X

Sie verwenden einen veralteten Browser, mit dem nicht alle Inhalte von BIBB.de korrekt wiedergegeben werden können. Um unsere Seiten in Aussehen und Funktion in vollem Umfang nutzen können, empfehlen wir Ihnen, einen neueren Browser zu installieren.

Bildungs- und beschäftigungspolitisch wird auf nationaler Ebene wie auch in der Europäischen Union dem lebenslangen Lernen ein hoher Stellenwert eingeräumt, und es wurden Zielmarken definiert, die zu einem festgelegten Zeitpunkt erreicht werden sollen. So haben sich Bund und Länder beim Dresdner Bildungsgipfel im Oktober 2008 darauf verständigt, gemeinsam mit den Sozialpartnern die Weiterbildungsbeteiligung der Erwerbsbevölkerung bis 2015 auf 50 % zu steigern (Bundesregierung/Regierungschefs der Länder 2008, S. 14) und damit ein bereits 2007 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung formuliertes Ziel übernommen (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2007). Auch der von der Bundesbildungsministerin eingesetzte Innovationskreis Weiterbildung hatte schon im Frühjahr 2008 empfohlen, die Beteiligung der 25- bis 64-Jährigen an formalisierter Weiterbildung bis 2015 auf 50 % zu steigern und als heranzuziehende Datenquelle den Adult Education Survey (AES) benannt (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008, S. 8).

Auf europäischer Ebene wurde mit der „Lissabon-Strategie“ (Rat der Europäischen Union 2000) Bildung stärker als je zuvor als Element der wirtschafts- und sozialpolitischen Strategie erachtet. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist das lebenslange Lernen. Im Rahmen einer damals neuen „Offenen Methode der Koordinierung“ (OMK; Europäische Kommission 2001b, S. 18) und im Einklang mit dem Subsidiaritätsprinzip im Bildungsbereich wurden Ziele vereinbart, die von der Union insgesamt (also nicht von den Mitgliedstaaten einzeln) verwirklicht werden sollen. Auch die Verständigung über Indikatoren, Benchmarks, kontinuierliches Monitoring sowie die regelmäßige Bewertung der erzielten Fortschritte gehören zu den Elementen der OMK im Bildungsbereich. Im Jahr 2003 wurde das Ziel vereinbart, dass bis 2010 der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter, die sich am lebenslangen Lernen beteiligen, 12,5 % betragen sollte (Rat der Europäischen Union 2003); diese Zielmarke wurde 2009 auf 15 % bis zum Jahre 2020 erhöht (Rat der Europäischen Union 2009). Als Datenquelle für das Monitoring wurde der Labour Force Survey (LFS) vereinbart.

Die beiden Datenquellen AES und LFS unterscheiden sich in dem, was mit dem jeweiligen Indikator der Beteiligung am lebenslangen Lernen gemessen wird, erheblich (vgl. Kapitel C1); aus diesem Grund liegen die angestrebten Zielmarken sehr weit auseinander. Dies ist für sich genommen noch vergleichsweise unproblematisch. Die Datenquellen unterscheiden sich aber auch in den Ergebnissen hinsichtlich der Entwicklung der Beteiligung Erwachsener am lebenslangen Lernen und führen daher zu divergierenden Bewertungen der bislang erreichten Erfolge hinsichtlich des politischen Ziels, die Weiterbildungsbeteiligung zu steigern: Nach den Ergebnissen des LFS liegt in der Europäischen Union die Beteiligung am lebenslangen Lernen 2012 niedriger als im Jahr 2005, auch wenn der Rückgang zum Stillstand gekommen ist und für 2012 eine leicht höhere Teilnahmequote ausgewiesen wurde als für 2011 Tabelle C2.1-1. Die Europäische Kommission sieht hier ein Zurückbleiben hinter den selbstgesetzten Zielen (Rat der Europäischen Union/Europäische Kommission 2012, S. 15; European Commission 2013, S. 66/67). In Deutschland liegt die Beteiligung am lebenslangen Lernen, wie sie mit dem LFS-Indikator gemessen wird, unter dem EU-Durchschnitt. Nach den Ergebnissen des AES hat sich zwischen 2007 und 2011/2012269 die Beteiligung Erwachsener an formaler und non-formaler Bildung im Durchschnitt der EU-Mitgliedstaaten erhöht Schaubild C2.1-1. In Deutschland hat sich die Teilnahmequote der Erwerbsbevölkerung an non-formaler Weiterbildung auf 49 % erhöht – mit entsprechend positiver Bewertung: „Das Ziel einer Weiterbildungsbeteiligung von 50 % im Jahr 2015, das Bund und Länder sich 2008 beim Dresdner Bildungsgipfel gesetzt hatten, ist damit schon jetzt nahezu erreicht“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2013).

Die unterschiedlichen Konzepte und Methoden der verschiedenen Datenerhebungen zum lebenslangen Lernen müssen daher genauer betrachtet werden, um divergierende Ergebnisse einordnen zu können. Dabei wird neben AES und LFS auch die dritte Erhebung im Europäischen Statistischen System zum lebenslangen Lernen einbezogen (Kapitel C1). Kapitel C2 stellt dar, welcher Anteil der Erwachsenen in Europa an formaler und non-formaler Bildung beteiligt ist und welche Entwicklung in den letzten Jahren zu verzeichnen war. Kapitel C3 befasst sich mit der unterschiedlichen Beteiligung verschiedener Personengruppen, Kapitel C4 nimmt speziell die betriebliche Weiterbildung in Unternehmen unterschiedlicher Größen und in unterschiedlichen Formen in den Fokus. Stets geht es dabei um das Lernen Erwachsener in Europa und um die Position Deutschlands im europäischen Vergleich.

  • 269

    Für die freiwillige Piloterhebung zum AES war kein Erhebungszeitraum vorgegeben. So wurde in Schweden und im Vereinigten Königreich bereits im Herbst 2005 mit der Befragung begonnen, in der Schweiz wurde sie erst im Jahr 2009 abgeschlossen, die anderen Länder lagen dazwischen. Diese freiwillige Piloterhebung wird von Eurostat und auch im deutschen Kontext als AES 2007 bezeichnet. Für die erste verpflichtende Erhebung hat sich im europäischen Kontext die Bezeichnung AES 2011 durchgesetzt. Diese nimmt Bezug auf den Beginn des Zeitraums, in dem die Befragung durchzuführen war (Juli 2011 bis Juni 2012). In Deutschland wurde 2010 eine weitere Befragung nach dem AES-Konzept durchgeführt. In Deutschland wird der AES jeweils nach dem Erhebungsjahr benannt (AES 2007, AES 2010 und AES 2012, vgl. Kapitel B1.1). In diesem Kapitel wird für die erste verpflichtende AES-Erhebung die Bezeichnung AES 2011/2012 verwendet.