Duale Berufsbildung als Antwort auf den Wandel der Arbeitswelt
Auftakt der Webinarreihe 2026 der Allianz für duale Ausbildung in Lateinamerika und der Karibik
25.06.2026
Der Wandel der Arbeitswelt stellt Berufsbildungssysteme weltweit vor neue Anforderungen. Welche Antworten duale Modelle darauf geben und welche Ansätze Institutionen in Lateinamerika entwickelt haben, zeigte das erste Webinar 2026 der Allianz anhand von drei Länderbeispielen.
Die Arbeitswelt von morgen ist von technologischem Wandel, künstlicher Intelligenz, demografischen Verschiebungen und der Notwendigkeit des Übergangs zu nachhaltigeren Wirtschaftsmodellen geprägt. Welche Rolle die duale Ausbildung dabei spielen kann - und wie sie aufgestellt sein muss, um tragfähige Fachkräftestrategien in diesem Transformationsprozess zu ermöglichen – bildete den Schwerpunkt der ersten Veranstaltung in der Webinarreihe 2026 der Allianz für duale Ausbildung in Lateinamerika und der Karibik am 28. Mai.
Über 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Berufsbildungsinstitutionen, Wirtschaft und internationalen Organisationen nahmen an der Veranstaltung teil, die unter der neuen Präsidentschaft des peruanischen Berufsbildungsinstituts SENATI stattfand.
Als Referenzinstitution begleitet das BIBB die Allianz seit ihrer Gründung und unterstützt gemeinsam mit dem Technischen Sekretariat ILO/Cinterfor den regionalen Erfahrungsaustausch zur Weiterentwicklung praxisnaher Berufsbildungssysteme. In ihrem Grußwort betonte Ilona Medrikat, Projektleiterin im BIBB, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Berufsbildungsinstitutionen und Sozialpartnern ein zentraler Erfolgsfaktor dualer Ausbildung sei, weil sie es erleichtere, technologische Trends früh zu erkennen, in Qualifizierungsstrategien zu übersetzen und jungen Menschen den Übergang von der Ausbildung in die Beschäftigung zu erleichtern.
Vielfalt dualer Modelle in der Region – gemeinsame Entwicklungsaufgaben
Im Mittelpunkt des Webinars standen drei Länderbeispiele, die verdeutlichten, wie unterschiedlich duale Ausbildung in der Region ausgestaltet wird und welche gemeinsamen Herausforderungen bestehen.
Das nationale Berufsbildungsinstitut Perus, SENATI, stellte seine langjährige Erfahrung mit einer eng an den Bedarfen der Industrie orientierten dualen Ausbildung vor. Wesentliche Elemente sind kompetenzorientierte Curricula, die aktive Beteiligung der Unternehmen an der Ausbildung sowie strukturierte Verfahren zur Begleitung der Lernprozesse im Betrieb und in den Bildungszentren.
INFOTEP, das nationale Institut für technische und berufliche Bildung der Dominikanischen Republik, stellte sein Modell vor, das in tripartistischer Verantwortung praxisorientierte Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme für Unternehmen und Lernende organisiert. Staat, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gestalten die duale Ausbildung gemeinsam und verstehen sie als Instrument zur Entwicklung von Fachkräften und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die systematische Verbindung von Lernen im Bildungszentrum und im Betrieb bildet dabei das Fundament des Ansatzes.
UTU (Generaldirektion für technische Berufsbildung) aus Uruguay, eine zentrale öffentliche Institution für technische und berufliche Bildung, die landesweit praxisnahe Ausbildungsgänge entwickelt und durchführt, zeigte, wie duale Elemente schrittweise in das öffentliche Berufsbildungssystem integriert werden. Dabei werden bestehende Bildungsgänge an die Möglichkeiten der Unternehmen angepasst und Kooperationen zwischen Schulen, Betrieben und Lernenden gezielt ausgebaut. Ziel ist es, berufliche Handlungskompetenz in realen Arbeitsprozessen zu fördern und gleichzeitig die Verantwortung aller beteiligten Akteure zu stärken.
Trotz unterschiedlicher institutioneller Voraussetzungen wurde in allen Beiträgen deutlich, dass duale Ausbildung einen wichtigen Beitrag leisten kann, die Passung zwischen beruflicher Bildung und Arbeitsmarkt zu verbessern. Praxisnahe Lernprozesse erleichtern jungen Menschen den Übergang in Beschäftigung und unterstützen Unternehmen dabei, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.
Gleichzeitig wurden Herausforderungen benannt, die viele Länder der Region teilen. Dazu gehören die stärkere Einbindung kleiner und mittlerer Unternehmen, die Qualifizierung betrieblicher Ausbilderinnen und Ausbilder, die Sicherung der Ausbildungsqualität sowie der Ausbau belastbarer Partnerschaften zwischen Bildungsinstitutionen, Wirtschaft und weiteren Akteuren. Darüber hinaus wurden Fragen der Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion sowie die Bedeutung einer evidenzbasierten Evaluation dualer Ausbildungsprogramme hervorgehoben.
Austausch als Motor regionaler Weiterentwicklung
Das Webinar machte deutlich, dass es kein einheitliches Modell dualer Ausbildung gibt. Vielmehr entstehen in den Ländern Lateinamerikas und der Karibik unterschiedliche Lösungen, die sich an den jeweiligen wirtschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen orientieren. Der kontinuierliche Austausch innerhalb der Allianz bietet hierfür eine wichtige Plattform, um Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und die Weiterentwicklung dualer Berufsbildung in der Region gemeinsam voranzubringen.
Mit der Webinarreihe 2026 setzt die Allianz ihre Arbeit fort, den Dialog zwischen Berufsbildungsinstitutionen, Politik, Sozialpartnern und Unternehmen zu stärken. Als Referenzinstitution wird das BIBB diesen Austausch weiterhin fachlich begleiten und seine Expertise zur Entwicklung qualitativ hochwertiger dualer Berufsbildung einbringen.
Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 30. Juni statt – gleichzeitig das Datum des fünfjährigen Jubiläums der Allianz für duale Ausbildung Lateinamerika und Karibik.