen 17 und 23 Jahren, außerdem als untere Altersgruppe die bis zu 16-Jährigen und als obere die 24-Jährigen und Älteren. Für die Ausbildungsberufe des Handwerks sowie von Industrie und Handel wurde das Alter zunächst verpflichtend nur für stark besetzte Berufe erhoben, weshalb zunächst relativ viele Angaben fehlten.

Einzeldatenerhebung seit dem Berichtsjahr 2007
Mit der Umstellung auf eine ausbildungsvertragsbezogene Einzeldatenerhebung ab dem Berichtsjahr 2007 wird für jeden Ausbildungsvertrag (nicht nur für Neuabschlüsse) das Geburtsjahr der Auszubildenden erhoben. Es können seither alle einzelnen Altersjahrgänge differenziert werden.

Insbesondere in den ersten Jahren nach der Revision wurden in insgesamt geringem Umfang auch sehr frühe Geburtsjahre gemeldet, die ein sehr hohes Alter ergaben. Teilweise muss hierbei von Erfassungsfehlern ausgegangen werden (z. B. Alter nahe 100). Deshalb fließen bei den BIBB-Berechnungen des Durchschnittsalters der Auszubildenden ab dem Berichtsjahr 2007 die 40-Jährigen und Älteren (bei den Absolventen die 43-Jährigen und Älteren) nicht mit ein. Allerdings spielen aufgrund der relativ geringen Anzahl solcher Meldungen potenziell verzerrende Effekte nur bei einer nach einzelnen Berufen differenzierten Analyse eine Rolle, und dies auch nur bei kleineren Berufen. 

Wie Tabelle A4.5-1 zeigt, ist das Durchschnittsalter der Auszubildenden mit Neuabschluss in den letzten 20  Jahren nahezu kontinuierlich angestiegen. Zwar sind die Werte bis und nach 2006 aufgrund der Unterschiede der Erhebung und Berechnungsweise nicht unmittelbar vergleichbar, doch zeigt sich der Anstieg des Durchschnittsalters sowohl von 1993 (18,0) bis 2006 (18,8) als auch von 2007 (19,0) bis 2014. Für 2014 ergibt sich ein Durchschnittsalter von 19,7 Jahren.119 1993 waren noch mehr als die Hälfte der Auszubildenden mit Neuabschluss jünger als 18 Jahre; im Berichtsjahr 2014 waren es 27,5 %. Der Anstieg des Durchschnittsalters der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag wurde zum einen durch längere Schulzeiten im Sekundarbereich I bei zunehmend höheren allgemeinbildenden Schulabschlüssen120 der Auszubildenden und durch längere Übergangsdauern in die Berufsausbildung bedingt.121 Gravierende Änderungen der Erhebung bei der Erfassung der Vorbildung der Auszubildenden, insbesondere seit dem Berichtsjahr 2007, erschweren den längerfristigen Zeitvergleich. Betrachtet man lediglich die Jahre 2007 bis 2014, so ist der Anteil der Studienberechtigten (zum Teil auch aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge) von 19,4 % auf 26,2 % gestiegen (vgl. Kapitel A4.6.1). Im gleichen Zeitraum schwankt der Anteil derer, die mit einer vorherigen Teilnahme an einer Maßnahme der Berufsvorbereitung oder beruflichen Grundbildung gemeldet wurden, zwischen knapp 9 % und 12 % (vgl. Kapitel A4.6.2).

Insgesamt variiert das Durchschnittsalter der Auszubildenden (Neuabschlüsse) über die Länder zwischen Höchstwerten von 21,0 Jahren in Berlin und 18,6  Jahren in Bayern Tabelle A4.5-2.122 Das auffallend geringere Durchschnittsalter in Bayern lässt sich mit den vergleichsweise hohen Anteilen von Auszubildenden mit Hauptschulabschluss und den geringen Anteilen an Studienberechtigten unter den Auszubildenden des dualen Systems begründen; siehe hierzu Kapitel A4.6.1. Allerdings sind in Bayern auch die Auszubildenden mit Hauptschulabschluss sowie diejenigen mit Realschulabschluss beim Abschluss des Ausbildungsver­trages vergleichsweise jung (Durchschnittsalter: 18,2 bzw. 18,0).

