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Jeder zehnte Erwerbstätige hat nie richtig Feierabend

Eine Analyse zur Verbreitung von suchthaftem Arbeiten in Deutschland

01.06.2022

Eine vom BIBB und der Technischen Universität Braunschweig durchgeführte und von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie zeigt, dass etwa zehn Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland exzessiv und zwanghaft arbeiten. Unterschiede in suchthaftem Arbeiten zeigen sich bei verschiedenen Beschäftigten, Betrieben und Berufen.

Jeder zehnte Erwerbstätige hat nie richtig Feierabend

Komplexe Arbeitsprozesse, die Flexibilisierung und Entgrenzung der Arbeitswelt bieten Chancen und Risken für die Beschäftigten. Der in der Zeitschrift „ARBEIT“ erschiene Artikel „Wer hat nie richtig Feierabend?“ von Beatrice van Berk (BIBB), Christian Ebner (TU Braunschweig) und Daniela Rohrbach-Schmidt (BIBB) untersucht die Verbreitung von suchthaften Arbeiten in Deutschland. Die Studie wurde im Rahmen eines Projekts der Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Internationale Studien zeigen, dass dieses bisher in Deutschland nur schwach erforschte Phänomen mit gesundheitlichen Beschwerden (z.B. Erschöpfung, Schlafmangel) zusammenhängt und daher ein Risiko darstellt.

Suchthaftes Arbeiten wurde in der Studie mit der Dutch Work Addiction Scale (DUWAS) gemessen. Mit DUWAS wird suchthaftes Arbeiten als das gemeinsame Auftreten von exzessivem Arbeiten (Verhaltensdimension) und zwanghaften Arbeiten (kognitive Dimension) operationalisiert. Verwendet wurde die Skala in einer Zusatzbefragung zur BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 mit 8.010 Teilnehmenden.

Im Berufsbereich „Land-, Forst- und Tierwirtschaft, Gartenbau“ ist suchthaftes Arbeiten mit 19% besonders stark verbreitet. Im Berufsreich „Naturwissenschaft, Geografie, Informatik“ arbeiten hingegen nur 6% suchthaft. Zudem arbeiten besonders viele Führungskräften der oberen Führungsebene (16,6%) und Selbständige (13,9%) exzessiv und zwanghaft. Die Arbeit in einem großen Betrieb und die Existenz eines Betriebsrats stehen hingegen mit einer geringeren Verbreitung von Arbeitssucht im Zusammenhang.