Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September
Ergebnisse für das gesamte Bundesgebiet

Mit 616.615 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurde bundesweit das vierthöchste Ergebnis seit 1992 erzielt (in diesem Jahr lagen erstmalig verlässliche Zahlen für das wiedervereinigte Deutschland vor). Allerdings fiel die Vertragszahl um 9.270 bzw. 1,5% niedriger aus als im Berichtsjahr zuvor. Dennoch führte die leichte Verringerung der Zahl der Neuabschlüsse nicht zu einer Verschlechterung der Ausbildungsmarktlage für die Jugendlichen.
Denn nach den stetigen Zuwächsen der letzten Jahre nahm die Zahl der Jugendlichen, die für eine Ausbildung in Frage kommen könnten, erstmalig deutlich ab. Damit wird ein Trend eingeleitet, der sich in den kommenden Jahren kontinuierlich fortsetzt.
Die Rückgänge bei der Zahl der Jugendlichen betrafen 2008 insbesondere jene Schulabgänger aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die nicht studienberechtigt sind und die Hauptklientel der Berufsausbildung bilden - ihre Zahl sank um über 40.000. Leichte Zuwächse (um rund 8.000) gab es dagegen noch bei den Schulabsolventen, welche die (Fach-)Hochschulreife erwarben. Doch fällt die Nachfrage dieser Jugendlichen nach dualer Berufsausbildung relativ gering aus und kann die "Verluste" bei den nicht studienberechtigten Absolventen nicht kompensieren.
|
Bundesgebiet
|
|
|
Absolventen aus
allgemeinbildenden Schulen
|
Absolventen aus
beruflichen Schulen
|
Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren ("Altbewerber")
|
|
|
|
nicht
studienberechtigt
|
studienberechtigt
|
BVJ, BGJ
und BFS
|
FOS und FGYM
|
aus dem Vorjahr
|
aus noch
früheren Jahren
|
Personen
insgesamt
|
|
2007
|
677.587
|
264.542
|
315.269
|
110.663
|
161.856
|
223.022
|
1.752.939
|
|
2008
|
638.695
|
271.088
|
311.770
|
111.922
|
128.580
|
191.870
|
1.653.925
|
|
Entwicklung
|
-38.892
|
+6.546
|
-3.499
|
+1.259
|
-33.276
|
-31.152
|
-99.014
|
|
2008 zu 2007
|
-5,7%
|
+2,5%
|
-1,1%
|
+1,1%
|
-20,6%
|
-14,0%
|
-5,6%
|
|
Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen: Ist-Zahlen für 2007, Schätzung für 2008
Absolventen aus beruflichen Schulen: Schätzungen für 2007 und 2008
Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren: Ist-Zahlen für 2007 und 2008
|
|
BVJ = schulisches Berufsvorbereitungsjahr, BGJ = schulisches Berufsgrundbildungsjahr, BFS = Berufsfachschule (ohne voll qualifizierende Abschlüsse), FOS = Fachoberschule, FGYM = berufliches Fachgymnasium
|
|
Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen
|
Stark zurück ging auch die Zahl der Jugendlichen, die bereits in früheren Jahren die Schule verlassen hatten, sich aber 2008 für eine Berufsausbildungsstelle interessierten und sich deshalb bei der Bundesagentur für Arbeit registrieren lassen. Ihre Zahl sank insgesamt um rund 64.000.
Da sich die Nachfrage nach dualer Ausbildung deutlich stärker verringerte als der Rückgang des Ausbildungsplatzangebots, kam es zu einer merklichen Verbesserung der Marktlage für die Jugendlichen. Die so genannte "rechnerische Einmündungsquote" stieg erneut an. Diese Quote wird ermittelt als Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge je 100 Absolventen aus den allgemeinbildenden Schulen. Sie lag 2008 bei 67,8. 2007 standen dagegen rechnerisch nur 66,4 neue Ausbildungsverträge 100 Absolventen aus den allgemeinbildenden Schulen gegenüber.
Zwar stellt die "rechnerische Einmündungsquote" eine sehr starke Vereinfachung der Marktzusammenhänge dar (da die Nachfrage nach dualer Ausbildung nicht allein aus dem Kreis der aktuellen Abgänger aus den allgemeinbildenden Schulen resultiert). Doch liegt der Vorteil dieser Größe darin, dass die Zahl der allgemeinbildenden Schulabgänger recht gut mit dem Umfang eines Altersjahrgangs korrespondiert. Erfahrungswerte aus der Vergangenheit deuten darauf hin, dass eine ausreichende Versorgung der Jugendlichen dann gesichert ist, wenn die rechnerische Einmündungsquote über die Jahre hinweg kontinuierlich bei mindestens zwei Dritteln liegt. Ist dies nicht der Fall (wie in den Jahren 2002 bis 2006), wächst die Zahl der so genannten Altbewerber.

