Mit 16,7 % konnte sich jeder sechste der befragten Personalverantwortlichen02 vorstellen, bei einer Unterstützung von bis zu 6.000 Euro pro Altbewerber einen oder sogar mehrere Jugendliche im eigenen Betrieb auszubilden und zusätzliche Ausbildungsstellen zur Verfügung zu stellen (Tabelle 1).03 Für genau die Hälfte der befragten Betriebe käme eine derartige Maßnahme allerdings nicht in Frage. Ein Drittel der Betriebe konnte zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht beurteilen, ob der Ausbildungsbonus für sie eine geeignete Maßnahme darstellen könnte.
Neben der grundsätzlichen Bereitschaft, über die ursprüngliche Stellenplanung hinaus zusätzliche Lehrstellen für Altbewerber zu schaffen, ist von besonderem Interesse, in welcher Größenordnung diese Zusatzangebote liegen könnten. Zu diesem Zweck wurden die Betriebe aufgefordert, Angaben zur Höhe möglicher Zusatzangebote zu machen.04 Verglichen mit dem fest eingeplanten Stellenangebot für Bewerber ergäbe sich den Angaben zufolge eine durchschnittliche Steigerung im betrieblichen Bildungsangebot in Höhe von fast 29 %.05
Im Folgenden wird untersucht, welche Merkmale Betriebe aufweisen, die in besonderem Maße bereit sind, betriebliche Ausbildungsplätze für Altbewerber anzubieten. Zu den wichtigsten Merkmalen zählen die betriebliche Ausbildungsbeteiligung, die Stellenplanungen für das Ausbildungsjahr 2008/2009, der Stand bisheriger Vertragsabschlüsse mit Jugendlichen, der betriebliche Fachkräfte- und Qualifikationsbedarf sowie Strukturinformationen zum Betrieb selbst.
Betriebliche Ausbildungsbeteiligung im laufenden Ausbildungsjahr
Jeder vierte Ausbildungsbetrieb ist grundsätzlich bereit, unter den vorgegebenen Bedingungen Altbewerber aufzunehmen und seine Ausbildungsstellen über den Ausbildungsbonus nochmals um durchschnittlich 20 % aufzustocken (vgl. Tabelle 1). In diesen Betrieben würde mit 55 % über die Hälfte aller zusätzlichen Ausbildungsangebote entstehen. Im Vergleich zu den derzeit nicht oder nicht mehr ausbildenden Betrieben fällt die ablehnende Haltung gegenüber dem Ausbildungsbonus am niedrigsten aus.
Unter den zum Befragungszeitpunkt nicht ausbildenden Firmen geht die Bereitschaft für Zusatzangebote deutlich zurück. In dieser Gruppe erklärte sich nur jeder sechste Betrieb bereit, zusätzliche Ausbildungsstellen mit einem Altbewerber zu besetzen. Dennoch würden diese Betriebe nach eigener Einschätzung 40 % aller Zusatzangebote zur Verfügung stellen, im Vergleich zu den Planungen für das Ausbildungsjahr 2008/2009 eine Kapazitätserhöhung um fast 150 %. Diese enorme Steigerungsrate hängt allerdings hauptsächlich mit den ursprünglich niedrigen Angebotsplanungen zusammen. Von den Betrieben, die sich zu einem früheren Zeitpunkt an der Ausbildung Jugendlicher beteiligten, würden es sich nur vier Prozent überlegen, mit Hilfe des Ausbildungsbonus vermehrt auszubilden. Darauf wurden aber nur 5 % der Zusatzangebote entfallen.
Stellenplanungen für das Ausbildungsjahr 2008/2009
Bevor die Einschätzungen der Betriebe zum Ausbildungsbonus abgefragt wurden, sollten die Betriebe die Frage beantworten, ob und in welchem Umfang sie für das kommende Ausbildungsjahr planen, Ausbildungsstellen für Jugendliche anzubieten.06 Unter den Betrieben, die Ausbildungsstellen für das Ausbildungsjahr 2008/2009 anbieten wollten, würde jeder vierte Betrieb sein Bildungsangebot nochmals aufstocken, um zusätzlich Altbewerber in seinem Betrieb unterzubringen. Damit könnte in diesen Betrieben das Gesamtangebot an Ausbildungsstellen durch den Ausbildungsbonus um etwa 14 % steigen. Auch aus Sicht derjenigen Betriebe, die zum Zeitpunkt der Befragung äußerten, dass sie sich für das kommende Ausbildungsjahr noch nicht endgültig auf das weitere Vorgehen festgelegt hätten, wäre es vorstellbar, im Laufe des restlichen Vermittlungsjahres doch noch Jugendliche für Ausbildungsstellen zu suchen.07 Diese Betriebe sind zu 41 % bereit, über die Nutzung einer Fördermaßnahme für Altbewerber nachzudenken.