Tabelle A4.5-1: Auszubildende mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag nach Alter, Bundesgebiet 1993 bis 2014 (in %)1

Tabelle A4.5-2: Auszubildende mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag nach Alter und Region 2014 (in %)1

Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ist das Durchschnittsalter der Frauen im Berichtsjahr 2014 mit 19,8 Jahren nur etwas höher als das der Männer (19,6) Tabelle A4.5-3. Hinsichtlich der Neuabschlüsse liegt das Durchschnittsalter der Auszubildenden ohne deutschen Pass bei 20,8 Jahren und damit um mehr als ein Jahr höher als bei den Auszubildenden mit deutschem Pass.

Betrachtet man nicht alle Neuabschlüsse, sondern lediglich die Ausbildungsanfänger/-innen123, so ergibt sich jeweils ein etwas geringeres Durchschnittsalter, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen und Ausbildungsanfängern mit bzw. ohne deutschen Pass bleiben bestehen. Die Anfänger und Anfängerinnen einer dualen Berufsausbildung sind im Durchschnitt 19,4 Jahre alt  Tabelle A4.5-3.

Unterschiede hinsichtlich des Durchschnittsalters von Personengruppen in der dualen Berufsausbildung können aufgrund unterschiedlicher Faktoren im Lebens- bzw. Bildungsverlauf resultieren. Für die Ausbildungsanfänger bzw. Ausbildungsanfängerinnen wird im Folgenden eine differenziertere Betrachtung vorgenommen Tabelle A4.5-4. Aufgrund der Ungenauigkeiten in der Erfassung des Durchschnittsalters (es wird nur das Geburtsjahr erhoben) wird auf eine Interpretation der genauen Differenzen verzichtet.

Das im Vergleich zu den Männern höhere Durchschnittsalter der deutschen Ausbildungsanfängerinnen ist nicht alleine durch deren höheren Anteile von Studienberechtigten unter den Auszubildenden zu erklären. Denn auch bei denjenigen mit Hauptschul- oder Realschulabschluss fällt das Ausbildungseintrittsalter bei den deutschen Frauen höher aus. In der Gruppe der Studienberechtigten liegt das Berufsausbildungseintrittsalter der deutschen Frauen unter dem der deutschen Männer. Zu geschlechtsspezifischen Unterschieden hinsichtlich der höchsten allgemeinbildenden Schulabschlüsse wie auch der Teilnahme an vorheriger beruflicher Grundbildung und Berufsvorbereitung siehe Kapitel A4.6.1 und A4.6.2. Das Durchschnittsalter der ausländischen Ausbildungs­anfänger/-innen fällt in jeder Schulabschlussgruppe höher aus. Der Unterschied zu dem Einstiegsalter derjenigen mit deutschem Pass fällt umso höher aus, je höher der allgemeinbildende Schulabschluss ist.124 Mit 20,2 Altersjahren für diejenigen mit Realschulabschluss und 23,1 Altersjahren für Studienberechtigte liegt das Ausbildungseintrittsalter der ausländischen Auszubildenden deutlich über dem der Deutschen (mit Realschulabschluss: 18,5 bzw. Studienberechtigte: 20,8).

Das Durchschnittsalter der Ausbildungsanfänger/ -innen mit einer vorherigen Teilnahme an beruflicher Grundbildung oder Berufsvorbereitung fällt abgesehen von der Gruppe derer ohne Hauptschulabschluss höher aus als das für diejenigen ohne solche Maßnahmen. Der Unterschied fällt insbesondere für deutsche Ausbildungsanfänger/-innen mit Realschulabschluss (+0,8) und für deutsche Frauen mit Hauptschulabschluss (+0,6) besonders hoch aus. Bei den ausländischen Ausbildungsanfängern und Anfängerinnen fällt das Durchschnittsalter auch bei denjenigen ohne eine Teilnahme im Übergangsbereich relativ hoch aus. Bei den ausländischen Frauen mit Studienberechtigung zeigt sich sogar ein geringeres Durchschnittsalter (-0,9) bei denjenigen, die an einer beruflichen Grundbildungs- oder Vorbereitungsmaßnahme teilgenommen haben.

