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Angebot und Nachfrage zum Stichtag 30.  September

Ausbildungsplatzangebot

Das Ausbildungsplatzangebot innerhalb des dualen Berufsbildungssystems entwickelte sich 2015 deutlich günstiger als im Frühjahr desselben Jahres noch prognostiziert wurde. Während die im Frühjahr 2015 durchgeführte Punktschätzung des „Ökonometrischen Prognose- und Simulationsmodells des Ausbildungssystems“ (PROSIMA) ein Ausbildungsangebot in Höhe von 542.300 Plätzen und damit einen weiteren Rückgang erwarten ließ (vgl. Kapitel A2), wurden tatsächlich bundesweit 563.100 Plätze angeboten. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einer Steigerung um +2.800 bzw. +0,5 %.

Die Zunahme ist allein auf ein gestiegenes Angebot an betrieblichen Ausbildungsstellen zurückzuführen (+4.300 bzw. +0,8 %). Die Zahl der „außerbetrieblichen“ Angebote ging bundesweit weiter zurück (-1.500 bzw. -7,5 %). Besonders deutliche Zuwächse des betrieblichen Angebots waren in Ostdeutschland zu verzeichnen, hier insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern (+4,6 %) und Brandenburg (+3,0 %). In Westdeutschland nahm das betriebliche Angebot vor allem in Bremen (+3,7 %) und Hamburg (+3,1 %) zu. Rückgänge wurden nur in insgesamt 4 Ländern beobachtet: im Saarland (-1,9 %), in Sachsen-Anhalt (-1,8 %), in Niedersachsen (-1,1 %) und in Rheinland-Pfalz (-0,3 %)  Tabelle A1.1-1 Internet.

Ausbildungsplatznachfrage

Die Ausbildungsplatznachfrage blieb 2015 mit 602.900 Personen nur knapp unter dem Niveau des Vorjahres (-1.500 bzw. -0,2 %). Während in den meisten westdeutschen Bundesländern ein leichter Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage zu verzeichnen war – Ausnahmen mit leichten Zunahmen waren Bremen (+1,2 %), Baden-Württemberg (+1,1 %), Schleswig-Holstein (+0,9 %), Hessen (+0,8 %) und Bayern (+0,1 %) –, konnte die Ausbildungsplatznachfrage in 4 der 6 ostdeutschen Bundesländer gesteigert werden (insgesamt im Bundesgebiet Ost: +500 bzw. +0,6 %). Zu den Bundesländern mit den höchsten Zuwächsen in der Ausbildungsplatznachfrage zählten 2015 Brandenburg (+3,1 %) und Sachsen (2,2 %) Tabelle A1.1-1 Internet.

Die Erklärung für die positive Entwicklung in Ostdeutschland liegt in den wieder leicht steigenden Schulabgängerzahlen. Nachdem sich zwischen 2000 und 2011 die Abgänger- und Absolventenzahl aus den allgemeinbildenden Schulen mehr als halbiert hatte (2000: 234.900; 2011: 100.900), stabilisiert sich die Zahl inzwischen auf niedrigem Niveau bei leichten Zuwachsraten. Für 2015 wurde mit 78.300 nicht studienberechtigten (+3.400 gegenüber 2014) und 40.300 studienberechtigten Abgängern/Abgängerinnen und Absolventen/Absolventinnen (+1.600) gerechnet (so das Ergebnis einer aktualisierten Vorausberechnung des Statistischen Bundeamtes).

In Westdeutschland dürfte dagegen die Zahl der nicht studienberechtigten Abgänger/-innen und Absolventen/Absolventinnen aus den allgemeinbildenden Schulen mit 463.700 weiter gesunken sein (-16.100 gegenüber 2014), ebenso die Zahl der Studienberechtigten (-7.400 auf nunmehr 228.700). Umso mehr stellt die insgesamt nahezu stabile Ausbildungsplatznachfrage ein Ergebnis dar, das positiver ausfiel, als noch im Frühjahr 2015 erwartet wurde (vgl. Kapitel A2). Offenbar gelang es im Jahr 2015 nicht nur das Interesse der Betriebe, sondern auch das Interesse der Jugendlichen an dualer Berufsausbildung wieder zu stärken.

Angebots-Nachfrage-Relation

Die bundesweit fast stabile Ausbildungsplatznachfrage führte in Verbindung mit der Steigerung des Ausbildungsplatzangebots dazu, dass sich die erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) im Jahr 2015 erneut erhöhte (+0,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Bundesweit entfielen 93,4 Ausbildungsplatzangebote auf 100 Ausbildungsplatznachfrager; dies ist der höchste Wert seit 2007, als erstmalig die Angebots-Nachfrage-Relation in erweiterter Form berechnet werden konnte (vgl. dazu auch Ulrich 2012a).

Wie Schaubild A1.1-1 zeigt, lag die eANR im Osten (2015: 97,0) wie bereits in den Jahren zuvor deutlich über der des Westens (2015: eANR = 92,8). Aber auch im Westen wurde im Jahr 2015 der höchste Wert seit 2007 erreicht. Der größte eANR-Wert von allen 16 Ländern wurde 2015 mit 104,2 in Mecklenburg-Vorpommern gemessen. Zudem wurden in Bayern (103,2) und Thüringen (102,9) Werte über 100 registriert  Tabelle A1.1-1 Internet.

