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Herausforderungen beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf: Die Rolle von Berufsorientierungen und sozialen Kontexten

Matthias Siembab

Gegenstand der Dissertation ist der Übergang von der Schule in den Beruf, der in Übereinstimmung mit neueren Tendenzen in der Übergangsforschung als Aufruf an die Entscheidungs- und Handlungsmacht junger Menschen – ihre individuelle Agency – betrachtet wird. Die zentralen Teilfragestellungen der Arbeit sind:

  1. Wie gestalten sich die individuellen Entschei­dungs­prozesse junger Menschen mit Blick auf Berufswahl und Ausbildungs­ver­läu­fe?
  2. Wie bewältigen sie den Übergang aus subjektiver Perspektive?

Dabei wird besonders berücksichtigt, dass diese Entscheidungs- und Bewältigungsprozesse stets in soziale Kontexte eingebettet sind, die die individuellen Handlungsspielräume junger Menschen strukturieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass junge Menschen über konkrete Vorstellungen ihrer beruflichen Zukunft verfügen und bewusste Entscheidungen treffen, etwa bei der Wahl eines Ausbildungsberufs oder bei einem potenziellen Ausbildungswechsel oder -abbruch. Diese Ent­schei­dungen sind jedoch wesentlich durch soziale und institutionelle Kontexte strukturiert. Dazu zäh­len insbesondere (a) gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie die Stra­tifizierung des Bildungssystems und die Berufsstruktur des Arbeitsmarktes, (b) der sozio-kul­turelle Kontext, der mit spezifischen Berufs- und Geschlechter­rollen­vor­stellun­gen ver­bunden ist sowie (c) Einflüsse aus dem nahen sozialen Umfeld, etwa durch Eltern, Peers oder Freunde/Freundinnen. Darüber hinaus prägen institutionelle und soziale Kontexte auch die subjektive Wahrnehmung, Bewertung und Bewältigung des Übergangs. Ins­besondere eine mangelnde Passung zwischen Individuum und beruflichem Kontext können mit geringerer Lebenszufriedenheit und der Entscheidung zum Ausbildungswechsel oder -abbruch einhergehen.

Insgesamt stützt die Arbeit ein integratives Verständnis von Struktur und Agency am Übergang Schule–Beruf und leistet einen Beitrag zur soziologischen Erforschung früher Übergangsphasen.

Veröffentlichungen daraus

Siembab, M. (2024). Parents, Friends, and Classmates: Reference Groups and Dropout from Vocational Education and Training in Germany. Empirical Research in Vocational Education and Training, 16(21), 1–27.
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Beckmann, J., Wicht, A. & Siembab, M. (2023). Career Compromises and Dropout from Vocational Education and Training in Germany. Social Forces, 102(2), 658–680.
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Wicht, A. & Siembab, M. (2022). Ethnic Differences in Gender-Typical Occupational Orientations among Adolescents in Germany. Social Inclusion, 10(2), 290–301.
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Siembab, M. & Wicht, A. (2020). Schulformen und geschlechtstypische Berufsorientierungen: Jugendliche am Ende der neunten Klasse zwischen Gelegenheitsstrukturen auf dem Arbeitsmarkt und schulspezifischen Berufsaspirationen. Zeitschrift für Soziologie, 49(2-3), 183–199.
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Siembab, M. & Stawarz, N. (2019). How Does Life Satisfaction Change During the Transition from School to Work? A Study of Ninth and Tenth-Grade School-Leavers in Germany. Journal of Happiness Studies, 20(1), 165–183.
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