Im Ergebnis könnte hier eine Aufstockung der möglichen Neuverträge um über ein Drittel erfolgen. Hinzu kommen noch die Betriebe, die im März grundsätzlich noch nicht wussten, ob sie überhaupt Stellen anbieten können. Jeder fünfte Befragte zeigte sich aber bereit, die Inanspruchnahme einer derartigen Unterstützungsmaßnahme in seine Überlegungen einzubeziehen.08
Betriebe, die bis März dieses Jahres definitiv nicht vorhatten, Jugendliche auszubilden, werden sich in ihrer Mehrheit nur bedingt davon überzeugen lassen, Ausbildungsplätze für Altbewerber anzubieten. Nur 9 % dieser Betriebe ziehen diese Möglichkeit in Betracht, 28 % haben sich bisher keine abschließende Meinung zu diesem Thema gebildet. Mit 63 % stellt dies für die überwiegende Mehrheit keinen Anreiz dar, entsprechende Bildungsangebote in Betracht zu ziehen. Dennoch würde auf diese Betriebe etwa ein Viertel der möglichen Zusatzangebote für Altbewerber entfallen.
Vertragsabschlüsse mit Ausbildungsplatzbewerbern
Die Inanspruchnahme des Ausbildungsbonus zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres wird auch davon abhängen, inwieweit Betriebe bis zu diesem Zeitpunkt ihre Ausbildungsstellen besetzen konnten. Im März dieses Jahres gab ein Viertel der Befragten mit konkreten Ausbildungsabsichten an, schon schriftliche Ausbildungsverträge mit Jugendlichen abgeschlossen zu haben.09 Dabei zeigt sich im Vergleich zu den Betrieben ohne Vertragsabschlüsse nicht nur eine geringere Bereitschaft, den Ausbildungsbonus zu nutzen. Ebenso würde eine deutlich unterdurchschnittliche Aufstockung des ursprünglich geplanten und zum Teil schon besetzten Stellenangebots um knapp 6 % erfolgen. Im Ergebnis würde hier nur jedes fünfte Zusatzangebot für Altbewerber entstehen. Hatten Betriebe dagegen noch keine Vertragsabschlüsse mit Jugendlichen aufzuweisen, so steigt die Bereitschaft dieser Betriebe auf knapp 27 %, mit der Folge, dass 23 % mehr Stellen für Altbewerber entstehen würden.
Zusätzlich sollten die Betriebe Angaben zu den schulischen Abschlüssen bzw. zur Schulart der vertraglich schon gebundenen Bewerber machen.10 Hatten Betriebe schon Verträge mit Hauptschulabsolventen abgeschlossen, so waren sie mit etwa 47 % weit überdurchschnittlich bereit, marktbenachteiligte Jugendliche bei entsprechender Bezuschussung als Auszubildende aufzunehmen. Wurden dagegen Verträge mit Realschulabsolventen oder Bewerbern mit Fach- oder Hochschulreife für das kommende Ausbildungsjahr abgeschlossen, so nimmt die Bereitschaft auf bis zu 9 % ab.
Dies spricht dafür, dass in Betrieben mit höheren Qualifikationsanforderungen und bei frühzeitigen Vertragsabschlüssen nur wenige Ausbildungsstellen für Altbewerber geschaffen werden könnten. Damit engt sich der Kreis aufnahmebereiter Betriebe deutlich ein, zumal auch die Gruppe, die den Ausbildungsbonus für ihren Betrieb als derzeit nicht beurteilbar einstuften, zum Zeitpunkt der Erhebung knapp die Hälfte ihrer bis dahin besetzten Ausbildungsstellen schon an Jugendliche mit Fach- oder Hochschulreife und mit über 40 % an Jugendliche mit Realschulabschluss vergeben hatten.
