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Die jährliche Befragung von Anbietern zur Entwicklung von Angebots-, Anbieter- und Teilnahmestrukturen hat im Bildungssegment Fernlernen eine jahrzehntelange Tradition. Mehr als 30 Jahre lang (1984 bis 2015) stellte die Fernunterrichtsstatistik entsprechende Daten zur Verfügung. Allerdings blieb, trotz eines mehrfachen Wechsels der erhebenden Stellen, das Erhebungsverfahren in diesem Zeitraum fast unverändert. Daher führte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes eine umfassende Revision der Statistik durch (vgl. dazu auch https://www.bibb.de/de/54468.php). Dabei galt es, einerseits an das etablierte Vorgehen anzuknüpfen und andererseits gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen (z. B. Digitalisierung von Bildung, Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung) stärker als bislang Rechnung zu tragen. Um die Änderungen im methodischen Vorgehen auch nach außen hin sichtbar zu machen, wurde die Statistik zudem in „Strukturdaten Distance Learning/Distance Education“ umbenannt. 

Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse der diesjährigen Erhebung vorgestellt (vgl. Fogolin 2017), die sich im nicht akademischen sowie im Zertifikatsbereich einiger Hochschulen auf den Berichtszeitraum 01.01. bis 31.12.2016, im hochschulischen Bereich ansonsten auf das Wintersemester (WS) 2016/2017 beziehen. Zusätzlich konnten für die vorliegende Darstellung ergänzende Daten der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) herangezogen werden. 

Stichprobenzusammensetzung und Rücklaufquoten

In die Stichprobenziehung wurden, wie bislang, die bei der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) im Zeitraum 01.01. bis 31.12.2016 registrierten Bildungsanbieter und Hochschulen einbezogen. Im Hochschulsektor betrifft dies Studienangebote, die auf privatrechtlicher Grundlage durchgeführt werden. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Distance Education im Kontext der Öffnung der Hochschulen wurden in die akademische Teilstichprobe darüber hinaus zusätzlich auch Hochschulen einbezogen, die auf öffentlich-rechtlicher Basis agieren. Insgesamt umfasste die Stichprobe 430 Anbieter (344 Bildungsanbieter und 86 Hochschulen). 

Der verwertbare Rücklauf liegt bei 139 Datensätzen (Gesamtrücklaufquote: 32,3%). Dabei differieren die Rückläufe der beiden Teilstichproben deutlich: Beteiligungsquote der (nicht akademischen) Bildungsanbieter: 25,9% (89 von 344), der Hochschulen: 58,1% (50 von  86). Zu   den beteiligten Hochschulen nach Hochschultyp und Bundesland vgl. Schaubild B2.3-1.

Schaubild B2.3-1: Beteiligte Hochschulen nach Typ und Bundesland

Anbieter von Distance Learning

Die befragten nicht akademischen Bildungsanbieter (n = 89) lassen sich wie folgt charakterisieren:

  • 48,4% waren relativ „junge“ Anbieter von Fernlernen und agierten seit 2002 am Markt (hier: n = 87).
  • 52,8% der Befragten boten ausschließlich Fernlehrgänge an, d. h. sie nutzten keine anderen didaktischen Bildungsformate zur Vermittlung von Lerninhalten.
  • 68,5% der Befragten waren relativ spezialisiert und hatten bis zu 10 Fernlehrgänge in ihrem Portfolio. Demgegenüber boten 5,6% der Befragten mehr als 101 Fernlehrgänge an (hier: n = 88).
  • Bis zu 100 Teilnehmende im Berichtszeitraum 01.01. bis 31.12.2016 wiesen 56,2% der befragten Bildungsinstitutionen aus, während 5,6% ab 5.001 Teilnehmende verzeichneten.

Damit sind die für 2016 erhobenen Angaben tendenziell mit den früheren Ergebnissen der Fernunterrichtsstatistik vergleichbar: Es zeigt sich ein relativ polarisiertes Bildungssegment, in dem einige wenige Anbieter den Markt dominierten, während der Großteil der Anbieter demgegenüber relativ klein und spezialisiert war.

Zur Konzeption/Durchführung der Fernlehrangebote kooperierte knapp die Hälfte der Befragten (49,4%) im Berichtszeitraum 2016 mit Dritten; weitere 4,5% planten dies zukünftig. Einen Überblick über die Kooperationspartner der nicht akademischen Teilstichprobe bietet Schaubild B2.3-2 (bei der Beantwortung dieser Frage waren Mehrfachantworten möglich).

