Digitales Ausbilden im Alltag: Wie MIKA Lernen und Arbeiten verbindet
19.10.2026
Digitale Medien allein machen noch keine gute Ausbildung. Der Fachbeitrag „Lernen im Übergang“ zeigt am Beispiel von MIKA, wie Ausbildende digitale Kompetenzen entwickeln und neue Lernformen unmittelbar in ihren Ausbildungsalltag übertragen können.
Die Digitalisierung verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch das Lernen in der beruflichen Bildung. Ausbilderinnen und Ausbilder begleiten zunehmend Übergänge zwischen analogen und digitalen Arbeitsumgebungen, zwischen verschiedenen Lernorten sowie zwischen Lernen und Arbeiten.
Ein aktueller Fachbeitrag des BIBB beschreibt am Beispiel des Projekts MIKA – Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal, welche Anforderungen sich daraus für die Professionalisierung des betrieblichen Ausbildungspersonals ergeben und wie diese in arbeitsplatznahe Weiterbildungsangebote überführt werden können. Grundlage sind etablierte Kompetenzmodelle sowie Erfahrungen aus der Entwicklung und Umsetzung von MIKA.
Digitale Kompetenz ist mehr als technische Anwendung
Ein zentraler Ausgangspunkt des Beitrags: Technische Ausstattung und die Fähigkeit, digitale Anwendungen zu bedienen, reichen für lernförderliches digitales Ausbilden nicht aus. Entscheidend ist, digitale Medien passend auszuwählen, didaktisch sinnvoll einzusetzen und ihren Einsatz zu reflektieren.
MIKA verbindet deshalb die Entwicklung von Medien- und IT-Kompetenz mit konkreten Aufgaben aus dem Ausbildungsalltag. In den berufsbegleitenden Weiterbildungen wechseln sich Präsenzveranstaltungen, Webinare und digitale Selbstlernphasen ab. Eine Projektarbeit begleitet den gesamten Lernprozess. Dabei entwickeln die Teilnehmenden beispielsweise Erklärvideos, digitale Aufgabenstellungen oder Quizformate für ihre eigene Ausbildungspraxis.
Der Transfer in den Betrieb ist damit Bestandteil der Weiterbildung und erfolgt nicht erst nach deren Abschluss.
Digitale Werkzeuge unterstützen den Praxistransfer
Ergänzt werden die Weiterbildungen durch verschiedene digitale Angebote. Auf dem MIKA-Campus können sich Teilnehmende mit Lernbausteinen auf die Seminarphasen vorbereiten. Das MIKA-Game vermittelt unter anderem Inhalte zu Datenschutz, Medienreflexion und zum Umgang mit digitalen Informationen.
Mit MIKA-Do steht zudem eine DSGVO-konforme digitale Pinnwand zur Verfügung, auf der Lern- und Arbeitsmaterialien erstellt, strukturiert und gemeinsam genutzt werden können. Das Angebot wird derzeit weiterentwickelt. Geplant sind unter anderem zusätzliche Möglichkeiten zur lernortübergreifenden Zusammenarbeit sowie KI-gestützte Funktionen für die Erstellung und didaktische Aufbereitung von Materialien.
Zusammenarbeit über Lernorte hinweg
Mit MIKA-OER wird der Ansatz auf die Zusammenarbeit von Betrieb, Berufsschule und überbetrieblichen Bildungsstätten ausgeweitet. Im Mittelpunkt stehen offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER), die gemeinsam entwickelt, genutzt und weiterbearbeitet werden können.
Damit verbindet das Projekt die Qualifizierung des Berufsbildungspersonals mit der Lernortkooperation: Materialien entstehen nicht ausschließlich für einen einzelnen Lernort, sondern können gemeinsam entwickelt und für unterschiedliche Ausbildungskontexte genutzt werden.
Mehr als 100 Partnerinstitutionen beteiligt
Seit dem bundesweiten Rollout kooperieren nach Angaben des Projekts mehr als 100 Partnerinstitutionen mit MIKA, darunter Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, soziale Einrichtungen und Unternehmen. An mehr als 20 Standorten haben bislang über 400 Ausbilderinnen und Ausbilder an MIKA-Weiterbildungen teilgenommen. Zudem wurden mehr als 170 MIKA-Trainerinnen und -Trainer qualifiziert.
Der Beitrag verdeutlicht damit, wie wissenschaftlich fundierte Kompetenzmodelle in arbeitsplatznahe Weiterbildungsangebote übertragen werden können. Für digitales Ausbilden kommt es dabei nicht allein auf neue Technologien an, sondern insbesondere auf die Fähigkeit des Ausbildungspersonals, diese sinnvoll in Lern- und Arbeitsprozesse einzubinden.