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Digitalisierung in der Orthopädietechnik

Foto Orthopädietechnikerin bei der Kundenbetreuung
BIBB/ES

Feldphase im Projekt Berufsbildung 4.0 in vollem Gange - Anhand von mehr als zehn dualen Ausbildungsberufen untersucht das Projekt "Berufsbildung 4.0 – Fachkräftequalifikationen und Kompetenzen für die digitalisierte Arbeit von morgen" exemplarisch die Auswirkungen der Digitalisierung und Automatisierung auf die Berufswelt. Hierunter befindet sich stellvertretend für die Gesundheitsgewerke der Orthopädietechnik-Mechaniker und die Orthopädietechnik-Mechanikerin.

Die Gesundheitshandwerke sind durch einen äußerst dynamisch verlaufenden technischen Wandel gekennzeichnet, der die Arbeitsaufgaben und damit zusammenhängend die Berufsbilder nachhaltig beeinflusst. Neben 3D Scan- und CAD/CAM-Technologien spielt vor allem Rapid Prototyping mittels additiver Fertigungsverfahren eine zunehmend relevante Rolle. Während viele der Technologien in der Zahntechnik bereits seit einigen Jahren etabliert sind, hält der Wandel in den restlichen Gewerken aktuell Einzug in den Berufsalltag der Fachkräfte. Dieser vollzieht sich – abhängig von Innovationsbereitschaft, Unternehmensphilosophie und betriebsinternem Knowhow – in den einzelnen Unternehmen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Um die beschriebenen Entwicklungen in der Praxis nachvollziehen zu können, werden aktuell bundesweit Interviews in sowohl klein- und mittelständischen als auch in Groß-Unternehmen der Orthopädie- und Rehabilitationstechnik geführt. In bislang vier verschiedenen Bundesländern standen Geschäftsführer/-innen sowie Ausbildungsverantwortliche und Fachkräfte der jeweiligen Orthopädietechnik-Unternehmen Rede und Antwort. Neben der Einführung und dem Einsatz neuer Technologien wurden potentielle Veränderungen von Arbeitsaufgaben sowie die Verschiebung von Tätigkeitsschwerpunkten thematisiert. Darüber hinaus wurden Qualifikationsbedarfe auf Gesellen- als auch auf Meisterebene sowie sich aus der Digitalisierung ergebende Kompetenzprofile eruiert. Betriebsbegehungen, die die charakteristischen Prozessschritte des Berufs umfassten, rundeten die Eindrücke aus den Interviews ab.

Den ersten Einschätzungen nach ist und bleibt die Patientenberatung zentraler Bestandteil des Berufs. In vielen Fällen wird diese durch den Einsatz von Tablets und anderen mobile devices sowie von transportablen 3D-Scannern unterstützt. Ein zunehmend digitales Schnittstellenmanagement erleichtert die Kommunikation zwischen den Mitarbeiter/-innen des Betriebs: Indem alle Patienteninformationen an einem zentralen Ablageort (z.B. in einer elektronischen Patientenakte) gespeichert werden, können Informationen unmittelbar an die zentralen Stellen (z.B. Werkstatt, Verwaltung, Zulieferer) weitergeleitet werden. Als problematisch werden in diesem Zusammenhang die aufgrund von Software-Unstimmigkeiten bestehenden Insel-Lösungen angesehen, die zu Behinderungen der System-Kommunikation führen.

Eine deutliche Veränderung der Arbeitsaufgaben lässt sich im Bereich des Messens und Abformens beobachten. Hier kommen zunehmend 3D Scan-Technologien zum Einsatz, die konventionelle Gipsabdrücke in vielen Fällen ablösen können. Die Vorteile des Verfahrens liegen laut Anwendern in der Zeitersparnis, der Sauberkeit und auf Patienten-/-innenseite in der deutlich angenehmeren Prozedur. Die digitalen 3D-Modelle können anschließend in CAD/CAM-Softwarelösungen den Patientenbedarfen entsprechend modifiziert und zur Herstellung freigegeben werden. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten von Fräsmaschinen und 3D-Druckern erfolgt die Herstellung der CAD-Modelle überwiegend durch externe Dienstleister. Dabei sind die modernen Technologien als Werkzeuge zu verstehen, die ohne das entsprechende Fachwissen des Orthopädietechnikers/ der Orthopädietechnikerin nutzlos sind.

"CAD ist nicht die Wunderwaffe für bessere Orthopädietechniker, sondern ein Werkzeug, ein Arbeitsmittel, welches man handhaben muss." (Orthopädiemechaniker und Bandagistenmeister, Geschäftsführer, Mai 2017)

In den befragten Unternehmen wurde die Einführung neuer Technologien durch Hersteller-Schulungen begleitet. Das eigentliche Lernen jedoch erfolgte in der Regel im Anschluss in Form eines Trial-and-Error-Prinzips, welches eine gesunde Fehlerkultur in den Unternehmen zwingend erforderlich macht.

Trotz aller digitalisierten Möglichkeiten wurde wiederholt auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedarfe der Patienten und Patientinnen hingewiesen, denen in einigen Fällen durch konventionelle Vorgehensweisen besser entsprochen werden kann. Dementsprechend sei die Kombination aus der Beherrschung moderner Arbeitsmittel, orthopädietechnischem und biomechanischem Fachwissen, handwerklichem Geschick sowie einer ausgeprägten Empathie und Kundenorientierung Voraussetzung für die Orthopädietechnik von morgen.

"Es geht nicht ganz digital, aber ganz analog auch schon lange nicht mehr. Der Zug ist abgefahren." (Orthopädietechnik-Mechaniker in Meisterausbildung, Mai 2017)

In den nächsten Schritten werden die aus den durchgeführten Fallstudien generierten Zwischenergebnisse mit Experten und Expertinnen diskutiert sowie im weiteren Projektverlauf durch weitere Untersuchungsmethoden fortgeschrieben.

Fragen zum Orthopädietechnikmechaniker/ zur Orthopädietechnikmechanikerin beantwortet Claudia Böcker.