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(Un)gleiches Überqualifizierungsrisiko von Frauen und Männern in Zeiten der Homeoffice-Möglichkeit

08.06.2022

Frauen verwerten Bildungsabschlüsse schlechter und sind somit häufiger überqualifiziert als Männer. Durch räumlich flexible Arbeitsplätze mit Homeoffice-Möglichkeiten können jedoch Erwerbstätige (und insbesondere Frauen) erworbene Abschlüsse vermehrt für passende Arbeitsplätze verwerten.

(Un)gleiches Überqualifizierungsrisiko von Frauen und Männern in Zeiten der Homeoffice-Möglichkeit

Überqualifizierung (Overeducation) tritt auf, wenn das Bildungsniveau der Erwerbstätigen die Arbeitsplatzanforderungen übersteigt, sodass die erworbenen Bildungsabschlüsse nicht für adäquate Positionen auf dem Arbeitsmarkt verwertet werden.

Vorherrschende Ansätze schreiben Erwerbstätigen mit eingeschränkter räumlicher Flexibilität ein höheres Risiko der Überqualifizierung zu. Das ist der Fall bei Erwerbstätigen in Partnerschaften und insbesondere Frauen in Partnerschaften, da die regionale Koordinierung der Arbeitsmarktplatzierung beider Partner/innen die räumliche Flexibilität einschränkt.

In einer neuen Studie wird der Fokus auf Geschlechterungleichheiten bei Überqualifizierung (Gender Gap in Overeducation) gelegt und die vorherrschenden Ansätze vor dem Hintergrund der Arbeitsmarktveränderungen durch Digitalisierung neu geprüft. Es wird beantwortet, ob räumlich flexible Arbeitsplätze mit Homeoffice-Möglichkeiten erstens mit geringem Überqualifizierungsrisiko verbunden sind und zweitens den Gender Gap in Overeducation reduzieren oder sogar aufheben können.

Basierend auf Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 und zusätzlich hinzugefügten regionalen Daten zeigen die empirischen Ergebnisse einen Gender Gap in Overeducation auf, d.h. ein höheres Risiko der Überqualifizierung für Frauen in Partnerschaften als für Männer in Partnerschaften.

Darüber hinaus verwendet die Studie Selektionskorrekturmodelle, um zu zeigen, dass räumlich flexible Arbeitsplätze mit Homeoffice-Möglichkeiten das Überqualifizierungsrisiko reduzieren.

Die Ergebnisse deuten außerdem auf einen geschlechtsspezifischen Nutzen von Arbeitsplätzen mit Homeoffice-Möglichkeiten hin: Während in der Gruppe der Erwerbstätigen in Partnerschaften ohne Homeoffice-Möglichkeiten Geschlechterungleichheiten bei Überqualifizierung zu Ungunsten der Frauen auftreten, wird in der Gruppe der Erwerbstätigen in Partnerschaften mit Homeoffice-Möglichkeiten der Gender Gap in Overeducation aufgehoben, sodass Frauen kein höheres Überqualifizierungsrisiko im Vergleich zu Männer aufweisen.

Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag für die Arbeitsmarktforschung, indem Überqualifizierungsrisiken im Kontext der Digitalisierung analysiert und vorherrschende Ansätze unter Berücksichtigung neuer Optionen der räumlichen Flexibilität wie Homeoffice neu geprüft werden.