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Entwicklung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage

Laut Prognose des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wird sich 2017 das Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorjahr etwas verlangsamen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2017; Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung [SVR] 2016). So rechnet das BMWi mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes von 1,4 %, was einen Rückgang der Wachstumsrate um 0,5 Prozentpunkte von 1,9 % im Jahr 2016 bedeutet (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2017).31 Die Wirtschaft befindet sich weiterhin im Aufschwung, welcher vor allen Dingen von einer stabilen Binnenkonjunktur getragen wird (vgl. auch Bundesbank 2016). Wie jedes Jahr wird auch anhand von PROSIMA eine Prognose der konjunkturellen Entwicklung vorgenommen. Diese fällt mit einem Wachstum von 1,9 % etwas optimistischer aus, ebenso wie die Prognose der Deutschen Bundesbank mit 1,8 % Wachstum (Bundesbank 2016). Die folgenden Ergebnisse von PROSIMA für das Jahr 2017 beruhen auf der Prognose des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und sind in folgenden Kontext einzuordnen:

  • Die wirtschaftliche Entwicklung ist weiterhin positiv, wird mit einem prognostizierten Wachstum von 1,4 % im Vergleich zum Vorjahr jedoch etwas weniger stark wachsen als 2016 (1,9 %).
  • Die Meldebereitschaft von Ausbildungsstellen bei der BA seitens der Unternehmen, Praxen und Verwaltungen hat in den letzten Jahren zugenommen, während das Angebotspotenzial leicht rückläufig war. Dies zeigt, dass die Meldebereitschaft von Stellen nicht als ein konstantes Abbild der Ausbildungsbereitschaft angesehen werden kann. Vielmehr ist sie auch Ausdruck einer eventuell erhofften höheren Vermittlungschance bei einem zurückgehenden Nachfragepotenzial. Die Ergebnisse für das Jahr 2016 zeigen, dass eine höhere Meldebereitschaft die Chance auf mehr Neuabschlüsse erhöht, gleichzeitig aber auch dazu führt, dass bei Nichtbesetzung diese auch bei der BA als unbesetzte Stellen institutionell erfasst werden.32
  • Ohne die Berücksichtigung junger Geflüchteter würde das Nachfragepotenzial und die Anzahl gemeldeter Bewerber/-innen bei der BA im Vergleich zu 2016 wieder leicht zurückgehen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Anzahl der ausbildungsinteressierten Geflüchteten im Vergleich zu 2016 erhöht (vgl. Kapitel C5.7), sodass die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen demografiebedingt erstmals seit 2007 wieder steigen könnte.

Schaubild A2.2-1 gibt die Entwicklung des Angebots- und Nachfragepotenzials sowie die Anzahl der bei der BA gemeldeten Bewerber/-innen und Stellen von 2000 bis 2017 wieder. Die Prognosewerte für 2017 beinhalten für das Nachfragepotenzial und die gemeldeten Bewerber/-innen bereits die Annahme, dass zusätzlich zu den aus der bisherigen demografischen Entwicklung ableitbaren Nachfragenden weitere 20.000 junge Geflüchtete bei der BA als Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen registriert werden und somit gleichzeitig das Nachfragepotenzial erhöhen. Der Wert von 20.000 entspricht dem gemittelten Prognosewert der erstmalig in Erscheinung tretenden Berufsausbildungsinteressierten aus den Varianten N1I1 und N1I2 in Kapitel C5.7. Das Angebotspotenzial geht lediglich leicht um 3.000 Plätze im Vergleich zu 2016 zurück, die Zahl der gemeldeten Stellen hingegen um 6.000 auf 541.000 Stellen. Die gemeldeten Stellen reagieren traditionell etwas sensibler auf konjunkturelle Änderungen als die Potenzialgröße (vgl. BIBB-Datenreport 2016, Kapitel A2.2). Im Nachfragepotenzial und bei den gemeldeten Bewerbern und Bewerberinnen äußert sich die Erhöhung dieser Größen durch die Annahme der zusätzlichen Nachfrage von Ausbildungsinteressierten im Kontext von Fluchtmigration in Höhe von 20.000  Personen. Beide Größen wären ansonsten für 2017 im Vergleich zu 2016 rückläufig.

Schaubild A2.2-1: Angebots- und Nachfragepotenzial sowie bei der BA gemeldete Bewerber/-innen und Stellen zum 30. September von 2000 bis 2017

Tabelle A2.2-1: Einschätzung der Ausbildungsmarktentwicklung zum 30. September 2017 (Angaben in Tsd.)

