Online-Stellenanzeigen: Ein Werkzeug zur Beobachtung des Ausbildungsmarkts

Die Reihe Data Stories möchte die Statistiken des Berufe- und Kompetenzradars näher vorstellen. Diese Data Story befasst sich mit KI-gestützter Sprachverarbeitung in der Berufsbildungsforschung. Wenn Betriebe neue Auszubildende suchen geschieht dies häufig über online Stellenanzeigen. Diese Data Story gibt einen Einblick in die Arbeit und Validierung dieser experimentellen Daten.

Mehr Ausbildungsstellenanzeigen ≠ Mehr Ausbildungsstellen

Das BIBB nutzt seit 2011 online Stellenanzeigen zur Beobachtung des Arbeitsmarktes. Für diese Auswertung dienen online Stellenanzeigen aus diversen Webseiten (z. B. Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, Indeed, usw.). Für die Identifikation von Stellenanzeigen für Berufsausbildungen verwenden wir ein Verfahren, in welchem wir auf ein eigens trainiertes Klassifizierungsmodell sowie auf die Klassifizierung des Datenlieferanten zurückgreifen.

Die grüne Linie in der oberen Grafik zeigt, dass sich bis 2024 die Zahl der identifizierten Stellenanzeigen für Auszubildende in etwa verdoppelt hat, von 300.000 Stellenanzeigen in 2016 bis zu 600.000 in 2024. Ein Vergleich mit der Anzahl der Ausbildungsanfänger/-innen der integrierten Ausbildungsberichterstattung zeigt jedoch (vgl. BIBB Datenreport 2024 ab Seite 74): Die Zunahme an online Stellenanzeigen entspricht keiner realen Zunahme an Ausbildungsplätzen. Aus der blauen Linie in der oberen Grafik ist ersichtlich, dass die realen neuen Ausbildungsstellen relativ konstant bleiben mit etwa 700.00 Ausbildungsanfänger:innen pro Jahr. Diese Diskrepanz lässt sich vermutlich vorrangig auf die Zunahme an online Jobportalen sowie auf Änderungen in der online-Veröffentlichungspraxis von Betrieben zurückführen. Um für die Forschung und Praxis robuste Aussagen anhand von online Stellenanzeigen treffen zu können, ist daher ein vertiefendes Verständnis nötig.

Regionale Abdeckung von Stellenanzeigen sichtbar machen

Zu diesem Zweck kann eine räumliche Analyse des Verhältnisses der online Ausbildungsgesuche zur Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen der Bundesagentur aus dem Berichtsjahr 2023/2024 helfen. Die Deutschlandkarte zeigt das direkte Verhältnis zwischen identifizierten Ausbildungsstellen und den gemeldeten Ausbildungsstellen der Bundesagentur für Arbeit (BA Sonderauswertung). Ein Wert über 1 signalisiert, dass die Arbeitsmarktregion mehr online Ausbildungsgesuche als gemeldete Stellen aufweist. Ein Wert unter 1 zeigt, dass es mehr gemeldete Stellen als online Ausbildungsgesuche gibt. Über alle Arbeitsmarktregionen hinweg gab es im Berichtszeitraum mit 1,15 online Ausbildungsgesuche pro gemeldete Ausbildungsstelle eine leichte Überrepräsentation der Ausbildungsstellen im Internet. Es zeigt sich eine deutliche Heterogenität zwischen Arbeitsmarktregionen in Deutschland. In ländlichen Regionen in Nordwestdeutschland kommt auf eine echte, bei der BA gemeldete Ausbildungsstelle weniger als ein online Ausbildungsgesuch (Verhältnis kleiner 1). Hier scheinen andere Rekrutierungswege, wie beispielsweise persönliche Netzwerke oder direkte Kontakte, zu dominieren. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Südosten Deutschlands. Insbesondere Baden-Württemberg zeigt tendenziell eine Überrepräsentation von online Ausbildungsgesuche, sowohl im ländlichen Raum (z. B. im Ortenaukreis mit 1,07) als auch in Städten (z. B. Karlsruhe 1,16 und Stuttgart mit 1,07). Dies deutet darauf hin, dass hier das Instrument der online Ausbildungsgesuche umfassender genutzt wird. 

Diese grundlegenden Analysen sind notwendig, um bei der Entwicklung von Ausbildungsindikatoren robuste Ergebnisse zu erzielen. Wird die Heterogenität über die Zeit und zwischen Regionen nicht berücksichtigt, kann es zu Fehlinterpretationen führen. Idealerweise sind diese Faktoren in der Erstellung von Statistiken mathematisch modelliert und damit kontrolliert. Auch zeigen diese ersten Auswertungen, wie wichtig Transparenz und Dokumentation bei der Arbeit mit "Big Data" ist.

Weitere Informationen finden Sie hier:

BIBB Datenreport 2024

Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit

Kontakt

Timo Schnepf

Kai Krüger