Seite drucken Seite empfehlen Seite vorlesen BIBB REPORT Ausgabe 8/09

Betriebliche Berufsausbildung: Eine lohnende Investition für die Betriebe
Ergebnisse der BIBB-Kosten- und Nutzen-Erhebung 2007
Felix Wenzelmann, Gudrun Schönfeld, Harald Pfeifer, Regina Dionisius
Die betriebliche Berufsausbildung lohnt sich in der Regel für die ausbildenden Betriebe, obwohl sie zunächst Kosten verursacht. Dies ist in erster Linie dem Nutzen zu verdanken, der durch die Übernahme von Auszubildenden entsteht: Personalgewinnungskosten werden eingespart und selbst Ausgebildete leisten, zumindest vorübergehend, mehr als vom externen Arbeitsmarkt eingestellte Fachkräfte. Auch der Nutzen in Form von Imagegewinn und Attraktivität des Betriebs für leistungsfähige Mitarbeiter spielt eine wichtige Rolle. Darüber hinaus werden in vielen Betrieben die Ausbildungskosten bereits durch den Arbeitseinsatz der Auszubildenden gedeckt. Diese und weitere zentrale Befunde einer Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zu Kosten und Nutzen der betrieblichen Berufsausbildung werden im folgenden Bericht vorgestellt.
Es gibt viele Gründe, warum Betriebe ausbilden. Das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Ausbildung dürfte jedoch bei der Entscheidung für oder gegen die Durchführung betrieblicher Ausbildung eine zentrale Rolle spielen. Je günstiger dieses Verhältnis aus betrieblicher Sicht ist, desto eher sind Betriebe bereit, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.
Betriebliche Kosten und Nutzen der Ausbildung können in unterschiedlichen Formen und zu unterschiedlichen Zeiten anfallen. So können zum Beispiel neben monetär quantifizierbaren auch nicht-monetär quantifizierbare Kosten entstehen. Gleiches gilt für den Nutzen, der darüber hinaus nicht nur während, sondern auch nach der Ausbildungsphase anfallen kann, nämlich dann, wenn der Betrieb eine selbst ausgebildete Fachkraft weiterbeschäftigt. Kosten und Nutzen der betrieblichen Ausbildung sind somit vielfältiger Natur und nicht ohne umfangreiche konzeptionelle Vorarbeiten zu erfassen.
Das BIBB führt bereits seit vielen Jahren in regelmäßigen Abständen Untersuchungen zu Kosten und Nutzen der dualen Berufsausbildung für Betriebe durch (Noll u.a. 1983, von Bardeleben; Beicht; Féhér 1995, Beicht; Walden; Herget 2004). Die konzeptionelle Grundlage für diese Untersuchungen wurde bereits in den frühen 70er-Jahren von der damaligen Sachverständigenkommission Kosten und Finanzierung der beruflichen Bildung, der sogenannten "Edding-Kommission", erarbeitet (vgl. Sachverständigenkommission 1974). Seitdem wurden die Erhebungen inhaltlich erweitert und die Berechnungsweise weiterentwickelt, das Modell zur Kostenberechnung blieb jedoch weitgehend erhalten. Eine wichtige Ergänzung stellte die Messung des Nutzens dar, der bei Übernahme eines selbst Ausgebildeten durch Einsparung von Personalgewinnungs- und Einarbeitungskosten generiert wird. Die erste repräsentative Studie hierzu führten Beicht, Walden, Herget (2004) für das Jahr 2000 durch.
Berechnung der Durchschnittswerte
Die Berechnung der Durchschnittswerte der einzelnen Kosten- und Nutzengrößen erfolgte auf der Ebene des einzelnen Auszubildenden. 10.751 Auszubildende aus den 2.986 befragten Betrieben bildeten die Stichprobe. Um repräsentative Durchschnitte zu berechnen, wurden stichprobenneutrale Gewichtungsfaktoren mittels des Iterative Proportional Fitting Algorithmus (IPF) über die Randverteilungen der Auszubildenden nach Ausbildungsjahr und Ausbildungsberuf über die Faktoren Region (West- und Ostdeutschland), Betriebsgrößenklasse und Ausbildungsbereich bestimmt. Die Gesamtdurchschnitte sind dann das gewichtete arithmetische Mittel für alle Auszubildenden des Jahres 2007.
Der folgende Bericht01 stützt sich auf die Ergebnisse der aktuellen BIBB-Befragung zu Kosten und Nutzen der betrieblichen Berufsausbildung für das Berichtsjahr 2007. 02 Für die Untersuchung wurden 2.986 Ausbildungsbetriebe in ganz Deutschland befragt. Ansprechpartner in den Betrieben waren die Personal- und/ oder Ausbildungsverantwortlichen. In Kleinbetrieben waren dies zumeist die Betriebsinhaber.03 Es wurden in detaillierter Form Ausbildungskosten und -erträge sowie Informationen zum Übernahmeverhalten der Betriebe und (möglicherweise) eingesparten Personalgewinnungskosten bei Einstellung von Mitarbeitern vom externen Arbeitsmarkt abgefragt. Untersucht wurden die am stärksten besetzten 51 Ausbildungsberufe im dualen System aus den Ausbildungsbereichen Industrie und Handel, Handwerk, Öffentlicher Dienst, Landwirtschaft und den Freien Berufen. Zusammengenommen ergibt sich ein umfassendes Bild über das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Ausbildung, das Ausbildungsverhalten und die Ausbildungsmotive der Betriebe in Deutschland. Die wichtigsten Eckwerte der Erhebung, welche die einzige für Deutschland repräsentative Quelle zu den betrieblichen Kosten und dem betrieblichen Nutzen der Ausbildung ist, werden im Folgenden dargestellt.














