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Entwicklung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage

Wie die Ex-Post Analysen von PROSIMA für 2017 zeigen, sind die Annahmen über das Wirtschaftswachstum und die Nachfrage von Geflüchteten nach Ausbildungsplätzen wesentlich für die Vorausschätzung der angebotenen und nachgefragten Ausbildungsplätze. Das BMWi geht im Jahreswirtschaftsbericht 2018 von einem Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes von 2,4% gegenüber 2017 aus (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2018). Andere Institute kommen zu ähnlichen Ergebnissen. So gehen die Deutsche Bundesbank (2017) und das Institut für Weltwirtschaft IfW Kiel (Ademmer u.  a. 2017) von einem Wachstum von 2,5% und das ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München sogar von 2,6% aus (Wollmershäuser u.  a. 2017). Der Grund hierfür ist vor allem auf das wieder freundlichere weltwirtschaftliche Umfeld zurückzuführen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2018). Wie jedes Jahr wird auch anhand von PROSIMA eine Prognose der konjunkturellen Entwicklung vorgenommen. Diese liegt bei einem prognostizierten Wachstum von 2,5% nah an den Vorhersagen der anderen Institute, weshalb für 2018 auf die endogene Wachstumsprognose von PROSIMA zurückgegriffen wird.28 

Im BIBB-Datenreport 2017, Kapitel C5 wurden vier unterschiedliche Varianten zur potenziellen Nachfrage Geflüchteter nach einer Berufsausbildung bis 2021 berechnet. Die 10.300 im Jahr 2016 und 26.400 im Jahr 2017 im Kontext von Fluchtmigration bei der BA gemeldeten Bewerber/-innen entsprechen in der Höhe in etwa den Ergebnissen der Variante N2I1 (vgl. BIBB-Datenreport 2017, Kapitel C5.7). Diese Variante geht davon aus, dass rund 75% aller zwischen 12 und 25 Jahre alten Asylantragsteller/-innen in den Jahren 2015 und 2016 entsprechend der in der IAB-BAMF-SOEP-Befragung geäußerten Bildungsaspirationen eine Berufsausbildung nachfragen (Brücker u.  a. 2016). Folgt man der Vorausberechnung der Variante N2I1, so sind 2018 in etwa 33.000 bei der BA gemeldete Bewerber/-innen im Kontext von Fluchtmigration zu erwarten.29

Tabelle A2.2-1 gibt die zentralen Kennzahlen des Ausbildungsstellenmarkts unter den geschilderten Nebenbedingungen wieder. Trotz der weiterhin positiven wirtschaftlichen Entwicklung ist für das Jahr 2018 nur mit einem leichten Anstieg der Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze von 572.200 im Jahr 2017 auf 573.800 im Jahr 2018 zu rechnen.30 Dabei werden sowohl die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von 523.300 (2017) auf 524.20031 (2018) als auch die unbesetzten Ausbildungsplätze von 48.900 auf 49.600 jeweils leicht ansteigen.32 Dies liegt daran, dass das Angebotspotenzial auf dem Stand von 2017 verharrt, während das Nachfragepotenzial um rund 1,5% zurückgeht. Das Nachfragepotenzial stellt eine latente Größe von ausbildungsinteressierten Jugendlichen dar, welches auch in einem prognostizierten Rückgang der bei der BA gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern von 547.800 (2017) um rund 14.000 auf 533.800 (2018) sichtbar wird.34 Die Ausbildungsplatznachfrage (erweiterte Definition) geht entsprechend ebenfalls leicht von rund 603.500 Personen im Jahr 2017 auf 598.700 Personen im Jahr 2018 zurück. Das zurückgehende Interesse an einer dualen Berufsausbildung betrifft vor allem Jugendliche, für die sich alternative Bildungswege (wie z.  B. ein Studium) ergeben können und die sich auch nicht unbedingt bei der BA als Bewerber/-innen registrieren lassen. Dies bedeutet aber auch, dass die zusätzlich zu erwartenden rund 33.000 ausbildungsnachfragenden Geflüchteten notwendig sind, um den quantitativen Rückgang an Schulabgängern/-abgängerinnen von Haupt- und Realschulen sowie anderer ausbildungsinteressierter Jugendlicher aufzufangen. Unter den unvermittelten Bewerberinnen und Bewerbern prognostiziert PROSIMA einen Rückgang von 23.700 auf 19.500 Personen, weshalb die Ausbildungsplatznachfrage in der alten Definition entsprechend um rund 4.600 Personen von 547.00 auf 543.700 zurückgeht.35 Auch die Anzahl an unvermittelten Bewerberinnen und Bewerbern in Alternativen geht von 56.500 (2017) um 1.400 auf 55.100 (2018) zurück. 

