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Digitalisierung führt zu Kompetenzlücken – und schöpft Potenziale aus

Neue BIBB-Studie untersucht, wie digitale Technologien die Beziehung zwischen Kompetenzen von Beschäftigten und Arbeitsanforderungen beeinflussen

15.07.2026

Die Digitalisierung schafft nicht nur neue Qualifizierungsbedarfe. Eine aktuelle Studie zeigt, dass digitale Technologien auch dazu beitragen können, vorhandene Kompetenzen besser einzusetzen. Daraus ergeben sich wichtige Impulse für Politik und Praxis.

Frau in Businesskleidung springt über eine Hürde mit der Aufschrift 'SKILL GAP'

Die Einführung neuer digitaler Technologien am Arbeitsplatz verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch die Passung zwischen den Kompetenzen von Beschäftigten und den Anforderungen ihrer Tätigkeit. Eine aktuelle Studie von BIBB-Forscherin Ana Santiago-Vela, veröffentlicht in der Fachzeitschrift New Technology, Work and Employment, zeigt: Digitale Technologien gehen einerseits mit zunehmenden Kompetenzlücken einher, können andererseits aber dazu beitragen, vorhandene Kompetenzen von Beschäftigten besser einzusetzen.

Die Studie untersucht die fähigkeitsbezogene Passung im Kontext der Digitalisierung am Arbeitsplatz und analysiert darüber hinaus Unterschiede je nach Digitalisierungsintensität der Betriebe in Wirtschaftszweigen. Für die Analysen wurden Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung und dem BIBB-Qualifizierungspanel verknüpft. Somit zeigt die Studie auf, wie die Forschung zum technologischen Wandel davon profitieren kann, wenn sie mit Literatur zu fähigkeitsbezogener Passung ergänzt wird. Dadurch kann Digitalisierung nicht nur als Prozess der Aufgabenersetzung, sondern auch als Treiber einer dynamischen Transformation der Passung zwischen Kompetenzanforderungen und vorhandenen Kompetenzen am Arbeitsplatz verstanden werden.

Höhere Anforderungen am Arbeitsplatz – bessere Nutzung vorhandener Kompetenzen

Die Ergebnisse zeigen zwei gegenläufige Entwicklungen: Werden neue digitale Technologien eingeführt, nehmen Kompetenzlücken bei Beschäftigten zu – und das trotz Weiterbildung. Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass vorhandene Kompetenzen von Beschäftigten ungenutzt bleiben. Digitale Technologien können somit dazu beitragen, vorhandene Potenziale stärker in die Arbeit einzubringen.

Vor allem in Branchen, deren Betriebe bislang vergleichsweise niedrige Digitalisierungsintensität aufweisen, scheint die Einführung neuer Technologien vorhandene, bisher ungenutzte Kompetenzen besonders wirksam zu aktivieren. Hingegen zeigt sich der mit neuen Technologien einhergehende Anstieg von Kompetenzlücken in allen Branchen unabhängig von deren Digitalisierungsintensität.

Digitalisierung differenziert betrachten

Die Ergebnisse knüpfen an aktuelle Diskussionen über Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Fachkräftesicherung. Sie verdeutlichen, dass digitale Transformation nicht ausschließlich zusätzlichen Qualifizierungsbedarf erzeugt, sondern auch vorhandene Kompetenzen besser zur Geltung bringen kann. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Arbeit gestaltet wird und in welchem Umfang Technologien dazu beitragen, vorhandene Kompetenzen produktiv einzusetzen. Damit erweitert die Studie die häufig defizitorientierte Debatte um Weiterbildungsbedarfe: Entscheidend ist nicht nur, ob Erwerbstätige weitergebildet werden, sondern auch, wie Technologien Arbeitsanforderungen verändern und welche Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz entstehen.

Für Politik und Praxis bedeutet dies: Strategien zur Qualifizierung sollten stärker mit der Gestaltung von Arbeit, der Einführung neuer Technologien und betrieblichem Lernen verknüpft werden. Während Unterstützung bei der Kompetenzanpassung branchenübergreifend erforderlich bleibt, verspricht ein Fokus auf weniger digitalisierte Branchen eine bessere Nutzung vorhandener Kompetenzen.