 

Schaubild A1.1-1: Entwicklung der erweiterten Angebots-Nachfrage-Relation von 2007 bis 2015 (deutschlandweit und im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland)

Erfolglose Ausbildungsmarktteilnehmer/-innen

Erfolglos angebotene Ausbildungsplätze

Die Zahl der gemeldeten (betrieblichen) Ausbildungsstellen, die am 30. September noch unbesetzt waren, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2015 setzte sich dieser Trend fort: Bundesweit blieben 41.000 Ausbildungsstellen unbesetzt – mehr als doppelt so viele wie vor 5 Jahren (2010: 19.600) und 3.900 mehr als im Vorjahr (+10,4 %). Im Westen wurden 33.400 (+3.100 bzw. +10,0 % gegenüber 2014) und im Osten 7.500 offen gebliebene Ausbildungsstellen (+800 bzw. +12,4 %) registriert.

Der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen am be­trieblichen Angebot von insgesamt 544.200 Plätzen betrug im Jahr 2015 bundesweit 7,5 % . Noch 2009 hatte er bei nur 3,2 % gelegen. In Ostdeutschland blieben 2015 sogar 9,9 % aller betrieblichen Ausbildungsplatzangebote unbesetzt. Im Westen waren es 7,1 %  Tabelle A1.1-2.

Besonders starke Besetzungsprobleme waren erneut im Handwerk zu verzeichnen. Bundesweit blieben hier 14.400 Stellen bzw. 9,7 % des betrieblichen Ausbildungsangebots bis zum 30. September ungenutzt. In Ostdeutschland waren es sogar 11,3 % (West: 9,4 %).3 Im öffentlichen Dienst, in dem die Stellenbesetzung immer relativ unproblematisch war, entspannte sich dagegen die Lage weiter. Der Anteil der unbesetzten betrieblichen Stellen reduzierte sich um mehr als ein Viertel und lag 2015 bundesweit bei nur noch 0,8 % (West: 0,7 %, Ost: 1,2 %).

Was die einzelnen Länder betrifft, wurde 2015 die höchste Quote unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplatzangebote mit 17,2 % in Mecklenburg-Vorpommern, die niedrigste mit 5,0 % in Nordrhein-Westfalen vermeldet.  Tabelle A1.1-1 Internet gibt eine Übersicht über die Werte in den einzelnen Bundesländern. Wie  Tabelle A1.1-3 und  Schaubild A1.1-2 zeigen, variierte 2015 die Quote der unbesetzten Plätze am betrieblichen Ausbildungsangebot in den Arbeitsagenturbezirken zwischen 1,1 % und 29,1 %. Gegenüber 2014 und 2013 sind insgesamt höhere Werte zu beobachten, und auch die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten Wert fällt höher aus.

Eine bei Matthes u. a. (2016) berichtete Regressionsanalyse der zwischen 2013 und 2015 beobachtbaren Entwicklungen in den 154 Regionen (die 3 Agenturen Berlins sind dabei zu einer Region zusammengefasst) verdeutlicht, wie stark der Anteil der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote davon bestimmt wurde, wie sich die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot entwickelte. Stieg das betriebliche Ausbildungsangebot rechnerisch um einen Platz bezogen auf jeweils 100 ausbildungsinteressierte Jugendliche, nahm die Quote der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote um 0,46 Prozentpunkte zu. Denn die für die Jugendlichen positive Entwicklung bedeutete umgekehrt für die Betriebe, dass es weniger Ausbildungsinteressierte in Relation zu den betrieblichen Ausbildungsplatzangeboten gab und dass das Nichtbesetzungsrisiko damit zunahm.

Positiv zu vermerken ist dagegen, dass zusätzliche außerbetriebliche Ausbildungsplätze in der Region den Anteil des unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebots nicht beeinflussten. Solche Ausbildungsplätze erhöhten demnach nicht das Risiko für die Betriebe, ihr Ausbildungsangebot nicht (mehr) besetzen zu können. Offenbar war die Verwaltung in ihrem Bestreben erfolgreich, das betriebliche Angebot durch außerbetriebliche Plätze zu ergänzen, ohne die Chancen der Betriebe (als reguläre Marktteilnehmer) zu schmälern.

Auffallend war, dass in den Jahren 2013 bis 2015 ein steigender Anteil studien­berechtigter Aus­bil­dungs­stellenbewerber/-innen in den Regionen nicht negativ, sondern sogar leicht positiv mit der Quoten­entwicklung des unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebots korrelierte. Ein steigender Anteil studienberechtigter Ausbildungsbewerber/-innen in einer Region ist somit nicht unbedingt von Vorteil, wenn es um die Besetzbarkeit von betrieblichen Ausbildungsplätzen geht (s. u.).