Für die deutschen Auszubildenden, die an keiner Übergangsmaßnahme teilnahmen, liegt das Berufsausbildungseinstiegsalter derjenigen mit Hauptschulabschluss mit 18,9 Jahren über dem derjenigen mit Realschulabschluss (18,5). Dies gilt nicht für ausländische Auszubildende, bei denen das Alter bei Antritt des Ausbildungsverhältnisses insgesamt höher ausfällt.

Bei den Absolventen/Absolventinnen einer dualen Berufsausbildung liegt das Durchschnittsalter im Berichtsjahr 2014 bei 22,3 Jahren Tabelle A4.5-3. Es variiert zwischen den verschiedenen Personengruppen kaum. Lediglich bei den ausländischen Absolventen und Absolventinnen liegt es mit 22,9 Jahren über dem Gesamtdurchschnitt.

Im Folgenden wird betrachtet, wie hoch der Anteil der Jugendlichen ausfällt, die überhaupt eine duale Berufsausbildung beginnen oder erfolgreich absolvieren, unabhängig davon, in welchem Alter sie dies tun.

Tabelle A4.5-3: Auszubildende mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag, Ausbildungsanfänger/-innen und Absolventen/Absolventinnen nach Alter, Bundesgebiet 2014

Tabelle A4.5-4: Durchschnittsalter der Anfänger/-innen einer dualen Berufsausbildung (BBiG/HwO) nach Vorbildung, Geschlecht und Staatsangehörigkeit, Bundesgebiet 2014 (in %)1, 2

Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen im dualen System

Will man den Anteil der Jugendlichen ermitteln, die eine duale Berufsausbildung nach BBiG bzw. HwO beginnen oder erfolgreich absolvieren, so kann man rechnerische Quoten auf Basis der Berufsbildungsstatistik und der Bevölkerungsfortschreibung nach einem Quotensummenverfahren ermitteln. Diese Quoten können als Indikator für die quantitative Bedeutung des dualen Systems sowie als Maß der Integration verschiedener Personengruppen interpretiert werden.

Ausbildungsanfängerquote 2014

Die Ausbildungsanfängerquote ist ein Indikator für den Anteil der Jugendlichen, die eine duale Berufsausbildung beginnen. In welchem Alter dies geschieht und wie lange der Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die Berufsausbildung dauert, bleibt hierbei jedoch unberücksichtigt. Berechnet man solche Quoten mit dem Quotensummenverfahren, so sollten nur solche Ereignisse erfasst werden, die in den Biografien nur einmalig auftreten. Deshalb wird die Anfängerquote auf Basis der Anfänger/-innen125 und nicht der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge berechnet. Zum Unterschied zwischen den Begriffen Neuabschluss und Ausbildungsanfänger vgl. Kapitel A4.3. Im Gegensatz zur früheren Ausbildungsbeteiligungsquote der Jugendlichen wird mit der Berechnungsweise der Ausbildungsanfängerquote die Überschätzung durch Mehrfachzählungen von Auszubildenden, die wiederholt Ausbildungsverträge neu abschließen, weitgehend vermieden.126 Für das Berichtsjahr 2014 ergibt sich ein rechnerischer Anteil von 53,4 % der Wohnbevölkerung, die irgendwann im Laufe ihrer Biografie eine duale Berufsausbildung beginnen Tabelle A4.5-5.

Da die Korrektur der Daten der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 rückwirkend nur bis 2011 vorliegt, wird hier ausschließlich die Entwicklung seit 2011 betrachtet. Zur Entwicklung der Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen in der dualen Berufsausbildung vor 2011 siehe BIBB-Datenreport 2013, Kapitel  A4.5.

Die Ausbildungsanfängerquote im dualen System ist seit 2011 rückläufig. Sie fällt für das Berichtsjahr 2014 um 0,8 Prozentpunkte geringer aus als im Vorjahr und um 4,6 Prozentpunkte geringer als 2011. Allerdings beginnen immer noch mehr als die Hälfte der Jugendlichen eine duale Berufsausbildung.

