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Nach den BA/BIBB-Bewerberbefragungen 2006 bis 2016 ist der Anteil der Altbewerber/-innen an allen Ausbildungsstellenbewerbern und -bewerberinnen in den vergangenen 10 Jahren erheblich zurückgegangen. Im Vermittlungsjahr 2016 betrug der Anteil nur noch 27%, gegenüber 40% in den Jahren 2006 und 2008.162 Am stärksten fiel der Rückgang von 2010 bis 2012163 mit 7 Prozentpunkten aus. 2016 sank der Altbewerberanteil gegenüber 2014 nur noch sehr leicht Schaubild A8.1.1-1 (linke Grafik).

2016 hatten sich 51% der Altbewerber/-innen erstmals im Vorjahr um eine duale Berufsausbildung beworben, 24% bereits im Vorvorjahr und weitere 24% in noch früheren Jahren Schaubild A8.1.1-1 (rechte Grafik).164 Der Anteil der Altbewerber/-innen mit erstmaliger Bewerbung vor einem Jahr nahm von 2006 bis 2016 leicht zu, während die Anteile derjenigen, die sich bereits vor 2 Jahren bzw. 3 oder mehr Jahren beworben hatten, etwas zurückgingen. Insgesamt gab es in den letzten 10 Jahren – mit Ausnahme des Jahres 2012 – nur relativ geringe Schwankungen in der Verteilung der Altbewerber/-innen nach dem Zeitpunkt ihrer Erstbewerbung. 

Bewerber/-innen mit Migrationshintergrund

Bei den BA/BIBB-Bewerberbefragungen wird folgende Definition zugrunde gelegt: Altbewerber/-innen sind „all diejenigen Personen, die angeben, sich bereits einmal für einen früheren Ausbildungsbeginn als den des jeweils aktuellen Ausbildungsjahres beworben zu haben“ (Ulrich/Krekel 2007). In den Erhebungen wird genau erfasst, für welches Jahr sich die Bewerber/-innen erstmals um eine Ausbildungsstelle bewarben. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Alt- und Erstbewerber/-innen unterscheiden, sondern es kann auch die Gesamtdauer der bisherigen Such- und Bewerbungsprozesse der Altbewerber/-innen eingeschätzt werden. 

In der BA-Ausbildungsmarktstatistik werden demgegenüber die Bewerber/-innen danach differenziert, ob sie die Schule im aktuellen Vermittlungsjahr oder bereits im Vorjahr oder früher beendet haben. Die Bewerber/-innen aus früheren Schulentlassjahrgängen sind in der Vergangenheit ebenfalls häufig als „Altbewerber/-innen“ bezeichnet worden, obwohl unbekannt ist, ob sie sich in den Vorjahren tatsächlich schon einmal um eine Ausbildungsstelle beworben haben. Seit einigen Jahren werden in der BA-Ausbildungsmarktstatistik die Bewerber/-innen außerdem danach unterschieden, ob sie im aktuellen Vermittlungsjahr erstmals bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter gemeldet waren oder auch bereits in einem früheren Vermittlungsjahr. Allerdings wird dabei für die früheren Bewerber/-innen nicht genau ausgewiesen, in welchem Vermittlungsjahr sie erstmals registriert waren. Vgl. auch Erläuterung in Kapitel A1.3.

Schaubild A8.1.1-1: Entwicklung des Altbewerberanteils von 2006 bis 2016 und Verteilung der Altbewerber/-innen nach dem Zeitpunkt ihrer erstmaligen Bewerbung (in %)

