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In diesem Beitrag werden die Strukturen, Programme und Initiativen der Berufsorientierung aus Australien, Österreich und der Schweiz miteinander verglichen. Die Struktur der Berufsorientierung in Deutschland wird in Kapitel C thematisiert und daher hier nicht erneut aufgegriffen. Die Schweiz und Österreich haben ein duales Ausbildungssystem; in Australien gibt es ebenfalls eine ausgebaute Berufsbildung, die in Teilen auch dual ist, aber erst auf der post-sekundären Ebene ansetzt Schaubild D1.1-1.

Wesentliche Unterschiede in Konzepten und in der Praxis der Berufsorientierung in verschiedenen Ländern hängen mit den unterschiedlichen sozialen, kulturellen sowie institutionellen Bedingungen der Länder zusammen (Watts 1999, S. 1). Dieses Kapitel untersucht insbesondere den Einfluss der Strukturen des Bildungssystems und der institutionalisierten Übergänge zum Arbeitsmarkt (Watts 1999, S. 8ff.). Ein weites Verständnis von „Berufsorientierung“ bezieht sich damit im internationalen Kontext auf Strukturen der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung für Schüler/-innen, Studierende sowie junge Erwachsene. Im Englischen gibt es eine Vielzahl von Begriffen, wie z. B. vocational guidance, career guidance, counselling, die sich teilweise stärker auf Berufswahl- und teilweise stärker auf Bildungslaufbahnentscheidungen beziehen. 

Zwischen betrieblichen Ausbildungssystemen und schulisch dominierten Ausbildungssystemen gibt es wesentliche Unterschiede (Watts 1999, S. 9). Erstere integrieren die relevanten Beratungsangebote innerhalb der Arbeitsmarkt- und Berufsbildungsinstitutionen, während letztere ihre Beratungsangebote meist in Bildungsinstitutionen verorten. Beispielsweise liegt die (formale) Verantwortung der Berufsberatung im betrieblichen Ausbildungssystem in Deutschland bei der Bundesagentur für Arbeit, wohingegen z. B. in Frankreich die wichtigsten Beratungsdienste Teil des schulischen Bildungssystems sind (Watts u. a. 1994). Berufsorientierungsmodelle können damit eher einer Bildungs- oder der Beschäftigungslogik zugeordnet werden. In Systemen, die sich durch eine starke Integration von Betrieben auszeichnen, folgt die Berufsbildung dabei einer Beschäftigungslogik (z. B. Deutschland), während Bildungsstrukturen mit schwachen Verbindungen zur Arbeitswelt eher in eine Bildungslogik (z. B. Kanada) eingebettet sind (Iannelli/Raffe 2007). Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht hinsichtlich der Verortung der beruflichen Bildung. Insbesondere in Europa gibt es Systeme mit einer sehr starken Beteiligung in den Berufsbildungsgängen der Sekundarstufe II, während andere Systeme wie beispielsweise Australien (oder Kanada) mit der Berufsbildung im post-sekundären Bereich starten Schaubild D1.1-1.