Der längerfristige Rückgang der Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen im dualen System ging mit einer steigenden Studierneigung der Jugendlichen einher. In den letzten Jahren ist die Studienanfängerquote jedoch nicht mehr gestiegen. Für das Berichtsjahr 2014 ermittelt das Statistische Bundesamt eine Studienanfängerquote von 47,9 % der Wohnbevölkerung (deutsche und ausländische Studierende ohne Bildungsausländer und ohne Bereinigung um einen G8-Effekt).127 Zur Einschätzung der Entwicklung im Zeitverlauf sollte man die um einen G8-Effekt128 bereinigten Quoten betrachten; diese Angabe liegt für das Jahr 2014 nicht vor. Von 2011 (44,7 %) bis 2013 (43,6 %) stieg die Studienanfängerquote129 nicht mehr.

Auf eine tiefer gehende regionale Differenzierung der Ausbildungsanfängerquote wird verzichtet, da die Berufsbildungsstatistik den Wohnort der Auszubildenden bzw. Pendlerbewegungen nicht erfasst. Hier erfolgt lediglich eine Differenzierung nach Ost- und Westdeutschland. In allen betrachteten Jahren fällt die Ausbildungsanfängerquote in Ostdeutschland etwas geringer aus als die westdeutsche Quote; in 2014 liegt der Abstand bei 2,7  Prozentpunkten  Tabelle A4.5-5.

Ausbildungsanfängerquote der Jugendlichen (AAQ)

Nicht alle Jugendlichen mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag sind Ausbildungsanfänger/-innen (vgl. Kapitel A4.3). Die frühere, auf Basis der Neuabschlüsse berechnete Ausbildungsbeteiligungsquote (AQ) überschätzt den Anteil der Ausbildungsanfänger/-innen, weil u. a. auch bei Betriebs- oder Berufswechsel ein Neuabschluss erfolgt und manche Personen im Laufe ihrer Biografie wiederholt Ausbildungsverträge im dualen System abschließen (zu Einschränkungen bei der Berechnung vgl. Uhly 2006 und Althoff 1997). Die frühere AQ eignet sich vor allem für Vergleiche im längerfristigen Zeitverlauf (vgl. BIBB-Datenreport 2013, Kapitel A4.5).

Bei der Berechnung der AAQ werden anstelle der Neuabschlüsse nur die Ausbildungsverträge der Anfänger/-innen verwendet. Da Anfänger/-innen als Teilgruppe der Neuabschlüsse erst seit der Revision der Berufsbildungsstatistik, die in 2007 in Kraft trat, abgegrenzt werden können und zunächst noch Umsetzungsprobleme bei den Datenmeldungen bestanden, wird die Anfängerquote erst seit dem Berichtsjahr 2009 ermittelt.

Nach dem Quotensummenverfahren (OECD-Standard) werden je Altersjahrgang Teilquoten aus Anfängern/Anfängerinnen und Wohnbevölkerung berechnet und dann zur Anfängerquote summiert (vgl. Gericke/Uhly 2012; Gericke/Uhly/Ulrich 2011). Die AAQ gibt den rechnerischen Anteil einer synthetischen Alterskohorte in der Wohnbevölkerung wieder, der erstmals eine Ausbildung mit Ausbildungsvertrag im dualen System beginnt. Zum Quotensummenverfahren nach OECD-Standard siehe Kazemzadeh 2000, S. 68 f.

 

AAQ-Formel

i = Alter

*Aus Vereinfachungsgründen wird nur eine begrenzte Anzahl von Teilquoten gebildet. Ausbildungsanfänger/-innen im Alter von „16 und jünger“ werden in der unteren Altersgruppe zusammengefasst, jene im Alter von „24 und älter“ werden in der oberen Altersgruppe zusammengefasst. Bezüglich der Wohnbevölkerung gehen die einzelnen Altersjahrgänge von 16  bis 24 je Teilquote ein.

