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Fünf Jahre Allianz für duale Ausbildung in Lateinamerika und der Karibik

BIBB setzt Impulse für regionale Zusammenarbeit

Folie mit der Aufschrift: Conmemoración de los 5 años de la Alianza para la formación dual de América Latina y el Caribe, Debate: Aplicación del modelo dual en economías con alta informalidad

Mit einer virtuellen Jubiläumsveranstaltung feierte die Allianz für duale Ausbildung in Lateinamerika und der Karibik am 30. Juni 2026 ihr fünfjähriges Bestehen. Über 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Berufsbildungsinstitutionen, Ministerien, Sozialpartnern und Universitäten blickten auf die Entwicklung der Allianz zurück und diskutierten die Frage, wie duale Ausbildungsmodelle auch in Volkswirtschaften mit hohem Anteil informeller Beschäftigung erfolgreich umgesetzt werden könnten.

Als Mitinitiator begleitet das BIBB den Aufbau des regionalen Netzwerks seit 2021. Gemeinsam mit ILO/Cinterfor als Technischem Sekretariat und 17 Partnerinstitutionen entstand so eine Plattform, die Austausch, gemeinsames Lernen und die Weiterentwicklung dualer Berufsbildung in der Region ermöglichen sollte.

Fünf Jahre Zusammenarbeit als Grundlage für ein starkes Netzwerk

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Ein Video erinnerte an die prägenden Etappen seit 2021, bevor fünf institutionelle Stimmen unter dem Motto „Fünf Jahre Allianz: fünf Minuten, fünf Stimmen, fünf Botschaften“ die Entwicklung der Allianz aus ihren Perspektiven einordneten.

Meilensteine der Allianz – aus Perspektive des BIBB

Michael Wiechert, stellvertretender Abteilungsleiter „Internationale Berufsbildung“ im BIBB, führte aus, dass fünf Meilensteine den Aufbau des Netzwerks geprägt hätten: gewachsenes Vertrauen, die Koordinationsstruktur mit rotierender Präsidentschaft, eine gemeinsame Sprache, die geteilte Überzeugung vom Wert dualer Ausbildung und die zunehmende internationale Sichtbarkeit. Er erklärte, die Allianz sei bewusst als offenes Netzwerk angelegt worden – ein Raum für kontinuierlichen Austausch und gemeinsames Lernen. „Fünf Jahre später zeigt sich, dass die Allianz ein stabiler, vertrauenswürdiger und produktiver Raum für regionale Zusammenarbeit geworden ist“,

Drei Präsidentschaften – ein gemeinsamer Weg

Silvia Alejandra Guzmán Saldaña, Akademische Sekretärin von CONALEP (Mexiko) und Vertreterin der ersten Präsidentschaft (2021–2023), erläuterte, dass die Gründungsphase der Allianz von fünf Leitprinzipien geprägt gewesen sei: gemeinsames Lernen, Menschen im Mittelpunkt, duale Ausbildung als gesellschaftliche Chance, Talententwicklung und gemeinsame Verantwortung. „Die Unterschiede zwischen uns allen waren nie Hindernisse, sondern unsere größte Stärke“, sagte Guzmán und beschrieb damit den Geist, der die Allianz seit 2021 trägt.

Maira Morla Pineda, Direktorin von INFOTEP (Dominikanische Republik) und Präsidentschaft 2024, stellte dar, dass Qualität durch Zusammenarbeit entstehe, duale Ausbildung echten sozialen Dialog zwischen Staat, Unternehmen und Arbeitnehmerorganisationen benötige und moderne rechtliche Grundlagen – wie die ILO-Empfehlung 208 – unverzichtbar seien. Hinter jeder Zahl stehe ein Mensch, betonte Morla, und genau darin liege der eigentliche Sinn dualer Ausbildung: „Wenn wir zusammenarbeiten, entstehen nicht nur Programme – es entstehen echte Chancen für Menschen.“

Anna Beatriz Waehneldt, Leiterin für berufliche Bildung der nationalen Abteilung von SENAC (Brasilien) und Präsidentschaft 2025, führte aus, dass Digitalisierung, grüne Wirtschaft und neue Technologien flexible und zukunftsorientierte Ausbildungsmodelle erforderten. Sie erläuterte, dass in Brasilien bislang nur ein kleiner Teil der Jugendlichen an dualen Programmen teilnehme und hier großes Potenzial liege.

Zukunftsvision: Die Schaffung einer Autobahn des Wissens

Elena Montobbio, Direktorin von ILO/Cinterfor und Leitung des Technischen Sekretariats, formulierte, dass die Allianz wachsen, mehr Akteure einbinden, Erkenntnisse stärker in die Praxis überführen, mehr Jugendliche erreichen und ein regionaler Referenzpunkt bleiben solle. Sie beschrieb die Allianz mit einem kraftvollen Bild: „Die Allianz ist heute ein Referenzpunkt – morgen soll sie eine Autobahn des Wissens sein, auf der sich gute Praxis schnell verbreitet.“

Mit neuer Präsidentschaft in ein dynamisches Jahr

Mit der Übernahme der vierten Präsidentschaft durch SENATI im Jahr 2026 setze die Allianz diesen Weg mit neuer Dynamik fort. In der Koordinierungsgruppe verantworteten SENATI, ILO/Cinterfor und das BIBB gemeinsam die operative und strategische Steuerung.

Duale Ausbildung in Kontexten hoher Informalität

Im Mittelpunkt des zweiten Teils der Veranstaltung stand die Frage, wie duale Ausbildung in Volkswirtschaften mit hoher Informalität umgesetzt werden könne.

Jürgen Knoll, Abteilungsleiter des TZH Stade der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, erläuterte, wie kleine Betriebe trotz begrenzter Ressourcen duale Ausbildung realisieren könnten – etwa durch Kooperationsverbünde, regionale Netzwerke und die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU). Beratungsangebote, Matching-Formate und Förderinformationen erleichterten den Einstieg.

Maritza Huitrón, Koordinatorin für akademische Ressourcen (CONALEP, Mexiko), führte aus, dass der Ministerialerlass (Acuerdo Secretarial 28/11/25) klare Bedingungen für Lernorte definiere: rechtliche Registrierung, Infrastruktur und Ausbilderqualifikation. Sie berichtete, dass CONALEP ergänzend Kampagnen wie „Ingenia tu futuro“ und Programme wie „Rompiendo brechas“ umsetze, die Frauen in technischen Berufen fördern und Informationslücken schließen sollen.

Julio Surco, Präsident eines peruanischen KMU-Verbands, erläuterte, dass viele kleine Betriebe nicht über die notwendige technische Ausstattung verfügten. Kooperationen mit Berufsbildungsinstitutionen könnten diese Lücke schließen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Fazit

In der Abschlussdiskussion wurde deutlich, dass Informalität weiterhin eine zentrale strukturelle Hürde für duale Ausbildung in der Region darstellt. Berufsbildungsinstitutionen arbeiten daher zunehmend mit Unternehmen aller Größen zusammen, definieren Mindeststandards und erreichen auch vulnerable Gruppen, um Zugang und Qualität zu sichern.

Nach fünf Jahren hat sich die Allianz zu einer verlässlichen Plattform für Innovation und Erfahrungsaustausch entwickelt. Sie ermöglicht ihren Mitgliedern, Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln und die duale Berufsbildung in der Region voranzutreiben. Für das BIBB bleibt sie ein zentraler Baustein der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit

Das nächste Webinar findet am 12. August 2026 statt.