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Im folgenden Beitrag wird untersucht, ob sich die Beteiligung von Betrieben an der beruflichen Ausbildung von Jugendlichen weiterhin rückläufig entwickelt hat oder ob es erste Anzeichen für eine Stabilisierung der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung gibt. Hierzu werden neben den absoluten Veränderungen in zentralen Bestandsgrößen 2 Indikatoren verwendet, die insbesondere zur Untersuchung der Entwicklung der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung in der Grundgesamtheit aller Betriebe und aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten geeignet sind: die Ausbildungsbetriebs- und die Ausbildungsquote (vgl. Troltsch/Walden 2014).

Ausbildungsbeteiligung der Betriebe in Deutschland

Nach Angaben der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit beteiligten sich zum 31. Dezember 2014 von den bundesweit etwas über 2,1 Mio. Betrieben mit mindestens einem/einer sozialversicherungspflichtig Beschäftigten rund 431.000 Betriebe an der beruflichen Ausbildung Jugendlicher. Damit nahm die Zahl der Ausbildungsbetriebe im Vorjahresvergleich um 6.600
der Ausbildungsbetriebe im Vorjahresvergleich um 6.600 bzw. um 1,5 % ab, während sich der Gesamtbestand an Betrieben gegenüber dem Vorjahr um 12.000 Betriebe (+0,6 %) erhöhte. Durch diese gegenläufigen Entwicklungen sank die Ausbildungsbetriebsquote um 0,4 Prozentpunkte gegenüber 2013 und erreichte einen Wert von 20,3 %  Tabelle A4.10.1-1.

Weiter gesunken ist im Berichtsjahr auch die Ausbildungsquote: Während der Bestand der Auszubildenden bundesweit um knapp 30.000 auf rund 1,58 Mio. zurückging (-1,8 %), konnte die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 1,7 % bzw. 513.000 auf 30,4 Mio. zu­legen  Tabelle A4.10.1-2. Die Ausbildungsquote verzeichnete mit 5,2 % einen erneuten Rückgang und lag um 0,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

In den alten und neuen Bundesländern

Wie in den vergangenen Jahren waren grundsätzlich sowohl die neuen als auch die alten Bundesländer von der rückläufigen Ausbildungsbeteiligung der Betriebe betroffen. In den alten Ländern sank die Zahl der Ausbildungsbetriebe um knapp 6.000 auf 372.000 (-1,5 %), während die Gesamtzahl aller Betriebe um mehr als 11.000 (+0,7 %) stieg. Die Ausbildungsbetriebsquote im Westen nahm um 0,5 Prozentpunkte ab und betrug zuletzt 22,0 %  Tabelle A4.10.1-3 Internet. Bei der Entwicklung des Auszubildendenbestands zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der Entwicklung in der Beschäftigung und der Ausbildung. Im Westen nahm die Zahl der Auszubildenden um 22.000 auf 1,37 Mio. (-1,6 %) ab, gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten um 440.000 auf 24,7  Mio. (+1,8 %) an. In der Folge sank die Ausbildungsquote von 5,7 auf 5,5 %  Tabelle A4.10.1-4 Internet.

In den neuen Bundesländern ging die Zahl der Ausbildungsbetriebe mit einem Minus von 800 Betrieben (-1,4 %) nochmals weniger stark zurück als in den Vorjahren. Die betriebliche Gesamtzahl legte nur geringfügig zu und erhöhte sich auf 433.000 Betriebe. Die Ausbildungsbetriebsquote im Osten verringerte sich um 0,2 Prozentpunkte auf einen Wert in Höhe von 13,7 % Tabelle A4.10.1-5 Internet. Ähnlich wie im Westen ging die Zahl der Auszubildenden im Osten weiter zurück und schrumpfte um rund 7.300 auf 215.000. Mit einem Minus von 3,3 % fiel der Rückgang des Auszubildendenbestands allerdings weniger stark aus als im Vorjahr. Bei der Beschäftigung setzte sich der bisherige Wachstumstrend fort, und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg um 74.500 auf knapp 5,7 Mio., was einem Anstieg von 1,3 % entspricht. Beide Entwicklungen ließen die Ausbildungsquote in den neuen Ländern um 0,2 Prozentpunkte auf 3,8 % sinken  Tabelle A4.10.1-6 Internet.

