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„Denkraum“: Zukunft der Ausbildung in der Industrie

BIBB-Workshop erprobt neues Kommunikationsformat zum Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Praxis

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Durch die fortschreitende Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt dynamisch, Lehr- und Lernmethoden wandeln sich, die Arbeitswelt wird mobiler. Dies stellt neue Anforderungen an die duale Berufsausbildung in Industrieunternehmen. Wie wird in diesem Bereich die duale Berufsausbildung in zehn Jahren aussehen? Wie wird sich der Trend des „New Work“ widerspiegeln? Welche Anforderungen an die Ausbildungs- und Lernkultur stellen sich?

Um derartige Fragestellungen eingehender zu untersuchen, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ein neues Kommunikationsformat mit dem Titel „Denkraum“ eingeführt. Unter Beteiligung von Ausbildungsleiterinnen und -leitern aus der Industrie, Akteuren der Wissenschaft sowie Expertinnen und Experten aus dem BIBB war das Ziel dieser ersten Veranstaltung, mit Hilfe ausgewählter Kreativitätsmethoden das Thema „Zukunft der Ausbildung in der Industrie“ aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, Erfahrungen aus innovativen Unternehmen auszutauschen und erste mögliche Weichenstellungen für die Zukunft zu diskutieren. Etwa 40 ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehreren Industriezweigen, aus großen und mittelständischen Betrieben sowie aus DAX- und familiengeführten Unternehmen nahmen an der Veranstaltung teil.

Als vorläufige Ergebnisse wurde festgehalten:

  • Den Auszubildenden als Kunden wertschätzen: Als hilfreich im Workshop erwies sich ein mehrfacher Perspektivenwechsel. Anhand der Blindstorming-Methode kamen zum Beispiel in Geschichten unterschiedliche Auszubildende zu Wort. In der anschließenden Diskussion wurde der Frage nachgegangen, was sich Auszubildende 2028 im Hinblick auf ihre Ausbildung wünschen. Hierzu wird es nach Auffassung der Teilnehmenden notwendig sein, sich intensiver als bisher mit der Lebenswirklichkeit von Auszubildenden vertraut zu machen und ein engagiertes Marketing zu betreiben.
  • Der Ausbilder als Coach: Einig waren sich die Teilnehmenden auch darin, dass sich die Rolle des Ausbildungspersonals noch stärker vom Praxisanleiter hin zum Lernprozessbegleiter, Mentor oder Coach weiterentwickeln wird. Auch die Berufsschullehrerinnen und -lehrer wurden verstärkt in dieser Rolle gesehen. In Zukunft komme es darauf an, Motivation zu vermitteln, Lernprozesse anzustoßen und das nötige Know-how zu vermitteln, um sich Informationen zu erschließen und neue Kommunikationswege zu öffnen.
  • Ausbildung vom Ende denken: Gemeint ist damit eine bewusste Gestaltung individueller Karrierewege und Spezialisierungsmöglichkeiten innerhalb der beruflichen Bildung – vom Auszubildenden bis zur hochqualifizierten Fachkraft beziehungsweise zum Experten auf der Grundlage einer soliden Basisqualifizierung.
  • Lernortkooperation und Lernergebnisse: Die Digitalisierung und die Chancen der Vernetzung sowie die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Ausbildungsgestaltung könnte nach Auffassung der Teilnehmenden sowohl die Abstimmung zwischen den Lernorten als auch die Dokumentation von Lernergebnissen wesentlich verändern und so individualisierte Lernwege unterstützen.
  • „Identität stiften“: Berufsausbildung 2028 muss aus Sicht der Teilnehmenden bei allen Beteiligten ein gemeinsames Bewusstsein schaffen und „Identität stiften“. Weitere Attribute waren in diesem Zusammenhang „individuell, sozial, digital“. In Arbeitsgruppen entwickelten die Teilnehmenden mögliche Projektideen zur Umsetzung, die sich auch auf der Systemebene auswirken könnten.

Bilanzierend hielt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser fest, dass das neue Workshop-Format sich als ein lohnendes Instrument erweisen könne, um den Wissenschafts-Politik-Praxis-Dialog zu bereichern, weil darin ein enormes Kreativitäts-, Transfer- und Kommunikationspotenzial enthalten sei.

Die während des Workshops gemeinsam mit den Unternehmen und der Wissenschaft entwickelten Ideen und Vorschläge werden in die weitere Arbeit des BIBB einfließen.