Merkmale der Altbewerber/-innen 

Inwieweit sich Altbewerber/-innen in wichtigen Merkmalen von Bewerbern und Bewerberinnen unterschieden, die sich im betreffenden Vermittlungsjahr zum ersten Mal bewarben (im Folgenden als „Erstbewerber/-innen“ bezeichnet), geht für die Jahre 2006 und 2016 aus Schaubild A8.1.1-2 hervor. Während in der Gruppe der Altbewerber/-innen der Frauenanteil 2006 noch etwas höher ausgefallen war als in der Gruppe der Erstbewerber/-innen, gab es 2016 eine solche Abweichung nicht mehr. Erhebliche Unterschiede zeigten sich dagegen jeweils im Hinblick auf das Lebensalter: Altbewerber/-innen hatten aufgrund ihrer längeren erfolglosen Ausbildungssuche viel häufiger bereits ein Alter von über 20 Jahren erreicht als Erstbewerber/-innen. Personen mit Migrationshintergrund waren in der Gruppe der Altbewerber/-innen jeweils häufiger vertreten als in der Gruppe der Erstbewerber/-innen, wobei sich der Unterschied im Jahr 2016 im Vergleich zu 2006 allerdings deutlich verringert hat. 

Schaubild A8.1.1-2: Merkmale der Altbewerber/-innen und Erstbewerber/-innen 2006 und 2016 (in %)

Im Hinblick auf die Schulabschlüsse fällt auf, dass Altbewerber/-innen im Jahr 2006 kaum geringere formale Qualifikationen hatten als Erstbewerber/-innen. 2016 wiesen sie sogar merklich bessere Schulabschüsse auf: Sie verfügten wesentlich häufiger über eine Studienberechtigung und seltener über maximal einen Hauptschulabschluss oder einen mittleren Schulabschluss als Erstbewerber/-innen. Der höhere Anteil Studienberechtigter in der Altbewerbergruppe dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass erfolglose Bewerber/-innen mit mittlerem Schulabschluss häufig in einer Fachoberschule oder teilqualifizierenden beruflichen Schule noch nachträglich die Fachhochschulreife erwerben.

In ihrem Bewerbungsverhalten waren Altbewerber/-innen in den Jahren 2006 und 2016 deutlich aktiver und flexibler als Erstbewerber/-innen, sie bewarben sich erheblich häufiger schriftlich in unterschiedlichen Berufen und deutlich öfter überregional, d. h. in Betrieben, die mindestens 100 km von ihrem Wohnort entfernt lagen. 165

Einmündung der Altbewerber/-innen in duale Berufsausbildung

In den Jahren 2006 bis 2016 waren Altbewerber/-innen bei der Suche nach einer betrieblichen Ausbildung in Berufen nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) bzw. Handwerksordnung (HwO) immer deutlich weniger erfolgreich als Erstbewerber/-innen Schaubild A8.1.1-3. So waren 2006, als es auf dem Ausbildungsmarkt große Versorgungsengpässe gab, nur 29% der Altbewerber/-innen in eine betriebliche Ausbildung eingemündet, gegenüber 39% der Erstbewerber/-innen.166 In den nachfolgenden Jahren erhöhte sich aufgrund einer deutlich verbesserten Marktlage die Einmündungsquote beider Gruppen, ging allerdings für Erstbewerber/-innen ab 2014 wieder merklich zurück, während sie für Altbewerber/-innen relativ stabil blieb. Dennoch fiel der Unterschied zwischen beiden Gruppen auch 2016 noch recht groß aus (Altbewerber/-innen: 33%; Erstbewerber/-innen: 40%). 

Schaubild A8.1.1-3: Entwicklung der Einmündungsquote in duale Ausbildung der Altbewerber/-innen und Erstbewerber/-innen von 2006 bis 2016 (in %)

Neben der betrieblichen Ausbildung gab es für einen kleineren Teil der Bewerber/-innen jeweils die Möglichkeit, eine öffentlich finanzierte, außerbetriebliche Ausbildung in BBiG/HwO-Berufen aufzunehmen.167 Altbewerber/-innen mündeten jeweils etwas häufiger als Erstbewerber/-innen in diese Ausbildungsform. Im Jahr 2006 nahmen 9% der Altbewerber/-innen eine außerbetriebliche Ausbildung auf, gegenüber 7% der Erstbewerber/-innen. Aufgrund eines relativ starken Abbaus außerbetrieblicher Ausbildungsplätze ging in den nachfolgenden Jahren der Anteil der Alt- und Erstbewerber/-innen, die in eine solche Ausbildung einmündeten, deutlich zurück, und zwar auf 5% bzw. 3% im Jahr 2016.168