Tabelle A1.1-2: Betriebliches Angebot und unbesetzte betriebliche Stellen nach Zuständigkeitsbereichen 2010 bis 2015

Tabelle A1.1-3: Regionale Unterschiede in den Anteilen erfolgloser Marktteilnahmen im Jahr 2013 bis 2015

Schaubild A1.1-2: Regionale Unterschiede in den Versorgungs-, Besetzungs- und Passungsproblemen 2013 bis 2015

Erfolglose Ausbildungsplatznachfrage

Die bundesweite Zahl der Bewerber/-innen, die am 30.  September 2015 bei der BA noch als suchend gemeldet waren und die deshalb als erfolglose Ausbildungsplatznachfrager gelten, lag bei 80.800 Personen. Sie fiel somit um 400 bzw. 0,5 % niedriger aus als ein Jahr zuvor. Allerdings sank die Zahl nur in Westdeutschland (West: -800 bzw. -1,2 %). In Ostdeutschland kam es zu einem recht deutlichen Zuwachs (+700 bzw. +7,2 %) Ta­belle A1.1-4 Internet.

Wie  Schaubild A1.1-3 zeigt, lag der Anteil der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrager im Jahr 2015 mit 13,4 % der offiziellen Ausbildungsplatznachfrage ebenso hoch wie im Vorjahr. Obwohl sich Zahl und Anteil der unbesetzten Plätze in den vergangenen Jahren stetig vergrößerten, gelang es seit 2011 nicht mehr, die Quote der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage substanziell zu senken. Vielmehr kam es 2012 bis 2013 wieder zu einem Anstieg, und seit dieser Zeit verharrt die Quote der erfolglosen Nachfrage auf diesem Niveau.

Bezogen auf die 16 Länder wurden die höchsten Anteile erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage 2015 in Niedersachsen (17,3 %), Nordrhein-Westfalen (16,6 %) und Hessen (16,4 %) beobachtet. Die niedrigsten Anteile wurden in Bayern (7,6 %) und Thüringen (8,5 %) gemessen  Tabelle A1.1-1 Internet. Eine vertiefende Analyse der Entwicklungen in den 16 Ländern ergab, dass die Ursachen für das immer noch hohe Niveau im zwischenzeit­lichen Rückgang des Angebots an betrieblichen, aber auch an außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen zu suchen sind, darüber hinaus an komplexen statistischen Beziehungen zwischen verschiedenen Verbleibsgruppen unter den gemeldeten Ausbildungsstellenbewerbern einerseits und den für die statistische Berechnung der Ausbildungsplatznachfrage relevanten Größen andererseits (Matthes/Ulrich 2015). So stieg der Anteil erfolgloser Nachfrage zwischenzeitlich auch deshalb wieder an, weil es (zeitweise) in einigen Regionen gelang, den Anteil der unbekannt verbliebenen Bewerber/ -innen zu senken und die Erfolglosigkeit von Bewerbern und Bewerberinnen damit auch stärker sichtbar wurde.

Darüber hinaus scheint sich im Zuge der im Vergleich zum letzten Jahrzehnt entspannteren Ausbildungsmarktlage die Anpassungsbereitschaft der ausbildungsinteressierten Personen an das vorhandene Angebot verringert zu haben (Granato u. a. 2016; Schier/Ulrich 2014). Auch dies erhöht die Gefahr, dass die Quote der erfolglos Suchenden steigt. Dabei spielt eine Rolle, dass die schulische Vorbildung der Ausbildungsstellenbewerber/-innen im Vergleich zu früher höher ausfällt. So zeigen sich z. B. studienberechtigte Bewerber/-innen wählerischer im Hinblick auf die von ihnen anvisierten Berufe, und eine erfolglose Suche auf dem Ausbildungsmarkt ist für sie, da sie über viele alternative Bildungsoptionen verfügen (z. B. Studium), weniger „kostenintensiv“ als für nicht studienberechtigte Bewerber/-innen. Tatsächlich ist innerhalb der Gruppe der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrager der Anteil der studienberechtigten Personen „im Laufe der vergangenen 5 Jahre kontinuierlich gestiegen“ (Matthes u. a. 2016, S. 14).

Wie Tabelle A1.1-3 und Schaubild A1.1-2 zeigen, variierte der Anteil der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrager in den Arbeitsagenturbezirken im Jahr 2015 zwischen 4,4 % und 26,0 %. Gegenüber den beiden Vorjahren fällt der Maximalwert niedriger, der Minimalwert aber etwas höher aus.

Passungsprobleme

Von einem Passungsproblem ist immer dann zu sprechen, wenn es zum Bilanzierungsstichtag sowohl relativ viele unbesetzte Lehrstellen als auch relativ viele noch suchende Bewerber/-innen gibt, d. h., wenn Besetzungs- und Versorgungsprobleme zusammenkommen (Matthes/Ulrich 2014).  Schaubild A1.1-4 zeigt, dass die Passungsprobleme sowohl in West- als auch in Ostdeutschland seit 2009 kontinuierlich größer werden. Rechnerisch hängt der Anstieg des Indikators im Jahr 2015 damit zusammen, dass sich die Besetzungsprobleme im Jahr 2015 weiter verschärften, während die Versorgungsprobleme kaum nachließen (so im Westen) oder sogar zunahmen (so im Osten).

