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Die berufliche Qualifikation und die Integration in den Arbeitsmarkt sind in Deutschland stark miteinander verbunden (vgl. Allmendinger 1989). Aus diesem Grund beschäftigt sich der folgende Abschnitt mit der Erwerbsintegration Geflüchteter insbesondere in Abhängigkeit ihres beruflichen Qualifikationsniveaus. Grundlage hierfür bietet die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten, die einen repräsentativen Einblick in die Qualifikations- und Erwerbsstruktur Geflüchteter, die seit Anfang 2013 zugewandert sind, ermöglicht.

IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten

Seit 2016 (Version 33.1) sind in das Sozio-Oekonomische-Panel (SOEP) zwei gesonderte Stichproben (M3 und M4) integriert. Hierbei handelt es sich um eine repräsentative Befragung von Geflüchteten, die gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge umgesetzt wurde (siehe Kroh u. a. 2016). Die Befragung richtete sich ausschließlich an Geflüchtete, die zwischen dem 1. Januar 2013 und dem 31. Januar 2016 nach Deutschland eingereist und zum Befragungszeitpunkt mindestens 18 Jahre alt waren. Die Stichprobenziehung erfolgte hierbei auf Basis der in den relevanten Jahren erfassten Gesamtbevölkerung von Geflüchteten im Ausländerzentralregister. Die Teilnehmer/-innen wurden unabhängig ihres aktuellen Aufenthaltsstatus befragt. Somit enthält die Stichprobe auch Informationen über Personen im laufenden Asylverfahren, erwartete Abschiebung oder Duldung.

Insgesamt umfassen beide Stichproben 4.527 Interviews mit volljährigen Geflüchteten. Thematisch liefert die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten neben Informationen zu soziodemografischen Merkmalen, der Bildung und dem Erwerbsstatus auch Erkenntnisse über den Stand des Asylverfahrens, Fluchtursachen und -wege, Wohnsituation, Einkünfte, Gesundheitszustand, Familie, soziale Netzwerke und Wahrnehmung von Unterstützungs- und Beratungsangeboten sowie persönliche Einstellungen und Charaktereigenschaften der Geflüchteten.

Tabelle A12.2.3-1 zeigt, zu welchen (gewichteten) Anteilen sich die befragten Geflüchteten zwischen 18 und 64 Jahren in Erwerbstätigkeit bzw. nicht in Erwerbstätigkeit und in (Aus-)Bildung im Befragungsjahr 2016 befanden. Hierbei umfasst die Gruppe der Nichterwerbstätigen alle Personen mit und ohne Arbeitserlaubnis und damit sowohl Arbeitslose wie Arbeitssuchende und Personen, die vorübergehend oder dauerhaft nicht auf der Suche nach Arbeit sind. Es sei weiterhin angemerkt, dass Personen, die hauptsächlich an einem Integrations- oder Sprachkurs teilnehmen, nicht zu den Personen in Bildung, sondern zu den Nichterwerbstätigen gezählt wurden. 

Mit der Differenzierung nach Geschlecht, Alter und beruflicher Qualifikation sollen im Folgenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Einmündung in Erwerbstätigkeit näher beleuchtet werden. Das Niveau der beruflichen Qualifikation bemisst sich an der Internationalen Standardklassifikation des Bildungswesens 2011 (ISCED). Personen mit ISCED-Stufe 0 bis 2 sowie 3a, welche einer abgeschlossenen Sekundarbildung in der Oberstufe entspricht, werden im Folgenden als beruflich nicht formal Qualifizierte (nfQ) zusammengefasst (vgl. Kapitel 11).257 Die ISCED-Stufen 3b und 4 entsprechen einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Personen mit einer ISCED-Stufe 5 bis 8 besitzen einen abgeschlossenen Fortbildungs- oder akademischen Abschluss. Für diese Auswertung wurde nicht unterschieden, ob der ausländische Bildungsabschluss auch formal in Deutschland anerkannt wurde.