Wird die betriebliche und außerbetriebliche Ausbildung in BBiG/HwO-Berufen zusammen betrachtet, so ist festzustellen, dass sich die Einmündungsquote der Altbewerber/-innen in die gesamte duale Berufsausbildung im Laufe der Jahre relativ wenig veränderte: 2006 betrug sie 38%, erhöhte sich bis 2010 auf 42% und ging bis 2016 wieder auf den Wert von 2006 (38%) zurück. Für Erstbewerber/-innen fiel die Einmündungsquote in duale Ausbildung zwar immer deutlich höher aus als für Altbewerber/-innen, sie entwickelte sich allerdings insgesamt ungünstiger: Während sie 2006 bei 46% lag und bis 2010 auf 49% angestiegen war, sank sie bis 2016 auf nur noch 43%.

Innerhalb der Altbewerbergruppe gab es jeweils deutliche Unterschiede bei der Einmündung in duale Berufsausbildung, je nachdem, wie lange der Zeitpunkt der erstmaligen Bewerbung bereits zurücklag Schaubild A8.1.1-4. 2006 mündeten 42% der Altbewerber/-innen, die sich zum ersten Mal im Vorjahr beworben hatten, in eine duale Ausbildung ein; bei erstmaliger Bewerbung im Vorvorjahr waren es 39% und bei einer noch früheren Erstbewerbung nur 29% gewesen. 2016 lag die Einmündungsquote der Altbewerber/-innen mit erstmaliger Bewerbung im Vorjahr mit 43% kaum höher als 10 Jahre zuvor, sie war nun aber ebenso hoch wie die Quote der Erstbewerber/-innen. Erheblich seltener mündeten Altbewerber/-innen ein, die sich schon vor 2 Jahren bzw. vor 3 oder mehr Jahren beworben hatten, von ihnen konnten nur 35% bzw. 32% erfolgreich eine duale Ausbildung aufnehmen.

Im Jahr 2006 mündeten alle Altbewerber/-innen unabhängig vom Zeitpunkt ihrer erstmaligen Bewerbung vergleichsweise oft in eine außerbetriebliche Ausbildung ein. 2016 erhielten dagegen Altbewerber/-innen, die sich bereits vor 3 oder mehr Jahren erstmals bewarben und damit schon sehr lange auf Ausbildungssuche waren, deutlich häufiger einen außerbetrieblichen Ausbildungsplatz als diejenigen, deren Erstbewerbung im Vorjahr oder Vorvorjahr erfolgte. 


Schaubild A8.1.1-4: Einmündung in duale Ausbildung der Altbewerber/-innen 2006 und 2016 differenziert nach dem Zeitpunkt ihrer erstmaligen Bewerbung (in %)

Verbleib der Altbewerber/-innen

Im Folgenden soll betrachtet werden, welchen Verbleib die Altbewerber/-innen insgesamt hatten.169 Hierbei werden neben der „Einmündung in betriebliche Ausbildung“, die bereits im vorangegangenen Abschnitt beschrieben wurde und die in der Regel das Ziel der Ausbildungsstellenbewerber/-innen darstellte, 3 weitere Arten des Verbleibs unterschieden. Dem „Verbleib in alternativer Vollqualifizierung“ wurde die Einmündung in eine außerbetriebliche Ausbildung in BBiG/HwO-Berufen sowie die Aufnahme einer Schulberufsausbildung oder eines Hochschulstudiums zugeordnet.170 Zum „Verbleib in Schule oder Teilqualifizierung“ wurde der Besuch einer allgemeinbildenden oder teilqualifizierenden beruflichen Schule (einschließlich Fachoberschule) sowie die Teilnahme an einem Berufsvorbereitungsjahr o. Ä., einer berufsvorbereitenden Maßnahme der Arbeitsagentur, einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung oder einem Praktikum gerechnet. Unter dem „Verbleib außerhalb des Bildungssystems“ wurden Freiwilligendienste (z. B. Bundesfreiwilligendienst oder freiwilliges soziales Jahr), Erwerbstätigkeit, Jobben, Arbeitslosigkeit und Sonstiges (z. B. Auslandsaufenthalt, zuhause aus privatem Grund) subsumiert.