Auffallend groß fallen auch die regionalen Unterschiede im Ausmaß der Passungsprobleme aus. Der Index der Passungsprobleme variierte 2015 zwischen 18,8 und 427,2; gegenüber den beiden Vorjahren verschoben sich sowohl der Minimal- als auch der Maximalwert nach oben, und zugleich stieg die Spannweite zwischen den beiden Extremwerten (vgl. nochmals Tabelle A1.1-3 und  Schaubild A1.1-2).

Ein zentraler Grund für die zunehmenden Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt ist, dass Angebot und Nachfrage auf beruflicher Ebene nicht mehr im selben Maße wie früher zueinanderfinden. Wie  Tabelle A1.1-5 verdeutlicht, gibt es auf der einen Seite Berufe, die unter starken Besetzungsproblemen leiden (vor allem in der Gastronomie, dem Lebensmittelhandwerk und im Reinigungsgewerbe), während sich auf der anderen Seite zahlreiche Berufe finden, in denen viele Ausbildungsplatznachfrager erfolglos nach einem Ausbildungsplatz suchen (z. B. im kaufmännischen Bereich und im Mediensektor). Bundesweit summieren sich beide Phänomene (hier Berufe mit Besetzungsproblemen, aber keine größeren Versorgungsprobleme, dort Berufe mit Versorgungsproblemen, aber keinen größeren Besetzungsproblemen) zu relativ hohen Zahlen von unbesetzten Plätzen und noch suchenden Ausbildungsplatznachfragern.

Schaubild A1.1-3: Bundesweite Entwicklung des Anteils der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage im Verhältnis zur insgesamt ermittelten Nachfrage 2007 bis 2015 (in %)

Schaubild A1.1-4: Entwicklung der Passungsprobleme von 2009 bis 2015 (deutschlandweit und im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland)

Tabelle A1.1-5: Anteile erfolgloser Marktteilnahmen 2015 nach ausgewählten Berufeninhalt

Ergebnisse der Nachvermittlung bis Januar 2016

Für Jugendliche, die auch noch nach dem 30. September 2015 einen Ausbildungsplatz für das bereits begonnene Ausbildungsjahr 2015/2016 suchten, setzte die Arbeitsverwaltung die Vermittlungsbemühungen nach dem 30. September fort. Die Ausgangslage für die Nachvermittlung war jedoch weiterhin nicht einfach. Die rechnerische Lücke zwischen der Zahl der Ende September 2015 noch suchenden Ausbildungsplatznachfrager (80.800) und der Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsplätze (41.000) fiel zwar mit 39.800 kleiner als ein Jahr zuvor aus (44.100), war aber immer noch deutlich. Zudem meldeten sich ab dem 1. Oktober auch noch ehemalige Ausbildungsstellenbewerber/-innen mit einem Nachvermittlungswunsch, die zuvor in eine Berufsausbildungsstelle eingemündet bzw. anderweitig verblieben waren oder zuvor nicht als Ausbildungsstellenbewerber/-innen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet waren. Erleichtert wurde die Nachvermittlung jedoch dadurch, dass unter den zum 30. September noch suchenden Bewerbern und Bewerberinnen mit Alternative nur ein relativ geringer Teil die Suche ab dem 1. Oktober fortsetzte. Zudem meldeten sich auch erneut Betriebe, die sich ebenfalls noch für einen Ausbildungsbeginn bis Ende des Jahres 2015 interessiert zeigen. Deren Zahl kann leider jedoch nicht ausgewiesen werden.

Die Zahl der Jugendlichen, für die zwischen Oktober 2015 und Januar 2016 ein Vermittlungsauftrag (zeitweise oder dauerhaft) bestand, um in das bereits begonnene Ausbildungsjahr 2015/2016 einzusteigen, betrug bundesweit 69.200. Dies waren 1.600 Personen weniger als im Vorjahr (-2,2 %). Die Gesamtzahl der Nachvermittlungsaufträge setzte sich zusammen aus 49.200 Jugendlichen, die bereits im vergangenen Berichtsjahr 2014/2015 als Ausbildungsstellenbewerber/-innen registriert worden waren, sowie 20.000, auf die dies nicht zutraf  Tabelle A1.1-6.

Unter den 49.200 bereits im letzten Berichtsjahr regis­trierten Bewerbern und Bewerberinnen befanden sich:

  • 7.200 bzw. 2,7 % der 266.800 Bewerber/-innen, die ursprünglich in eine Berufsausbildungsstelle eingemündet waren,
  • 7.100 bzw. 3,5 % der 201.500 Bewerber/-innen, die am 30. September zunächst anderweitig verblieben und somit auch nicht mehr auf Ausbildungsplatz­suche waren,
  • 14.400 bzw. 23,9 % der 60.100 Bewerber/-innen, die bis Ende September aus einer bestehenden Alternative heraus noch weiter nach einer Ausbildungsstelle gesucht hatten, sowie
  • 20.600 bzw. 99,3 % der 20.700 Bewerber/-innen, die am 30. September ohne Alternative auf Ausbildungsplatzsuche waren („unversorgte Bewerber“).