Tabelle A2.2-1 gibt die Ergebnisse der Entwicklung unter den geschilderten Nebenbedingungen wieder. Demzufolge ist für das Jahr 2017 lediglich mit einem leichten Rückgang in der Anzahl der angebotenen Ausbildungsplätze von 563.800 im Jahr 2016 auf 560.100 im Jahr 2017 zu rechnen.33 Dieser Rückgang ist vor allem konjunkturell bedingt. Die Ausbildungsplatznachfrage (erweiterte Definition) steigt hingegen von 600.900 im Jahr 2016 auf 604.800 im Jahr 2017 leicht an.34  Der nur leichte Rückgang des Ausbildungsplatzangebots und der leichte Anstieg der Ausbildungsplatznachfrage werden begleitet von einem Anstieg an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Im Vergleich zu 2016 legen diese um 2.800 auf nun 523.100 Neuabschlüsse zu.35  Dieses Ergebnis folgt aus dem Modellzusammenhängen von PROSIMA als eine Konsequenz der oben beschriebenen Entwicklungen: Wenn das Angebot an Ausbildungs­plätzen konjunkturbedingt zurückgeht und die Nach­frage demografiebedingt steigt, verringert sich die An­gebots-Nachfrage-Relation von 93,8 auf 92,6 (erweiterte De­finition)36  bzw. von 104,2 auf 103,2 Ausbildungsstellen pro 100 Bewerber/-innen (alte Definition),37  was die Anzahl der unbesetzten Ausbildungsplätze im Vergleich zu 2016 verringert. Diese gehen den Schätzungen zufolge von 43.500 auf 36.900 zurück.38 Die Zahl der unvermittelten Bewerber/ -innen mit Alternative steigt hingegen leicht um 2.100 von 60.100 auf 62.200 an, die Zahl der unversorgten Bewerber/-innen ohne Alter­native geht nur leicht um 1.100 von 20.600 auf 19.500 zurück.39

Die gesamten Schätzungen – insbesondere die der unversorgten Bewerber-/-innen wie auch die Schätzung der unbesetzten Ausbildungsplätze – sind für 2017 mit Unsicherheiten verbunden, die über die Grenzen der jeweilig ökonometrisch bestimmten Vertrauensintervalle hinausgehen. PROSIMA kann nicht zwischen Geflüchteten und Nichtgeflüchteten unterscheiden (vgl. BIBB-Datenreport 2016, Kapitel A2.3). Die Zahl von 20.000 ausbildungsinteressierten Geflüchteten wird vor dem Hintergrund bisheriger Erkenntnisse plausibilisiert (vgl. Kapitel C5). Sie könnte aber durchaus auch höher (z. B. wenn sich mehr Personen über 25 Jahre oder Geflüchtete für eine Ausbildung interessieren) oder niedriger ausfallen (z. B. wenn die Geflüchteten eine längere Zeit im Übergangsbereich verbringen als angenommen). Für die Ergebnisse in Tabelle A2.2-1 wird zudem angenommen, dass Unternehmen, Praxen und Verwaltungen von ihrem bisherigen Ausbildungsverhalten nicht abweichen und beispielsweise noch mehr Ausbildungsstellen bei der BA melden, als sich dies aus der Entwicklung der Vergangenheit ablesen lässt. Auch die konjunkturelle Entwicklung ist von Unsicherheiten geprägt. Die neuesten Vorausschätzungen schwanken zwischen 1 % und 1,8 % Wachstum.40 Aus diesem Grund werden Sensitivitätsanalysen mit PROSIMA berechnet. Diese zeigen Folgendes:

