Wie wird KI in der Beruflichen Orientierung momentan eingesetzt?

In der Beruflichen Orientierung (BO) wird KI sehr unterschiedlich eingesetzt, da Maßnahmen und Angebote zur BO an verschiedenen Orten stattfinden (z.B. Schule, bei Projektträger, zu Hause und in Unternehmen). Wie sehr KI-Anwendungen dort jeweils integriert sind und an Jugendliche vermittelt werden, variiert daher stark nach Kontext und Einzelfall. Während die Kultusministerkonferenz Handreichungen zum didaktischen Einsatz von KI-Anwendungen für das schulische Lernen erarbeitet hat, gibt es für den BO-Bereich bislang kein Äquivalent.

Wie in Schulen der BO-Prozess der Jugendlichen dokumentiert und begleitet wird, regeln die Bundesländer unterschiedlich. Manche machen die digitale Portfolioarbeit verpflichtend und erwägen dabei die Integration von KI, während in manchen Bundesländern jede Schule entscheiden darf, ob sie mit analogen Methoden arbeiten will.

Bei Bildungsträgern, die berufsbildende Maßnahmen an außerschulischen Lernorten ermöglichen, können in Einzelfällen virtuelle Umgebungen eingesetzt werden. Sie vermitteln Jugendlichen einen Eindruck, wie es sich anfühlt, mit äußerst teuren oder komplexen Geräten zu arbeiten, die aufgrund des Arbeits-/Versicherungsschutzes nicht für eine reale Erprobung geeignet sind. Inwiefern Eltern für die Begleitung ihrer Kinder im BO-Prozess auf KI-Anwendungen zurückgreifen, ist nicht bekannt. Aufgrund des gesellschaftlichen Querschnitts ist hier auch von einer breiten Streuung auszugehen. Insgesamt wird KI nicht flächendeckend und auch nicht systematisch eingesetzt. Es hängt häufig davon ab, ob Lehrkräfte oder pädagogisches Personal intrinsisch motiviert sind, KI einzusetzen.

Welchen Mehrwert bietet die KI in der beruflichen Orientierung?

KI kann einen Mehrwert für die BO von Jugendlichen und Arbeit von pädagogischem Personal bieten.

Als Sparrings-Partner für pädagogisches Personal eingesetzt, kann KI dabei unterstützen, die eigenen Gedanken zu strukturieren und zu schärfen. Es kann Optimierungsvorschläge für Konzepte geben, vorhandene Materialien ohne großen Aufwand auf andere Zielgruppen anpassen oder dabei helfen, Sprachbarrieren durch Echtzeitübersetzung zu überwinden.

Für Jugendliche kann KI eine persönliche Assistenz sein, die sie gezielt durch Fragen zum Reflektieren anregt. Im Anschluss kann pädagogisches Personal dabei unterstützen, die Erkenntnisse einzuordnen und weitere Impulse zu geben. Zudem kann KI Texte zusammenfassen und gegebenenfalls übersetzen. Dadurch können auch die Jugendlichen von BO-Maßnahmen profitieren, die ansonsten aufgrund von (Sprach-)Barrieren nicht oder nur eingeschränkt partizipieren können. 

Was ist beim Einsatz von KI in der beruflichen Orientierung zu bedenken?

KI ersetzt keine Begleitung oder Einordnung durch pädagogisches Personal. Es ist ein Werkzeug, das technische Kenntnisse und eine kritische Urteilskompetenz erfordert. Beim Einsatz von KI im Kontext der Beruflichen Orientierung ist auf die hohe Sensibilität der Daten zu achten. Der EU AI Act stuft diese Daten als Hochrisikosysteme ein (vgl. EU AI Act Annex III, Art. 6 Absatz 2). Die Anonymisierung der Daten zum Schutz der Jugendlichen ist unerlässlich.

Um also sicher mit sensiblen Daten der Jugendlichen und den ausgegebenen Informationen umgehen zu können, ist der Kompetenzaufbau beim pädagogischen Personal und den Jugendlichen ebenso erforderlich wie eine funktionierende Infrastruktur (flächendeckendes WLAN, DSGVO-konforme KI-Systeme).

Kontakt:

Tatjana Rahn