Zu einem Teil handelt es sich bei diesen Bewerbern und Bewerberinnen auch um Jugendliche, die sich aus einem bestehenden Ausbildungsverhältnis für einen Ausbildungsbeginn in einer anderen Ausbildungsstätte und/oder in einem anderen Beruf interessieren (s. u.).

Tabelle A1.1-6 informiert zudem darüber, welche Ergebnisse die Nachvermittlung bis Januar 2016 für die insgesamt 69.200 Bewerber/-innen mit Interesse an einem nachträglichen Einstieg in das bereits begonnene Ausbildungsjahr erbracht hatte. Zahl und Anteil der Bewerber/-innen, die noch in die angestrebte Berufsausbildung einmündeten, lagen bei 6.600 bzw. 9,6 %. 51.100 bzw. 73,8 % der Bewerber/-innen waren dagegen weiter auf Ausbildungsplatzsuche, darunter knapp 23.300 mit alternativer und 27.800 ohne alternative Verbleibsmöglichkeit. Die restlichen 11.500 bzw. 16,6 % der Bewerber/-innen waren anderweitig verblieben (darunter 6.800 unbekannt) und hatten den Vermittlungsauftrag beendet.

In knapp 1.200 bzw. 17,9 % der 6.600 Fälle, in denen die Bewerber/-innen in eine Ausbildungsstelle einmündeten, handelte es sich um eine geförderte („außerbetrieb­liche“) Stelle. Dabei wurde insbesondere im Osten auf diese Variante zurückgegriffen. Der Anteil der Einmündungen in eine geförderte Berufsausbildungsstelle an allen Einmündungen in eine Berufsausbildungsstelle lag hier bei 20,8 %. Unter den insgesamt 62.600 Bewerbern und Bewerberinnen, die das Einmündungsziel bis Ende Januar 2016 nicht erreichten bzw. nicht weiterverfolgten, befanden sich 6.500 (10,3 %), die sich aus einem bestehenden betrieblichen (rund 2.400) oder außerbetrieblichen Ausbildungsverhältnis (rund 4.000) für einen Ausbildungsbeginn in einer anderen Ausbildungsstätte und/oder in einem anderen Beruf interessierten und nun ihre Ausbildung dort (erst einmal) fortsetzten.

Tabelle A1.1-6: Herkunft und Verbleib der Ausbildungsstellenbewerber/-innen, für die nach dem 30. September 2015 zeitweise oder dauerhaft ein Vermittlungsauftrag für den Beginn einer Berufsausbildung bis Ende 2015 bestand, im Januar 2016

Die Nachvermittlung in eine ungeförderte oder geförderte Ausbildungsstelle zwischen Oktober 2015 und Januar 2016 gelang etwas häufiger für weibliche Bewerber  (10,4 %), für jüngere Bewerber/-innen unter 20 Jahren (10,8 %) und darüber hinaus häufiger für diejenigen, die im vorausgegangenen Jahr bereits einmal in eine Ausbildungsstelle eingemündet waren (14,5 %). Selten mündeten insbesondere noch Bewerber/-innen im Alter ab 25 Jahren ein (5,0 %). Eine recht deutliche Varianz der Einmündungsquoten in eine Berufsausbildungsstelle lässt sich zwischen den Ländern beobachten  Tabelle A1.1-7; die Spannweite reicht zwischen 5,2 % im Land Bremen und 16,2 % in Sachsen-Anhalt (Bundesagentur für Arbeit 2016a).

Die relativ geringen Einmündungsquoten im Nachvermittlungsgeschäft resultieren zum Teil daraus, dass eine Vermittlung mehrere Wochen und Monate nach Beginn eines neuen Ausbildungsjahres grundsätzlich schwierig ist. Sie weisen aber auch darauf hin, dass das Verhältnis zwischen Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage auch im Jahr 2015 nicht ausgeglichen war und dass ein Teil der Jugendlichen in verschiedenen Regionen nach wie vor große Schwierigkeiten hatte, einen Platz im dualen Berufsausbildungssystem zu finden.

Dementsprechend lässt sich in Abhängigkeit der allgemeinen Ausbildungsmarktverhältnisse vor Ort eine recht große Streuung in den Einmündungsquoten der Bewerber/-innen des „fünften Quartals“ finden, wenn auch auf insgesamt niedrigem Niveau. Die Quoten variieren in den 154 Regionen (Arbeitsagenturen) im Wertebereich zwischen 4,4 % und 32,5 %. Die niedrigsten Quoten – allesamt unter 5 % – wurden in den Regionen Osnabrück, Ludwigshafen und Bochum gemessen, die höchste in der sächsisch-anhaltinischen Region Weißenfels  Schaubild A1.1-5.

