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Auf gemeinsamer Reise in die digitale Zukunft

Wie kann die betriebliche Ausbildungsgestaltung an die Anforderungen der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt angepasst werden? Und ergeben sich aus der Digitalisierung Bedarfe, einzelne Ausbildungsberufe zu modernisieren oder neu zu ordnen? Mit Blick auf ausgewählte Berufsfamilien und Ausbildungsberufe im Volkswagen-Konzern sind dies die Kernfragen eines Projekts, das die Volkswagen Group Academy zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchführt. Die bei einem Workshop im BIBB in Bonn vorgestellten Zwischenergebnisse des Projekts vermitteln starke Impulse und lassen zugleich noch offen, in welcher Anzahl und mit welchem Ausmaß Berufsbilder verändert werden müssen.

Auf gemeinsamer Reise in die digitale Zukunft

Als Beispiel für ein zukunftsträchtiges Tätigkeitsprofil rückte der vorstellbare Beruf eines „Operativen Instandhalters 4.0“ in den Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen, an denen neben Vertretern von BIBB, Bundesbildungsministerium, Bundeswirtschaftsministerium und VW auch Repräsentanten von IG Metall, DGB, DIHK, ZVEI, Audi AG, Gesamtmetall und KWB teilnahmen. Der „Instandhalter“ ist in Augen der Fachleute auch deshalb typisch für die zu erwartende Entwicklung bei einigen Ausbildungsberufen, weil sich sein notwendiges Können von morgen aus drei Komponenten zusammensetzt: Er muss erstens Neuland betreten (zum Beispiel Produktionsnetzwerke analysieren, überwachen und erweitern); er muss zweitens bei bestimmten Tätigkeiten mit einem IT-Zuwachs zurechtkommen (unter anderem beim Überprüfen von Schnittstellen und Komponenten); und er muss drittens nach wie vor ein großes Verständnis für Mechanik besitzen (um etwa mechanische Baugruppen zu montieren oder zu demontieren).

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Wie die Projektbeteiligten darlegten, sind die Schlussfolgerungen aus einem solchen Wandel vielgestaltig. So entspreche kein vorhandenes Profil der anerkannten Ausbildungsberufe voll ausreichend dem sich abzeichnenden Bild des „Instandhalters“. IT-Qualifikationen haben einen höheren Stellenwert erhalten und stehen in einem fach-, system- und prozessbezogenen Kontext. Qualifikationen zum System- und Prozessverständnis sowie zur Problemlösung sind profilbestimmend; die Kernkompetenzen dafür sind in der Berufsbildung zu vermitteln und durch Weiterbildung wie auch bei der Arbeit auszubauen.

Hinsichtlich der Ordnungsarbeit sind gemäß den Zwischenergebnissen des Projekts drei Szenarien exemplarisch denkbar: ein reguläres Neuordnungsverfahren, bei dem beispielsweise der „alte“ Mechatroniker als Grundlage dient, aber aufgelöst wird; eine reguläre Neuordnung, die einen Mechatroniker unterschiedlicher Fachrichtungen schafft; und schließlich ein leicht modifizierter Mechatroniker, der eine unternehmensspezifische Zusatzqualifikation erwirbt.

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In der Diskussion über diese Möglichkeiten zeigte sich ein breites Meinungsbild. Auf der einen Seite stand die Position, dass sowohl das vorgestellte Profil als auch das davon ausgehende bildungspolitische Signal der Erneuerung dafür sprächen: Für die — im Rahmen von Industrie 4.0 zentrale — Funktion der operativen Instandhaltung ist ein neuer Beruf zu schaffen. Auf der anderen Seite tauchte als zentrales Argument auf, dass die gegenwärtig geltenden und in Frage kommenden Berufe technik- und gestaltungsoffen formuliert seien; deshalb sei es Sache der ausbildenden Unternehmen, die Spielräume zu nutzen. Gerade das Spannungsfeld dieser unterschiedlichen Ansichten demonstriere — da waren sich die Diskutanten einig —, wie wichtig es sei, den Diskurs weiter voranzutreiben.

Angesichts der ersten Resultate der Zusammenarbeit betonte der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, die Chancen der Digitalisierung für die berufliche Bildung: „Jenseits der fachlichen Erkenntnisse wird nicht zuletzt klar, welchen Beitrag die Berufsbildung zur Bildung der Zukunft insgesamt leisten kann“, sagte er. „Außerdem wird deutlich, wie sehr die Fähigkeiten zumal der jungen Leute im Umgang mit digitalen Produkten den Erfordernissen betrieblicher Ausbildung entgegenkommen, ja mit ihnen sogar zu etwas Neuem sinnvoll verschmelzen.“

4.2.488 - Berufsbildung - Digitalisierung der Arbeit in produktionsunterstützenden Bereichen der Automobilindustrie am Beispiel Volkswagen und mögliche Konsequenzen für affine Ausbildungsberufe

Laufzeit II-15 bis IV-16

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