Tabelle A4.10.1-1: Betriebe, Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsbetriebsquote nach Betriebsgrößenklassen zwischen 2007, 2013 und 2014 in Deutschland

Tabelle A4.10.1-2: Beschäftigte, Auszubildende und Ausbildungsquoten nach Betriebsgrößenklassen zwischen 2007, 2013 und 2014 in Deutschland

Definitionen zur betrieblichen Ausbildungs­beteiligung

Revision der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA)

Die Statistik der BA hat am 28. August 2014 eine Revi­sion der Beschäftigungsstatistik rückwirkend bis zum Jahr 1999 durchgeführt (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2014). Die Revision ist das Ergebnis einer modernisierten Datenaufbereitung mit genaueren Ergebnissen und zusätzlichen Inhalten für diese Statistik und beinhaltet u. a. eine umfassendere Abgrenzung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie eine verbesserte Zuordnung zur Beschäftigungsart.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einschließlich Auszubildender, die kranken-, renten- oder pflegeversicherungspflichtig und/oder beitragspflichtig nach dem Recht der Arbeitsförderung sind oder für die der Arbeitgeber Beitragsanteile zu entrichten hat.

Auszubildende

Als Auszubildende zählen alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Ausbildung, die der BA über die Personengruppenschlüssel 102, 121, 122, 141 und 144 gemeldet wurden. Dies sind in der Regel Auszubildende, deren Ausbildungsverhältnis den Bestimmungen des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) bzw. der Handwerksordnung (HwO) unterliegt oder die eine Berufsausbildung auf unter Bundesflagge fahrenden Seeschiffen der Kauffahrteischifffahrt absolvieren. Aufgrund relativ weit gefasster Zuordnungskriterien fallen darunter auch Auszubildende im Gesundheitswesen, deren Ausbildung nicht durch BBiG/HwO geregelt ist.

Ausbildungsbetriebsquote

Die Ausbildungsbetriebsquote bezeichnet den Anteil der Betriebe mit Auszubildenden an allen Betrieben mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einschließlich der Ausbildungsbetriebe. Bei der Berechnung der Ausbildungsbetriebsquote wird nicht zwischen Betrieben mit und ohne Ausbildungsberechtigung differenziert. Insofern unterscheidet sich die Ausbildungsbetriebsquote von der so genannten Ausbildungsaktivitätsquote, die den Anteil der ausbildenden Betriebe an allen ausbildungsberechtigten Betrieben ausweist (vgl. Kapitel 4.10.2).

Ausbildungsquote

Die Ausbildungsquote bezeichnet den Anteil der Auszubildenden an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einschließlich Auszubildender.

Betriebliche Ausbildungsbeteiligung nach Bundesländern

Die betriebliche Ausbildungsbeteiligung variierte im Berichtsjahr erheblich zwischen den einzelnen Bundesländern, wie ein Vergleich der länderspezifischen Ausbildungsbetriebsquoten zeigt Tabelle A4.10.1-7 Internet. Den mit 25,6 % höchsten Anteil ausbildender Betriebe unter den westlichen Bundesländern hatte wie im Vorjahr das Saarland, gefolgt von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die auf Anteilswerte zwischen 23,2 % und 24,1 % kamen. In allen westlichen Bundesländern war die Ausbildungsbetriebsquote rückläufig, am stärksten in Rheinland-Pfalz und im Saarland, bedingt durch überdurchschnittliche Rückgänge in der Anzahl der ausbildenden Betriebe. Den bundesweit niedrigsten Wert verzeichnete Berlin, wo sich 12,1 % der Betriebe an der Ausbildung Jugendlicher beteiligten. Alle anderen Bundesländer im Osten wiesen Ausbildungsbetriebsquoten zwischen 13,7 % und 14,6 % auf. Bis auf Sachsen war im Vorjahresvergleich die Ausbildungsbetriebsquote in sämtlichen östlichen Bundesländern rückläufig.

