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Vom Ideenwettbewerb zum Entwicklungsprojekt

Ideenwettbewerb – Der Startschuss zur Förderung von Kompetenzzentren

Gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Entwicklungen gaben in den 1990er Jahren den Anlass einen intensiven Diskurs über die hieraus folgenden bildungspolitischen Konsequenzen zu führen. Als entscheidende Einflussfaktoren konnten damals der rasant voranschreitende technologische Wandel, der Übergang von der Industrie- in die Wissensgesellschaft sowie von der Produktions- in die Dienstleistungsgesellschaft, die Globalisierung im Wirtschaftsraum und damit verbundene Änderungen in der Arbeitsorganisation ausgemacht werden. Aber auch die zunehmende Flexibilisierung, Modularisierung und Akkreditierung von Teilkompetenzen in der beruflichen Bildung insbesondere im europäischen Raum, erforderten ein Handeln.

So galt es, zur Sicherung der Aus- und Weiterbildung in der Zukunft, die Berufsbilder mit diesen neuen Anforderungen zu konfrontieren und diese entsprechend weiter zu entwickeln. Dies galt auch hinsichtlich der Weiterentwicklung überbetrieblicher Berufsbildung.

Der hieraus resultierende Wandel von der Angebots- zur Nachfrageorientierung, von der raumgebundenen zur -ungebundenen Bildungsdienstleistung, die zudem individuelle betriebliche Interessen stärker berücksichtigt, erforderte mehr Kooperation und Kommunikation sowie die Eröffnung neuer Perspektiven für die überbetrieblichen Berufsbildungszentren. Und nicht zuletzt galt es auch, Herausforderungen zu begegnen, die sich durch die Auswirkungen aufgrund demografischer Entwicklungen ergaben und aktuell auch immer noch ergeben.

Umsetzung des Ideenwettbewerbes

Diese hier beschriebenen Einflussfaktoren gaben den Anlass, die bisher durchgeführte ÜBS-Förderpraxis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) weiterzudenken. So wurde im September 1998 der Ideenwettbewerb unter dem Motto „Weiterentwicklung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und Technologietransferzentren zu Kompetenzzentren“ im Bundesanzeiger Nr. 164 ausgeschrieben.
Im Ergebnis eines nun folgenden zweistufigen Ideenwettbewerbs starteten im Jahr 2001 sieben der neun prämierten Preisträger mit der Umsetzung ihrer Konzeption und Projektidee. Der so gegeben Startschuss für die nun folgende zukünftige Förderung von ÜBS, mit dem Ziel der Weiterentwicklung zu einem Kompetenzzentrum, war gegeben. In der Folge wurde neben dem bisherigen Schwerpunkt der Bundesförderung zur Investition in die Modernisierung der bestehenden ÜBS auch die Förderung von Kompetenzzentren umgesetzt.

Ziel der Kompetenzzentren-Förderung

Originäre Aufgabe von ÜBS, die sich zu einem Kompetenzzentrum weiterentwickeln, bleibt es, die Ausbildung sowie Fort- und Weiterbildung durchzuführen. Darüber hinaus sind Kernprozesse zu etablieren. Hierfür sind ein innovatives Bildungsmanagement, welches die Entwicklung von neuen Lehr- und Lernkonzepten für die überbetriebliche Bildung einschließt, die Konzeption mediendidaktischer Szenarien aber auch innovative Ansätze zur Verbesserung der Lernortkooperation Beispiele. Desweitern gilt es, Informations- und Demonstrationsdienstleistungen, Strategien des Innovations- und Technologietransfers sowie die Etablierung eines Qualitätsmanagements der Bildungsprozesse sicher zu stellen. Kompetenzzentren sind auch mit der Anwendung und Vermarktung neuer Technologien und Verfahren vertraut.