In beiden Angebot-Nachfrage-Relationen ändert sich das Verhältnis der angebotenen zu den nachgefragten Ausbildungsplätzen zugunsten der Ausbildungsnachfrager/-innen. So steigt die Relation von 94,8 auf 95,8 Ausbildungsstellen pro 100 Bewerber/-innen (erweiterte Definition) bzw. von 104,6 auf 105,5 Ausbildungsstellen pro 100 Bewerber/-innen (alte Definition).36

Die gesamten Schätzungen – insbesondere die der unversorgten Bewerber/-innen, wie auch die Schätzung der unbesetzten Ausbildungsplätze – sind für 2018 mit Unsicherheiten verbunden, die über die Grenzen der jeweilig ökonometrisch bestimmten Vertrauensintervalle hinausgehen. PROSIMA kann nicht zwischen Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten unterscheiden (vgl. BIBB-Datenreport 2016, Kapitel A2.3). Die Zahl von 33.000 ausbildungsinteressierten Geflüchteten wird vor dem Hintergrund bisheriger Erkenntnisse plausibilisiert (vgl. BIBB-Datenreport 2017, Kapitel C5). Sie könnte aber durchaus auch höher (z. B. wenn sich mehr Personen über 25 Jahren oder Geduldete für eine Ausbildung interessieren) oder niedriger ausfallen (z. B. wenn die Geflüchteten eine längere Zeit im Übergangsbereich verbringen als angenommen). Für die Ergebnisse in Tabelle A2.2-1 wird zudem angenommen, dass Unternehmen, Praxen und Verwaltungen von ihrem bisherigen Ausbildungsverhalten nicht abweichen und beispielsweise noch mehr Ausbildungsplätze bei der BA melden, als sich dies aus der Entwicklung der Vergangenheit ablesen lässt. Auch die konjunkturelle Entwicklung ist wie immer von Unsicherheiten geprägt. Die neuesten Vorausschätzungen schwanken zwischen 2% und 2,6% Wachstum.37 Aus diesem Grund wurden erneut Sensitivitätsanalysen mit PROSIMA berechnet. Diese zeigen Folgendes:

  • Pro 0,1 Prozentpunkt Wachstum erhöht sich das Ausbildungsangebot um ca. 700 Plätze. Davon könnten bei sonst gleichbleibenden Rahmenbedingungen 400  neue Ausbildungsverträge entstehen, 300 der neu angebotenen Ausbildungsstellen blieben jedoch unbesetzt. Dies ist eine relativ geringere Sensitivität im Vergleich zu 201738 und ist der begrenzten Nachfrage nach Ausbildungsplätzen geschuldet. Selbst wenn die Unternehmen, Praxen und Verwaltungen mehr Ausbildungsverträge schließen möchten, könnten sie das Potenzial aufgrund einer begrenzten Nachfrage nach Ausbildungsstellen nicht wie in der Vergangenheit ausschöpfen.
  • Pro 10.000 zusätzlich bei der BA gemeldeten Bewerbern und Bewerberinnen würden hingegen 4.200 weitere Neuverträge entstehen, weil aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation eine höhere Vermittlungschance in ein Ausbildungsverhältnis besteht. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen würde um 400 zurückgehen; die Zahl der unvermittelten Bewerber/-innen hingegen würde um 800 Personen und die Zahl der unvermittelten Bewerber/-innen mit Alternative würde um 300 Personen steigen. Die Effekte bei den unvermittelten Bewerberinnen und Bewerbern fallen so gering aus, weil sich in den empirisch gestützten Schätzgleichungen keine starken Effekte der gemeldeten Bewerber/-innen auf diese Größen erkennen lassen. Falls jedoch ausbildungsinteressierte Geflüchtete sich eher bei der BA melden und auch von der BA vermittelt werden sollten, ist es durchaus denkbar, dass auch die Zahl der bei der BA gemeldeten unversorgten Bewerber/-innen mit und ohne Alternative stärker ansteigen würde, als dies durch PROSIMA erfassbar ist.

