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Fachforum 2: Forschung – ausbauen, verdichten, Wissen herstellen

Was sind die Ursachen für funktionalen Analphabetismus? Wie kann man Betroffene erreichen? Wie lange muss ein Erwachsener lernen, um ausreichende Grundbildungskenntnisse zu erlangen? In den vergangenen Jahren wurde viel im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung geforscht. Dennoch gibt es auf zahlreiche Fragen noch keine Antworten. Um mehr über die Hintergründe zum funktionalen Analphabetismus zu erfahren, wird im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung ein Schwerpunkt auf die Forschung gelegt. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Programme und Angebote in der Praxis zu optimieren.

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© Heidi Scherm, BIBB

Wie ist der Stand der Ursachenforschung zum funktionalen Analphabetismus? In einem Impulsvortag stellte Sven Nickel relevante Etappen und den aktuellen Stand der Forschung im Bereich der Alphabetisierung vor. Er zeigte auf, wie die qualitative Ursachenforschung der frühen Jahre, z.B. Biographiestudien mit aktuellen Ergebnissen z.B. von Panelstudien korrelieren und wie in den letzten Jahren viele weitere Details erforscht werden konnten. Am Schluss gab er einen Einblick in die jüngere Ursachenforschung und das komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren bei der Entstehung von funktionalem Analphabetismus.

Welche Bereiche des funktionalen Analphabetismus sind noch unerforscht? Welchen Forschungsbedarf gibt es? In den Expertengesprächen wurde deutlich, dass es bisher keine Längsschnittanalysen bzw. Langzeitforschungsdatensätze zu funktionalen Analphabeten gibt. Darüber hinaus ist auch wenig bekannt über die Gründe für die hohen Abbruchquoten nach Beginn einer Maßnahme. Zudem gibt es kaum Informationen zu Themen wie der Lernerfolgskontrolle, wieviel Zeit man z.B. benötigt, um von einem zum nächsten Alpha-Level zu gelangen. Auch eine Untersuchung zur Wirksamkeit verschiedener didaktischer Ansätze wäre von hoher Bedeutung. Es wurde über metakognitive Ansätze diskutiert sowie über den Einsatz kontrastiver Methoden, die z.B. im Moschee-Projekt ABCami erfolgreich angewendet werden.

© Heidi Scherm, BIBB

Welche verwandten Disziplinen bieten sich zur Verknüpfung an? In den Expertengesprächen wurde deutlich, dass es sich anbietet, Forschungsansätze der Alphabetisierung z.B. mit Untersuchungen zur Mehrsprachigkeit oder Legasthenie zu verknüpfen. Eine Verknüpfung ist sinnvoll, da es Überschneidungen in den Zielgruppen und bei der Ansprache gibt sowie bei der Methodik und Didaktik. Durch den interdisziplinären Austausch können eine Reihe von Synergieeffekten genutzt und Zusammenhänge besser dargestellt werden. Forschungsarbeiten könnten zukünftig auf einer anderen Ebene als bisher ansetzen.
Wichtig war auch der Hinweis, dass die Verknüpfung von Alphabetisierung und Grundbildung nicht zu neuen Defizitbeschreibungen führen sollte, dass zum Beispiel bei Überschuldung nicht vorzeitige Rückschlüsse auf fehlende Rechen- und Lesekenntnisse gezogen werden.

© Heidi Scherm, BIBB

Wie können aktuelle Forschungsergebnisse in der Praxis umgesetzt werden? Frau Dr. Zeuner gab einen Überblick über die Evaluationsergebnisse des abgeschlossenen Förderschwerpunktes zur arbeitsplatzorientierten Alphabetisierung und Grundbildung. Für eine bessere Projektsteuerung der Dekade-Maßnahmen empfahl sie, zukünftig Begleitforschung zu betreiben, statt nach Abschluss eines Förderschwerpunktes zu evaluieren. So sei eine Anpassung der Projekte an aktuelle Gegebenheiten und neueste Forschungsergebnisse möglich. Als besonders erfolgreich stellten sich während der Evaluation verschiedene Sensibilisierungsansätze für Multiplikatoren heraus, die sich großer Nachfrage erfreuen und beispielsweise im betrieblichen Kontext als absolut notwendig angesehen werden, um das Thema und Maßnahmen erfolgreich platzieren zu können.
Feedback aus der Praxis: Aktuelle Forschungsergebnisse sollten in Praxisprojekte einfließen, indem sie z.B. bei der Konzeption neuer Projektideen und Konzepte berücksichtigt werden.

Beteiligte

Einführung und Moderation
Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Universität Hamburg
Input: Ursachenforschung gestern und heute
Prof. Dr. Sven Nickel, Universität Bremen

Diskussionsrunde zur Identifikation von künftigen Forschungsbedarfen und interdisziplinärer Kooperation
Prof. Dr. Helmut Bremer, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Dr. Ingrid Gogolin, Universität Hamburg
Dr. Simone Ehmig, Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen
Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Hertie School of Governance

Forschung-Praxis-Diskussionsrunde „Die Kuh wird nicht fett vom Wiegen“
Prof. Dr. Christine Zeuner, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
Monika Tröster, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung
Dr. Britta Marschke, Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben
Hella Krusche, Bayerischer Volkshochschulverband