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Duales Studium als ergänzende Strategie zur Qualifikationsbedarfsdeckung

Betriebe können ihren Qualifikationsbedarf sowohl durch externe Rekrutierung als auch durch interne Aus- und Weiterbildungsaktivitäten decken (vgl. Bellmann u. a. 2014). Neben der dualen Ausbildung in nach BBiG/HwO geregelten Ausbildungsberufen gibt es die Möglichkeit, im Rahmen eines dualen Studiums betriebliche Lernphasen mit Hochschulbildung zu kombinieren. In Abgrenzung zu praxisintegrierenden dualen Studiengängen wird im Rahmen ausbildungsintegrierender Studiengänge zusätzlich zum Bachelorabschluss einen Ausbildungsabschluss erworben. Für Jugendliche kann die integrierte Hochschulbildung eine zusätzliche Perspektive bieten, während in den betrieblichen Lernphasen wie in der dualen Ausbildung betriebsspezifische Fähigkeiten vermittelt werden. In den letzten Jahren ist sowohl die Anzahl dualer Studiengänge als auch die Zahl der dual Studierenden stark angestiegen (vgl. Hofmann u. a. 2020; zu dualen Studiengängen siehe auch Kapitel A6.3, Kapitel C2.3.1).

Anhand der Daten des BIBB-Betriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung  aus dem Jahr 2019 wird im Folgenden dargestellt, welche Betriebe dual Studierende unter ihren Auszubildenden nach BBiG/HwO haben und somit den Qualifizierungsweg des ausbildungsintegrierten Studiums als eine Form des dualen Studiums fördern. Dies erfolgt nach Betriebsstrukturmerkmalen und nach betrieblicher Qualifikationsstruktur.

Messung der betrieblichen Beteiligung an dualen Studiengängen im BIBB-Qualifizierungspanel

Das BIBB-Betriebspanel zur Qualifizierung und Kompetenzentwicklung (BIBB-Qualifizierungspanel) ist eine seit 2011 jährlich stattfindende Wiederholungsbefragung von Betrieben in Deutschland. Mit der Befragung werden repräsentative Längsschnittdaten zum betrieblichen Qualifizierungsgeschehen erhoben (vgl. Troltsch/Mohr 2017; Kapitel A7.3 und Kapitel C3.6).

Der hier verwendete Indikator misst den Anteil der Betriebe, die unter ihren Auszubildenden nach BBiG/HwO mindestens einen dual Studierenden haben. Die Basis bilden die Ausbildungsbetriebe nach BBiG/HwO.354  An die Betriebe wurde folgende Frage gestellt: „Gab es am 31.12.2018 in Ihrem Betrieb Auszubildende mit einem Ausbildungsvertrag nach BBiG oder HwO, die ein duales Studium absolvieren, d. h. die ihre Ausbildung mit einem Studium an einer Hochschule oder Akademie kombinieren?“

Beteiligung von Betrieben an dualen Studiengängen nach Strukturmerkmalen

Nach den Ergebnissen des BIBB-Qualifizierungspanels hatten im Referenzjahr 2018 knapp 6% der Ausbildungsbetriebe nach BBiG/HwO unter ihren Auszubildenden dual Studierende in nach BBiG/HwO geregelten Ausbildungsberufen. Schaubild C3.7-1 stellt den Anteil der Betriebe mit dual Studierenden unter ihren Auszubildenden nach BBiG/HwO im Jahr 2018 nach Strukturmerkmalen dar.

Der Anteil der Betriebe mit dual Studierenden unter ihren Auszubildenden nach BBiG/HwO steigt mit zunehmender Betriebsgröße. Während Betriebe mit bis zu 19 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SVB) 3% dual Studierende unter ihren Auszubildenden nach BBiG/HwO hatten, hatte mehr als jeder dritte nach BBiG/HwO ausbildende Betrieb mit 200 und mehr SVB unter seinen Auszubildenden dual Studierende.