  • Pro 0,1 Prozentpunkte Wachstum erhöht sich das Ausbildungsplatzangebot um ca. 1.700 Plätze. Davon könnten bei sonst gleichbleibenden Rahmenbedingungen 1.200 neue Ausbildungsverträge entstehen, 500 der neu angebotenen Ausbildungsstellen blieben jedoch unbesetzt.
  • Pro 10.000 zusätzlich bei der BA gemeldeten Stellen (zu den 547.000 geschätzten im Jahr 2017) würden bei sonst gleichbleibenden Rahmenbedingungen 2.900 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden können. Die Zahl der unbesetzten Stellen würde hingegen um 1.300 steigen. Das heißt das institutionell erfasste Ausbildungsplatzangebot würde sich aufgrund der höheren Meldebereitschaft um 4.200  Plätze erhöhen.
  • Pro 10.000 zusätzlich bei der BA gemeldeten Bewerbern und Bewerberinnen (zu den 558.400 geschätzten im Jahr 2017) würden lediglich 1.700 weitere Neuverträge entstehen, wenn die Unternehmen, Praxen und Verwaltungen nicht gleichzeitig mehr Stellen anbieten und/oder bei der BA melden. Dies zeigt auch, dass die Anzahl der Neuabschlüsse auf dem Wert von 2016 verharren würde, wenn in die Berechnungen nicht bereits 20.000 zusätzliche Ausbildungsinteressierte im Kontext von Fluchtmigration einberechnet worden wären. Die unversorgten Bewerber/-innen würden um 600 und die unversorgten Bewerber/-innen mit Alternative um 500 Personen ansteigen. Die Effekte – gerade bei den unvermittelten Bewerberinnen und Bewerbern – fallen so gering aus, weil sich in den historisch gestützten Schätzgleichungen keine starken Effekte der gemeldeten Bewerber/-innen auf diese Größe erkennen lassen. Geht man jedoch davon aus, dass ausbildungsinteressierte Geflüchtete eher bei der BA gemeldet sind und folglich auch von der BA vermittelt werden, ist es durchaus denkbar, dass auch die Zahl der bei der BA gemeldeten unversorgten Bewerber/-innen mit und ohne Alternative stärker ansteigt, als dies durch PROSIMA erfassbar ist.

Die Sensitivitätsanalysen zeigen, dass bereits geringe Veränderungen einen erheblichen Einfluss auf die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge haben werden. Sofern die vor dem Hintergrund der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ gesteckten Ziele weiterhin beibehalten werden und mehr Ausbildungsstellen angeboten und bei der BA gemeldet werden, könnte die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge signifikant steigen. Als Begleiterscheinung würde dann jedoch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze nicht in dem Maße zurückgehen wie in Tabelle A2.2-1 ausgewiesen. Von staatlicher Seite kann auf die Möglichkeiten der Einstiegsqualifizierung oder Leistungen der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), der Assistierten Ausbildung (AsA) sowie auf ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) hingewiesen werden, wodurch Unternehmen, Praxen und Verwaltungen in ihrer Ausbildung Unterstützung finden. Zudem gilt es, über Sprachförderung und/oder schulische Nachqualifizierungsmaßnahmen junge Geflüchtete für die Aufnahme einer Berufsausbildung zu befähigen, um ihre Vermittlungschance in eine Berufsausbildung zu erhöhen.

(Tobias Maier, Caroline Neuber-Pohl)

  • 31

    Der Grund hierfür sei hauptsächlich auf die geringere Zahl von Arbeitstagen in diesem Kalenderjahr zurückzuführen (ebenda). 

  • 32

    Melden Unternehmen, Praxen und Verwaltungen ihre Ausbildungsstellen nicht bei der BA, können diese Stellen auch nicht als unbesetzt erfasst werden. Der Anstieg unbesetzter Ausbildungsstellen bei einer nahezu konstanten Anzahl an unvermittelten Bewerbern wurde in der Vergangenheit als zunehmendes Passungsproblem gedeutet. Tatsächlich könnten diese Passungsprobleme auch schon vorher bestanden haben, ohne jedoch – aufgrund einer vergleichsweise geringeren Meldebereitschaft – in den institutionell gemeldeten Zahlen sichtbar gewesen zu sein. 

  • 33

    Mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % liegt das Ausbildungsplatzangebot zwischen 543.000 und 577.100 angebotenen Stellen. 

  • 34

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % zwischen 587.700 und 621.900 Ausbildungsplatznachfragenden.

  • 35

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % zwischen 507.100 und 539.200 neuen Ausbildungsverträgen. Größtenteils ist der Anstieg auf Neuabschlüsse im Handwerk zurückzuführen. Hier nimmt die Zahl der Verträge von 141.800 (2016) auf 145.800 (2017) zu. Die Zahl der Neuabschlüsse in Industrie und Handel geht hingegen leicht von 304.300 (2016) auf 302.400 (2017) zurück. Dies liegt daran, dass das Handwerk in seinen Ausbildungstätigkeiten traditionell etwas sensibler auf demografische Entwicklungen reagiert als Industrie und Handel. 

  • 36

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % zwischen 101,2 und 105,2. 

  • 37

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % zwischen 90,8 und 94,4. 

  • 38

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % zwischen 27.500 und 46.400 unbesetzten Ausbildungsplätzen. 

  • 39

    Die Vertrauensintervalle liegen zwischen 16.700 und 22.200 bzw. zwischen 58.400 und 66.000 unvermittelten Bewerbern bzw. unvermittelten Bewerbern mit Alternative. 

  • 40

     https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunkturprognose114.html (Zugriff: 17.02.2017).