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Generative KI: Mehr Nutzung bei größerem Gestaltungsspielraum

18.08.2026

Mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen in Unternehmensorganisation und -strategie nutzt generative KI. Eine neue Studie zeigt: Entscheidend ist nicht nur, was Menschen arbeiten, sondern auch, wie viel Gestaltungsspielraum sie dabei haben.

Zwei Personen, die auf einen Bildschirm schauen; KI-Bild

Generative KI wird in der Wissensarbeit zunehmend genutzt. Allerdings unterscheidet sich ihr Einsatz je nach Arbeitskontext. Die Studie vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Hochschule Bielefeld (HSBI) untersucht, welche arbeitsbezogenen Faktoren mit der Nutzung generativer KI zusammenhängen. Dabei erweist sich insbesondere die berufliche Autonomie als relevanter Faktor.

Grundlage der Untersuchung ist die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024. Analysiert wurden Daten von 1.026 Erwerbstätigen aus der wissensintensiven Berufsgruppe der Unternehmensorganisation und -strategie. Dazu zählen unter anderem Tätigkeiten rund um die Analyse und Optimierung von Unternehmensprozessen, Planung, Beratung und schriftliche Kommunikation.

Generative KI in wissensintensiven Berufen besonders verbreitet

In der untersuchten Berufsgruppe nutzten 37,3 Prozent der Erwerbstätigen generative KI bei ihrer Arbeit. In der gesamten Erwerbsbevölkerung in Deutschland lag der entsprechende Anteil bei 20,3 Prozent. Dabei ist die Entwicklung noch vergleichsweise jung: Rund zwei Drittel der Nutzerinnen und Nutzer in der Unternehmensorganisation und -strategie arbeiten erst seit höchstens zwei Jahren mit entsprechenden Technologien.

Die Autoren führen die vergleichsweise hohe Nutzung unter anderem auf die Tätigkeitsstruktur der Berufsgruppe zurück. Analytische und konzeptionelle Aufgaben sowie umfangreiche schriftliche Kommunikation bieten zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für generative KI, beispielsweise beim Erstellen und Überarbeiten von Texten, bei Rechercheaufgaben oder bei der Aufbereitung von Informationen.

Autonomie erweist sich als robuster Faktor

Besonders deutlich fällt der Zusammenhang mit der beruflichen Autonomie aus. Erwerbstätige, die bei den Zielen ihrer Arbeit stärker mitbestimmen können, nutzen mit höherer Wahrscheinlichkeit generative KI. Dieser Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn weitere arbeitsbezogene und demografische Merkmale statistisch berücksichtigt werden.

Im vollständigen Analysemodell ist eine höhere Autonomie mit einer um 6,5 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, generative KI zu nutzen.

Auch bestimmte Arbeitsanforderungen spielen eine Rolle: Beschäftigte, die häufig eigene Wissenslücken erkennen und schließen müssen, weisen eine um 9,1 Prozentpunkte höhere Nutzungswahrscheinlichkeit auf. Umgekehrt geht eine bis ins Detail vorgeschriebene Arbeitsdurchführung mit einer um 6,6 Prozentpunkte geringeren Wahrscheinlichkeit der KI-Nutzung einher.

Die Ergebnisse legen damit nahe, dass generative KI besonders dort Eingang in die Arbeit findet, wo Beschäftigte Spielräume haben, neue Werkzeuge selbstständig auszuprobieren und in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren.

Führungsverantwortung allein erklärt die Nutzung nicht

Nicht jeder zunächst sichtbare Unterschied bleibt bestehen, wenn verschiedene Merkmale gemeinsam betrachtet werden. So leistet beispielsweise Führungsverantwortung im vollständigen Modell keinen zusätzlichen statistisch signifikanten Erklärungsbeitrag. Auch Tätigkeiten wie das Sammeln von Informationen, Recherchieren und Dokumentieren stehen zwar in einzelnen Analysen mit einer höheren KI-Nutzung in Verbindung. Werden jedoch sämtliche untersuchten Merkmale gleichzeitig berücksichtigt, ist dieser Zusammenhang nicht mehr statistisch signifikant.

Die Autoren kommen daher zu dem Ergebnis, dass für die Adoption generativer KI weniger die formale Position im Unternehmen entscheidend ist als vielmehr die konkrete Ausgestaltung von Arbeit, Anforderungen und Handlungsspielräumen.

Hinweise für Arbeitsgestaltung und Kompetenzentwicklung

Die Ergebnisse machen sichtbar, dass sich die digitale Transformation nicht gleichmäßig über die Arbeitswelt verteilt. Beschäftigte unterscheiden sich nicht nur nach Alter oder Bildungsniveau in ihrer Nutzung generativer KI. Auch die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, stehen mit der Nutzung in Zusammenhang.

Für Arbeitsgestaltung und Berufsbildung liefern die Befunde damit Hinweise darauf, in welchen Arbeitskontexten KI-bezogene Kompetenzen künftig besonders an Bedeutung gewinnen können. Gleichzeitig zeigen sie, dass die Einführung generativer KI nicht allein eine technische Frage ist: Auch Arbeitsorganisation und Gestaltungsspielräume können eine Rolle dabei spielen, ob neue Technologien tatsächlich genutzt werden.

Hinweis: Da die Untersuchung auf Querschnittsdaten beruht, lassen sich aus den Ergebnissen allerdings keine kausalen Schlüsse ziehen. So kann die Studie zeigen, welche Merkmale mit einer stärkeren Nutzung generativer KI zusammenhängen, nicht jedoch, ob größere Autonomie unmittelbar zu einer höheren KI-Nutzung führt.