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Berufliche Ausbildung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Integration ins Erwerbsleben und zur Sicherung der Zukunftschancen junger Menschen. Ein erfolgreicher Einstieg in die Arbeitswelt ist eine grundlegende Voraussetzung zur Realisierung individueller Berufs- und Arbeitschancen. Diese „zweite Schwelle“ markiert die Schnittstelle zwischen Berufsausbildung und Arbeitsmarkt, an der entscheidende Weichen für den späteren Berufsverlauf gestellt werden. Die Phase des Übergangs vom Ausbildungs- in das Beschäftigungssystem verläuft jedoch nicht für alle Ausbildungsabsolventinnen und Ausbildungsabsolventen reibungslos. Vielmehr kann sie von Brüchen und Unwägbarkeiten begleitet sein.

Der folgende Abschnitt analysiert – aus der Perspektive der Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen – die berufliche Übergangsphase junger Menschen mit dualer Ausbildung. Anhand der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird dargestellt, wie groß der Anteil der erfassten Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen ist, die sich unmittelbar nach der Ausbildung arbeitslos melden. Im Gegensatz dazu steht bei der Analyse mit dem IAB-Betriebspanel (vgl. Kapitel A10.1.1) die Sicht der Betriebe im Mittelpunkt.

Über die Zahl der Personen, die sich direkt nach einer dualen Ausbildung arbeitslos meldeten, wird im Datenreport jährlich Bericht erstattet. Die Angaben der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitslosigkeit beziehen sich dabei auf den Zeitpunkt unmittelbar nach der Ausbildung, unabhängig von der Dauer der Arbeitslosigkeit. Die Anzahl der Ausbildungsabsolventinnen und Ausbildungsabsolventen entstammt der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (vgl. Kapitel A5.8). Die so berechneten Quoten unterscheiden sich erheblich von der allgemeinen Erwerbslosenquote junger Menschen mit einer abgeschlossenen dualen Ausbildung (vgl. Kapitel A10.1.3).

Im Jahr 2015 meldeten sich nach Hochrechnungen, die auf Angaben der BA basieren, 113.000 Personen nach abgeschlossener dualer Ausbildung arbeitslos204 Tabelle A10.1.2-1. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Absolventen/Absolventinnen einer dualen Ausbildung (415.000 Personen) ergibt sich eine Arbeitslosenquote von 27,3 %. Dies ist ein erneuter Rückgang in Höhe von 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr (28,6 %). Von einem minimalen Anstieg im Jahr 2013 abgesehen ging diese Quote seit 2009, als sie 11 Prozentpunkte höher lag als 2015, kontinuierlich zurück.

Tabelle A10.1.2-1: Arbeitslosenzugänge nach erfolgreich beendeter dualer Ausbildung in Deutschland nach Geschlecht 2009 bis 2015

Die Arbeitslosenquote im unmittelbaren Anschluss an die Ausbildung variiert weiterhin zwischen alten und neuen Ländern. Diese Quote, die Sucharbeitslosigkeit einschließt205, ist in den neuen Ländern über 9 Prozentpunkte höher als in den alten (35,3 % zu 26,2 %). Die Differenz zwischen alten und neuen Ländern ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte zurückgegangen. Denn während der Anteil der Arbeitslosen 2015 in den alten Ländern im Vergleich zu 2014 um weniger als einen Prozentpunkt sank, ging er in den neuen Ländern um drei Prozentpunkte zurück (2014: Ost 38,3 %, West 27,1 %). Seit 2009, als diese Differenz 21 Prozentpunkte betrug, ist der Unterschied zwischen west- und ostdeutscher Arbeitslosenquote kontinuierlich gesunken und hat sich mehr als halbiert. Dennoch bleibt die Differenz zwischen Ost- und Westdeutschland weiterhin deutlich.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich bei jungen Frauen (2014: 31,2 %, 2015: 29,7 %) ein geringfügig stärkerer Rückgang der Arbeitslosenquote als bei jungen Männern (2014: 26,7 %, 2015: 25,7 %). Damit sinkt die Differenz der Arbeitslosenquoten junger Frauen und Männer leicht. Diese Quote liegt 2015 bei den weiblichen Fachkräften ca. 4 Prozentpunkte höher als bei den männlichen, im Vorjahr waren es 4,5 Prozentpunkte. Seit 2011 schwankt diese Differenz um 4 Prozentpunkte. In den Jahren davor war der Unterschied geringer, da stark männlich besetzte Branchen in größerem Ausmaß von der Weltwirtschaftskrise betroffen waren.

In den alten Ländern waren 2015 24,6 % (2014: 25,3 %) der jungen Männer und 28,4 % (2014: 29,6 %) der jungen Frauen nach dem dualen Ausbildungsabschluss arbeitslos. In den neuen Ländern waren es 33,0 % der jungen Männer (2014: 35,8 %) und 38,7 % der jungen Frauen (2014: 42,2 %). Damit fällt der Rückgang der Arbeits­losenquoten bei weiblichen Fachkräften sowohl in West- als auch in Ostdeutschland in geringem Ausmaß stärker als bei männlichen Fachkräften aus.

Insgesamt hat sich die Situation 2015 im Vergleich zum Vorjahr erneut etwas verbessert. Dies gilt für junge Frauen geringfügig mehr als für junge Männer. Der Abstand der Arbeitslosenquoten der weiblichen und männlichen Fachkräfte bleibt aber etwa auf dem Niveau der Vorjahre. In Ostdeutschland ist die Arbeitslosigkeit erneut stärker zurückgegangen als in Westdeutschland. Daher haben sich die Anteile der Arbeitslosigkeit junger Fachkräfte in Ost und West in den letzten Jahren deutlich angenähert, verbleiben allerdings in den neuen Ländern weiterhin auf einem höheren Niveau.

Da die Arbeitslosenquote unmittelbar nach der Ausbildung nur einen kurzen Zeitpunkt abbildet, ist eine zeitlich umfassendere Analyse der Situation junger Fachkräfte am Arbeitsmarkt sinnvoll. Diese wird im folgenden Kapitel vorgenommen.

  • 204

    Zwischen außerbetrieblicher und betrieblicher Ausbildung kann im Datensatz der BA nicht unterschieden werden. 

  • 205

    Daher ist davon auszugehen, dass die Arbeitslosenquote im ersten Jahr nach der Ausbildung stark sinkt (vgl. auch Dorau/Höhns 2006).