Auftaktveranstaltung: Weiterbildungsmentoring in der Umsetzung
Einstimmung und Vernetzung der geförderten Projekte
Fördergeber BMBFSFJ und die wissenschaftlich-administrative Begleitung im BIBB richteten am 28./29. April 2026 die Auftaktveranstaltung „Weiterbildungsmentoring in der Umsetzung“ aus. Die interne Veranstaltung markierte den gemeinsamen Start in die fachliche Zusammenarbeit der 36-monatigen Projektlaufzeit.
Am 28./29. April 2026 fand die Auftaktveranstaltung für die vom BMBFSFJ geförderten Projekte zur Qualifizierung und Etablierung von Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM) im BIBB statt. Rund 120 Aktive der insgesamt 35 Förder-Projekte und 72 Zuwendungsempfänger haben an diesem ersten Vernetzungstreffen teilgenommen. Für viele Beteiligte war es die erste Gelegenheit, die gesamte Bandbreite der WBM-Projekte kennenzulernen. Die Veranstaltung war von Aufbruchsstimmung, großem Engagement und einer hohen Bereitschaft zur Zusammenarbeit geprägt.
Die Projektbeteiligten blickten zudem gemeinsam auf die Zielstellung des Förderprogramms und die Chancen der Weiterentwicklung des WBM-Ansatzes.
Dr. Catrin Hannken, Abteilungsleiterin für „Berufliche Bildung und lebensbegleitendes Lernen im BMBFSJ, hob die Bedeutung der WBM-Förderung hervor: „Die Weiterbildungsmentoren-Förderung ist Teil der BMBFSFJ - Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung (QBB), mit der wir gezielt das System der Beruflichen Bildung als Fachkräfte- und Chancenmotor stärken."
Prof. Dr. Michael Heister, Abteilungsleiter „Initiativen für die Berufsbildung“ im BIBB, betonte: „Wir freuen uns, das Förderprogramm Weiterbildungsmentoring mit unserer Expertise im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) begleiten zu können, wissenschaftliche Erkenntnisse zum WBM-Ansatz in den kommenden Jahren zu bündeln und damit einen Beitrag zu leisten, diesen Beratungsansatz in die Breite zu tragen.“
Orientierung boten den Teilnehmenden ein erster analytischer Überblick über die Förderprojekte sowie Informationen zu Unterstützungs- und Begleitstrukturen während der Projektlaufzeit.
Einen fachlichen Impuls setzte ein Beitrag zum Thema „Qualifikation und Beruf in der Zukunft“. Der Vortrag der Servicestelle Weiterbildungsagenturen (SWBA) machte deutlich, dass in der Zusammenarbeit zwischen den WBM-Projekten und der SWBA vielfältige Synergiepotenziale liegen.
Interaktive Formate dienten dem Austausch und der Vernetzung, sorgten für gegenseitige Inspiration und machten erste Anknüpfungspunkte für Kooperationen sichtbar. Im Rahmen eines Gallery Walks präsentierten die WBM-Projekte ihre Ansätze, Zielgruppen und geplanten Aktivitäten und kamen dazu miteinander ins Gespräch. In World Cafés arbeiteten die Teilnehmenden projektübergreifend an sieben zentralen Fragen zur Umsetzung des Weiterbildungsmentorings. Die dialogorientierten Arbeitsform ermöglichten es, Herausforderungen zu identifizieren und erste Lösungsansätze zu diskutieren.
Die in den World Cafés diskutierten Fragen und ersten Lösungsansätze werden nachfolgend thematisch gebündelt und knapp dargestellt.
- Geeignete WBM zeichnen sich weniger durch formale Positionen aus, wichtiger sind persönliche Eigenschaften der tatsächliche Zugang zur Zielgruppe.
- Wichtige persönliche Eigenschaften von WBM sind unter anderem:
Hoher Vernetzungsgrad
Empathie
Kommunikationsfähigkeit
Intrinsische Motivation - Die WBM werden idealerweise im Betrieb bereits als Vertrauenspersonen, Vorbilder, „Kümmerer“, informelle Führungskräfte, o.Ä. wahrgenommen.
- Die WBM-Rolle muss klar beschrieben und abgegrenzt werden: WBM sollen motivieren, Orientierung geben und weiterverweisen. Sie sollen keine Aufgaben von Geschäftsführung, Personalabteilung oder professioneller Beratung ersetzen.
- WBM dürfen nicht aufgrund ihres Engagements überlastet werden. Sie benötigen Anerkennung, realistische Aufgabenbegrenzung, Ressourcen für ihre Arbeit und Unterstützungsstrukturen.
- Besonders in KMU sollte die Rolle schlank, praktikabel und gut verankert sein, da engagierte Personen häufig bereits mehrere Funktionen übernehmen und vor Überforderung geschützt werden müssen.
- Damit die Rolle der WBM im Betrieb sichtbar und handlungsfähig werden kann braucht es vor allem ein klares Commitment der Unternehmensleitung und verlässliche Rahmenbedingungen.
- WBM sollten organisatorisch mitgedacht und nicht nur punktuell eingesetzt werden.
- Eine möglichst unabhängige Positionierung gegenüber der Unternehmensführung kann das Vertrauen bei Beschäftigten stärken.
- Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Grenzen der WBM-Rolle müssen klar definiert sein, insbesondere gegenüber Personalabteilung bzw. -entwicklung und weiteren betrieblichen Funktionsstellen.
- WBM können betriebliche Funktionsstellen entlasten, ersetzen diese aber nicht. Entscheidend an Schnittstellen ist eine geklärte und abgestimmte Zusammenarbeit.