Die Entwicklung in Ostdeutschland
Besonders deutlich macht sich die negative demografische Entwicklung im Osten Deutschlands bemerkbar. Die Zahl der Abgänger aus den allgemeinbildenden Schulen sank dort um rund 22.000, die der Abgänger aus beruflichen Schulen um 4.000 und die der ausbildungsinteressierten Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren um 26.000.
|
Neue Länder und Berlin
|
|
|
Absolventen aus
allgemeinbildenden Schulen
|
Absolventen aus
beruflichen Schulen
|
Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren ("Altbewerber")
|
|
|
|
nicht
studienberechtigt
|
studienberechtigt
|
BVJ, BGJ
und BFS
|
FOS und FGYM
|
aus dem Vorjahr
|
aus noch
früheren Jahren
|
Personen
insgesamt
|
|
2007
|
117.778
|
67.177
|
39.611
|
22.958
|
35.927
|
67.966
|
351.417
|
|
2008
|
97.635
|
65.554
|
36.327
|
22.148
|
26.845
|
50.906
|
299.415
|
|
Entwicklung
|
-20.143
|
-1.623
|
-3.284
|
-810
|
-9.082
|
-17.060
|
-52.002
|
|
2008 zu 2007
|
-17,1%
|
-2,4%
|
-8,3%
|
-3,5%
|
-25,3%
|
-25,1%
|
-14,8%
|
|
Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen: Ist-Zahlen für 2007, Schätzung für 2008
Absolventen aus beruflichen Schulen: Schätzungen für 2007 und 2008
Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren: Ist-Zahlen für 2007 und 2008
|
|
BVJ = schulisches Berufsvorbereitungsjahr, BGJ = schulisches Berufsgrundbildungsjahr, BFS = Berufsfachschule (ohne voll qualifizierende Abschlüsse), FOS = Fachoberschule, FGYM = berufliches Fachgymnasium
|
|
Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen
|
Im Osten Deutschlands wurde deshalb der Abbau an außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen forciert, die seit der Wiedervereinigung zum Ausgleich des Mangels an betrieblichen Lehrstellen in großem Umfang eingerichtet wurden. Gegenüber 2007 registrierte die Bundesagentur für Arbeit 10.879 außerbetriebliche Stellenmeldungen weniger.
Bislang konnte im Rahmen der BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nicht zwischen "betrieblicher" und "außerbetrieblicher" (d.h. überwiegend öffentlich finanzierter Berufsausbildung) unterschieden werden. Das Volumen der außerbetrieblichen Verträge musste anhand von Daten der Bundesagentur für Arbeit nachträglich und mit großen Unsicherheiten geschätzt werden. Zur Verbesserung der Datenlage wurde Mitte 2008 in Abstimmung mit Vertretern der Spitzenverbände von Industrie und Handel, des Handwerks und der Freien Berufe vereinbart, das für die Bundesstatistik erhobene Merkmal der "Finanzierungsform" auch im Rahmen der BIBB-Erhebung zum 30. September zu berücksichtigen. Für die Erhebung 2008 konnten noch nicht alle auskunftspflichtigen Stellen ihre Ausgaberoutinen anpassen, so dass der Umstellungsprozess voraussichtlich erst im Zuge der Erhebung 2009 abgeschlossen werden kann.

Der deutliche Abbau der außerbetrieblichen Berufsausbildung im Jahr 2008 trug entscheidend dazu bei, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um über 11.280 bzw. 9,0% sank und nur noch bei 113.818 lag. Dies ist der drittniedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. In Folge des demografischen Einbruchs stieg die rechnerische Einmündungsquote im Osten Deutschlands ungeachtet des Vertragsrückgangs weiter an
und lag 2008 bei 69,7.Damit wurde der zweitbeste Wert seit der Wiedervereinigung erreicht. Faktisch dürfte die Quote sogar noch höher liegen, da bei der Berechnung nur jene ostdeutschen Jugendlichen berücksichtigt werden, die ihren Ausbildungsplatz in den neuen Ländern und Berlin gefunden haben. Es ist aber damit zu rechnen, dass auch im Jahr 2008 mehr ostdeutsche Jugendliche eine Berufsausbildung im Westen Deutschlands begannen als umgekehrt westdeutsche Jugendliche im Osten der Bundesrepublik.

