Über nachhaltige Partnerschaften: Berufsbildung, Wirtschaft und Innovation
Interview mit Professor Sello Mokoena, University of South Africa, anlässlich des BILT Bridging Events in Südafrika.
29.04.2026
Beim BILT Bridging Event, 19.–21. Mai 2026 in Umhlanga, Südafrika steht die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft im Fokus. Im Interview erläutert Professor Sello Mokoena von der University of South Africa, wie Kooperationen mit Unternehmen praxisnahe Ausbildung stärken und Innovationen hervorbringen.
Wie kann die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft für eine praxisnahe Ausbildung gestärkt werden? Welche Innovationen entstehen in Kooperation mit Unternehmen? Antworten darauf liefert das BILT Bridging Event vom 19.–21. Mai 2026 in Umhlanga, Südafrika.
Im Rahmen der BMBFSFJ-Initiative „Towards a Global TVET Agenda“ (TGTA) organisiert UNESCO-UNEVOC die internationale Konferenz gemeinsam mit den drei südafrikanischen UNEVOC-Zentren University of South Africa (UNISA), der Durban University of Technology (DUT) und JET Education Services. Das TGTA-Team im BIBB unterstützt die Veranstaltung fachlich.
Auf der Konferenz mit dem Titel “Advancing TVET through industry partnerships and innovation” werden praxisnahe Ansätze – von arbeitsbasiertem Lernen über Micro-Credentials bis hin zu KI-gestütztem Lehren und Lernen – vorgestellt und diskutiert, wie diese gemeinsam mit Unternehmen entwickelt und umgesetzt werden können.
Das Interview gibt einen Einblick in die Themen und soll Lust machen, ausgewählte Vorträge im Livestream zu verfolgen.
Sello Mokoena – Als Professor im Department of Education Leadership and Management an der University of South Africa (UNISA) engagiert sich Sello Mokoena seit 2008 in Lehre, Forschung und akademischer Nachwuchsförderung. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in Shared Leadership, Change Management, Fernunterricht und E-Learning. Er betreut Master- und Promotionsprojekte und verbindet Forschung mit praxisorientierten Bildungsprojekten, insbesondere im Bereich Capacity Building an TVET Colleges
UNISA- Neue Gastgeberin im UNEVOC-Netzwerk
Ein besonderes Highlight: Die University of South Africa feierte im März 2026 ihre Einweihung als UNEVOC-Zentrum – und nur wenige Wochen später übernimmt UNISA bereits eine zentrale Rolle als Gastgeberin des 2026 BILT Bridging Events.
Mit ihrer über 150-jährigen Geschichte zählt UNISA zu den weltweit führenden Institutionen im Bereich des offenen Fern- und e-Lernens (CODeL). Als Gastgeberin bringt sie ihre Erfahrung in digitaler Bildung, Forschung und internationaler Zusammenarbeit in die Konferenz aktiv ein.
„Berufsbildung muss zeigen, dass sie echte Perspektiven schafft“
BILT: Herr Prof. Mokoena, warum ist das Konferenz-Thema „Advancing TVET through industry partnerships and innovation“ gerade jetzt besonders relevant?
Prof. Sello Mokoena: „Dieses Thema ist hochaktuell, weil sich Berufsbildungssysteme in Südafrika und auf dem gesamten Kontinent verändern müssen. Neue Technologien, dynamische Arbeitsmärkte und sich wandelnde Qualifizierungsanforderungen stellen bestehende Modelle infrage. Es reicht nicht mehr aus, sich auf eine Ausbildung im Klassenzimmer zu konzentrieren. Berufsbildung muss beweisen, dass sie relevante, arbeitsbasierte und innovationsgetriebene Lernwege anbieten kann, um echte Beschäftigungsperspektiven für junge Menschen zu schaffen."
Für Prof. Mokoena ist deshalb der 2024 in Südafrika erfolgte Übergang zu den vom Quality Council for Trades and Occupations (QCTO) zentral gesteuerten praxisnahen Qualifikationen ein wichtiger Schritt. Dennoch bestehen Herausforderungen: Viele Einrichtungen arbeiten weiterhin daran, nachhaltige Partnerschaften mit Unternehmen aufzubauen, um Praxisphasen für die Auszubildenden zu sichern und neue Technologien (z.B. KI) systematisch in Lehr- und Lernprozesse zu integrieren.
