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Abschlussworkshop der Nachwuchsgruppe RISA und des Horizon-Europe-Projekts Skills2Capabilities (S2C)

17.03.2026

Nach fünf erkenntnisreichen und inspirierenden Jahren fand am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) der Abschlussworkshop der Nachwuchsgruppe RISA und des zugehörigen Teilprojekts des Horizon-Europe-Projekts Skills2Capabilities (S2C) statt. Rund 35 Teilnehmende aus dem BIBB, aus Instituten der Kooperationspartnerinnen und -partner sowie aus Praxis und Politik kamen zusammen, um zentrale Ergebnisse zu diskutieren, Perspektiven einzuordnen und neue Ideen zu entwickeln.

Eine Frau steht in einem Seminarraum vor einer Präsentationsfolie und spricht. Auf der Leinwand steht ‚Abschlussworkshop‘.

Die Veranstaltung bot nicht nur einen Rückblick auf die Forschungsarbeiten der fünfköpfigen Arbeitsgruppe, sondern auch einen Raum für interdisziplinären Austausch und kritische Reflexion.

Forschung zu regionalen Chancenstrukturen und Kompetenzen im Übergangssystem

Im Zentrum der Nachwuchsgruppe RISA stand die Frage, wie regionale (Infra-)Strukturen berufliche Ausbildungschancen und Karriereverläufe prägen. Die Arbeiten zeigen, dass berufliche Absichten, Übergänge und Karriereverläufe nicht allein individuelle Entscheidungen oder Kompetenzen widerspiegeln, sondern maßgeblich in regionale Gelegenheitsstrukturen eingebettet sind. Unterschiede zwischen strukturschwachen und strukturstarken Regionen, Mobilitätsanforderungen oder institutionelle Rahmenbedingungen beeinflussen, welche Optionen jungen Menschen tatsächlich offenstehen. Die Arbeiten der Nachwuchsgruppe haben insbesondere gezeigt, dass das Zusammenspiel zwischen individuellen Merkmalen und regionalen Strukturen hochrelevant ist für Bildungs- und Erwerbskarrieren.

Im Horizon-Europe-Projekt Skills2Capabilities (S2C) lag der Fokus des Teams darauf , welche Kompetenzen Menschen in unterschiedlichen regionalen Arbeitsmärkten benötigen, um Übergänge erfolgreich zu bewältigen. Dabei wurde deutlich, dass „Skills“ im Kontext regionaler Nachfrage- und Wirtschaftsstrukturen verstanden werden können.

Neben inhaltlichen Ergebnissen standen in den Arbeiten der Gruppe auch methodische Innovationen im Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren wurden vielfältige Datensätze verknüpft, kleinräumige regionale Kontextdaten integriert und quantitative sowie qualitative Ansätze kombiniert. Diese methodische Vielfalt ermöglichte differenzierte Analysen regionaler Disparitäten und individueller Übergangsprozesse.

Beide Projekte verband der Anspruch mit interdisziplinären Ansätzen und Methoden, Ungleichheiten im Übergang von Schule zu Ausbildung und Erwerbstätigkeit besser zu verstehen und empirisch fundierte Beiträge zur Weiterentwicklung von Berufsbildungsforschung und -politik zu leisten.

Im Rahmen des Workshops wurde neben inhaltlichen und methodischen Arbeiten auch deutlich, dass die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses mit der Einbettung der Nachwuchsgruppen in das Graduiertenförderungsprogramm des BIBB eine zentrale Gelingensbedingung der forscherischen Aktivitäten darstellt.  

Pitches und Poster

Im Rahmen des Workshops präsentierten die Promovierenden ihre (teilweise bereits abgeschlossenen) Dissertationsprojekte in Posterpitches und einer Postersession. Die intensive Diskussion im Plenum – unter anderem im World Café-Format – griff aktuelle Herausforderungen rund um Berufe, Mobilität, Geschlecht, Ausbildung und Ungleichheit auf und zeigte eindrücklich, wie aus kollektiven Debatten in Interaktion mit den Teilnehmenden konkrete Forschungsfragen und Dissertationen entstehen.

Interdisziplinarität als Leitprinzip

Den inhaltlichen Abschluss des Nachmittags bildete die Keynote „Much Ado About Interdisciplinarity – Potenziale, Grenzen und Praxistauglichkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit am Beispiel der Berufsbildungsforschung“. Sie nahm die Erfahrungen der vergangenen Jahre zum Anlass, das Potenzial interdisziplinärer Zusammenarbeit kritisch zu reflektieren. Deutlich wurde: Interdisziplinarität ist weder Selbstläufer noch bloße Rhetorik. Sie kann die Qualität von Forschung substanziell erhöhen – insbesondere bei komplexen Fragen zu Ausbildung, Arbeitsmärkten und sozialer Ungleichheit. Gleichzeitig verlangt sie erhebliche Investitionen: Zeit, konzeptionelle Präzision, wechselseitiges Verständnis und die Bereitschaft, disziplinäre Unterschiede produktiv auszuhalten. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist damit anspruchsvoll und ressourcenintensiv – aber gerade deshalb erkenntnisgenerierend, wenn sie ernsthaft betrieben und institutionell ermöglicht wird. Der Workshop machte sichtbar, wie fruchtbar diese Zusammenarbeit war – und wie viele neue Fragen daraus entstehen.

Austausch mit Praxis und Politik

Die Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern aus Praxis und Politik unterstrich die Relevanz der Forschungsergebnisse für aktuelle bildungs- und arbeitsmarktpolitische Debatten. Fragen nach regionalen Disparitäten, Mobilitätsanforderungen, Kompetenzbedarfen und strukturellen Zugangshürden sind zentral für die Weiterentwicklung eines chancengerechten Berufsbildungssystems.

Der Abschlussworkshop bot somit nicht nur Rückblick, sondern auch Ausblick: Viele der diskutierten Ideen werden in zukünftige Forschungsprojekte einfließen und den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis weiter stärken.

Ein gemeinsames Abendessen in informeller Atmosphäre bildete den Ausklang des Workshops.