- Die Ausgestaltung der WBM-Arbeit hängt stark von der Betriebsgröße ab, insbesondere KMU benötigen einfache Materialien, klare Ansprechpersonen und niedrigschwellige Unterstützungsangebote.
- Vertrauen entsteht gegenüber externen Personen vor allem durch persönliche Begegnungen und Verlässlichkeit.
- Externe Personen sollten aktiv auf Mitarbeitende zugehen und niedrigschwellige Gesprächsanlässe schaffen, etwa durch Rundgänge, Gespräche am Arbeitsplatz, Pausenformate oder Sprechstunden.
- Digitale und schriftliche Kanäle wie Intranet, WhatsApp, Trello oder andere interne Austauschformate können Sichtbarkeit schaffen, ersetzen aber keine persönliche Ansprache.
- Für tragfähige Gespräche braucht es geschützte Räume, Zeit und wiederholte Kontaktmöglichkeiten, damit Vorbehalte abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden kann.
- Interne Zwischenpersonen sind wichtige Türöffner, weil sie bereits Vertrauen im Betrieb genießen und externe Personen bei der Einführung unterstützen können.
- Tandemmodelle verbinden betriebliche Nähe, Kontextwissen und Vertrauensvorschuss interner Akteure mit der fachlichen Unterstützung externer Personen.
- Externe Personen müssen ihre Rolle, ihre Unterstützungsmöglichkeiten und ihre Grenzen transparent machen und zugleich bestehende betriebliche Strukturen und Kommunikationswege respektieren.
- Betriebe lassen sich vor allem über persönliche Ansprache, idealerweise durch bereits bestehende Kontakte gewinnen.
- Der Mehrwert des Ansatzes muss betriebsspezifisch sichtbar werden, zum Beispiel mit Blick auf Fachkräftesicherung, Transformation, Personalentwicklung, Weiterbildungslücken oder konkrete Qualifizierungsbedarfe.
- Akquise sollte als mehrstufiger Prozess verstanden werden: Ein niedrigschwelliger Erstkontakt sollte in vertiefende Gespräche münden, in denen Bedarfe, Akteure und passende Formate gemeinsam geklärt werden.
- Die Zusammenarbeit sollte anschlussfähig an bestehende betriebliche Strukturen sein und durch klare Ansprechpersonen und Kommunikationswege abgesichert werden.
- Besonders geeignet erscheinen Tandem- oder Kooperationsmodelle, in denen innerbetriebliche Nähe, Vertrauensvorschuss und Kontextwissen mit überbetrieblicher Expertise, Außenperspektive und zusätzlichen Ressourcen verbunden werden.
- Bei der Ansprache von Betrieben sollten Hürden, wie beispielsweise fehlende Kapazitäten, von Anfang an mitgedacht werden.
- Qualifizierungsbedarfe sollten systematisch, aber niedrigschwellig erhoben werden, sowohl auf Ebene der Beschäftigten als auch auf Unternehmensebene.
- Die Qualifizierung sollte eine gemeinsame Grundqualifikation bieten. Durch Wahl- und Zusatzmodule kann anschließend flexibel auf unterschiedliche Vorerfahrungen, Zielgruppen und betriebliche Kontexte reagiert werden.
- Die Formate sollten flexibel, modular und praxisnah gestaltet sein. Hierbei sollte je nach Bedarf auch zwischen Präsenz- und Online-Formaten abgewogen werden.
- Begleitung sollte bereits während der Qualifizierung beginnen und nach Abschluss durch Austauschformate, Sprechstunden und Auffrischungsmodule fortgeführt werden.
- KI kann projektbezogene Arbeitsprozesse unterstützen, etwa bei Texterstellung, Materialaufbereitung, Entwürfen, Kommunikationsmaterialien sowie der Strukturierung und Auswertung von Ergebnissen.
- In Qualifizierung und Begleitung kann KI Lerninhalte strukturieren, digitale Lernmaterialien erstellen, adaptive Lernpfade ermöglichen und Übungssituationen wie Gesprächssimulationen oder Ansprache-Trainings unterstützen.
- Für Kommunikation und Zielgruppenansprache kann KI helfen, Personas, zielgruppenspezifische Formulierungen und verständliche Materialien zu entwickeln.
- Der Einsatz von KI braucht klare Regeln zu Datenschutz, zulässigen Tools, nutzbaren Daten, Qualitätssicherung und Verantwortlichkeiten.
- KI sollte als unterstützendes Werkzeug verstanden werden, das Arbeits- und Lernprozesse entlastet, aber weder menschliche Verantwortung noch persönliche Beziehungen ersetzt.
- Zielgruppen und Akteure müssen differenziert bestimmt werden, damit Ansprache, Materialien und Angebote passgenau entwickelt werden können.
- Bestehende Netzwerke sind zentrale Hebel für Verstetigung.
- Für Sichtbarkeit braucht es verständliche und niedrigschwellige Kommunikation, hierbei können auch Mehrsprachigkeit und leichte Sprache eine wichtige Rolle spielen.
- Nachhaltigkeit muss von Beginn an mitgedacht werden.
- Ein projektübergreifendes Netzwerk der WBM kann Austausch, Professionalisierung, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Lernen über einzelne Projektstandorte hinaus sichern.
Die hohe Beteiligung und die engagierten Diskussionen prägten die Veranstaltung nachhaltig und verdeutlichten das große Interesse an einer gemeinsamen Weiterentwicklung des Weiterbildungsmentorings in den kommenden Jahren.