Schaubild C3.7-1: Anteil der Betriebe mit dual Studierenden unter den Auszubildenden nach BBiG/HwO, nach Strukturmerkmalen, 2018 (in %)

Mit 20% war der Anteil der Ausbildungsbetriebe nach BBiG/HwO mit dual Studierenden im Bereich Landwirtschaft/Bergbau/Energie am höchsten. Ebenfalls überdurchschnittlich war der Anteil in Betrieben, die den unternehmensnahen Dienstleistungen (12%), dem öffentlichen Dienst und Erziehung (11%) sowie dem verarbeitenden Gewerbe (9%) angehörten. Im Bereich Handel und Reparatur lag der Anteil bei 3%, während es mit jeweils 1% der Betriebe in der Bauwirtschaft und den medizinischen Dienstleistungen eine selten gewählte Qualifizierungsstrategie darstellte. Insbesondere bei den medizinischen Dienstleistungen könnte dies darauf zurückzuführen sein, dass im BIBB-Qualifizierungspanel lediglich dual Studierende in einem nach BBiG/HwO geregelten Ausbildungsberuf erfasst werden, die in den medizinischen Dienstleistungen insgesamt seltener ausgebildet werden als in Betrieben anderer Branchen.   

Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt verändert auch den Qualifikationsbedarf von Betrieben. Der Technologisierungsgrad (Kapitel C3.6), der abbildet, in welchem Umfang Betriebe digitale Technologien verwenden, wird hier auf einen zweistufigen Technologisierungsgrad zusammengefasst und unterscheidet Betriebe mit niedrigem Technologisierungsgrad, die null bis fünf der erhobenen Technologien nutzen, und Betriebe mit hohem Technologisierungsgrad, die mehr als fünf der erhobenen Technologien nutzen. Auf dieser Basis lassen sich Aussagen über den Zusammenhang zwischen Technologisierungsgrad und der Beteiligung an dualen Studiengängen treffen: In Betrieben mit hohem Technologisierungsgrad war der Anteil der Betriebe mit dual Studierenden unter ihren Auszubildenden nach BBiG/HwO mit 7% fast doppelt so hoch wie in Betrieben, die digitale Technologien in geringerem Umfang einsetzten (4%).

Qualifikationsstruktur in Betrieben mit und ohne dual Studierenden

Arbeitsanforderungen von Betrieben spiegeln sich in der Qualifikationsstruktur der Beschäftigten wider; andersherum erlaubt die Qualifikationsstruktur Rückschlüsse auf das Anforderungsniveau der Tätigkeiten.

Die Ergebnisse in Tabelle C3.7-1 zeigen, dass sich die Qualifikationsstruktur in Betrieben ohne dual Studierende bzw. mit dual Studierenden unter den Auszubildenden nach BBiG/HwO unterscheidet. In Betrieben mit dual Studierenden war der durchschnittliche Anteil der Beschäftigten mit betrieblicher Berufsausbildung sowie mit Meister-, Techniker- oder vergleichbarem Fortbildungsabschluss niedriger, während der durchschnittliche Anteil der Beschäftigten mit Fachhochschul-/Universitätsabschluss in Betrieben mit dual Studierenden höher war als in Betrieben ohne dual Studierende. Dies zeigt, dass in stärker akademisch qualifizierten Belegschaften auch die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass im Bereich der Ausbildung die akademische Qualifizierung gefördert wird.

Gleichzeitig war der durchschnittliche Anteil der Beschäftigten mit Bachelorabschluss als höchstem Abschluss in der Gruppe der Beschäftigten mit Fachhochschul-/Universitätsabschluss in Betrieben mit dual Studierenden unter den Auszubildenden nach BBiG/HwO fünf Prozentpunkte höher als in Betrieben ohne dual Studierende. Insgesamt zeigt dies, dass in Betrieben mit dual Studierenden der durchschnittliche Anteil der Beschäftigten mit akademischer Ausbildung höher ausfällt als in Betrieben ohne dual Studierende; allerdings fiel der Anteil der Beschäftigten mit mindestens einem Masterabschluss niedriger aus.

(Kathrin Weis)

Tabelle C3.7-1: Qualifikationsstruktur in Betrieben ohne dual Studierende und mit dual Studierenden unter den Auszubildenden nach BBiG/HwO, 2018 (in %)

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    Anhand dieses Indikators ist daher keine Aussage über die Bedeutung der Qualifizierungsstrategie des dualen Studiums im jeweiligen Betrieb möglich, da der Anteil der dual Studierenden an der Anzahl der Auszubildenden in nach BBiG/HwO geregelten Ausbildungsberufen nicht abgebildet wird.

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