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Die zunehmende Digitalisierung hat weitreichende Auswirkungen auf die Arbeitswelt und somit auch auf die betriebliche Ausbildung. Inzwischen hat ein Großteil der Betriebe moderne Technologien eingeführt, sodass alle Wirtschaftsbereiche von der Digitalisierung betroffen sind (Warning/Weber 2017; Arntz u. a. 2016). Das zeigt sich auch an den hohen Investitionen deutscher Betriebe in digitale Technik: Sie lagen im Jahr 2015 bei einem Anteil von 18% an den Gesamtinvestitionen (Helmrich u.  a. 2017). 

In den Erhebungswellen 2016 und 2017 des BIBB-Qualifizierungspanels wurde in einem Sondermodul die Nutzung verschiedener Hard- und Softwarekomponenten erhoben (Helmrich u. a. 2017). In diesem Kapitel wird auf Grundlage dieser Angaben untersucht, (1) welchen Stand die Digitalisierung in Ausbildungsbetrieben im Jahr 2017 hatte und (2) welche Zusammenhänge zwischen der Digitalisierung und der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung bestanden. 

Indikatoren zur Messung von Digitalisierung im BIBB-Qualifizierungspanel

Das BIBB-Betriebspanel zur Qualifizierung und Kompetenzentwicklung (BIBB-Qualifizierungspanel) ist eine seit 2011 stattfindende jährliche Wiederholungsbefragung von Betrieben in Deutschland. Mit der Befragung werden repräsentative Längsschnittdaten zum betrieblichen Qualifizierungsgeschehen erhoben (vgl. Gerhards/Mohr/Troltsch 2013; Troltsch/Mohr 2018; Troltsch/Gerhards 2018). Einer der Schwerpunkte der Erhebungswellen seit 2016 ist die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt. Zur Messung des Niveaus der betrieblichen Digitalisierung wurde eine differenzierte Erfassung der Einführung neuer Technologien vorgenommen. Diese umfasste folgende Technologien:

  • Digitale Informations- und Kommunikationstechnologien.
  • Internet, Intranet, E-Mail, mobiles Internet, Content-Management-Systeme und vergleichbare computergesteuerte Anlagen und digitale Arbeitsgeräte bzw. -mittel zur Erstellung von Produkten und Dienstleistungen.
  • Speziell auf Dienstleistungen für Kunden bezogene digitale Technologien.
  • Speziell auf Vernetzung mit Lieferanten und zwischen Betrieben bezogene digitale Technologien.
  • Personal- oder arbeitsorganisationsbezogene Technologien.
  • Digitale Technologien, die sich auf Sammlung, Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen beziehen.
  • Digitale Technologien, die sich auf Datensicherheit und Datenschutz beziehen.

Diese wurden 2017 um folgende Technologien erweitert:

  • Auf die digitale Präsenz und Selbstdarstellung des Betriebs bezogene Anwendungen.
  • Digitale Technologien, die relativ autonom und unabhängig von der Bedienung durch Beschäftigte arbeiten.

Stand des betrieblichen Digitalisierungsniveaus in Ausbildungsbetrieben

Um einen Eindruck vom Digitalisierungsniveau in Ausbildungsbetrieben im Jahr 2017 zu geben, wird in Schaubild A7.3-1 die Nutzungshäufigkeit verschiedener Hard- und Softwarekomponenten gezeigt. Informations- und kommunikationsbezogene Arbeitsgeräte wie Computer und die häufig damit einhergehende Anwendung von digitalen Netzwerktechnologien, sowie Technologien, die sich auf Datensicherheit und Datenschutz beziehen, waren im Jahr 2017 sowohl in Ausbildungs- als auch Nichtausbildungsbetrieben aufgrund der hohen Nutzungshäufigkeit technologischer Standard. Von der Bedienung der Beschäftigten autonome Technologien wurden im Vergleich zu anderen digitalen Technologien am seltensten in Ausbildungsbetrieben eingesetzt (7,6%). Insgesamt wurden alle aufgeführten digitalen Technologien in Ausbildungsbetrieben häufiger eingesetzt als in Nichtausbildungsbetrieben. Dabei war die Differenz zwischen Ausbildungs- und Nichtausbildungsbetrieben in den Bereichen der Personal- oder arbeitsorganisationsbezogenen Technologien sowie computergesteuerter Anlagen und digitaler Arbeitsgeräte bzw. -mittel zur Erstellung von Produkten und Dienstleistungen am größten (jeweils rund 20 Prozentpunkte).

Schaubild A7.3-1: Nutzung digitaler Technologien nach Ausbildungsbetrieb 2017 (in %)

In Ausbildungsbetrieben nahm die Nutzungshäufigkeit digitaler Technologien stufenweise mit der Betriebsgrößenklasse zu, das heißt ausbildende Großbetriebe weisen die höchste Nutzungshäufigkeit auf Tabelle A7.3-1 Internet. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit der Feststellung, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Vergleich zu großen Firmen deutlich weniger digitalisiert sind und damit einen höheren Nachholbedarf bei der Umsetzung von Industrie 4.0158 haben (Bundesinstitut für Berufsbildung 2017a). Während 2017 in Ausbildungsbetrieben des produzierenden Gewerbes häufiger computergesteuerte Arbeitsmittel oder Technologien zur Erstellung von Produkten und Dienstleistungen genutzt wurden (75,7% vs. 47,8% im Dienstleistungsbereich), wurden in Ausbildungsbetrieben des Dienstleistungsbereichs häufiger Web-2.0-Anwendungen159, Internet-Foren und Blogs eingesetzt (89,6% vs. 65,0% im produzierenden Gewerbe) Tabelle A7.3-2 Internet

