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Auch auf der Angebotsseite des Ausbildungsmarktes haben sich aufgrund der Entwicklungen in der Demografie (vgl. Kapitel C1.2) und im Bildungsverhalten der Schulabsolventen/ -absolventinnen (vgl. Kapitel C1.1) Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur und im Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Ausbildung ergeben. Neben den Entwicklungen in der Gesellschaft bzw. im Bildungssystem und ihren Einflüssen auf Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt muss auch auf ökonomische Entwicklungen hingewiesen werden, die sich auf die Beteiligung von Betrieben an der Ausbildung Jugendlicher ausgewirkt haben. So haben der starke Anstieg der Beschäftigung, der nochmals gestiegene Anteil der Exportwirtschaft am Wirtschaftswachstum und der in manchen Branchen bestehende Fachkräftemangel zu spezifischen Qualifikationsanforderungen und einem großen Bedarf an Fachkräften geführt (vgl. Kapitel C3). Anhand von Daten der amtlichen Beschäftigungsstatistik kann im Folgenden gezeigt werden, dass sich Beschäftigung und Ausbildung in den letzten Jahren zu einem großen Teil gegenläufig entwickelt haben (vgl. Kapitel A4.10.1). Hier ist zu vermuten, dass nicht nur Veränderungen im Bildungssystem und im Bildungsverhalten von Jugendlichen, sondern auch ökonomische Trends zum Rückgang in der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung geführt haben und Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt immer auch eine Mischung aus beiden Bereichen darstellen.

Ausgehend von der mehrfach untersuchten Hypothese, dass die Entwicklung der Ausbildung immer eng an die Entwicklungen in der Beschäftigung von qualifizierten Fachkräften (Troltsch/Walden 2010; Walden/Troltsch 2012) gebunden war, zeigen sich in den letzten Jahren Erosionserscheinungen im Verhältnis zwischen Fachkräftebedarf und Fachkräftezuwachs auf der einen Seite und der betrieblichen Ausbildung von Nachwuchskräften auf der anderen Seite (Bellmann u. a. 2014 a; Bellmann u. a. 2014 b). In Schaubild C1.4-1 ist dargestellt, wie sich trotz guter Verhältnisse auf den Arbeitsmärkten mit einer extrem günstigen Beschäftigtenentwicklung der Anteil an Auszubildenden seit 2007 immer weiter verringert hat.

Diese Entwicklung der Zahl der Auszubildenden ist umso erstaunlicher, als nicht nur die Zahl der offiziell registrierten Bewerber/ -innen im Untersuchungszeitraum relativ konstant geblieben ist, die schulische Vorbildung der Ausbildungsstellenbewerber/ -innen relativ unverändert geblieben ist (vgl. Kapitel C2.3) und die Gesamtzahl an Ausbildungsinteressierten innerhalb von 4 Jahren auch nur um 5 % zurückgegangen ist (vgl. Kapitel A1). Auch das Angebot an ungelernten jungen Erwachsenen ist mit über 1,3 Mio. Personen ein immer noch ausschöpfbares Potenzial für nachträgliche berufliche Qualifizierungen (vgl. Kapitel C1.3).

Im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen stehen Passungsprobleme zwischen Beschäftigung und Ausbildung in regionaler, sektoraler und beruflicher Hinsicht. Wie sich an den Ergebnissen zur regionalen Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung nach Bundesländern ablesen lässt (Schaubild C1.4-2), kann ein nicht unbeträchtlicher Teil der rückläufigen Entwicklung in der Ausbildung in Deutschland auf die hohen Rückgänge in den neuen Bundesländern zurückgeführt werden (vgl. Kapitel A4.10.1). Bis auf Berlin verlieren die meisten ostdeutschen Länder weit mehr als ein Drittel ihrer Auszubildendenbestände, seit 2007 insgesamt 132.000. Das westliche Bundesgebiet kommt auf einen durchschnittlichen Rückgang von etwa 2 %, ein Rückgang um etwa 30.000 Auszubildende. Was die Beschäftigung im Untersuchungszeitraum betrifft, so zeigen sich analog zum Westen vergleichbar günstige Entwicklungen in den neuen Bundesländern. Es liegt nahe, dass die Entwicklung im östlichen Bundesgebiet insbesondere folgende Ursachen hat: die demografische Entwicklung, eine besondere Verteilung in der schulischen Qualifikation von Schulabgängern und -abgängerinnen mit sehr hohen Anteilen an Realschulabsolventen (vgl. Kapitel A1.1), ein verändertes Bildungsverhalten der Jugendlichen (vgl. Kapitel C1.1) sowie eine hohe Mobilität von Jugendlichen (vgl. Kapitel A1.4.1).