Fachkräfte- und Qualifikationsbedarf der Betriebe
Mit zunehmendem Arbeitskräftebedarf wächst die Bereitschaft der Betriebe, Zusatzangebote für Altbewerber zu schaffen. Wenn beispielsweise Betriebe in den nächsten zwei Jahren fest davon ausgehen, Arbeitsstellen besetzen zu können, dann würden in jedem vierten dieser Betriebe über die ursprünglichen Planungen hinaus mehr Stellen für Auszubildende entstehen. Wenn Betriebe keinen Bedarf an Arbeitskräften sehen, können sich weniger als 1 % dieser Betriebe vorstellen, Zusatzangebote zu schaffen, während sich 70 % in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Ausbildungsbonus sicher sind.
Gefragt wurden die Betriebe darüber hinaus, ob sie bei entsprechendem Arbeitskräftebedarf in den nächsten zwei Jahren Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung (duale Ausbildung, Berufsfachschule), mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss oder lediglich an- bzw. ungelernte Arbeitskräfte einstellen wollten. Dabei zeigt sich, dass mit steigenden Qualifikationsanforderungen für die zu besetzenden Stellen auch die Bereitschaft der Betriebe zurückgeht, über den Ausbildungsbonus zu finanzierende Zusatzangebote zu schaffen. Umgekehrt ergibt sich, dass, je niedriger der Qualifikationsbedarf in den Betrieben eingeschätzt wird, diese umso eher bereit sind, auch Ausbildungsstellenangebote für Altbewerber zur Verfügung zu stellen. Knapp jeder dritte Betrieb, der Arbeitsstellen besetzen möchte, für die keine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich ist, hält eine deutliche Aufstockung seiner Ausbildungsplätze für denkbar.
Unterschiede nach Branchen, Betriebsgrößen und Regionen
Kleinstbetriebe mit bis zu 9 Beschäftigten und Kleinbetriebe mit einer Beschäftigtenzahl zwischen 10 und 19 zeigen ein überdurchschnittliches Interesse an einer finanziellen Unterstützung bei entsprechenden Zusatzangeboten in ihrer Ausbildung. Diese Betriebe würden ihr bisheriges Ausbildungsangebot um bis zu 66 % aufstocken, wodurch allein in diesen Betrieben insgesamt 85 % aller Zusatzangebote entstünden. Aber auch kleinere und größere mittelständische Betriebe sehen für sich Möglichkeiten, zusätzliche Ausbildungsverträge mit Altbewerbern abzuschließen. Eher desinteressiert in dieser Frage zeigen sich Großbetriebe mit 500 und mehr Beschäftigten.
Über 40 % aller Zusatzangebote würden in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Verkehr- und Nachrichtenwesen, Gastgewerbe sowie bei den sonstigen Dienstleistungen (z. B. in der Entsorgungswirtschaft, in Reinigungs- oder Körperpflegebranchen) entstehen. Hier zeigen die Betriebe mit 30 und mehr Prozent eine besonders hohe Bereitschaft, sich Altbewerbern anzunehmen. In einer weiteren Gruppe, die aus den Bereichen Verbrauchs- und Produktionsgüterindustrie, Gesundheits- und Veterinärwesen sowie dem Baugewerbe besteht, kämen weitere 23 % an zusätzlichen Bildungsangeboten zustande. In allen anderen Branchen liegt der Anteil ausbildungsbereiter Betriebe zum Teil deutlich unter dem Durchschnitt. Auf weitgehende Ablehnung stößt der Ausbildungsbonus bei Unternehmen aus der Kredit- und Versicherungswirtschaft und bei Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung.
Besonders wichtig wäre eine Versorgung der Altbewerber in Arbeitsmarktregionen in den neuen Ländern, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation seit Längerem kein ausreichendes Angebot an betrieblichen Ausbildungsstellen zur Verfügung stellen können (BMBF 2008b). Dennoch besteht in Ostdeutschland nur bei jedem zehnten Betrieb ein grundsätzliches Interesse, sich für die Aufnahme eines Altbewerbers auch finanziell unterstützen zu lassen. Unter den westdeutschen Betrieben, die über 80 % aller Zusatzangebote bereitstellen würden, könnte sich jeder fünfte Betrieb vorstellen, über seine Planungen hinaus Ausbildungsstellen für das kommende Ausbildungsjahr anzubieten.