Tabelle A12.2.3-1: Anteil Geflüchteter in Erwerbstätigkeit im Alter von 18 bis 64 Jahren nach ISCED-Niveau der beruflichen Qualifikation (in %)

Unter den befragten Geflüchteten zwischen 18 und 64 Jahren waren im Befragungsjahr 2016 76,8% beruflich nicht formal qualifiziert. Weitere 16,2% besaßen einen akademischen oder Fortbildungsabschluss. 6,2% hatten eine berufliche Ausbildung abgeschlossen, wobei dies seltener unter den Frauen in der betrachteten Alterspanne vorkam (Frauen: 4,3%; Männer: 6,9%). Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Quote der nfQ und der höher Qualifizierten sind hierbei statistisch nicht signifikant.

Insgesamt war mit 8,2% nur ein kleiner Anteil der Befragten in der betrachteten Alterskategorie erwerbstätig. Dabei ergeben sich signifikante Unterschiede in der Erwerbstätigenquote nach beruflicher Qualifikation. So fiel die Erwerbstätigenquote am höchsten aus unter Personen mit einem akademischen oder Fortbildungsabschluss (10,7%) und am niedrigsten bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung (5,9%). Interessant ist weiterhin, dass sich unter den befragten Männern die Erwerbstätigenquoten der nfQ und Personen mit akademischen oder Fortbildungsabschluss nicht signifikant unterscheiden, sie jedoch in beiden Fällen signifikant größer sind als die Quote der Männer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Die scheinbar höheren Zugangsbarrieren zu Beschäftigung von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung könnten mit dem hohen Grad der Standardisierung von Ausbildungsabschlüssen in Deutschland zusammenhängen (Konietzka 2010). In diesem Falle dürften insbesondere die formale Anerkennung und entsprechende Nachqualifizierungen eine wichtige Rolle für die Einmündung in Erwerbstätigkeit von Geflüchteten spielen.

Weiterhin lag die Erwerbstätigenquote der 18- bis 24-Jährigen mit 6,5% unter der Quote der 18- bis 64-Jährigen (8,2%). Dies könnte aber auch damit zusammenhängen, dass der Anteil der Personen in (Aus-)Bildung unter den jüngeren Geflüchteten wesentlich höher (12,3%) war als unter allen Befragten in der betrachteten Stichprobe (7,0%). Bei den jüngeren Geflüchteten ist weiterhin auffällig, dass junge Frauen in der betrachteten Stichprobe wesentlich häufiger als die jungen Männer angaben, nicht erwerbstätig zu sein (Frauen: 93,8%; Männer: 78,4%).

Auch insgesamt unter allen 18- bis 64-Jährigen gaben Frauen häufiger als Männer an, nicht erwerbstätig zu sein (Frauen: 94,5%; Männer: 81,3%). Dieser Unterschied zwischen Frauen und Männern ist über alle Qualifikationsstufen signifikant, wobei er besonders unter den nfQ eklatant ist (Frauen: 95,4%; Männer: 81,0%). Darüber hinaus waren die befragten Frauen in der betrachteten Altersspanne auch wesentlich seltener erwerbstätig (Frauen: 3,2%; Männer: 10,0%). 

Es ist zudem auffällig, dass die befragten Frauen ebenfalls deutlich seltener angaben, an Bildung teilzunehmen (Frauen: 2,3%; Männer: 8,7%). Wie auch andere Studien (vgl. z. B. Worbs und Baraulina 2017) zeigen diese Ergebnisse, dass die geflüchteten Frauen es schwerer haben als die Männer, in Erwerbstätigkeit und (Aus-)Bildung einzumünden. Gründe hierfür finden Worbs und Baraulina (2017) unter anderem in den durchschnittlich geringeren Erwerbserfahrungen, schlechteren Sprachkenntnissen und Aufgaben der Kinderbetreuung. Gleichwohl weisen die Autoren daraufhin, dass der Großteil der geflüchteten Frauen gerne eine Erwerbstätigkeit aufnehmen würde. Hieraus ergibt sich eine besondere Relevanz für die Erforschung geschlechterspezifischer Determinanten für eine gelungene Erwerbsintegration Geflüchteter und das Angebot an unterstützenden Initiativen, die sich speziell an Frauen richten.

(Stephanie Matthes, Alexander Christ, Caroline Neuber-Pohl, Moritz Niemann)

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    Sämtliche Personen, die aufgrund fehlender Angaben zur allgemeinen Schulbildung im Datensatz keiner ISCED-Stufe zugeordnet wurden, jedoch angaben, keinen beruflichen Abschluss zu besitzen, wurden den ISCED-Stufen 0-2 und 3a zugeordnet.