Die Höhe der AAQ ist aufgrund zweier Aspekte mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Es wurde zum einen keine Korrektur des Effektes der doppelten Abiturjahrgänge vorgenommen. Da Hochschul- und Fachhochschulzugangsberechtigung im Rahmen der Berufsbildungsstatistik nicht differenziert werden, ist eine Korrektur um den G8-Effekt für die duale Berufsausbildung problematisch. Allerdings ist der Effekt aufgrund des vergleichsweise geringen Studienberechtigtenanteils deutlich geringer als im Hochschulbereich. Die AAQ können aufgrund der fehlenden Korrektur geringfügig überhöht sein.

Daten der Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes basieren bis 2010 auf der Grundlage der Volkszählung 1987 (Westdeutschland) bzw. 1990 (Ostdeutschland) und ab 2011 auf dem Zensus 2011; die vorläufigen Bevölkerungsdaten 2011 bis 2013 wurden in 2015 nochmals korrigiert. Aufgrund der unterschiedlichen Datengrundlagen der Bevölkerungsfortschreibung sind die Quoten bis 2010 nicht unmittelbar mit denen ab 2011 vergleichbar.

Die Ausbildungsbeteiligung im dualen System variiert deutlich zwischen den verschiedenen Personengruppen. Für die männliche Wohnbevölkerung mit deutscher Staatsangehörigkeit ergibt sich im Berichtsjahr 2014 ein Anteil von 66 %, die eine duale Berufsausbildung nach BBiG bzw. HwO beginnen. Diese Quote fällt bei den deutschen Frauen um 20 Prozentpunkte geringer aus Tabelle A4.5-5. Frauen findet man deutlich häufiger in sogenannten vollzeitschulischen Berufsausbildungsgängen (vgl. Kapitel A5). Die Studienanfängerquoten der Frauen fallen nur geringfügig höher aus als die der Männer (vgl. Statistisches Bundesamt 2015). Allerdings ist die geringere Ausbildungsanfängerquote der Frauen im dualen System nicht alleine mit deren Qualifizierungs- und Ausbildungspräferenzen zu erklären. Denn es zeigen sich auch geschlechtsspezifische Zugangschancen (vgl. Beicht/Walden 2014).

Die Ausbildungsanfängerquoten der Jugendlichen ohne deutschen Pass liegen mit 31,1 % deutlich unter denen der deutschen Jugendlichen (56,3 %). Dies gilt sowohl für die Männer als auch für die Frauen. Bei den ausländischen Männern beträgt die Ausbildungsanfängerquote lediglich 33,2 %, bei den ausländischen Frauen nur 28,8 %. Mit Ausnahme der Frauen ohne deutschen Pass ist für alle Personengruppen die Quote im Vorjahresvergleich leicht gesunken. Das deutlich niedrigere Maß der Integration in die duale Berufsausbildung lässt sich nicht alleine durch geringere Schulabschlüsse erklären. Beicht/Walden (2014) zeigen, dass die Einmündungschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund auch bei gleicher Vorbildung, gleicher sozialer Herkunft, gleichem Suchverhalten und gleicher Ausbildungsmarktlage niedriger sind.

Tabelle A4.5-5: Ausbildungsanfängerquote nach Personenmerkmal und Region, 2009 bis 2014 (in %)1, 2

Tabelle A4.5-6: Ausbildungsabsolventenquote nach Personenmerkmal und Region, 2009 bis 2014 (in %)1,2

Ausbildungsabsolventenquote

Will man das Maß der Bildungsbeteiligung der Bevölkerung im dualen System betrachten, stellt sich nicht nur die Frage, wie viel Prozent eine Ausbildung beginnen. Von Interesse ist auch, wie viel Prozent die duale Berufsausbildung erfolgreich absolvieren und einen entsprechenden Berufsabschluss erreichen. Im Berichtsjahr 2014 bestanden 424.029 Auszubildende im dualen System ihre Abschlussprüfung (vgl. Kapitel A4.8), für 397.947 war dies der erste erfolgreiche Berufsabschluss im dualen System. Um Mehrfachzählungen bzw. eine Überschätzung des Anteils der Absolventen an der Wohnbevölkerung zu vermeiden, werden nach OECD-Standard des Quotensummenverfahrens nur die Erstabsolventendaten in Bezug zur Wohnbevölkerung im entsprechenden Alter gesetzt. Daraus ergibt sich für das Berichtsjahr 2014 eine Ausbildungsabsolventenquote (AbsQ) von 43,8 % Tabelle A4.5-6. Gegenüber dem Vorjahr (44,5 %) ist der rechnerische Anteil, der in der Wohnbevölkerung erfolgreich eine duale Ausbildung abschloss, somit um 0,7 Prozentpunkte gesunken. Die Ausbildungsabsolventenquote des dualen Systems liegt deutlich über der Studienabsolventenquote 2014 (Deutsche und Ausländer zusammen 31,1 %, vgl. Statistisches Bundesamt 2014).

