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Die Vorausschätzung des Ausbildungsplatzangebots und der Ausbildungsplatznachfrage für 2017 war insbesondere durch die unbekannte Nachfrage von Geflüchteten nach Ausbildungsstellen schwierig. Um dieser Unsicherheit gerecht zu werden, wurden Szenarien mit einer schrittweisen Erhöhung von Ausbildungsnachfragenden und einem darauf reagierenden Ausbildungsplatzangebot berechnet. Die Analyse des Ausbildungsstellenmarkts zum 30.09.2017 (Matthes u. a. 2017b) zeigen, dass PROSIMA die Wirkungsmechanismen richtig beschreiben konnte. Allerdings wurde mit den Wachstumsvorgaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) von 1,4% gegenüber dem Jahr 2016 die Entwicklung des Bruttoinlandprodukts zu niedrig ausgewiesen, denn das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2017 tatsächlich um 2,2%.

Im Jahr 2017 wurden mit 572.200 rund 9.000 Ausbildungsplätze mehr angeboten als im Jahr 2016 (563.800). PROSIMA prognostizierte unter der Annahme eines Wirtschaftswachstums von 1,4% entsprechend der Berechnungen des BMWi (2017) hingegen einen leichten Rückgang auf 560.100 Plätze. Der tatsächliche Wert befindet sich aber im Bereich des üblichen Schätzfehlers (vgl. BIBB-Datenreport 2017, Kapitel A2.2). Die 523.300 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wurden mit der Punktprognose von 523.100 hingegen nahezu exakt getroffen. Auch der leichte Anstieg der Ausbildungsplatznachfrage von 600.900 Bewerbern und Bewerberinnen im Jahr 2016 (erweiterte Definition) auf 603.500 im Jahr 2017 wurde mit 604.800 vorhergesagt. Ursächlich hierfür zeigt sich die Annahme von rund 20.000 ausbildungsplatznachfragenden Geflüchteten für 2017. Tatsächlich wurden 2017 rund 26.400 Personen im Kontext von Fluchtmigration unter den Bewerbern und Bewerberinnen für duale Ausbildungsstellen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gezählt, wovon 9.500 (35,9%) in eine Berufsausbildung einmündeten (Matthes u. a. 2017b; S.  7 ff.).

Die relativ passenden Annahmen hinsichtlich der Ausbildungsnachfrage Geflüchteter und die exakte Prognose der zur erwartenden Zahl an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen führte dazu, dass die Anzahl an unvermittelten Bewerbern und Bewerberinnen (inklusive derer mit Alternative) mit 81.700 nur um 1.500 Personen verfehlt (tatsächlicher Wert 2017: 80.200) wurde. Die um 0,8 Prozentpunkte zu geringe Wachstumsannahme des Bruttoinlandproduktes führte hingegen dazu, dass das Ausbildungsplatzangebot zu niedrig eingeschätzt und ein Rückgang der unbesetzten Ausbildungsplätze von 43.500 im Jahr 2016 auf 36.900 im Jahr 2017 prognostiziert wurde. Tatsächlich stieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze aber um rund 5.400 Plätze auf 48.900 an. Dies liegt auch daran, dass die Zahl der gemeldeten Stellen leicht von 546.900 (2016) auf 549.800 (2017) zunahm, PROSIMA aber aufgrund der angenommenen wirtschaftlichen Entwicklung einen Rückgang auf 541.000 Stellen prognostizierte.

Sowohl die wirtschaftliche Entwicklung als auch die Nachfrage Geflüchteter nach einer dualen Berufsausbildung wurden in der Schätzung für 2017 bereits als volatile Größen identifiziert (vgl. BIBB-Datenreport 2017, Kapitel A2.2), weshalb Sensitivitätsanalysen mit PROSIMA berechnet wurden. Diese ergaben, dass sich pro 0,1 Prozentpunkt Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts das Ausbildungsplatzangebot um ca. 1.700 Plätze erhöht, davon aber rund 500 Plätze unbesetzt blieben. Um die Ex-Post-Prognosegüte von PROSIMA zu überprüfen, setzen wir deshalb in das Modell des Jahres 2017, anstelle der angenommenen 1,4%, das tatsächliche Wirtschaftswachstum von 2,2% ein. Zudem wird das Nachfragepotenzial und die bei der BA gemeldeten Bewerber/-innen nicht um 20.000, sondern um 26.400 Personen erhöht, was der tatsächlichen Zahl an Ausbildungsinteressierten im Kontext von Fluchtmigration entspricht. Unter diesen Voraussetzungen kommt PROSIMA zu einem Ausbildungsplatzangebot von 573.600 Plätzen, welches nur um 1.300 Plätze vom tatsächlichen Ausbildungsplatzangebot (572.300) abweicht. Allerdings erhöht sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die mit 533.800 nun rund 10.500 über der tatsächlichen Zahl liegen. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt ebenfalls an, liegt mit 39.800 aber weiterhin unter dem Wert des Vorjahres und unterschätzt die Zahl der unbesetzten Plätze im Jahr 2017 um rund 10.100. Ursächlich hierfür ist vor allem der Anstieg an Ausbildungsplatznachfrageden auf 614.300, die nun 10.800 über dem Wert des Jahres 2017 liegen. Ohne die Annahme von 20.000 bzw. 26.300 zusätzlichen Ausbildungsplatznachfragenden hätte PROSIMA bei einem Wirtschaftswachstum von 2,2% rund 529.900 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und 44.700 unbesetzte Ausbildungsplätze prognostiziert und damit alle Tendenzen besser vorhergesagt.

Aus den Ex-Post-Prognosen lässt sich folgern, dass das Wirtschaftswachstum 2017 einen starken Einfluss auf das Ausbildungsplatzangebot ausgeübt und die Annahme über die Ausbildungsnachfrage Geflüchteter die Besetzungsmöglichkeiten der gemeldeten Stellen bestimmt hat. Die Prognose im Jahr 2018 muss deshalb ebenfalls unter diesen Gesichtspunkten evaluiert werden. Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Zahl der gemeldeten Stellen bei der BA – trotz des positiven Wirtschaftswachstums – von 2016 auf 2017 nur um 2.900 auf 549.800 gestiegen ist. Von 2014 auf 2015 konnte hingegen ein Zuwachs von rund 10.800 und von 2015 auf 2016 von rund 16.000 Ausbildungsplätzen festgestellt werden, obwohl das Wirtschaftswachstum vergleichsweise geringer ausfiel. Die im Zuge der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ forcierte Meldebereitschaft der Unternehmen, Praxen und Verwaltungen bei der BA scheint somit vorerst zu stagnieren.

Angebotspotenzial und Nachfragepotenzial

Das Angebotspotenzial entspricht der latenten Gesamtzahl der dualen Ausbildungsplätze, welche die Betriebe, Praxen und Verwaltungen zu Beginn der Planungsperiode als mögliches Ausbildungsangebot in Betracht ziehen, neu einzurichten oder wieder zu besetzen gedenken – unabhängig davon, ob sie die Arbeitsverwaltung über ihre Absichten und Stellen informieren, wie intensiv sie suchen und wie erfolgreich sie bei der Akquisition von Auszubildenden sind. 

Das Nachfragepotenzial entspricht gegensätzlich zum Angebotspotenzial der latenten Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. D.  h. hierzu werden alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerechnet, die sich zwischen dem 1. Oktober des Vorjahres und dem 30. September für eine duale Berufsausbildung interessierten. Im Unterschied zur Ausbildungsplatznachfrage zählen hierzu auch jene Personen, die ihr Ausbildungsinteresse noch vor dem 30. September wieder aufgeben oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.