Nicht nur unter regionalen Aspekten lassen sich disparate Entwicklungen feststellen. Eine Auswertung nach sektoralen Unterschieden in der Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung lässt erkennen, dass es sich hier eher um wirtschaftlich bedingte Trends auf dem Ausbildungsmarkt und zum Teil um Sondereffekte in speziellen Einzelbranchen zu handeln scheint (Schaubild C1.4-3). Als Erstes ist hier der starke Abbau außerbetrieblicher Ausbildungsstellen im Sektor „Erziehung und Unterricht“ und der Rückgang von Ausbildungsstellen im öffentlichen Sektor („kollektive Dienstleistungen“) zu nennen.

Weiterhin lassen sich im privatwirtschaftlichen Bereich 3 unterschiedliche Entwicklungsmuster in der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung identifizieren:

  • Sektoren mit überdurchschnittlich steigenden Beschäftigten- und etwas weniger steigenden Auszubildendenzahlen. Hierunter fallen z. B. Bereiche wie das Informationsgewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen, aber auch der Maschinen- und Automobilbau. Dies sind Bereiche, die in besonderer Weise von der generellen wirtschaftlichen Entwicklung und vom Export profitiert haben, zum großen Teil aber nicht zu den ausbildungsintensiven Sektoren gehören. Auch der Sektor der pflegerischen und medizinischen Dienstleistungen verzeichnet aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland eine steigende Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften, von denen auch die Ausbildung in etwas geringerem Maße profitieren konnte (vgl. Kapitel C1.2).
  • Bereiche mit teilweise stark steigenden Beschäftigten-, aber stagnierenden oder etwas rückläufigen Auszubildendenbeständen. Dazu zählen u. a. die Bauwirtschaft, der Einzelhandel sowie der Bereich des Kraftfahrzeug- und Großhandels. Hier kann nicht zuletzt aufgrund der insgesamt nur durchschnittlichen Beschäftigungsentwicklung zwischen 2007 und 2013 vermutet werden, dass diese Bereiche aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Binnenkonjunktur und -nachfrage auch nur einen geringeren Bedarf an neuen Auszubildenden hatten.
  • Im dritten Bereich an Wirtschaftszweigen kommt es trotz passabler Beschäftigungsentwicklungen zu einem am Durchschnitt gemessenen überproportionalen Abbau von Auszubildendenbeständen. Das Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe sowie der Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen sind hierfür Beispiele. Hier zeigen sich vermutlich sowohl die Folgen eines veränderten Bildungsverhaltens von Jugendlichen wie auch die in diesem Untersuchungszeitraum schwieriger gewordenen Wirtschaftsbedingungen für die Branchen.

Als Ursachen für diese verschiedenen Entwicklungsmuster sind neben Passungsproblemen zwischen den Ausbildungswünschen von Jugendlichen und dem Angebot an Ausbildungsberufen auch Entwicklungen
in den einzelnen Branchen aufgrund von ökonomischen Rahmenbedingungen zu vermuten.

Abschließend soll noch kurz auf die Entwicklung nach Berufssektoren eingegangen werden.299 In Schaubild C1.4-4 sind ausgewählte Berufssektoren dargestellt, die im Jahr 2013 über mindestens einen Anteil von 3 % aller Auszubildenden verfügen. Insgesamt sind hier drei Viertel aller Auszubildenden in insgesamt 13 Berufssektoren zu finden. Dabei zeigt sich – anders als in der sektoralen Auswertung – kein einheitlich negativer Trend bei den Dienstleistungsberufen. Zwar sind auf der einen Seite z. B. die Bestandszahlen bei den Verkaufsberufen und den Hotel- und Gastronomieberufen zwischen 2012 und 2013 rückläufig, auf der anderen Seite weisen Dienstleistungsberufe wie die Gruppe der Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe im Vorjahresvergleich einen positiven Trend auf. Gewerblich-technische Berufe halten sich in etwa auf dem Vorjahresniveau.

(Klaus Troltsch)

Schaubild C 1.4-1: Entwicklung der Bestände an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (ohne Auszubildende) und Auszubildenden 2007 bis 2013 (in Mio.)

Schaubild C 1.4-2: Entwicklung der Auszubildenden- und Beschäftigtenbestände (ohne Auszubildende) 2013 im Vergleich zu 2007 nach Bundesländern (in %)

Schaubild C 1.4-3: Entwicklung der Auszubildenden und Beschäftigten (ohne Auszubildende) 2013 im Vergleich zu 2007 nach Wirtschaftssektoren (in %)

Schaubild C 1.4-4: Entwicklung der Auszubildenden und Beschäftigten (ohne Auszubildende) zwischen 2012 und 2013 nach Berufssektoren (in %)

  • 299

     Durch die Revision der Beschäftigtenstatistik und die Überarbeitung der Klassifikation der Berufe können berufsbezogene Auswertungen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erst ab 2012 durchgeführt werden.