Die Absolventenquote ist in Ostdeutschland im Jahr 2014 um mehr als 9 Prozentpunkte geringer als in Westdeutschland. Diese Differenz ist in den letzten Jahren stetig ge­stiegen (2011: -5,4 Prozentpunkte). Damit weicht die ostdeutsche Absolventenquote stärker von der westdeutschen Quote ab, als dies bei den Ausbildungsanfängerquoten zu beobachten ist, was auf ein größeres Ausmaß an Ausbildungsabbrüchen in Ostdeutschland verweist.

 

Ausbildungsabsolventenquote der Jugendlichen (AbsQ)

Auch bei der Berechnung der Absolventenquote im dualen System wird das Quotensummenverfahren angewandt. Um Mehrfachzählungen zu vermeiden, werden nicht alle Absolventen einer dualen Berufsausbildung in die Berechnung einbezogen, sondern nur die Erstabsolventen/-absolventinnen; also alle, die nicht zuvor schon mal eine duale Berufsausbildung erfolgreich absolviert hatten.

Auch die Absolventenquote kann aufgrund der Datenlage erst seit dem Berichtsjahr 2009 ermittelt werden (siehe auch Erläuterungen zur Ausbildungsanfängerquote).

Die AbsQ gibt den rechnerischen Anteil einer synthetischen Alterskohorte in der Wohnbevölkerung wieder, der eine duale Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz bzw. Handwerksordnung erfolgreich absolviert hat. Die Quote berechnet sich auf Basis der Berufsbildungsstatistik und der Bevölkerungsfortschreibung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, jeweils zum Stichtag 31. Dezember. Auszubildende mit bestandener Abschlussprüfung, die zuvor noch keine duale Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben (Erstabsolventen), werden der Wohnbevölkerung im entsprechenden Alter gegenübergestellt (vgl. Gericke/Uhly 2012).

 

ABSQ-Formel

i = Alter

*Aus Vereinfachungsgründen wird nur eine begrenzte Anzahl von Teilquoten gebildet. Erstabsolventen im Alter von „19 und jünger“ werden in der unteren Altersgruppe zusammengefasst, jene im Alter von „27 und älter“ werden in der oberen Altersgruppe zusammengefasst. Bezüglich der Wohnbevölkerung gehen die einzelnen Altersjahrgänge von 19 bis 27 je Teilquote ein.

Zu den verwendeten Bevölkerungsdaten siehe Erläuterungen zur Ausbildungsanfängerquote.

Für die deutschen Frauen ergibt sich für das Berichtsjahr 2014 ein rechnerischer Anteil von 40,4 % der Wohnbevölkerung mit erfolgreichem Berufsabschluss im dualen System; bei deutschen Männern sind es 55,4 %. Von den ausländischen Frauen erzielen nur 16,2 % einen dualen Berufsabschluss, von den ausländischen Männern 16,4 %. Vergleicht man die Quoten zwischen Frauen und Männern, so zeigt sich sowohl bei denjenigen mit als auch bei denen ohne deutschen Pass, dass die Absolventenquoten der Frauen weniger stark von denen der Männer abweichen, als dies bei den Ausbildungsanfängerquoten zutrifft. Das heißt, einmal im dualen System angekommen, sind bei den Frauen die Chancen, einen erfolgreichen dualen Berufsabschluss zu erzielen, größer.