Vergleichbare Entwicklungen zeigen sich auch bei den länderspezifischen Ausbildungsquoten, die sich unter den westlichen Bundesländern mit Werten zwischen 4,2 % in Hamburg und 6,2 % in Schleswig-Holstein, in den östlichen Bundesländern mit Werten zwischen 3,6 % in Berlin und 4,1 % in Mecklenburg-Vorpommern bewegten und ausnahmslos rückläufige Tendenzen aufwiesen Tabelle A4.10.1-8 Internet.

Entwicklung der betrieblichen Ausbildungs­beteiligung im Einzelnen

Veränderung nach Betriebsgröße

Deutschland

Wie schon im Vorjahr ging der rückläufige Bestand an Ausbildungsbetrieben fast ausschließlich auf Verluste im kleinstbetrieblichen Bereich (1 bis 4 und 5 bis 9 Beschäftigte) zurück. Die Zahl der ausbildenden Betriebe sank in diesem Größensegment um 3,8 % bzw. rund 8.000 Ausbildungsbetriebe, während sie in allen anderen Betriebsgrößenklassen anstieg. Dies wird in dieser Betriebsgrößenklasse – wie Betriebsbefragungen zeigen (z. B. Mohr/Troltsch/Gerhards 2015) – insbesondere durch rückläufige Bewerberzahlen, fehlende Qualifikationen der Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerber sowie durch den betrieblichen Bedarf an fertig ausgebildeten Fachkräften verstärkt. Hinzu kommen nach Angaben der befragten Betriebe Ausbildungsstellenangebote, die aus Sicht der Bewerberinnen und Bewerber unattraktiv zu sein scheinen.

Den prozentual stärksten Zuwachs an Ausbildungsbetrieben verzeichneten die mittleren Betriebe mit einem Plus von 1,2 %, gefolgt von den Großbetrieben und der Gruppe der Kleinbetriebe mit Wachstumsraten von jeweils 0,5 %. Grundsätzlich – mit Ausnahme der Betriebe mit einer Beschäftigtenzahl unter 5 Mitarbeitern – stieg die Zahl der Betriebe stärker als die Gesamtzahl der ausbildenden Betriebe, sodass die Ausbildungsbetriebsquote hier jeweils zurückgegangen ist  Tabelle A4.10.1-1 Internet.

Auffällige Unterschiede zwischen den betrachteten Betriebsgrößenklassen gab es bei der bundesweiten Bestandsentwicklung der Auszubildenden nicht. In nahezu allen Betriebsgrößenklassen entwickelten sich die Auszubildendenzahlen im Gegensatz zur Beschäftigtenentwicklung negativ: Kleinstbetriebe bildeten etwa 12.500 Jugendliche weniger als im Vorjahr aus (-4,3 %), Betriebe mit 500 und mehr Beschäftigten kamen auf einen Rückgang von 1,6 %. In den anderen Betriebsgrößenklassen lagen die prozentualen Rückgänge bei den Auszubildendenzahlen zwischen diesen beiden Werten. Ganz anders entwickelten sich die Bestände an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Hier lagen die Zuwächse teilweise über 2 Prozentpunkte, und selbst unter den Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten waren positive Zuwächse bei den Beschäftigten zu verzeichnen. Dadurch entwickelte sich die Ausbildungsquote auch rein rechnerisch durchgängig negativ Tabelle A4.10.1-2 Internet.

Alte Bundesländer

In den alten Bundesländern zeigte sich ein ähnliches Bild wie in Deutschland insgesamt. Auch hier konzentrierte sich der Bestandsverlust unter den Ausbildungsbetrieben auf die Gruppe der Kleinstbetriebe mit einem bis zu 4  Beschäftigten, in der 5,4 % weniger Betriebe ausbildeten als im Vorjahr. In den Betriebsgrößenklassen ab einer Beschäftigtenzahl von 10 stieg die Zahl der Ausbildungsbetriebe zwischen 0,2 und 1,7 %. Die Ausbildungsbetriebsquote war in den einzelnen Betriebsgrößenklassen zwar unterschiedlich stark rückläufig, wies insgesamt aber einen einheitlich negativen Trend auf  Tabelle A4.10.1-3 Internet.