Im Schnitt waren die Einmündungschancen all jener Bewerber/-innen höher, die in Regionen mit einer aus der Bewerberperspektive guten Ausbildungsmarktlage wohnen4 bzw. in Regionen, in denen ergänzend zum betrieblichen Angebot überdurchschnittlich viele außerbetriebliche Ausbildungsplätze bereitgestellt werden  Tabelle A1.1-8.5 Mit jedem Prozentpunkt, mit dem im Berichtsjahr 2014/2015 die betriebliche Angebots-Nachfrage-Relation besser ausgefallen war, war in den Regionen im Schnitt eine um 0,2 Prozentpunkte höhere Einmündungsquote im Rahmen des Nachvermittlungsgeschäfts zu beobachten. Bei der außerbetrieblichen Angebots-Nachfrage-Relation war der statistische Effekt mit 0,4 Prozentpunkten noch größer. Die zwischen den Regionen weiterhin recht ungleichen Ausbildungsmarktchancen der Jugendlichen setzen sich somit auch im Nachvermittlungsgeschäft fort.

 

Tabelle A1.1-7: Von Oktober 2015 bis Januar 2016 registrierte Ausbildungsstellenbewerber/-innen für den Ausbildungsbeginn bis Ende 2015

Schaubild A1.1-5: Regionale Anteile der im Nachvermittlungsgeschäft Oktober 2015 bis Januar 2016 in eine Berufsausbildungsstelle eingemündeten Bewerber/-innen

Tabelle A1.1-8: Statistische Einflussgrößen auf den regionalen Anteil der im Nachvermittlungsgeschäft (Oktober 2015 bis Januar 2016) in eine Berufsausbildungsstelle eingemündeten Bewerber/-innen

Beteiligung ausbildungsinteressierter Personen an dualer Berufsausbildung

Die Zahl der institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Personen schließt alle junge Menschen ein, die sich im jeweiligen Berichtsjahr (1. Oktober bis 30. September) zumindest zeitweise für eine Berufsausbildung interessierten und denen auch die Eignung zur Aufnahme einer Berufsausbildung unterstellt wurde.  Tabelle A1.1-9 gibt wieder, wie die in den Jahren 2014 und 2015 institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Jugendlichen letztendlich verblieben.

Tabelle A1.1-9: Verbleib der ausbildungsinteressierten Personen 2014 und 2015

2015 schlossen demnach 64,9 % einen Ausbildungsvertrag ab, 0,4 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Es gelang damit wieder etwas besser, ausbildungsinteressierte Jugendliche letztlich auch für den Beginn einer Berufsausbildung zu gewinnen. Über die langfristige Entwicklung der Beteiligungs- bzw. Einmündungsquote ausbildungsinteressierter Personen (EQI) informiert Tabelle A1.1-4 Internet und differenziert dabei auch zwischen West- und Ostdeutschland. Länderspezifische Werte für 2014 und 2015 sind in Tabelle A1.1-1 Internet zu finden.

15,6 % bzw. 125.400 der ausbildungsinteressierten Personen verblieben 2015 auf sonstige Weise im Bildungssystem (-0,3 Prozentpunkte gegenüber 2014). Darunter waren auch 13.600 Jugendliche, die aus einer bestehenden Berufsausbildung bei den Beratungs- und Vermittlungsdiensten vorstellig wurden und diese Berufsausbildung letztlich fortsetzten, ohne die gewünschte neue Ausbildung auch tatsächlich zu beginnen. In gemeinnützigen Diensten verblieben 2015 10.900 bzw. 1,4 % (+0,1  Prozentpunkte) und in Erwerbstätigkeit 31.500 bzw. 3,9 % (+0,2 Prozentpunkte).

Bei 114.400 bzw. 14,2 % (-0,5 Prozentpunkte gegenüber 2014) war die Lage noch offen oder unklar. Darunter befanden sich 20.700 unversorgte Bewerber/-innen, die ohne alternative Verbleibsmöglichkeit ihre Ausbildungsplatzsuche auch am 30. September noch fortsetzten, sowie 93.700 Personen, die unbekannt verblieben, die Beratungs- und Vermittlungsdienste also über ihre momentane Situation nicht mehr unterrichteten. Wie die BA/BIBB-Bewerberbefragungen zeigen, befinden sich die meisten der unbekannt verbliebenen Bewerber/-innen faktisch in einer eher schwierigeren Lage (vgl. Kapitel A3.1.1).

Vor dem Hintergrund der beiden bildungspolitischen Ziele, einen drohenden Fachkräftemangel auf der mittleren Qualifikationsebene (Maier u. a. 2014a) zu vermeiden und zugleich ausbildungsinteressierten Jugendlichen einen möglichst friktionsfreien Übergang von der Schule in die Berufsausbildung zu ermöglichen, erscheint eine möglichst hohe Beteiligungs- bzw. Einmündungsquote ausbildungsinteressierter Personen in duale Berufsausbildung wünschenswert. Regionale Querschnittsanalysen für 2015 zeigen, dass die Beteiligungsquote vor allem damit zusammenhängt, wie viele Ausbildungsplatzangebote für die ausbildungsinteressierten Personen zur Verfügung stehen. Je mehr Angebote es 2015 vor Ort gab, desto höher fiel auch die Beteiligungs- bzw. Einmündungsquote der ausbildungsinteressierten Jugendlichen an Berufsausbildung aus Schaubild A1.1-6.

