Sind Fachkräfteengpässe eine Gefahr für den European Chip Act?

Die Reihe Data Stories möchte die Statistiken des Berufe- und Kompetenzradars näher vorstellen. Der European Chips Act des Europäischen Rates sieht vor, mit hohen Investitionen den globalen Marktanteil der EU bei der Halbleiterproduktion von derzeit 10 Prozent auf mindestens 20 Prozent bis 2030 zu verdoppeln (Europäische Kommission 2025). Dafür bedarf es geschulter Fachkräfte. Mikrotechnologen und verwandte Berufe spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Mikrotechnologen/-technologinnen wichtiger Beruf in Halbleiterproduktion

Mikrotechnologen gehören zur Berufsgruppe der Elektrotechnik (Berufsgruppe 263 der KldB 2010). In dieser sind etwa 290.000 Fachkräfte tätig (Mikrozensus 2022). Mikrotechnologen machen mit etwa 6.100 Erwerbstätigen eine relativ kleine Gruppe aus. Deutlich größere elektrotechnische Berufe sind Fachkräfte ohne Spezialisierung, wie Elektroniker, mit etwa 129.800 Erwerbstätigen und Berufe in der Informations- und Telekommunikationstechnik, wie IT-System-Elektroniker, mit 127.100 Erwerbstätigen.

Eignen sich diese nahestehenden Berufe, um den steigenden Bedarf an Mikrotechnologen zu decken? Der Indikator "Alternativberuf" des Berufe- und Kompetenzradars zeigt, dass Unternehmen, welche Mikrotechnologen zwischen 2019 und 2022 in online Stellenanzeigen suchten, nur in etwa 6 Prozent alternative Berufe nannten. Diese waren in diesem Fall Berufe aus anderen Berufsgruppen, wie Maschinen- und Anlagenführer und Chemisch-technische Assistenten. Dies deutet auf eine relativ geringe berufliche Flexibilität des Kompetenzprofils von Mikrotechnologen hin. Damit tritt die Rolle der dualen Ausbildung hervor und die Frage, wie sich die Anzahl der Auszubildenden entwickelt.

Wie entwickeln sich die Ausbildungszahlen zum Mikrotechnologen/-technologin?

Nach einer fallenden Tendenz der Auszubildendenzahlen bis 2015 mit 345 Auszubildenden hat sich die Entwicklung mit 423 Auszubildenden in 2023 positiv entwickelt (BIBB DAZUBI Datenblatt Mikrotechnologe/-technologin). Die Deutschlandkarte unten zeigt, ein Großteil der Auszubildenden lernt in Ost- und Süddeutschland. Sachsen als wichtiger Produktionsstandort in der Halbleitertechnologie hatte 2023 mit 162 die mit Abstand meisten Auszubildenden.

Der Indikator "Angebot-Nachfrage-Relation" zeigt die Entwicklung des Ausbildungsnachfrage von Ausbildungsinteressierten und dem Ausbildungsangebot von Betrieben. Ein Index-Wert über 100 signalisiert, dass es mehr offene Ausbildungsstellen als ausbildungsinteressierte Personen gibt. Lag der Wert für Mikrotechnologen/-technologinnen bis 2019 noch über dem Durchschnitt aller dualen Ausbildungsberufe (Index-Wert von 108), so ist er danach zwar unter den Durchschnitt gesunken, dennoch besteht weiter Angebotsüberhang. Das bedeutet im Jahr 2023 kamen statistisch gesprochen auf 100 Auszubildende 103 Ausbildungsstellen.

Ein Blick ins Datensystem DAZUBI zeigt, dass unter allen Auszubildenden 53 Prozent Abitur bzw. die Fachhochschulreife und 40 Prozent die mittlere Reife besaßen. Im Zuge des European Chips Act und dem Wachstumspotential der Branche sollten Jugendlichen nicht zuletzt an diesen Wirtschaftsstandorten weiter über diesen Ausbildungsberuf informiert werden.

Weitere Informationen zu den verwendeten Statistiken und zum European Chips Act finden Sie hier:

BIBB DAZUBI Datenblatt Mikrotechnologe/-technologin

BIBB Erhebung "30.09." zu Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt

European Chips Act auf der Seite der Europäischen Kommission