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Junge Menschen im Ausbildungsgeschehen (Auge)

Systematische Indikatorenbeschreibung

Name

Junge Menschen im Ausbildungsgeschehen (Auge)

Kernaussage (am Beispiel des Berichtsjahrs 2009)

Im Jahr 2009 befinden sich

  • 62,0 % der Wohnbevölkerung im Alter von 15 - 19,
  • 42,7 % der Wohnbevölkerung im Alter von 20 - 24,
  • 51,7 % der Wohnbevölkerung im Alter von 15 - 24 und
  • 51,1 % der 16-jährigen  Wohnbevölkerung

in Angeboten des Ausbildungsgeschehens. (Datenstand 30.06.2011)

Zugang zu den aktuellen Daten

Aktualität

Die Daten zum Berichtsjahr stehen im Oktober/November des Folgejahres zur Verfügung.

Bedeutung für die berufliche Bildung

Der Indikator zeigt an,

  • wie groß der Anteil der jungen Menschen (im jeweiligen Alter) ist, der die Angebote des Ausbildungsgeschehens nutzt,
  • gibt Hinweise auf die unterschiedlichen Personengruppen im Ausbildungsgeschehen, woraus sich ein konkreter Förderbedarf ableiten lässt und 
  • beschreibt vergangene und aktuelle Entwicklungen.

Bezugsgrößen

Zähler:
Personen (Bestände) in den Sektoren des Ausbildungsgeschehens der iABE im Alter von 16 Jahren:

  • Berufsausbildung,
  • Integration in Berufsausbildung (Übergangsbereich),
  • Hochschulreife und
  • Studium.

Nenner:
Personen im Alter von 16 Jahren in der Wohnbevölkerung

Anmerkung zur Bezugsgröße

Der Indikator kann entweder pro Altersjahr (z. B. 16-Jährige) oder gruppiert (z. B. 15- bis 19-Jährige) berechnet werden.
Während sich im Alter von 14 Jahren noch nahezu alle Jugendlichen in der Sekundarstufe I der allgemeinbildenden Schule befinden, beginnen die ersten Jugendlichen mit 15 Jahren eine Qualifizierung (14 %). Deshalb wird das Alter 15 Jahre als Untergrenze der Überlegungen mit einbezogen. Da z. B. die Förderung vieler Maßnahmen im Sektor Integration bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres läuft, erscheint hier eine Altersbegrenzung sinnvoll.
Im Alter von 19 Jahren haben nahezu alle Jugendlichen die Sekundarstufe I der allgemeinbildenden Schulen verlassen (99,7 %). Deshalb steht die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen bei vielen Bildungsberichterstattungen im Fokus, z. B. der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" oder den international vergleichenden ELLI-Indikatoren der Bertelsmann-Stiftung  und ist somit international anschlussfähig.

Berechnungsformel



Berechnungsformel: (Jugendliche im Ausbildungsgeschehen (16 Jahre))/(Wohnbevölkerung (16 Jahre))*100

(Jugendliche im Ausbildungsgeschehen (16 Jahre))/(Wohnbevölkerung (16 Jahre))*100

Mögliche Differenzierungen

  • Berichtsjahr (ab 2005)
  • Alter (15-29 Jahre)
  • Geschlecht
  • Sektor
  • Konto
  • alte und neue Länder

Datenquellen

Integrierte Ausbildungsberichterstattung (iABE):

  • Statistik Berufliche Schulen (Destatis)
  • Personalstandstatistik (Destatis)
  • Förderstatistik (BA)
  • Statistik der allgemeinbildenden Schulen (Destatis)
  • Hochschulstatistik (HIS)
  • Bevölkerungsfortschreibung (Destatis)

Stichtag/Betrachtungszeitraum

Der Indikator ist stichtagbezogen. Die Stichtage variieren zwischen den (Bildungs-)Konten, je nach Datenquelle. Auch innerhalb der Konten, welche durch die "Statistik Berufliche Schulen" abgebildet werden, variieren die Stichtage. Die Stichtage aller genutzten Statistiken liegen in der zweiten Jahreshälfte (vgl. DESTATIS 2011, S. 40)

Durch die unterschiedlichen Stichtage kann es sowohl zu Übererfassung (Mehrfachzählung), als auch zu Untererfassung (Nicht-Zählung) kommen. Beispielsweise werden Jugendliche zweimal gezählt, wenn sie sich im Oktober in einer dualen Berufsausbildung befinden, diese abbrechen und im Dezember desselben Jahres eine Einstiegsqualifizierung (EQ) starten: Im Konto duale Berufsausbildung und im Konto EQ. Andererseits werden Jugendliche nicht erfasst, die sich im Januar in einer EQ befinden und diese im Juni abschließen, weil der Stichtag für EQ-Maßnahmen am Jahresende liegt.