In den Jahren 2006 bis 2016 verblieben Altbewerber/-innen jeweils etwas häufiger als Erstbewerber/-innen in einer alternativen vollqualifizierenden Ausbildung Schaubild A8.1.1-5. 2006 traf dies auf 22% der Altbewerber/-innen und 18% der Erstbewerber/-innen zu; 2016 lagen die Anteile in beiden Gruppen merklich niedriger (17% bzw. 14%). In Schule oder Teilqualifizierung befanden sich Altbewerber/-innen am Jahresende immer deutlich seltener als Erstbewerber/-innen: 2006 hatten 18% der Altbewerber/-innen und 28% der Erstbewerber/-innen einen solchen Verbleib, 2016 lagen die Anteile bei 16% bzw. 27%. Der relativ große Unterschied zwischen beiden Gruppen erklärt sich dadurch, dass für Altbewerber/-innen – anders als für Erstbewerber/-innen – der weitere Besuch einer allgemeinbildenden Schule meist nicht mehr in Betracht kam und sie viel öfter bereits teilqualifizierende Bildungsgänge absolviert hatten. Außerhalb des Bildungssystems verblieben Altbewerber/-innen wesentlich häufiger als Erstbewerber/-innen: 2006 hatten sich 31% der Altbewerber/-innen und 15% der Erstbewerber/-innen am Jahresende nicht mehr im Bildungssystem befunden, 2016 waren die Anteile in beiden Gruppen mit 34% bzw. 19% noch höher.

Innerhalb der Gruppe der Altbewerber/-innen unterschied sich der Verbleib am Jahresende je nach Dauer der bisherigen Ausbildungssuche deutlich Schaubild A8.1.1-6. Altbewerber/-innen, die sich vor 2 Jahren zum ersten Mal beworben hatten, befanden sich sowohl 2006 als auch 2016 etwas häufiger in einer alternativen vollqualifizierenden Ausbildung als diejenigen mit einer Erstbewerbung im Vorjahr bzw. vor 3 oder mehr Jahren. In Schule oder Teilqualifizierung waren Altbewerber/-innen am Ende des Jahres jeweils umso seltener, je länger ihre Ausbildungssuche bereits andauerte; dies war 2016 noch stärker ausgeprägt als 10 Jahre zuvor. Ein Verbleib außerhalb des Bildungssystems nahm mit der Dauer des Suchprozesses dagegen beträchtlich zu: 2006 hatten sich 23% der Altbewerber/-innen mit erstmaliger Bewerbung im Vorjahr am Jahresende nicht mehr in Bildung befunden, bei Erstbewerbung im Vorvorjahr waren es 30% und bei noch früherer Bewerbung sogar 46% gewesen. 2016 fielen die entsprechenden Anteile mit 24%, 34% und 51% noch größer aus, und zwar insbesondere für Altbewerber/-innen mit einer 2 oder mehr Jahre zurückliegenden Erstbewerbung.