Zum selben Ergebnis gelangen Regressionsanalysen, die sich ausschließlich auf die zwischen 2013 und 2015 beobachtbaren Veränderungen der Beteiligungsquoten innerhalb der 154 Arbeitsagenturbezirke konzentrieren. Stieg die Relation zwischen Ausbildungsplatzangebot und Ausbildungsinteressierte um einen Prozentpunkt, nahm die Einmündungsquote der Ausbildungsinteressierten im Schnitt um 0,59 Prozentpunkte zu Tabelle A1.1-10. Durch eine Steigerung des Angebots ließe sich somit auch das Reservoir der ausbildungsinteressierten Personen stärker ausschöpfen.

Allerdings wurde, wie Tabelle A1.1-10 zeigt, die Einmündungsquote auch von strukturellen Veränderungen in der Zusammensetzung der gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber/-innen beeinflusst. Stieg der Anteil der studienberechtigten Ausbildungsstellenbewerber/-innen um einen Prozentpunkt, sank die Einmündungsquote um 0,13  Prozentpunkte. Ein ähnlich negativer Effekt (um -0,10 Pro­zent­punkte) ging von einem wachsenden Anteil von „Alt­bewerbern und Altbewerberinnen“ aus, die bereits im Vorvorjahr oder noch früher die Schulen verließen. Die negativen Effekte hängen damit zusammen, dass diese beiden Bewerbergruppen überdurchschnittlich oft auch Alternativen in Erwägung ziehen, seien es der Beginn eines Studiums bzw. einer sonstigen nicht dualen Berufsausbildung (studienberechtigte Bewerber/ -innen) oder die Einmündung in eine Arbeitsstelle (Altbewerber/ -innen). Sinkende Einmündungsquoten können insofern auch Folge einer veränderten Merkmalszusammensetzung der ausbildungsinteressierten Bewerber/-innen sein.

Schaubild A1.1-6: Der Zusammenhang zwischen der Zahl der Ausbildungsangebote je 100 ausbildungsinteressierte Personen und der Einmündungsquote in den 154 Arbeitsagenturbezirken im Jahr 20151

Tabelle A1.1-10: Einflussgrößen auf die innerregionalen Entwicklungen der Einmündungsquote im Zeitraum 2013 bis 2015

Ausbildungsbeteiligung nach Geschlecht

Auch im Jahr 2015 fiel die Beteiligungs- bzw. Einmündungsquote der weiblichen Ausbildungsinteressierten deutlich niedriger aus als die der Männer. In den 154  Arbeitsagenturen lag sie im Durchschnitt bei 62,6 %, während die der männlichen Ausbildungsinteressierten mit 67,2 % um fast 5 Prozentpunkte höher war.

Bei der Interpretation dieser über Jahre hinweg verfestigten Geschlechterdifferenz (vgl. dazu BIBB-Datenreport 2015, Kapitel A1.1) ist zunächst zu berücksichtigen, dass sich die statistische Eingrenzung des Kreises ausbildungsinteressierter Personen stets auf die Interessenten an einer dualen Berufsausbildung bezieht. In dieser Hinsicht besteht zwar zwischen den Geschlechtern kein Unterschied. Allerdings ziehen junge Frauen, die eine Ausbildung im dualen System anstreben, häufiger als junge Männer zugleich auch eine schulische Berufsausbildung in Erwägung und nutzen diese Alternative dann auch tatsächlich häufiger.

Zudem konzentrieren sich die jungen Frauen auch innerhalb des dualen Berufsausbildungssystems stark auf Dienstleistungsberufe. Eine solch starke Konzentration ist bei den jungen Männern nicht zu beobachten. Diese voneinander abweichenden Berufswahlpräferenzen erklären zu einem großen Teil die Differenzen zwischen den Einmündungsquoten der beiden Geschlechter. Dies zeigen regionale Querschnittsanalysen für 2015, bei denen berücksichtigt wurde, wie hoch der Ausbildungsanteil in den Dienstleistungsberufen vor Ort ausfällt. Dieser Anteil variiert in den einzelnen Regionen erheblich, und damit lässt sich untersuchen, in welchem Ausmaß die Einmündungsquote ausbildungsinteressierter junger Frauen davon beeinflusst wird. Tatsächlich lässt sich ein starker Effekt beobachten  Tabelle A1.1-11.

Die ausbildungsinteressierten jungen Frauen mündeten 2015 vor allem in jenen Arbeitsagenturbezirken merklich seltener als junge Männer in eine duale Berufsausbildung ein, in denen die Ausbildung in Dienstleistungsberufen eine relativ geringe Rolle spielt. Bei einem Ausbildungs­anteil in den Dienstleistungsberufen von über 50 % glichen sich die Einmündungsquoten der beiden Geschlechter jedoch an. Ab einem Anteil von rd. 55 % begannen ausbildungsinteressierte junge Frauen im Schnitt sogar häufiger eine duale Berufsausbildung als die jungen Männer.

