Auf der Grundlage der Daten der CVTS3-Haupterhebung können erstmals die Beteiligung der Unternehmen an der Erstqualifizierung Jugendlicher und die Beteiligung der Beschäftigten an Weiterbildung europäisch verglichen werden. Eine grundlegende politische Forderung - u.a. vom "Innovationskreis berufliche Bildung" (IKBB) - ist eine verbesserte Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, um so mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem zu ermöglichen (Innovationskreis Berufliche Bildung 2006). Ergänzend zu einem guten Ausbildungssystem soll in Deutschland die betriebliche Weiterbildung im Sinne des lebenslangen Lernens ausgebaut werden (Sauter 2003).
Die CVTS3-Zusatzerhebung fragte nach dem Grad der Verzahnung von Aus- und Weiterbildung in Unternehmen. Dafür wurden fünf Indikatoren entwickelt, davon beziehen sich zwei auf die innerbetriebliche Organisation (Planung von Aus- und Weiterbildung und Einsatz des Ausbildungspersonals), zwei auf die Lernaktivitäten in den Unternehmen (Nutzung von Wahlqualifikationen sowie von Zusatzqualifikationen als Instrumente der Ausbildung, die auch für die betriebliche Weiterbildung eingesetzt werden können) sowie - darüber hinaus - einer auf die Existenz einer externen Kooperation (Kooperation der Unternehmen mit anderen Unternehmen).
Mit diesen Indikatoren kann eine Typisierung der Unternehmen nach dem Grad der Verzahnung (Pole: keine Verzahnung - intensive Verzahnung) vorgenommen werden. Sie erlauben es zusätzlich, Weiterbildungsaktivitäten der Unternehmen im Vergleich zu den Ausbildungsaktivitäten zu interpretieren. Tabelle 3 listet die Ergebnisse für die einzelnen Indikatoren auf.
Drei Viertel der weiterbildenden Unternehmen bilden nach BBiG/HwO aus. Davon haben 43% der befragten Unternehmen von 2005 bis 2007 in einem Beruf und eine Mehrheit von 57% in mehreren Berufen ausgebildet.
Die Intensität der Verzahnung von beruflicher Ausbildung mit betrieblicher Weiterbildung in den Unternehmen wird unter Berücksichtigung der Anzahl der jeweiligen Indikatoren gemessen. Von den Unternehmen die aus- und weiterbilden, geben 23% an, dass keiner der Indikatoren für die Verzahnung der Aus- und Weiterbildung in ihrem Unternehmen zutrifft. Die Verteilung der fünf Indikatoren zeigt, dass von den restlichen 77% der Unternehmen für 3% alle fünf Indikatoren und für 9% vier Indikatoren zutreffen. In diesen, zusammengenommen also 12%, ist die Intensität der Verzahnung zwischen beruflicher Ausbildung und betrieblicher Weiterbildung am höchsten.
Obwohl demnach nur in etwas mehr als einem Zehntel der befragten weiterbildenden Unternehmen eine enge Verzahnung zwischen beruflicher Ausbildung und betrieblicher Weiterbildung existiert, ist den befragten Verantwortlichen für die berufliche Bildung in den Unternehmen bewusst, dass eine solche Verzahnung künftig wichtiger wird. So stimmen 87% der Unternehmen der Aussage zu, dass lebenslanges Lernen bedeutet, dass in Unternehmen die Ausbildung und die berufliche Weiterbildung besser aufeinander abgestimmt werden sollen.
Eine Mehrheit von 60% der Unternehmen stimmt der Aussage zu, dass Weiterbildung ausgebaut werden sollte. Hiervon sind 39% der Ansicht, dass sowohl die berufliche Ausbildung als auch die Weiterbildung intensiviert werden sollte, und 21% treten dafür ein, die Weiterbildung in Relation zur Ausbildung zu stärken. Dagegen sind 35% der befragten Unternehmen der Meinung, dass die berufliche Ausbildung und Weiterbildung wie bisher beibehalten, und 5%, dass die berufliche Ausbildung ausgebaut werden sollte.