Schaubild A8.1.1-5: Verteilung der Altbewerber/-innen und Erstbewerber/-innen nach Verbleibsart von 2006 bis 2016 (in %)

Schaubild A8.1.1-6: Verteilung der Altbewerber/-innen nach Verbleibsart 2006 und 2016 differenziert nach dem Zeitpunkt ihrer erstmaligen Bewerbung (in %)

Fazit

Nach den Ergebnissen der BA/BIBB-Bewerberbefragungen ist der Anteil der Altbewerber/-innen an allen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldeten Bewerbern und Bewerberinnen in den vergangenen 10 Jahren deutlich gesunken. Während sich in den Vermittlungsjahren 2006 und 2008 noch 40% der Bewerber/-innen bereits in Vorjahren um eine betriebliche Ausbildung beworben hatten, waren es 2016 nur noch 27%. Damit stellten Altbewerber/-innen aber nach wie vor eine von der Größenordnung her nicht zu vernachlässigende Bewerbergruppe dar. Die Gruppe der Altbewerber/-innen hat eine besondere bildungspolitische Relevanz, weil bekannt ist, dass die Einmündung in betriebliche bzw. duale Berufsausbildung immer seltener gelingt, je länger der Prozess der Ausbildungssuche andauert.

Die Einmündungschancen in betriebliche Berufsausbildung waren für Altbewerber/-innen in den Jahren 2006 bis 2016 jeweils deutlich geringer als für Erstbewerber/-innen, aber die Unterschiede wurden etwas kleiner. Altbewerber/-innen, die sich im Vorjahr zum ersten Mal beworben hatten, mündeten 2016 fast ebenso häufig in betriebliche Ausbildung ein wie Erstbewerber/-innen. Ob diese Angleichung damit zu erklären ist, dass Betriebe inzwischen stärker auf „reifere“ Bewerber/-innen setzen, worauf eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung hindeutet (vgl. Kübler/Schmid 2015), kann auf Datenbasis der BA/BIBB-Bewerberbefragungen jedoch nicht beurteilt werden. Für Altbewerber/-innen, die sich bereits vor 2 oder mehr Jahren erstmals beworben hatten, waren jedenfalls auch 2016 noch erheblich schlechtere Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz festzustellen als für Erstbewerber/-innen. 

Altbewerber/-innen mündeten von 2006 bis 2016 zwar jeweils etwas häufiger als Erstbewerber/-innen in eine außerbetriebliche Ausbildung ein. Ihre Chancennachteile wurden hierdurch insgesamt jedoch nicht ausgeglichen. Die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsplätze wurde in den vergangenen Jahren zudem relativ stark reduziert. Trotz eines verbesserten Zugangs zu betrieblicher Ausbildung war die Einmündungsquote der Altbewerber/-innen bezogen auf die gesamte duale Ausbildung 2016 daher nicht höher als 10 Jahre zuvor. Dies betraf Erstbewerber/-innen allerdings noch stärker, ihre Einmündungsquote lag nun sogar niedriger als 2006. 

Für Altbewerber/-innen bestand in den letzten 10 Jahren immer ein deutlich größeres Risiko, außerhalb des Bildungssystems zu verbleiben, als für Erstbewerber/-innen. Dieses Risiko erhöhte sich mit zunehmender Dauer der Ausbildungssuche jeweils erheblich. So befanden sich 2016 über die Hälfte der Altbewerber/-innen, die sich schon vor 3 oder mehr Jahren erstmals beworben hatten, am Jahresende nicht mehr in Bildung. Vor allem für diese Gruppe muss von einer hohen Gefahr der Resignation bei der Ausbildungssuche ausgegangen werden, die dann zu dauerhafter Ausbildungslosigkeit führen würde. Es wäre daher sehr wichtig, wirksame Strategien zu entwickeln, um Altbewerbern und Altbewerberinnen eine raschere Einmündung in duale Ausbildung zu ermöglichen und sehr lange Suchprozesse zu vermeiden.