Die Entwicklung in Westdeutschland
Die demografischen Veränderungen sind in Westdeutschland bislang noch schwächer ausgeprägt als in den neuen Ländern und Berlin, obwohl sich die Zahl der aktuellen Abgänger aus den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen erstmalig deutlich verringerte.
|
Alte Länder
|
|
|
Absolventen aus
allgemeinbildenden Schulen
|
Absolventen aus
beruflichen Schulen
|
Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren ("Altbewerber")
|
|
|
|
nicht
studienberechtigt
|
studienberechtigt
|
BVJ, BGJ
und BFS
|
FOS und FGYM
|
aus dem Vorjahr
|
aus noch
früheren Jahren
|
Personen
insgesamt
|
|
2007
|
559.809
|
197.365
|
275.658
|
87.705
|
125.888
|
155.000
|
1.401.425
|
|
2008
|
541.060
|
205.534
|
275.443
|
89.774
|
101.688
|
140.896
|
1.354.395
|
|
Entwicklung
|
-18.749
|
+8.169
|
-215
|
+2.069
|
-24.200
|
-14.104
|
-47.030
|
|
2008 zu 2007
|
-3,3%
|
+4,1%
|
-0,1
|
+2,4%
|
-19,2%
|
-9,1%
|
-3,4%
|
|
Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen: Ist-Zahlen für 2007, Schätzung für 2008
Absolventen aus beruflichen Schulen: Schätzungen für 2007 und 2008
Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren: Ist-Zahlen für 2007 und 2008
|
|
BVJ = schulisches Berufsvorbereitungsjahr, BGJ = schulisches Berufsgrundbildungsjahr, BFS = Berufsfachschule (ohne voll qualifizierende Abschlüsse), FOS = Fachoberschule, FGYM = berufliches Fachgymnasium
|
|
Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen
|
Lediglich bei den Absolventen mit Studienberechtigung kam es noch einmal zu einem leichten Zuwachs (rd. 10.000), der jedoch vom Rückgang bei den sonstigen Absolventen (-19.000) übertroffen wurde. Zudem nahm auch in Westdeutschland die Zahl der ausbildungsinteressierten Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahren ab (insgesamt um gut 38.000).

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg auf 502.797 (+2.010 bzw. +0,4% gegenüber 2007) und damit auf den höchsten Wert seit 1992. Wie im Osten Deutschlands dürfte die Veränderung bei den Neuabschlüssen mit der Entwicklung bei den außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen zusammenhängen - nur in diesem Fall in umgekehrter Richtung. Denn den Beratungs- und Vermittlungsdiensten der Bundesagentur für Arbeit
standen 2008 in Westdeutschland 1.685 außerbetriebliche Ausbildungsstellen mehr zur Verfügung als noch ein Jahr zuvor. Der positive Trend bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen führte in Verbindung mit der sinkenden Nachfrage dazu, dass sich auch in Westdeutschland die rechnerische Einmündungsquote (Zahl der neuen Verträge je 100 Schulabgänger) weiter erhöhte. Mit 67,3 lag sie um 1,2-Punkte über dem Vorjahreswert und erstmalig seit 2001 wieder über der Zwei-Drittel-Marke.

Entwicklungen in den Bundesländern und den Regionen
Wie eine weitere regionale Differenzierung nach Ländern und Arbeitsagenturbezirken zeigt, kam es 2008 nicht in allen Teilen Westdeutschlands zu Zuwächsen bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Was die Länder angeht, so wurden in Hamburg (+4,4%), Bremen (+3,1%), Niedersachsen (+1,8%), Baden-Württemberg (+1,1%), Bayern (+0,8%), Schleswig-Holstein (+0,3%) und in Nordrhein-Westfalen (+0,2%) Steigerungen der Vertragszahlen erzielt. In den Ländern Rheinland-Pfalz (-3,6%), Hessen (-1,6%) und im Saarland (-0,3%) wurden dagegen Rückgänge verbucht. Im Osten Deutschlands verringerte sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in allen sechs Ländern, am stärksten in Sachsen (-15,3%), Mecklenburg-Vorpommern (-10,9%), Thüringen (-9,4%) und Sachsen-Anhalt (-8,7%). Die Rückgänge in Berlin (-2,5%) und Brandenburg (-4,2%) fielen dagegen relativ mäßig aus. Zuwächse bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gab es im Osten Deutschlands nur in drei Teilregionen, in den Arbeitsagenturbezirken Eberswalde, Sangerhausen und Oschatz.
Neben den 16 Ländern lässt sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bis auf die Ebene der Arbeitsagenturen hinunter brechen. Eine Ausnahme bilden die drei Arbeitsagenturen Berlins, für ein differenzierter Nachweis der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nicht möglich ist. Insgesamt liegen für 176 Regionen Deutschlands (35 ost- und 141 westdeutsche Regionen) gesonderte Ergebnisse vor. Da 2008 die drei bisherigen Arbeitsagenturen des Saarlandes (Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen) in der neuen Arbeitsagentur Saarland zusammengefasst wurden, wird sich die Zahl der unterscheidbaren Regionen in Zukunft auf 174 reduzieren.

Dagegen wurden in 72 der insgesamt 141 westdeutschen Regionen Steigerungen bei den Neuabschlüssen registriert, wobei in 25 Regionen die Zuwachsraten sogar die Vier-Prozent-Marke übertrafen.