In den alten Bundesländern nahm die Zahl der Auszubildenden nicht nur bei den Kleinstbetrieben ab und verringerte sich dort um durchschnittlich 4,3 %. Auch die anderen Größenklassen verzeichneten – bis auf die Betriebe mit Beschäftigten zwischen 250 und 499 bzw. 50 und 99 – Rückgänge zwischen 0,6 % und 3,3 % und ließen die Gesamtzahl der Auszubildenden im Westen um 1,6 % abnehmen. Im Gegensatz zu den Auszubildenden nahmen die Beschäftigten in allen Größenklassen – mit Ausnahme der Kleinstbetriebe – mit 1,3 % bis 2,3 % deutlich zu Tabelle A4.10.1-4 Internet.

Neue Bundesländer

Wie aufgrund der bisherigen Auswertungen nicht anders zu erwarten war, ging die Anzahl der Ausbildungsbetriebe in den neuen Bundesländern in fast allen Betriebsgrößenklassen deutlich zurück. Mit einem Minus von 4,3 % waren die Kleinstbetriebe mit bis zu 4 Beschäftigten besonders stark von diesem Rückgang betroffen, während die Bestandsentwicklungen bei den ausbildenden Großbetrieben (500 und mehr Beschäftigte) mit +1,2 % und den Kleinbetrieben (20 bis 49 Beschäftigte) mit +0,5 % positiv ausfielen. Bei generell steigenden Betriebszahlen (Ausnahme: Kleinstbetriebe mit bis zu 4 Beschäftigten) entwickelte sich im Osten auch die Ausbildungsbetriebsquote relativ einheitlich rückläufig, die im Vorjahresvergleich nur bei Betrieben mit 500 und mehr Beschäftigten zulegen konnte Tabelle A4.10.1-5 Internet.

Trotz der insgesamt positiven Beschäftigungsentwicklung (Ausnahme wiederum Kleinstbetriebe) ging die Zahl der Auszubildenden in allen Betriebsgrößenklassen zum Teil sehr deutlich zurück. Die Rückgänge variierten zwischen 1,1 % bei den Großbetrieben mit 500 und mehr Beschäftigten und 10,6 % bei Betrieben mit Beschäftigtenzahlen zwischen 250 und 499. Die Ausbildungsbetriebsquote sank dadurch klassenübergreifend und gab im Durchschnitt um 0,2 Prozentpunkte in allen Betriebsgrößenklassen nach Tabelle A4.10.1-6 Internet.

Veränderung nach Wirtschaftszweigen

Deutschland

Prinzipiell wies die Entwicklung sowohl der Ausbildungsbetriebs- als auch der Ausbildungsquote nach Wirtschaftssektoren ein negatives Muster auf: Bis auf sehr wenige Ausnahmen zeigte sich bei beiden Indikatoren ein rückläufiger Trend in allen Wirtschaftsabschnitten Tabellen A4.10.1-9 Internet und A4.10.1-10 Internet.165 Besonders im Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe, bei Betrieben, die einfache Güter herstellen, persönliche oder pflegerische Dienstleistungen anbieten, aber auch bei gewerblichen Betrieben aus der Bauwirtschaft oder dem Metall- oder Elektrogewerbe fallen Rückgänge überdurchschnittlich hoch aus, auch wenn weiterhin im Vergleich zum Dienstleistungsgewerbe im verarbeitenden Gewerbe die höchsten Ausbildungsbetriebsquoten erreicht wurden.

Alte und neue Bundesländer

In den alten Bundesländern zeigte sich ein sehr ähnliches Bild. Auch hier schrumpfte die Zahl der Ausbildungsbetriebe am stärksten im Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe (-5,9 %) und im Wirtschaftsabschnitt „Herstellung sonstiger Güter“ (-4,6 %). Dies spiegelt sich auch bei der Ausbildungsquote wider Tabellen A4.10.1-11 Internet und A4.10.1-12 Internet.

In ähnlicher Weise verzeichneten in den neuen Bundesländern fast alle Wirtschaftssektoren Rückgänge in der Anzahl an Ausbildungsbetrieben. Hier fielen die Verluste bei den Auszubildendenbeständen nochmals deutlich höher aus als im Westen Tabellen A4.10.1-13 Internet und A4.10.1-14 Internet.

(Klaus Troltsch)