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Qualifizierung und Etablierung von betrieblichen Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM)

Betriebliche Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM) sind Beschäftigte, die ihre Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe für das Thema Weiterbildung sensibilisieren. Auf diese Weise sollen vor allem formal gering- oder nichtqualifizierte Menschen erreicht werden. Im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Qualifizierung und die Etablierung von betrieblichen WBM in vier Projekten, die von Sozialpartnern und Gewerkschaften umgesetzt werden. Das BIBB übernimmt seit 2022 die wissenschaftliche Begleitung der vier Projekte.

Qualifizierung und Etablierung von betrieblichen Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM)

Im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie werden die betriebliche Beratung in beruflichen Veränderungsprozessen sowie die Lernprozessbegleitung am Arbeitsplatz gefördert. Das Ziel der vier Projekte zur Qualifizierung und Etablierung von WBM ist es, in diesem Kontext, eine niedrigschwellige, arbeitsplatzbezogene Beratung auf Augenhöhe anzubieten, um Beschäftige zur Teilnahme zu motivieren und sie im Prozess zu unterstützen. Bundesweit wurden bereits ca. 300 Vertrauensleute, Betriebs- und Personalräte sowie Beschäftigte in rund 100 Betrieben und Verwaltungen aus mehr als 20 Branchen zu betrieblichen Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren qualifiziert. Zu den Umsetzungspartnern gehören die Sozialpartner IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie) und der BAVC (Bundesarbeitgeberverband Chemie) und von Seiten der Gewerkschaften IG Metall (Industriegewerkschaft Metall), Ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) und NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten). 

Weiterbildungsberatungsangebote orientieren sich häufig an Kompetenzdefiziten der Ratsuchenden und zielen darauf ab, wie diese am besten behoben werden können. Extern Beratende (der BA, der Kammern, Bildungsträger oder anderer Stellen), gehen dabei meist von formalen und non-formal erworbenen Qualifikationen der Ratsuchenden aus; praktische Arbeits- oder Lebensumstände werden in solchen Kontexten zumeist nicht hinreichend berücksichtigt. Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren hingegen sind selbst Beschäftigte im Betrieb, sie kennen die Situation ihrer Kolleginnen und Kollegen aus dem Arbeitsalltag und haben zu ihnen eine persönliche Verbindung. Somit können sie das Thema Weiterbildung auf einer vertrauensvollen und kollegialen Ebene niedrigschwellig ansprechen. Hier stehen nicht Defizite im Mittelpunkt, sondern es wird ein stärkenorientierter Ansatz verfolg; d.h. Beschäftigte sollen dabei unterstützt werden, ihre Potenziale zu erkennen, und dazu motiviert werden, sich mit Möglichkeiten der beruflichen Entwicklung auseinanderzusetzen. Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren haben die Aufgabe, einerseits proaktiv auf ihre Kolleginnen und Kollegen zuzugehen, andererseits auch als Ansprechpersonen zur Verfügung zu stehen, die Auskunft geben oder an weiterführende Stellen vermitteln können.

Das BIBB, näher der Arbeitsbereich 4.2 - Innovative Weiterbildung, Durchlässigkeit und Modellversuche, begleitet die Projekte seit Mitte 2022 wissenschaftlich. So soll sichergestellt werden, dass die Ergebnisse der Projekte ausführlich dokumentiert und zusammengeführt sowie für den Transfer auf andere Betriebe und Branchen aufbereitet werden können. Hierzu wird unterstützend ein Austauschprozess der Projekte untereinander gestaltet. Es sollen in der Praxis funktionierende Ansätze identifiziert und konzeptionell weiterentwickelt werden. Das BIBB bringt alle Akteurinnen und Akteure der WBM-Projekte regelmäßig zusammen. Nachdem die Auftaktveranstaltung der wissenschaftlichen Begleitung mit der Beteiligung aller Akteurinnen und Akteure am 30.11. und 1.12.2022 in Bonn stattgefunden hatte, tagten die vier gewerkschaftlichen Projekte am 13. und 14. Juni 2023 in Hannover.