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Berufsbildung und Digitalisierung als Megathema vieler Veranstaltungen im Bundesgebiet

SchülerInnen arbeiten mit Laptops
© Picture-Factory - fotolia.de

In den letzten Wochen fanden eine Vielzahl von Veranstaltungen zum Thema Berufsbildung 4.0 statt. Dabei wurden wiederkehrend gleiche Herausforderungen deutlich: Veränderung der Ausbildungsgestaltung, Qualifizierung und Motivation des Ausbildungspersonals, Nutzung neuer Ausbildungsmittel und Medien. Von drei Veranstaltungen wird hier exemplarisch kurz berichtet.

In Soltau trafen sich zu Beginn des neuen Schul- und Ausbildungsjahres mehr als 120 Führungskräfte beruflicher Schulen aus Niedersachsen im Rahmen einer jährlich stattfindenden Veranstaltungsreihe. In diesem Jahr war Industrie 4.0 und die Konsequenzen für die Arbeit der Berufsschulen das Hauptthema. Dabei wurde auch an konkreten, vorgestellten Unterrichtsbeispielen diskutiert und nach Lösungen für die weitere Arbeit gesucht. Als Herausforderungen wurde beispielsweise erstens deutlich, dass die Digitalisierung als Thema in die gesamte Schulentwicklungsplanung gehört. Berufsschulen sind zweitens wichtiger Knotenpunkt in einem Netzwerk aus Ausbildungsbetrieben, zuständigen und staatlichen Stellen. Das Funktionieren dieses Netzwerkes ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Berufsschulen. Die Notwendigkeit von Veränderungen an den Berufsschulen wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern anerkannt. Offenkundig wurde aber auch, dass sich Schulen und Berufsschullehrer/innen in vielen Fällen zeitlich, organisatorisch und/oder inhaltlich von den Themen der Digitalisierung überfordert fühlen.

Der 18. Christiani-Ausbildertag am 28. und 29.09.2017 in Singen, durchgeführt mit Unterstützung des BIBB, stand unter dem Motto "BERUFLICH BILDEN – modern – alternativ – traditionell gut", natürlich bezogen auf die 4.0 Thematik. Höchst informativ war bereits im Rahmen der Eröffnung der Beitrag von German Denneborg, Ministerialdirigent, Leiter der Abteilung VI "Berufliche Schulen, Schulsport und Erwachsenenbildung" des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Er stellte dar, mit welchen Instrumenten in Bayern Schulen und Berufsschullehrer in ihrer Entwicklung, insbesondere auch herausgefordert durch die Digitalisierung, gefördert und gefordert werden. Beispielsweise gilt in Bayern für Berufsschullehrer/innen laut Denneborg der Nachweis eines Betriebspraktikums als eine Voraussetzung, um Führungsaufgaben an Schulen zu übernehmen. In einem von insgesamt zwölf Foren standen Zusatzqualifikationen als Möglichkeit der Weiterentwicklung der betrieblichen Ausbildung im Mittelpunkt. Die Referentinnen von ABB, k.o.s und BIBB stellten hier u.a. Zwischenergebnisse aus einer entsprechenden Pilotphase vor, die derzeit in Berlin läuft. Von BIBB-Seite wurde kurz über die geplante Änderungsverordnung der Metall- und Elektroberufe und der darin enthaltenen Absicht, Zusatzqualifikationen als Option in die Ausbildungsordnungen aufzunehmen, berichtet. Aufschlussreich war außerdem eine im Rahmen des Forums durchgeführte Befragung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu folgenden zwei Fragen (siehe Abb. 1 und 2).

Deutlich wird an den Ergebnissen, welch wichtige Rolle die Neubeschaffung von Ausstattung und Ausbildungsmitteln in den Unternehmen einnimmt, die dann jeweils ein Hebel für weitere Maßnahmen ist. Der alle zwei Jahre stattfindende Ausbilder- und Prüfertag der IHK München und Oberbayern, stattgefunden am 10.10.2017 in Fürstenfeldbruck, brachte mehr als 450 Interessierte zusammen. Den einführenden Fachvortrag im Plenum hielt Dieter Omert, Leiter Berufsausbildung und berufliche Kompetenzentwicklung der Audi AG. Er berichtete u.a., wie sich bei Audi durch die Einführung von Tablets die Ausbildung verändert. Eines der sich anschließenden fünf Foren hatte zum Ziel, Impulse für ein Update 4.0 der betrieblichen Ausbildung zu geben und wurde durch Gert Zinke (BIBB) gestaltet. An den beiden Durchläufen nahmen mehr als 120 Ausbildungsverantwortliche aus sehr verschiedenen Wirtschaftsbereichen und Unternehmen (nach Betriebsgrößen) teil. Sie erhielten nach einem kurzen fachlichen Input zu quantitativen und qualitativen Wirkungen der Digitalisierung auf die Berufsbildung Gelegenheit zur Diskussion in einem Worldcafé. Sie konnten in zwei Runden zu zwei der folgenden sechs Fragen diskutieren, sich austauschen, wichtige Punkte dokumentieren und Anregungen mitnehmen:

  1. Wie überprüfen Sie die Passgenauigkeit ihrer Ausbildung auf den betrieblichen Bedarf?
  2. Welche Akteure sollten bei der Weiterentwicklung ihrer betrieblichen Ausbildung einbezogen sein?
  3. Was ist für Ausbilder/innen Motivation, an der Weiterentwicklung ihrer betrieblichen Ausbildung mitzuwirken?
  4. Wie kann ich als Ausbildungsverantwortlicher Veränderungen auslösen (Impulsgeber)?
  5. Mit welchen Initiativen können Sie z.B. Fähigkeiten zum selbständigen Handeln in digitalisierten Produktions- oder Dienstleistungsprozessen fördern?
  6. Woran messen Sie die Qualität Ihrer Ausbildung?

Es kamen sehr intensive Austausche zustande, die viele Anregungen auslösten. Deutlich wurde, dass die Beteiligten motiviert sind, sich dem Thema zu stellen, dass jedoch dafür eine systematische, schrittweise und längerfristige Herangehensweise notwendig ist, die nach Möglichkeit auch von außen begleitet werden sollte, z.B. durch ein Coaching.