Um ein Kompetenzzentrum zukünftig zu einer „lernenden Organisation“ wachsen zu lassen, die dieses Ziel erreicht, sind im Laufe der Projektentwicklung zahlreiche Anforderungen zu erfüllen, die in neun Handlungsfeldern definiert sind und künftige dynamische Entwicklungen ohne staatliche Förderung ermöglichen sollen.

Handlungsfelder künftiger Kompetenzzentren:

Kennzeichen von Kompetenzzentren

Kennzeichnend für Kompetenzzentren, die sich dem Förderkonzept des BMBF entsprechend entwickeln, sind folgende Aspekte:

  • Sie haben eine überregionale Wirkkraft als „Leuchttürme“ mit einem fachlichen Schwerpunkt.
  • Sie sind berufspädagogische Leitzentren.
  • Sie entwickeln und integrieren innovative Qualifizierungskonzepte für die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) und die Fort- und Weiterbildung in den ÜBS in aufeinander abgestimmten aber unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten und leisten so einen Beitrag zur Modernisierung beruflicher Bildung.
  • Das ausbildende Personal weist ein hohes Qualifikationsniveau auf und setzt in den Lehrgängen moderne Ausbildungsmethoden um.
  • Kompetenzzentren kooperieren eng mit den Lernorten Betrieb, Berufsschule und den überbetrieblichen Einrichtungen und leisten somit in besonderer Weise einen Beitrag zur Lernortkooperation. Zudem nutzen sie regionale Netzwerke in der Zusammenarbeit mit Hochschulen, Forschungsinstituten und anderen Bildungsträgern.
  • Sie erfassen durch Monitoring technologische Entwicklungen frühzeitig und überprüfen sie hinsichtlich ihres Transfers und der Vermittlung in der Aus- und Fortbildung in Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMU). Sie sind ein Ort des Technologietransfers in die KMU.
  • Sie widmen sich der Integration des Betriebs- und Qualitätsmanagement sowie des Marketings aber auch des Umweltmanagements und der Arbeitssicherheit in die Aus- und Weiterbildung.
  • Sie kooperieren und verzahnen sich mit der allgemeine Betriebsberatung und binden andere Zentren und Beratungsstellen mit ein, um dort nicht vorhandenes Knowhow zur Verfügung zu stellen.

Zukünftige Herausforderungen von Kompetenzzentren

Zur Sicherung und Entwicklung der Qualität in Aus- und Weiterbildung und zur Gewährleistung der Anpassung überbetrieblicher Berufsbildung an zeitgemäße Anforderungen können Kompetenzzentren einen großen Beitrag leisten. So gilt es beispielsweise vor dem Hintergrund des derzeit prognostizierten Fachkräftebedarfes, der sich unter anderem auch durch demografische Entwicklungen ergibt, zukünftig durch entsprechende qualitativ hochwertige Angebote die überbetriebliche Berufsbildung weiter zu sichern. Aber auch der Wandel in der überbetrieblichen Bildung aufgrund sich ändernder Bildungsmärkte, Bildungskooperationen mit internationalen Partnern oder einer zunehmenden Akademisierung, erfordern eine stetige Anpassung der berufspädagogischen Konzepte. Diese können und sollen auch durch Kompetenzzentren erarbeiteten werden und aus den Erkenntnissen von Forschung und Entwicklung resultieren, um so einen Beitrag für eine moderne und kundenorientierte Berufsbildungsdienstleistung zu leisten. So soll es gelingen, als Ergebnisse der Förderung von Kompetenzzentren Bildungsprodukte zu entwickeln, die zur Weiterentwicklung beruflicher Bildung im Allgemeinen und überbetrieblicher Berufsbildung im Speziellen beitragen. Dabei agieren Kompetenzzentren immer unter Beteiligung der Wirtschaft, vertreten durch ihre Verbände und Spitzenorganisationen.

Durch die Stärkung dieses wichtigen Lernortes beruflicher Bildung in Deutschland, gelingt es, technologische Innovationen und moderne Dienstleistungen in klein- und mittelständischen Unternehmen verwertbar zu machen.