Betrachtet man die Entwicklung der in Ausbildungsbetrieben genutzten Technologien im Zeitverlauf, lässt sich erkennen, welche Technologien für Betriebe schnell an Bedeutung gewonnen haben.160 Die Nutzung von digitalen Technologien, die sich auf die Sammlung, Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen beziehen, erfuhr hierbei zwischen 2016 und 2017 mit 28,5 Prozentpunkten den stärksten Zuwachs Tabelle A7.3-3 Internet. Ebenso verzeichneten personal- oder arbeitsorganisationsbezogene Technologien einen Anstieg in der Nutzung von 24,4 Prozentpunkten. Am drittstärksten (+12,9 Prozentpunkte) stieg in den Ausbildungsbetrieben die Nutzung von Technologien, die mit der Vernetzung mit Lieferanten und zwischen Betrieben im Zusammenhang stehen. 

Betriebliche Ausbildungsbeteiligung und Digitalisierungsgrad  

Im Jahr 2017 ging ein zunehmender betrieblicher Digitalisierungsgrad mit einer höheren Ausbildungsbeteiligung einher. In Betrieben mit geringem Digitalisierungsgrad betrug der Anteil ausbildender Betriebe an allen Betrieben 10,6% Tabelle A7.3-4. In Betrieben mit mittlerem Digitalisierungsgrad lag dieser Anteil bei 20,3% und in hochgradig digitalisierten Betrieben bei 31,0%. Entsprechend stieg auch der Anteil Auszubildender an allen Beschäftigten eines Betriebes mit zunehmendem Digitalisierungsgrad, wobei er in Betrieben mit mittlerem Digitalisierungsgrad mit 6,2% etwas höher war als in hochdigitalisierten Betrieben (5,3%). 

Digitalisierungsindex 2017

Um das Technologisierungsniveau der Betriebe quantitativ einschätzen zu können, wurde aus den im Jahr 2017 erhobenen Technologien ein gewichteter linearer Index erstellt.161 Dieser reicht von 0 „keine digitalen Technologien enthalten“ bis 9 „alle digitalen Technologien enthalten“. 

Der zehnstufige Index wird wiederum zu einem dreistufigen Digitalisierungsgradindex zusammengefasst, der die Ausprägungen „Niedriger Technologisierungsgrad“ (0 bis 2 digitale Technologien), „Mittlerer Technologisierungsgrad“ (3 bis 6 digitale Technologien) und mit 7 oder mehr Technologien „hoher Technologisierungsgrad“ umfasst.


Tabelle A7.3-4: Indikatoren zur betrieblichen Ausbildungsbeteiligung nach Digitalisierungsgrad des Betriebes und Strukturmerkmalen 2017 (in %)

Die Ausbildungsbeteiligung unterschied sich neben dem Digitalisierungsgrad auch nach Branchenzugehörigkeit. So war in hochgradig digitalisierten Betrieben des verarbeitenden Gewerbes der Anteil ausbildender Betriebe an allen Betrieben mit 59,1% deutlich höher als in anderen Branchen. Der geringste Anteil lag im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen (16,8%). 

Eine regionale Differenzierung ergibt, dass die betriebliche Ausbildungsbeteiligung auf allen Digitalisierungsniveaus in den neuen Bundesländern geringer war als in den alten Bundesländern. Vor allem westdeutsche Betriebe mit mittlerem Digitalisierungsgrad bildeten 2017 deutlich häufiger aus als Betriebe in den neuen Bundesländern: Der Anteil ausbildender Betriebe an allen Betrieben war hier doppelt so hoch wie in ostdeutschen Betrieben (22,7% vs. 11,4%). 

(Sabrina Weller, Felix Lukowski, Myriam Baum) 

  • 158

    „Industrie 4.0 meint im Kern die technische Integration von Cyber-Physical Systems in die Produktion und die Logistik sowie die Anwendung des Internets der Dinge und Dienste in industriellen Prozessen – einschließlich der sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Wertschöpfung, die Geschäftsmodelle sowie die nachgelagerten Dienstleistungen und die Arbeitsorganisation“ (Forschungsunion/acatech 2013).

  • 159

    Der Begriff Web 2.0 „stellt eine Evolutionsstufe hinsichtlich des Angebotes und der Nutzung des World Wide Web dar, bei der nicht mehr die reine Verbreitung von Informationen bzw. der Produktverkauf durch Websitebetreiber, sondern die Beteiligung der Nutzer am Web und die Generierung weiteren Zusatznutzens im Vordergrund stehen“ (Springer Gabler Verlag 2018).

  • 160

    Bei Messungen der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung auf Basis von Primärerhebungen bei Betrieben und Unternehmen sind ungeachtet des Stichproben- und Erhebungsdesigns Selektivitätseffekte in der Teilnahme niemals vollkommen auszuschließen und über Gewichtungs- und Hochrechnungsfaktoren auch nicht ausgleichbar. Der große Vorteil gegenüber der Nutzung von amtlichen Statistiken ist aber in der deutlich größeren Informationstiefe und -breite zu sehen, die zur Erklärung von Strukturen und Prozessen in der Grundgesamtheit herangezogen werden können (vgl. Krekel 2017; Lukowski 2017).

  • 161

    Da in der Erhebungswelle 2016 des BIBB-Qualifizierungspanels weniger digitale Technologien erhoben wurden als in der Welle 2017, wird kein zeitlicher Vergleich vorgenommen. Zum Digitalisierungsindex in deutschen KMU im Jahr 2016 vgl. Baum/Lukowski 2017.