Die Sensitivitätsanalysen zeigen, dass im Jahr 2018 insbesondere Veränderungen in der Nachfrage nach Ausbildungsplätzen die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge beeinflussen werden. Die in Tabelle A2.2-1 ausgewiesenen Ergebnisse kommen unter der Annahme zustande, dass sich rund 33.000 Personen im Fluchtkontext als Bewerber/-innen bei der BA registrieren lassen. Die Größenordnung wird aber nicht ausreichen, um eine deutlich positive Trendwende am Ausbildungsstellenmarkt herbeizuführen. Je mehr Bewerber/-innen allerdings bei der derzeitigen günstigen konjunkturellen Lage bei der BA registriert und somit auch als vermittlungsfähig eingestuft werden, desto höher liegt die Anzahl der durch PROSIMA prognostizierten neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Um die Zahl der vermittlungsfähigen Bewerber/-innen zu erhöhen, kann von staatlicher Seite beispielsweise auf die Möglichkeiten der Einstiegsqualifizierung hingewiesen werden. Zudem gilt es, über Sprachförderung und/oder schulische Nachqualifizierungsmaßnahmen junge Geflüchtete für die Aufnahme einer Berufsausbildung zu befähigen, um ihre Vermittlungschance in eine Berufsausbildung zu erhöhen. Die Unternehmen, Praxen und Verwaltungen können zudem durch Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), Assistierte Ausbildung (AsA) und ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) (vgl. Kapitel A9.4) in ihren Ausbildungsbemühungen unterstützt werden. 

(Tobias Maier, Caroline Neuber-Pohl)

Tabelle A2.2-1: Einschätzung der Ausbildungsmarktentwicklung zum 30.09.2018 (Angaben in Tsd.)

  • 28

    Für 2017 hatte PROSIMA ein Wachstum von 1,9% prognostiziert und lag somit näher am tatsächlichen Wachstum von 2,2% als die Prognose des BMWi.

  • 29

    Eine Ausbildungsnachfrage von rund 33.000 Personen würde jedoch auch bei der Variante N2I2 erwartet werden, welche von Übergangswahrscheinlichkeiten in Ausbildung entsprechend der ausländischen Bevölkerung ausgeht.

  • 30

    Mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% liegt das Ausbildungsplatzangebot zwischen 560.900 und 586.700 angebotenen Stellen.

  • 31

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% zwischen 513.400 und 535.000 neuen Ausbildungsverträgen. Größtenteils ist der Anstieg der Neuabschlüsse auf Zuwächse im Handwerk zurückzuführen. Hier nimmt die Zahl der Verträge von 143.700 im Jahr 2017 auf 146.800 im Jahr 2018 zu. Die Zahl der Neuabschlüsse in Industrie und Handel geht hingegen leicht von 304.300 (2017) auf 301.000 (2018) zurück.

  • 32

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% zwischen 39.200 und 60.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen.

  • 33

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% zwischen 512.100 und 554.900.

  • 34

    Das Vertrauensintervall liegt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% zwischen 16.200 und 22.800.

  • 35

    Das Vertrauensintervall liegt zwischen 532.900 und 554.500 Personen.

  • 36

    Die Vertrauensintervalle liegen zwischen 93,8 und 97,8 (erweiterte Definition) und zwischen 103,3 und 107,7 (alte Definition).

  • 37

    Seit Mitte Dezember korrigierten die meisten Institute ihre Konjunkturprognosen erneut nach oben. Die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute (Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose 2017) und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (https://www.iwd.de/artikel/die-weltwirtschaft-waechst-stetig-373787/ (Zugriff: 05.02.2018) gehen nun von einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 2% aus, während das ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München sogar ein Wachstum von 2,6% prognostiziert (Wollmershäuser 2017).

  • 38

    Im Jahr 2017 konnte eine Zunahme von rund 1.700 Ausbildungsplatzstellen pro 0,1  Prozentpunkt Wachstum festgestellt werden (vgl. Kapitel A2.1).