Hinweise zur Güte des Indikators

Inhaltliche Grenzen
Der Indikator spiegelt die Teilhabe am Ausbildungsgeschehen ("Kernbereich " der iABE) wider. Konten "außerhalb des Kernbereichs" wie die Branchen- und unternehmensspezifische Berufsausbildung sowie die Berufsausbildungsvorbereitung nach §§ 1 Abs. 2 und § 68 ff. BBiG oder die Jugendberufshilfe (§ 13 Abs. 2 KJHG) werden nicht berücksichtigt, weil derzeit keine belastbaren Daten zur Verfügung stehen. Auch die Teilhabe an besonderen Maßnahmen für junge Menschen mit Behinderung (BA) wird aus Gründen der Vergleichbarkeit mit dem Bildungsbericht Deutschland sowie zur Vermeidung von Doppelzählungen nicht berücksichtigt.

Es ist zu beachten, dass sich ein Großteil der Jugendlichen - insbesondere in den jüngeren Altersklassen - noch in Allgemeinbildung (Sek. I) befindet. Mit steigendem Alter wächst der Anteil der jungen Menschen, die über eine abgeschlossene Qualifizierung verfügen.

Grenzen der Datenbasis
Die iABE greift auf Daten unterschiedlicher Quellen zurück, die zum Teil unterschiedliche Stichtage verwenden. Hierdurch kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass junge Erwachsene in unterschiedlichen Konten gezählt und bei den Bestandszahlen doppelt erfasst werden. Gleichzeitig ist es möglich, dass es zu einer Untererfassung (Nicht-Zählung) kommt (vgl. Stichtag/Betrachtungszeitraum).

Grenzen der Berechnung
Die Quote kann dadurch verzerrt werden, dass junge Menschen mit Wohnsitz im Ausland als Bestand im Zähler erfasst werden, nicht aber im Nenner . Da die iABE den Wohnort der jungen Menschen im Ausbildungsgeschehen nicht erfasst, können Pendlerbewegungen nicht berücksichtigt werden. Pendler/-innen können die Quote für einzelne Regionen verzerren, denn sie werden als Teil des Ausbildungsgeschehens am Lernort gezählt, bei der Wohnbevölkerung jedoch am Ort des Hauptwohnsitzes. Deshalb wird die Quote auf Ebene der Bundesländer nicht berechnet. 

Sonstige Interpretationshinweise / Häufig gestellte Fragen

Wer wird gezählt?
Im sogenannten "Bestand" werden

  • junge Menschen erfasst, die ihre Qualifikation gerade erst begonnen haben (z. B. 1. Ausbildungsjahr),
  • solche, die sich bereits einige Zeit in Qualifizierung befinden (z. B. 2. Ausbildungsjahr) sowie
  • diejenigen, die beinahe am Ende ihrer Qualifizierung stehen (z. B. 3. Ausbildungsjahr).

Wer wird nicht gezählt?

  • Personen, die Bildungsangebote außerhalb des sogenannten Kernbereichs der iABE wahrnehmen (vgl. Hinweise zur Güte des Indikators).
  • Personen, die nicht in die gewählte Altersgruppe  fallen.
  • Personen, die aufgrund der Stichtagszählung nicht erfasst werden (vgl. Stichtag/Betrachtungszeitraum).

Es wäre also falsch zu sagen, dass sich z. B. 51,1 % der 16- Jährigen im Jahr 2009 in formaler Bildung befanden, weil nur ein Teil der formalen Bildung erfasst wird. Der Indikator "FormBild" (vgl. 3.3) hingegen erfasst zusätzlich die Sektoren Sekundarstufe I und Weiterbildung.