Schaubild: B2.3-2: Kooperationspartner der nicht akademischen Bildungsanbieter (Mehrfachantworten in %)

Fernlernende

Für 2016 wiesen die an der Befragung beteiligten 89 Anbieter insgesamt 161.966 Teilnehmende an gemäß Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) zulassungspflichtigen und weitere 2.963 an gemäß FernUSG zulassungsfreien Fernlehrangeboten (z. B. von der ZFU als „Hobbylehrgänge“ klassifizierte Angebote) aus.

Mit einem Frauenanteil von 54,0% setzte sich die seit einigen Jahren zu beobachtende, leichte Dominanz von Frauen im nicht akademischen Sektor fort. Besonders stark nachgefragt wurden von ihnen Angebote in den Themenbereichen: Umwelt/Tiere (89,5% aller Teilnehmenden), Pädagogik/Sozialwesen (80,8% aller Teilnehmenden) und Gesundheit/Pflege/Ernährung (80,7% aller Teilnehmenden). 

Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (55,1%) war bis zu 34 Jahre alt; zur Altersklasse „50 bis 64“ zählten aber auch immerhin noch 10% der Teilnehmenden und „über 65“ waren 0,6% der ausgewiesenen Teilnehmenden. In der letztgenannten Gruppe der über 65-Jährigen wurden thematisch insbesondere Angebote zur Freizeitgestaltung (43,3% aller Teilnehmenden dieser Altersklasse) und Sprachen (11,6% aller Teilnehmenden dieser Altersklasse) nachgefragt.

Distance Learning – Angebot

Nach Angaben der ZFU bereiteten im Berichtszeitraum 2016 insgesamt 2.040 Fernlehrgänge auf eine Abschlussprüfung vor (2015: 1.946). Ca. zwei Drittel (66,3%) endeten dabei mit einem Zertifikat des Anbieters (2015: 65,0%), ein gutes Fünftel (21,7%) bereitete auf eine öffentlich-rechtliche Prüfung vor (2015: 22,1%). Weitere 10,7% ermöglichten eine (Fach-)Schulprüfung (2015: 11,5%) und 1,3% boten die Option auf ein verbandsinternes Zertifikat (2015: 1,4%).

Im Vergleich dazu erhob das BIBB für 2016 insgesamt 1.898 Fernlehrgänge, von denen 78,9% mit einem non-formalen Abschluss endeten (davon mit institutseigener Prüfung: 42,5%). 14,3% ermöglichten eine öffentlich-rechtliche Prüfung und 5,2% einen (Fach-)Schulabschluss. Mit einem Verbandszertifikat endeten 1,6% der ausgewiesenen Fernlehrgänge.

Distance Education an Hochschulen

Die befragten Hochschulen (n = 50) wiesen für das WS 2016/2017 158.043 Fernstudierende (d. h. Personen, die einen anerkannten akademischen Grad anstrebten) und weitere 16.783 Teilnehmende aus (d. h. Personen, die einen non-formalen Abschluss anstrebten, z. B. eine Modulbescheinigung).

Davon waren bei den Fernstudierenden 27.728 (17,5%) im WS 2016/2017 neu immatrikuliert, während bei den Teilnehmenden 8.451 Neueinschreibungen (50,4%) verzeichnet wurden. Eine Übersicht über die für das WS 2016/2017 ermittelten Fernstudierenden und Teilnehmenden nach Hochschultyp gibt Schaubild B2.3-3.

Vergleicht man die bei der ZFU zum Stichtag 31.12.2016 zugelassenen, ausschließlich auf privatrechtlicher Basis durchgeführten Fernstudienangebote (n = 303) mit den im Rahmen der Statistik „Strukturdaten Distance Learning/Distance Education“ für das WS 2016/2017 ermittelten Studien- und Zertifikatsangeboten (n = 1.223), ergibt sich in Bezug auf die erzielbaren Abschlüsse folgendes Bild Schaubild B2.3-4.

(Angela Fogolin)

Schaubild: B2.3-3: Fernstudierende und Teilnehmende im WS 2016/2017 nach Hochschultyp

B2.3-4: Von der ZFU zugelassene und vom BIBB erhobene Distance Education im WS 2016/2017 nach Abschluss (in %)

  • 306

    Eine Privatuniversität und eine kirchliche (Fach-)Hochschule gaben bei diesen Abfragen jeweils „0“ an. Daher blieben sie im Schaubild unberücksichtigt.