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Operative Instandhaltung 4.0 fordert Berufsbildung heraus

VW-Group-Academy und BIBB geben Impulse

Bild: Person arbeitet mit computergesteuertem Roboterarm
© chiradech - fotolia.de

Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Volkswagen Group Academy und dem Bundesinstitut für Berufsbildung sind in einem Wissenschaftlichen Diskussionspapier veröffentlicht worden.

In der Automobilindustrie verändert die Digitalisierung die Abläufe und Aufgaben in der Instandhaltung von Produktionssystemen und damit die Qualifikationsanforderungen der Fachkräfte. Nach 18monatiger Projektdauer liefern die Volkswagen Group Academy1 und das Bundesinstitut für Berufsbildung in einem Wissenschaftlichen Diskussionspapier zusammengefasst wichtige Impulse für die Fortentwicklung der Berufsausbildung, sowohl für den Volkswagen Konzern und viele anderen Ausbildungsbetriebe als auch für die Diskussion der weiteren Ausgestaltung des Berufsbildungssystems als Ganzes.

Am Beispiel der operativen Instandhaltung in automatisierten Montageprozessen mit Industrie 4.0-Charakter wurden Wirkungen der Technologie- und Organisationsentwicklung auf Facharbeitertätigkeiten untersucht und mit der bestehenden Berufsausbildung sowie einschlägigen Ausbildungsberufen abgeglichen. Dafür waren ein gemeinsames Projektteam und eine von der VW-Group Academy eingesetzte Fachgruppe von Ausbildungsexperten an mehreren Standorten und bei verschiedenen Marken unterwegs, führten Interviews, Gruppendiskussionen und stellten Vergleiche sowie Analysen an.

Innerhalb vernetzter 4.0-Anlagen erfolgt ein Condition Monitoring, das Zustände von Teilsystemen und der Gesamtanlage einschließlich der prozessbezogenen Abläufe überwacht und über Monitore und Endgeräte, örtlich unabhängig von der Anlage, sichtbar macht. Möglich wird dadurch eine zustandsorientierte Instandhaltung, die die bisher praktizierte zyklisch-vorbeugende Instandhaltung ablöst und den Umfang reaktiver Instandhaltungen entscheidend reduzieren soll.

Ein vorgelegtes Tätigkeitsprofil eines operativen Instandhalters 4.0 wurde soweit abgestimmt, dass es als Maßstab für die weitere Gestaltung der Berufsausbildung in diesem Bereich genutzt werden kann. Aktuell zeigt sich, dass kein anerkannter Ausbildungsberuf dieses Tätigkeitsprofil ausreichend abdeckt. Kurzfristig kann durch eine angepasste Ausbildungsgestaltung und mögliche Zusatzqualifikationen Abhilfe geschaffen werden. Mittelfristig muss nach Meinung der Projektmitarbeiter/innen über die Novellierung einschlägiger Ordnungsmittel nachgedacht werden.

Das Tätigkeitsprofil verlangt nicht nur zusätzliche und neue fachliche Kompetenzen wie zum Beispiel die Entwicklung und Anpassung von virtuellen Bedienoberflächen. Ganz wichtig ist, dass das berufliche Handeln in der Instandhaltung immer mehr von der Software her bestimmt ist. Tradierte Routinen und Handlungsmuster können nicht einfach übertragen werden, sie ändern sich gravierend. Ein Facharbeiter dazu:

"Ich hab' öfters schon mal an den Anlagen gestanden und Brainstorming auf Zetteln gemacht."

Ein zweiter:

..."eine Fehlersuche funktioniert heutzutage und perspektivisch noch stärker eher systemseitig und weniger über ein Durchmessen, über eine Sichtprüfung, über eine mechanische Prüfung."

Dabei ergänzen sich Teamfähigkeit und autonomes Handeln. Genau in dieser Balance treffen Instandhalter vor dem Hintergrund eines umfassenden Systemverständnisses schnell und richtig Entscheidungen, um die Stillstandszeiten auf ein Minimum reduzieren. All diese Kompetenzen müssen in der Berufsausbildung stärker gefördert werden.

Auf Bundesebene fügt sich die vorgelegte Studie in eine Reihe von anderen Ergebnissen ein, die alle deutlich machen, dass die gewerblich-technische Berufsausbildung nach wie vor gefragt ist und gerade deshalb weiterentwickelt werden muss.

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    Die Volkswagen Group Academy wurde aus der Volkswagen Coaching GmbH gegründet und in den Volkswagen Konzern reintegriert. Die Aufgabe der Volkswagen Group Academy ist die Berufsausbildung und Weiterbildung in diesem Automobilkonzern.