Gleichwohl sank in den letzten Jahren die Zahl der ausbildungsinteressierten jungen Frauen deutlich stärker als die der Männer. Während sich die jährliche Zahl der ausbildungsinteressierten jungen Männer von 2009 bis 2015 lediglich von 484.700 auf 476.100 reduzierte (-8.600 bzw. -1,8 %), verringerte sich die Zahl bei den Frauen von 381.800 auf 328.300 (-53.500 bzw. -14,0 %).

 

Tabelle A1.1-11: Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der regionalen Einmündungsquote in duale Berufsausbildung in Abhängigkeit vom Anteil der Ausbildungsplätze in Dienstleistungsberufen

Die Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen jungen Frauen und Männern sind vielfältig. Zum einen sind es gerade die jungen Frauen, die vom Trend zur schulischen Höherqualifizierung profitierten. Zwar verließen junge Frauen schon in früheren Zeiten häufiger als junge Männer die allgemeinbildende Schule mit einem Abitur. 1992 z. B., kurz nach der Wiedervereinigung, gelang dies 25,9 % der jungen Frauen, doch nur 22,2 % der jungen Männer (vgl. Statistisches Bundesamt 2015e, Tabelle 6.1). Doch nahm die Differenz zwischen den beiden Geschlechtern in den folgenden Jahren noch deutlich zu. Bis 2014 stieg der Abiturientenanteil unter den weiblichen Abgängern und Absolventen allgemeinbildender Schulen um weitere 10,9 Prozentpunkte auf nunmehr 36,8 %, aber nur um 7,1 Prozentpunkte bei den jungen Männern auf 29,3 %. 2014 gab es somit bundesweit 153.500 weibliche, aber nur 127.000 männliche Abiturienten (Differenz: +26.500).

Umgekehrt verhielt es sich dagegen bei den nicht stu­dien­berechtigten Abgängern/Abgängerinnen und Absolven­ten/Absolventinnen allgemeinbildender Schulen. In dieser Gruppe standen 263.600 jungen Frauen 305.700  junge Männer gegenüber (Differenz: -42.100). Da Studien­berechtigte deutlich seltener als Nichtstu­dien­berechtigte eine duale Berufsausbildung nachfragen, musste diese Entwicklung zwangsläufig zu einer zwischen den beiden Geschlechtern ungleichen Entwicklung des Ausbildungsinteresses führen.

Eine weitere Ursache für das gesunkene Interesse junger Frauen könnte mit dem steigenden Bedarf im Gesundheits- und Pflegesektor zusammenhängen, in dem gerade auch viele Frauen arbeiten. Dementsprechend startete dieser Sektor Imagekampagnen und zielte auf eine Ausweitung seiner Beschäftigungszahl, ungeachtet der infolge der demografischen Entwicklung insgesamt sinkenden Zahl von (hier aufgewachsenen) jungen Menschen. Tatsächlich gelang es, die Anfängerzahlen in den letzten Jahren nicht nur zu stabilisieren, sondern auszubauen. Zwar ist zu berücksichtigen, dass dieser Bildungsbereich zuletzt verstärkt ältere Personen über 25 Jahre gewinnen konnte (Illiger 2016). Dennoch konnte in diesen Berufen die Zahl jüngerer weiblicher Ausbildungsanfänger vergleichsweise stabil gehalten werden. Eine weitgehend stabile Ausbildungsbeteiligung jüngerer Frauen in diesem Sektor steht somit einer deutlich sinkenden Ausbildungsbeteiligung junger Frauen an dualer Berufsausbildung gegenüber.

(Stephanie Matthes, Joachim Gerd Ulrich, Simone Flemming, Ralf-Olaf Granath)

 

  • 3

    Leider sind entsprechende Berechnungen mit regionalen Differenzierungen für die freien Berufe nur eingeschränkt möglich. Bundesweit wurden 2015 von den Beratungs- und Vermittlungsdiensten zum 30. September 2.157 unbesetzte Ausbildungsstellen in den freien Berufen registriert, 315 bzw. 17,1 % mehr als im Vorjahr. In Relation zum rechnerischen Gesamtangebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen von 45.100 Plätzen (+1.400 bzw. 3,2 % gegenüber dem Vorjahr) ergibt sich eine Quote unbesetzter Plätze von 4,8 % (+0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Die meisten unbesetzten Stellen innerhalb der freien Berufe vermeldete 2015 die Zahnärztekammer (1.100, +185 bzw. +20,2 % gegenüber 2014), gefolgt von der Ärztekammer (538, +67 bzw. +14,2 %) und der Rechtsanwaltskammer (254, +15 bzw. +6,3 %).

  • 4

    Das heißt in Regionen, in denen es im Berichtsjahr 2014/2015 überdurchschnittlich viele betriebliche Ausbildungsplatzangebote in Relation zur Ausbildungsplatznachfrage gegeben hatte.

  • 5

    Das heißt in Regionen, in denen es im Berichtsjahr 2014/2015 überdurchschnittlich viele außerbetriebliche Ausbildungsplätze in Relation zur Ausbildungsplatznachfrage gegeben hatte. 

  • 2

    Vgl. dazu auch www.bibb.de/de/2918.php.