Hat die Dauer der Qualifizierung einen Einfluss auf den Indikator?
Aufgrund der Stichtagszählung werden alle jungen Menschen i. d. R. (vgl. Stichtage) nur einmal erfasst, sowohl diejenigen, die an einer mehrjährigen Qualifikation teilnehmen (z. B. duale Berufsausbildung) als auch diejenigen, die sich in unterjährigen Maßnahmen befinden (z. B. EQ).

Wie ist sichergestellt, dass junge Menschen in unterjährigen Maßnahmen erfasst werden?
Da das Ausbildungsjahr im September beginnt und bis Dezember auch die unvermittelten Ausbildungsplatzbewerber alternativ eingemündet sein sollten, wurde der Stichtag für Maßnahmen der BA am Jahresende gewählt. Die Wahrscheinlichkeit der Untererfassung (Nicht-Zählung) ist hierdurch als gering einzustufen (vgl. Stichtag/Betrachtungszeitraum).

Welche Auswirkungen haben demografische Schwankungen?
Demografische Schwankungen sind kontrolliert, da der Bezug immer auf die Alterskohorten in der Wohnbevölkerung hergestellt wird. Sich verändernde Bevölkerungsstrukturen fließen demnach immer direkt in die Berechnung mit ein.
Durch die Fokussierung auf eine Altersgruppe (z. B. 15- bis 24- Jährige) können demografische Ereignisse jedoch ein- bzw. ausgeblendet werden (siehe unten).

Welchen Einfluss hat die Wahl der Altersgruppe auf den Indikator?
Die Wahl der Altersgruppe bestimmt die Ergebnisse des Indikators. Beispiele für verschiedene Altersgruppen sind (2009):

  • Teilnehmende am Ausbildungsgeschehen 15- bis 19-J.
    (2.676.139 /4.317.072 = 62,0 %)
  • Teilnehmende am Ausbildungsgeschehen 20- bis 24-J.
    (2.107.818 /4.934.457 = 42,7 %)
  • Teilnehmende am Ausbildungsgeschehen 15- bis 24-J.
    (4.783.957 /9.251.529 = 51,7 %)
  • 16-jährige Teilnehmende am Ausbildungsgeschehen
    (420 466 /823.424 = 51,1 %)

Datenstand: iABE 30.06.2011, Bevölkerungsfortschreibung 27.04.2011

Können Bildungsverläufe dargestellt werden?
Bildungsverläufe können nicht dargestellt werden. Hierfür sind personenbezogene Individualdaten in Verbindung mit einer Identifikationsnummer erforderlich. Auf Basis von Pseudokohortenverläufen können jedoch erste Hinweise auf Bildungsverlaufsmuster gewonnen werden.

Auszug aus: Dionisius, Regina; Lissek, Nicole; Schier, Friedel: Beteiligung an beruflicher Bildung - Indikatoren und Quoten im Überblick. - Bonn, 2012
(Wissenschaftliche Diskussionspapiere / Bundesinstitut für Berufsbildung ; 133)

Literaturhinweise

  • Zentrale Veröffentlichungen
    SCHIER, FRIEDEL; DIONISIUS, REGINA; LISSEK, NICOLE: Integrierte Ausbildungsberichterstattung - Bildungsstatistik und Indikatorensystem. Laufend. 2010. - URL: http://indikatorik.bibb.de
  • BAMMING, RUTH; SCHIER, FRIEDEL: Ausbildungsberichterstattung - Mehr Transparenz durch einen integrierten Ansatz. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis 39 (2010) 1, S. 39 42
  • BUNDESINSTITUT FÜR BERUFSBILDUNG (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2011: Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung [HTML-Version]. 2011. - URL: http://datenreport.bibb.de [letzter Zugriff: 01-07-2011]
  • DIONISIUS, REGINA; LISSEK, NICOLE; SCHIER, FRIEDEL: Einmündungen im Übergangsbereich rückläufig. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis 40 (2011) 4, S. 4 5
  • STATISTISCHE ÄMTER DES BUNDES UND DER LÄNDER (DESTATIS): Qualitäts- und Ergebnisbericht - Integrierte Ausbildungsberichterstattung. Wiesbaden 2011
  • STATISTISCHES BUNDESAMT: Schnellmeldung integrierte Ausbildungsberichterstattung - Anfänger im Ausbildungsgeschehen nach Sektoren/Konten und Ländern - 2010. Wiesbaden 2011