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Viele Gründe zu feiern

Fachtagung „5 Jahre Anerkennungsgesetz – gelernt ist gelernt!“

v.l.: Schweitzer (DIHK), Sen (NDR), Wanka (BMBF), Wollseifer (ZDH)© Anerkennung in Deutschland/BIBB

Am 21. Juni 2017 fand in der Akademie der Künste in Berlin die Fachtagung „5 Jahre Anerkennungsgesetz – gelernt ist gelernt!“ statt. Höhepunkt war neben den Ergebnissen der unabhängigen Evaluation die Verleihung des Unternehmenspreises „Wir für Anerkennung“.

Viel Lob für das Anerkennungsgesetz

Bundesbildungsministerin Wanka©BMBF/Hans-Joachim Rickel

In ihrer Eröffnungsrede hob Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka die gesellschaftliche Bedeutung der Anerkennung beruflicher Abschlüsse hervor. Der Wohlstand in Deutschland hänge auch davon ab, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Mit Blick auf die demographische Entwicklung sagte Wanka: „Was sich hier entwickelt, ist nicht leicht zu kompensieren. Deswegen ist das Thema Fachkräfte ganz grundlegend.“ Lobend hob die Ministerin die hohen Erfolgszahlen bei den Anerkennungsverfahren hervor. „Die geringe Ablehnungsquote ist ein Qualitätssiegel für die Beratung.“ Ein weiterer Fortschritt sei die Möglichkeit der Auszahlung eines Anerkennungszuschusses von bis zu 600 Euro für Berufstätige, die eine Anerkennung anstreben.

Verbesserungspotenzial sieht Wanka bei der Verwaltungspraxis in den Bundesländern. Diese sei „sehr unterschiedlich“, insbesondere im Bereich der Gesundheitsberufe. „Wir brauchen bundesweit einheitliche Prozesse“, lautete der Appell der Bundesministerin an die Länder. Die Einrichtung der Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe bei der Zentralstelle für Ausländisches Bildungswesen (ZAB) sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber noch nicht aus. „Die Behörden der Länder müssen entsprechend ausgestattet sein. Es ist sehr wichtig, dass die diesbezüglichen Zusagen der Länder umgesetzt werden“, so die Bundesbildungsministerin. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten sieht Wanka bei der Vermarktung des Themas „Anerkennung“. Insbesondere sei es jetzt wichtig, dass Betriebe umfassender über die Möglichkeiten der Berufsanerkennung aufgeklärt werden, wie beispielsweise durch das BMBF-Förderprojekt „Anerkannt“ des DGB-Bildungswerks und das Projekt „Unternehmen Berufsanerkennung“ von DIHK und ZDH.

BA-Vorstandsvorsitzender Scheele für mehr Aktivität im Ausland

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, hob in seiner Rede die sehr gute Arbeitsmarksituation in Deutschland hervor. Es gäbe keine Anzeichen dafür, dass sich dies in nächster Zeit ändern würde. Vielmehr stelle sich derzeit die Frage, wie die vielen benötigten Stellen überhaupt besetzt werden könnten. Um Zuwanderern eine schnellere Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, schlug Scheele vor, Teile des Anerkennungsverfahrens direkt vom Ausland aus zu ermöglichen. „Zum Beispiel kann man Teile des deutschen Spracherwerbs ins Ausland verlegen“, so Scheele. Damit könne verhindert werden, dass Zuwanderer, die bereits in Deutschland sind, längere Wartezeiten für Sprachkurse hätten, während derer sie kein eigenes Einkommen generieren könnten und zugleich keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung hätten.

Evaluation: Anerkennung wirkt. Bekanntheit weiter steigern!

Auf der Fachtagung wurden auch die Ergebnisse der unabhängigen Evaluation der Wirkung des Anerkennungsgesetzes durch Dr. Stefan Ekert von der Firma InterVal GmbH und Dr. Christa Larsen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) vorgestellt. Die Beauftragung und fachliche Begleitung erfolgte durch das Anerkennungsmonitoring beim BIBB. Die Evaluatoren bescheinigten den Anerkennungsverfahren eine hohe Wirksamkeit. Es gebe kaum ein Prozedere in der deutschen Verwaltungslandschaft, das besser funktioniere: „Es ist ein Verfahren, das wirklich angekommen ist“, resümiert Ekert. Insbesondere profitierten Angehörige sogenannter Drittstaaten, also Menschen von außerhalb der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraumes, sowie Fachkräfte mit nicht reglementierten Berufen vom Anerkennungsgesetz. Auch das Ziel einer der Qualifikation angemessenen Beschäftigung sei erreicht worden, und habe zu einer guten Integration in den Arbeitsmarkt, zu besseren Arbeitsverträgen und zu besseren Einkommen geführt. „Die qualifikations-adäquate Beschäftigung hat um ein Vielfaches zugenommen“, so Ekert. Christa Larsen hob weiterhin die überproportional steigende Anzahl von Anträgen aus dem Ausland hervor. Empfohlen wurde von den Evaluatoren eine „Verstetigung von Maßnahmen zur Steigerung der Bekanntheit“ der Anerkennung, insbesondere über soziale Netzwerke. Auch sollten Betriebe aus Bereichen mit Fachkräftemangel noch besser informiert werden.

Unternehmenspreis „Wir für Anerkennung“ verliehen

Erstmalig wurde bei der Fachtagung der vom BMBF-Förderprojekt „Unternehmen Berufsanerkennung“ organisierte Unternehmenspreis „Wir für Anerkennung“ verliehen. Zusammen mit dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Dr. Eric Schweitzer und Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), wurden die Preise durch Bundesbildungsministerin Wanka an Unternehmen verliehen, die berufliche Anerkennung in ihren Unternehmen vorbildlich integriert haben. Einig war man sich in der gemeinsamen Podiumsdiskussion darüber, dass Anerkennung in Unternehmen noch bekannter werden muss. DIHK-Präsident Eric Schweitzer sah hier zwar eine Verbesserung in der Bekanntheit der Anerkennung, die in der Zwischenzeit bei 55 Prozent liege. „Das ist aber immer noch zu wenig“, sagte Schweitzer. Hans Peter Wollseifer vom ZDH sieht nicht nur die Anerkennung von bereits in Deutschland ansässigen Interessenten als wichtigen Baustein: „Die Anerkennung von Fachkräften, die schon da sind, ist ein kleiner Mosaikstein. Wir möchten auch noch weitere Menschen in Drittstaaten anwerben.“