Für mich bietet das BILT Bridging Event eine große Chance, diese Entwicklungen und Potentiale im internationalen Austausch zusammenzuführen und Berufsbildung stärker als Motor für Industrialisierung und Transformation zu positionieren – im Einklang mit der Agenda 2063 der Afrikanischen Union.
Prof. Sello Mokoena
Globale Zusammenarbeit als Schlüssel für zukunftsfähige Systeme
BILT: Welche Rolle spielt das Event im Kontext einer globalen Agenda für die Berufsbildung?
Prof. Sello Mokoena: „Das BILT Bridging Event schafft einen Raum, in dem politische Entscheidungsträger, Unternehmen und Forschende voneinander lernen. Wir diskutieren nicht abstrakt über Reformprozesse: wir machen konkrete Beispiele gemeinsamer Entwicklungen mit dem Privatsektor und funktionierende Modelle arbeitsbasierten Lernens, digitale und KI-basierte Lehr- und Lern-Instrumente sowie regionale Partnerschaften sichtbar, die globale Debatten und zukünftige Partnerschaften beeinflussen können.“
Als zentrale Priorität für eine globale Berufsbildungsagenda sieht Prof. Mokoena die nachhaltige Verankerung von Kooperationen zwischen Berufsbildung und Wirtschaft:
„Wenn diese Partnerschaften nur projektbasiert bleiben, lassen sich arbeitsbasiertes Lernen und Innovation nicht im notwendigen Umfang skalieren. Was wir brauchen, sind stabile Rahmenbedingungen und Anreizsysteme.“
Starke Partner in Südafrika: UNISA, DUT und JET Education Services
BILT: UNISA organisiert die Veranstaltung gemeinsam mit der Durban University of Technology und JET Education Services. Was macht diese Zusammenarbeit besonders?
Prof. Sello Mokoena: „Jede Organisation bringt ihre eigenen Stärken ein: UNISA bringt seine Erfahrung im offenen und digitalen Lernen ein, DUT steht für praxisnahe und technologieorientierte Ausbildung, und JET Education Services ergänzt dies durch fundierte Expertise in Forschung und Systementwicklung. Mit unserer gemeinsamen Veranstaltung verzahnen wir die Perspektiven politischer Steuerung, praktischer Umsetzung und wissenschaftlicher Begleitung.
Uns ist wichtig, dass das Event nicht mit der letzten Session endet. Gemeinsam mit unserem Partner JET wollen wir die Ergebnisse – von Fallstudien bis zu konkreten Empfehlungen – in einem discussion paper so aufbereiten, dass sie in nationale, regionale und globale Diskussionen einfließen und dort weiterwirken.“
Innovation und Praxis im Fokus des Programms
BILT: Worauf freuen Sie sich im Programm besonders?
Prof. Sello Mokoena: „Ich freue mich besonders auf die Diskussionen darüber, was nachhaltige Partnerschaften zwischen Berufsbildungsinstitutionen und der Wirtschaft ausmacht – also Fragen zu politischen Rahmenbedingungen, Anreizsystemen und Qualitätssicherung im arbeitsbasierten Lernen. Gleichzeitig bin ich gespannt, wie Programme gemeinsam mit Unternehmen entwickelt werden – insbesondere im Hinblick auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Qualifizierungsformate wie Micro-Credentials.“
Impulse für die Zukunft der Berufsbildung
Das BILT Bridging Event in Durban wird zu einem zentralen Treffpunkt für Dialog, Vernetzung und gemeinsames Lernen über Regionen hinweg. Ziel ist es, konkrete Impulse für die Weiterentwicklung von Berufsbildungssystemen und Berufsbildungspraxis zu setzen: hin zu nachhaltiger und innovativer Zusammenarbeit zwischen (Berufs-)Bildung und Wirtschaft.
Das BIBB freut sich, mit der Veranstaltung die Partnerschaften im UNEVOC Netzwerk zu stärken – und gemeinsam mit UNESCO-UNEVOC und den südafrikanischen UNEVOC-Zentren einen Beitrag zu Kernthemen der Initiative „Towards a Global TVET Agenda“ zu leisten.