(Alexandra Uhly)

  • 119

    Bei der Berechnung des Durchschnittsalters verzichten wir (auch rückwirkend) im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen auf die Addition von 0,5; deshalb fällt das Durchschnittsalter geringer aus als in den Veröffentlichungen der Vorjahre. Zur Erläuterung siehe Fußnote 2 zu Tabelle A4.5-1

  • 120

    Der Anteil der Studienberechtigten im dualen System ist kontinuierlich gestiegen. Zum bundesweiten Durchschnittsalter der Schulabgänger/-innen allgemeinbildender Schulen liegen derzeit keine langfristigen Zeitreihen vor. Deshalb kann nicht klar differenziert werden, inwieweit auch für die einzelnen Schulabschlussarten ein höheres Berufsausbildungseinstiegsalter durch ein höheres Schulabgangsalter hervorgerufen wird. Für den Zeitraum 2007 bis 2012 ist jedoch bekannt, dass das Schulabgangsalter derjenigen mit Hauptschulabschluss (16,6 Jahre) und mittlerem Abschluss (17,1 Jahre) nicht gestiegen ist (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2014, Online-Zusatztabelle D7-9web). 

  • 121

    Zu Determinanten der Übergangsdauer in die duale Berufsausbildung siehe die Analysen auf Basis der Daten der BIBB-Übergangsstudien 2006 und 2011 von Eberhard u. a. 2013; Beicht/Friedrich/Ulrich 2007. 

  • 122

    Zur langfristigen Altersentwicklung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag siehe BIBB-Datenreport 2013, Kapitel A4.5

  • 123

    Nicht alle Jugendlichen mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag sind Ausbildungsanfänger/-innen. Ausbildungsverträge werden u. a. auch bei Anschlussverträgen, Zweitausbildungen, erneuter Ausbildung nach vorzeitiger Lösung eines ersten Vertrags oder bei Wechsel von einer außerbetrieblichen in eine betriebliche Ausbildungsstelle abgeschlossen (vgl. Kapitel A4.3). 

  • 124

    Dies trifft lediglich für diejenigen nicht zu, die keinen Hauptschulabschluss erzielt haben und auch nicht an einer Maßnahme der beruflichen Grundbildung bzw. Berufsvorbereitung teilgenommen haben. 

  • 125

    Hierbei wurde die Abgrenzung der Anfänger und Anfängerinnen auf Basis der Neuabschlusszahlen gewählt, die zwar geringere Anfängerzahlen ergibt als die Abgrenzung auf Basis der begonnenen Ausbildungsverträge, aber den Vorteil bietet, dass Mehrfachzählungen von Personen eher vermieden werden und so die Anfängerquote nicht überschätzt wird. 

  • 126

    Da die Berechnung der Anfängerzahlen nur einen Näherungswert darstellt und nicht ausgeschlossen werden kann, dass in geringem Maße noch Nichtanfänger enthalten sind, kann eine Überschätzung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Außerdem ist die Anfängerquote geringfügig überschätzt, da die Ausbildungsanfängerzahlen nicht um doppelte Abiturjahrgänge (G8-Effekt) bereinigt wurden

  • 127

    Mit der Ausgabe der Fachserie 11, Reihe 4.3 (nicht monetäre hochschulstatistische Kennzahlen), Ausgabe 2015 werden keine um einen G8-Effekt bereinigten Quoten mehr veröffentlicht. Die Studienanfängerquote für „Deutsche und Ausländer“ nach dem Ort des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung (HZB) „Stadtstaaten und Flächenstaaten zusammen“ bildet die Quote ohne Bildungsausländer (ausländische
    Studienanfänger, die die HZB im Ausland oder an einem Studienkolleg erworben haben) und ohne diejenigen ohne Abgabe zum Land des Erwerbs der HZB ab. Inklusive der Bildungsausländer und derjenigen ohne Angabe zum Ort des Erwerbs der HZB liegt die Studienanfängerquote 2014 bei 52,6 %. 

  • 128

    Effekt doppelter Abiturjahrgänge, der zu einer Überhöhung der Quote nach dem Quotensummenverfahren führt. 

  • 129

    Quoten ohne Bildungsausländer und ohne diejenigen mit fehlenden Angaben zum Land des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung.