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Moderne Berufsbildung gemeinsam gestalten

NRW-Schulministerin Dorothee Feller zu Gast im BIBB

28.05.2026

Dorothee Feller, seit 2022 Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn besucht. Im intensiven Austausch mit der Institutsleitung und Abteilungsleitungen wurde klar: Nur eine moderne, gemeinsam gestaltete Berufsbildung kann junge Menschen nachhaltig unterstützen. Dazu stellten beide Seiten noch einmal die Notwendigkeit einer guten und intensiven Zusammenarbeit zwischen den Stakeholdern auf Bund- und Länderebene heraus.

Ein Gruppenfoto mit Prof. Dr. Hubert Ertl, Dorothee Feller und Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser vor einem BIBB-Rollup
v.l.n.r. Prof. Dr. Hubert Ertl, Dorothee Feller, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser

Der Präsident des BIBB, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, skizzierte zu Beginn des Treffens aktuelle Qualifikations- und Berufsprojektionen. Danach nehme die Zahl der Personen mit Hochschulabschluss weiter zu, gleichzeitig wachse jedoch auch die Gruppe der Menschen ohne Berufsabschluss. „Zur Zeit registrieren wir knapp drei Millionen Menschen unter 35 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben. Ein No-Go für den Wirtschaftsstandort Deutschland, ein No-Go für die Bildungsrepublik Deutschland,“ so Esser.

Rückläufig sei die Zahl der Personen mit beruflichem Abschluss, mit Aufstiegsfortbildung oder mit Bachelorabschluss. „Bereits bis 2029 werden auf der Fachkräfteebene rund 530.000 Personen fehlen.“ Daher seien Anstrengungen hin zu einem resilienten Berufsbildungssystem von Nöten: Teilqualifikationsangebote auch für junge Erwachsene unter 25 Jahre als Einstieg in eine Berufslaufbahn, mehr Flexibilität, Inklusivität und Exzellenz bei der Ausgestaltung einer integrierten Aus- und Weiterbildung sowie mehr Spielraum für das Erlernen von Schlüsselqualifikationen.

In diesem Zusammenhang betonte Ministerin Feller: „Viele unserer Schülerinnen und Schüler sind die Fachkräfte von morgen. Es ist von enormer Bedeutung, dass sie sich nach ihren Interessen orientieren, ihre Talente entwickeln und sich optimal auf die Herausforderungen der beruflichen Welt vorbereiten können. Der bestmögliche Ort dafür sind unsere Berufskollegs, die mit ihrer besonderen Struktur, ihrer Angebotsvielfalt und der Fülle an Schulabschlüssen einzigartig in unserem Schulsystem sind. Aktuell besuchen fast 500.000 Schülerinnen und Schüler die Berufskollegs – allein diese Zahl unterstreicht den großen Stellenwert. Wir wollen Nordrhein-Westfalen zum Berufsbildungsland Nummer eins machen und setzen auf eine moderne berufliche Bildung, die mit der Zeit geht und gleichwertig zur akademischen Bildung ist.“

Zur Zeit registrieren wir knapp drei Millionen Menschen unter 35 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben. Ein No-Go für den Wirtschaftsstandort Deutschland, ein No-Go für die Bildungsrepublik Deutschland.

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser

Künstliche Intelligenz verändert Berufsbildung und Arbeitswelt

Wie modern berufliche Bildung ist, demonstrierte Prof. Dr. Hubert Ertl in seinem Beitrag über Künstliche Intelligenz. Dazu stellte der BIBB-Forschungsdirektor und Ständige Vertreter des Präsidenten die vier Säulen der einschlägigen Expertise am BIBB dar – von frühen Befunden dank großer Erhebungen über die Gestaltung von Berufsbildungspraxis und Ordnungsarbeit hin zu innovativer Projektförderung sowie KI-Infrastruktur und Methoden. „Unsere Erhebungen verdeutlichen, wie stark die KI-Nutzung in der Arbeitswelt seit 2022 an Fahrt aufgenommen hat“, unterstrich Ertl. Meist finde am Arbeitsplatz jedoch eine informelle Nutzung von KI-Tools statt. Weitere Erkenntnisse: Es besteht die Gefahr, dass soziale Ungleichheiten beim Zugang zu Weiterbildung und KI-Nutzung weiter steigt, obwohl das Lernen mit KI überwiegend positive Auswirkungen auf die Gestaltung von Lernumgebungen und -mitteln hat.

Gemeinsam den Übergang in Ausbildung stärken

Wo sieht Ministerin Feller große Herausforderungen für die jungen Lernenden, und wie kann man sie unterstützen? „Da der Wechsel von der Schule in den Beruf eine der bedeutendsten Weichenstellungen im Leben junger Menschen ist, braucht es eine enge Verzahnung von schulischer Bildung und beruflicher Praxis. Mit unserem 'Ausbildungskonsens NRW', in dem sich Landesregierung, Organisationen der Wirtschaft, die Gewerkschaften, die Arbeitsverwaltung und Kommunen zusammengeschlossen haben, sorgen wir dafür, dass dieser Übergang möglichst nahtlos gelingen kann. Alle Partner überprüfen die Angebote ständig und erweitern sie“, so die Ministerin. „Wir lassen die jungen Menschen in dieser so wichtigen Phase nicht allein und unterstützen sie etwa mit Coaches und Übergangslotsen, welche Kontakte in die Betriebe bauen, Praxiserfahrungen erleichtern und als Ratgeber zur Seite stehen.“

Die Zusammenarbeit starker Partner in der Berufsbildung steht auch beim „Pakt für berufliche Schulen“ im Mittelpunkt, den Dr. Monika Hackel, BIBB-Abteilungsleiterin für Struktur und Ordnung der Berufsbildung, näher vorstellte. Dabei ging es ihr vor allem um die Unterstützung der Lernortkooperation zwischen beruflichen Schulen und Betrieben. Hier arbeiten das Ausbilder- und Prüferportal „Leando“ (BIBB) und das Portal für Lehrkräfte an beruflichen Schulen „HubbS“ (Kultusministerkonferenz) eng abgestimmt.

Da der Wechsel von der Schule in den Beruf eine der bedeutendsten Weichenstellungen im Leben junger Menschen ist, braucht es eine enge Verzahnung von schulischer Bildung und beruflicher Praxis.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller

EuroSkills und berufswahlapp: Impulse für junge Menschen

Mit den Berufswettbewerben „EuroSkills“, die im September 2027 in der Landeshauptstadt Düsseldorf stattfinden, ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem NRW-Schulministerium und dem BIBB geplant. Hier gilt es, wie Michael Wiechert und Katharina Engel aus der internationalen Abteilung des BIBB erläuterten, neben dem Wettbewerbsgeschehen ein attraktives Rahmenprogramm mitzugestalten, das junge Menschen für berufliche Bildung als Zukunftsperspektive begeistert.

Mit Blick auf junge Menschen wies Ministerin Feller abschließend auf einen kürzlich eingeführten „Helfer im Hosentaschenformat“ hin, die „berufswahlapp“: „Die App begleitet den gesamten beruflichen Orientierungsprozess strukturiert – von der ersten Erkundung bis zum Übergang in Ausbildung oder Studium. Damit reagiert die Landesregierung auf die veränderten Anforderungen einer digitalen Lebens- und Arbeitswelt und schafft für die Schülerinnen und Schüler eine zeitgemäße Grundlage für eine systematische und nachhaltige berufliche Orientierung. Das BIBB war bereits in der Entwicklungsphase der berufswahlapp maßgeblich beteiligt und begleitet das Projekt seitdem. Dafür danke ich Ihnen, der Einsatz hat sich ausgezahlt.“