(Ursula Beicht)

  • 162

    In der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2004 waren die notwendigen Angaben zur Ermittlung des Altbewerberstatus noch nicht erfasst worden. In den BA/BIBB-Bewerberbefragungen 2006 bis 2016 konnte aufgrund fehlender Angaben nicht in allen Fällen geklärt werden, ob die befragten Personen Altbewerber/-innen waren oder nicht. Die tatsächliche Altbewerberquote könnte somit jeweils leicht unterschätzt sein. Die nicht zuordenbaren Fälle wurden aus den weiteren Auswertungen zu den Altbewerbern und Altbewerberinnen ausgeschlossen.

  • 163

    Gemeint sind hier immer die jeweiligen Vermittlungsjahre.

  • 164

    Bei der Verteilung der Altbewerber/-innen nach dem Zeitpunkt ihrer erstmaligen Bewerbung sind die Fälle, in denen das Erstbewerbungsjahr aufgrund fehlender Angaben nicht ermittelt werden konnte, hier nicht miteingerechnet.

  • 165

    Überregionale Bewerbungen waren allerdings 2016 in beiden Bewerbergruppen erheblich seltener als 2006, was wahrscheinlich mit der deutlich verbesserten Lage auf dem Ausbildungsmarkt zusammenhing. Bei einer günstigeren Marktsituation geht die Mobilitätsbereitschaft der Jugendlichen in der Regel zurück.

  • 166

    Im Rahmen der BA/BIBB-Bewerberbefragungen gilt als Einmündung in betriebliche bzw. duale Ausbildung, wenn Bewerber/-innen im aktuellen Vermittlungsjahr oder in den nachfolgenden Monaten eine entsprechende Ausbildung aufgenommen haben und dort bis zum Befragungszeitpunkt am Ende des Kalenderjahres verblieben sind. Nicht berücksichtigt sind somit zwischenzeitlich (z. B. in der Probezeit) bereits wieder gelöste Ausbildungsverhältnisse, denn diese werden nicht erfasst. Zu beachten ist auch, dass Bewerber/-innen, die sich aus einem bestehenden Ausbildungsverhältnis heraus um eine andere Ausbildungsstelle bemühten, dann aber doch ihre ursprüngliche, vor dem Vermittlungsjahr begonnene Ausbildung weiterführten, zu den nicht eingemündeten Bewerbern und Bewerberinnen gerechnet werden.

  • 167

    Außerbetriebliche Ausbildungsplätze in BBiG/HwO-Berufen werden vor allem für leistungsschwächere Jugendliche bereitgestellt, die nicht in eine betriebliche Ausbildung vermittelt werden konnten. Es handelt sich dabei meistens um lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Jugendliche oder um junge Menschen mit Behinderungen, die in der außerbetrieblichen Ausbildung eine besondere Betreuung erhalten. In der Vergangenheit gab es vor allem in Ostdeutschland auch eine größere Zahl an außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen für sogenannte marktbenachteiligte Jugendliche, d. h. die allein wegen der ungünstigen Situation auf dem Ausbildungsmarkt keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten hatten. Vor allem aufgrund der verbesserten Marktlage wurde die Zahl der außerbetrieblichen Plätze in den letzten Jahren stark reduziert.

  • 168

    Bei der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016 wurden aufgrund einer Ungenauigkeit bei der Filterführung im Fragebogen möglicherweise nicht alle außerbetrieblichen Ausbildungsverhältnisse als solche erkannt, sie zählten dann als betriebliche Ausbildungsverhältnisse. Der Anteil der in außerbetriebliche Ausbildung eingemündeten Bewerber/-innen könnte daher leicht unterschätzt sein.

  • 169

    In den BA/BIBB-Bewerberbefragungen wird jeweils der Verbleib zum Erhebungszeitpunkt, also am Ende des jeweiligen Kalenderjahres, erfasst.

  • 170

    Außerdem wurde hier auch der – eigentlich nicht angestrebte – Verbleib in einer bereits vor dem Vermittlungsjahr bestehenden vollqualifizierenden Ausbildung zugeordnet.